Hochschulstart: So kommen Sie zum Studienplatz

Ohne Hochschulstart kein Hochschulstart. Das klingt grenzdebil, beschreibt aber die Sachlage genau. Denn der Weg zum Studienplatz, zum Beispiel in Medizin, führt nur über Hochschulstart, die Plattform der Stiftung für Hochschulzulassung. Hier entscheidet sich, ob sie Ihren Wunsch-Studienplatz bekommen oder nicht. Und zwar nicht nur in den medizinischen Fächern. Auch Bachelor-Plätze von Mathematik bis Psychologie werden deutschlandweit mehr und mehr durch die ZVS-Nachfolgerin verteilt…

Hochschulstart: So kommen Sie zum Studienplatz

Was macht Hochschulstart?

Hochschulstart ist eine Plattform der Stiftung für Hochschulzulassung (SfH). Diese dürfte vielen noch unter ihrem alten Namen bekannt sein, bis 2008 firmierte sie als Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS).

Mit der Serviceplattform Hochschulstart koordiniert die SfH die Vergabe von Studienplätzen in Deutschland. Dabei wendet sie ein Verfahren an, das als Dialogorientiertes Serviceverfahren (DoSV) bezeichnet wird.

Für Studieninteressierte wichtig: Nicht jede Bewerbung läuft über Hochschulstart. Hochschulstart vergibt ausschließlich Plätze für…

  • örtlich zulassungsbeschränkte grundständige Studiengänge (Bachelor-Fächer)
  • bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge (medizinische Fächer)

Geplant ist, dass sich alle Universitäten Deutschlands an diesem Verfahren beteiligen, da es ihnen dabei helfen soll, möglichst alle freien Studienplätze zu besetzen. De facto waren bis zum Sommersemester 2017 von über 400 Hochschulen erst 135 im System erfasst, also gerade mal ein Drittel.

Welche Hochschulen zum Wintersemester 2018/19 am DoSV teilnehmen, erfahren Sie HIER.

Welche Studienplätze vergibt Hochschulstart?

An Hochschulstart definitiv NICHT vorbei kommen Bewerber für die Fächer…

  • Medizin
  • Tiermedizin
  • Zahnmedizin
  • Pharmazie

Das sind die vier bundesweit zulassungsbeschränkten Studienfächer. Kandidaten müssen sich zwingend über hochschulstart.de für einen Studienplatz bewerben (zu den genauen Auswahlkriterien später mehr).

Daneben koordiniert Hochschulstart vermehrt auch die Vergabe grundständiger Studiengänge für die Universitäten, also die Bachelor-Fächer. Nach eigenen Angaben beteiligen sich mittlerweile über 150 Standorte mit 1.500 Studiengängen an dem Verfahren.

Das bedeutet für Bewerber: Sie müssen vorab recherchieren, ob Ihr Wunschfach an Ihrer Wunschuni zulassungsbeschränkt ist, also einen Numerus clausus aufweist.

Ist dies der Fall, gilt als Nächstes herauszufinden, ob die Bewerbung über hochschulstart.de läuft – oder eben direkt über die Uni. Mittlerweile bietet Hochschulstart sogar die Möglichkeit, sich für zulassungsfreie Fächer zu bewerben.

Beispielhaft für das Dickicht, durch das Bewerber sich mitunter kämpfen müssen, sei die Uni Saarbrücken genannt. Die Übersicht finden Sie hier. Viele Unis handhaben es mittlerweile so, dass alle zulassungsbeschränkten Bachelor-Studiengänge über Hochschulstart vergeben werden – zum Beispiel die Uni Münster.

Die Uni Köln wiederum wickelt aktuell 34 Bachelor-Studiengänge über Hochschulstart ab, darunter so verschiedene Fächer wie Biologie, Mathematik, Medienwissenschaften, Psychologie, VWL und Wirtschaftsinformatik.

Wie bewerbe ich mich bei Hochschulstart?

Von den bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern – Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin, Pharmazie – müssen Sie sich zunächst für eines entscheiden. Mehrfach-Bewerbungen werden nicht akzeptiert. Allerdings können Sie mehrere Standorte angeben, an denen Sie gerne studieren würden.

Konkret registrieren Sie sich zunächst online auf der Seite hochschulstart.de. Sie…

  • wählen Nutzernamen und Passwort…
  • …und loggen sich unter „Meine Daten“ ein, wo Sie Ihre persönliche Identifizierungsnummer und Authentizifierungsnummer finden.
  • Mit diesen beiden Nummern bewerben sie sich im Online-Bewerbungsportal für Ihren Wunschstudienplatz – oder Ihre Wunschstudienplätze. Mediziner bewerben sich über das Bewerbungsportal Anton.
  • Die Bewerbungsanträge drucken Sie aus, unterschreiben Sie, stecken sie zusammen mit den erforderlichen Unterlagen in einen Umschlag und schicken sie an Hochschulstart.
  • Im Folgenden können Sie im Bewerbungsportal Ihre Bewerbungen online verwalten, ein Studienplatzangebot zum Beispiel (verbindlich) annehmen – oder ablehnen.

Welche Unterlagen benötige ich für meine Bewerbung?

Für die Bewerbung benötigen Sie Ihren Personalausweis und Ihre Hochschulzugangsberechtigung, also im Regelfall das Abiturzeugnis. Den Zulassungsantrag füllen Sie am Rechner aus, drucken ihn aus und unterschreiben ihn.

Die Hochschulzugangsberechtigung müssen Sie in amtlich beglaubigter Kopie dem Zulassungsantrag beilegen. Das Ganze schicken Sie an eine der beiden folgenden Adressen:

  • hochschulstart.de
    44128 Dortmund
  • hochschulstart.de
    Sonnenstraße 171
    44137 Dortmund

Achtung: Amtlich beglaubigen können Behörden und andere öffentliche Stellen, die ein Dienstsiegel führen. Auch Beglaubigungen von Notaren und öffentlich-rechtlich organisierten Kirchen akzeptiert Hochschulstart.

Nicht anerkannt werden hingegen Beglaubigungen von Rechtsanwälten, Vereinen, Wirtschaftsprüfern, Buchprüfern, Sachverständigen, Gutachtern oder Übersetzern.

Die amtliche Beglaubigung muss enthalten:

  • Beglaubigungsvermerk
  • Unterschrift des Beglaubigenden
  • Abdruck des Dienstsiegels

Auch müssen Sie sämtliche Unterlagen in deutscher Sprache einreichen. Es sei denn, die Dokumente sind in englischer oder französischer Sprache verfasst. Dafür gelten Ausnahmeregelungen. Für Dokumente in anderen Sprachen brauchen Sie dagegen eine amtliche Übersetzung.

Wer kann sich bewerben?

Bewerben können sich bei Hochschulstart unter anderem…

  • Deutsche Staatsbürger
  • Bildungsinländer
  • Studenten, die in einem anderen Fach eingeschrieben sind oder waren
  • Zweitstudienbewerber
  • Studenten, die außerhalb Deutschlands eingeschrieben sind oder waren
  • Gasthörer
  • Studenten einer Fachhochschule, die wechseln wollen
  • Studienbewerber ohne Abitur

Eine genaue Auflistung finden Sie hier.

Nach welchen Kriterien vergibt Hochschulstart die Studienplätze?

Für die Vergaben der Studienplätze in Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie gibt es drei Kriterien:

  • Abiturbestenquote

    20 Prozent der Studienplätze werden an die Abiturbesten vergeben (Numerus clausus). Dabei konkurrieren Sie ausschließlich mit den Bewerbern, die im gleichen Bundesland Abitur gemacht haben.

  • Wartezeitquote

    20 Prozent der Studienplätze werden nach Wartezeit vergeben. Als Wartezeit gelten die seit dem Abitur verstrichenen Halbjahre. Studienzeiten werden nicht dazugerechnet.

  • Hochschulquote

    60 Prozent der Studienplätze vergeben die Hochschulen nach eigenen Kriterien. Dabei wird meist wieder die Abitur-Note herangezogen, oder Einzelnoten, fachspezifische Aufnahmetests, Auswahlgespräche, eine absolvierte Berufsausbildung oder die Ortspräferenzen der Bewerber. Sie können bei ihrer Bewerbung maximal sechs Universitäten nennen, an denen Sie gerne studieren würden.

Zu beachten ist: Der Numerus clausus ist keine statische Größe. Er ändert sich in jedem Fach von Semester zu Semester. Das ist insbesondere auch für die grundständigen Bachelor-Fächer wichtig. So weichen die verlangten Noten für die einzelnen Fächer an den Hochschulen teils stark voneinander ab.

Bewerber sollten also vorab die aktuellen NC-Werte in ihrem Wunschfach einholen, um die eigenen Chancen realistisch einschätzen zu können. Wer beispielsweise einen NC von 1,0 hat, wird sehr wahrscheinlich am Auswahlverfahren der Abiturbestenquote teilnehmen.

Allerdings hat auch eine sehr gute Abiturnote keinerlei Einfluss auf die Ortspräferenz – mit anderen Worten: Ihr Studienplatz kann an einer anderen als Ihrer ursprünglich favorisierten Universität sein.

Medizin: Was passiert bei zu hohem NC?

Ganz gleich, für welches der bundesweit zulassungsbeschränkten Fächer Sie sich interessieren: Je besser Ihre Abiturnote, desto besser Ihre Aussichten. Doch was tun, wenn der eigene Notendurchschnitt nicht für den NC reicht? Dann werden Sie wohl Wartesemester einlegen müssen.

Allerdings sollten Sie gut planen, was Sie in dieser Zeit machen, denn für Humanmedizin ist im Schnitt eine Wartezeit von sage und schreibe 14 (!) Semestern, also sieben Jahren, einzukalkulieren. Das Gemeine: Sie können auch kein anderes Fach in der Zwischenzeit studieren, das vielleicht inhaltlich dem Wunschfach nahekommt, sonst wird die Zeit nicht als Wartezeit angerechnet.

An dieser Stelle muss auch mit einem weit verbreitetem Gerücht aufgeräumt werden: Nämlich dem, dass sich die Abiturnote je Wartesemester um 0,1 Punkte verbessere. Dies ist leider unwahr.

Sie haben aber einige Alternativen, die Sie anstelle eines Studiums wählen können und die Ihnen angerechnet werden:

  • Ausbildung
  • Work and Travel
  • Wehrdienst
  • Zivildienst
  • FSJ (freiwilliges soziales Jahr)
  • FÖJ (freiwilliges ökologisches Jahr)

Für Leute, die Medizin studieren wollen, sind natürlich weder sieben Jahre Zivildienst noch sieben Jahre reisen um den Globus eine ernsthafte Alternative. Um die Wartezeit bei angehenden Medizinern zu verkürzen, stehen noch folgende Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Ausland

    Sie absolvieren einfach ein Auslandsstudium. Auf Deutsch ist das beispielsweise in Österreich oder Ungarn möglich. Auf Englisch können Sie Medizin in Großbritannien, Lettland, Polen und Tschechien studieren. Der Vorteil: Solange Sie innerhalb der Europäischen Union studieren, werden Ihre Leistungen in Deutschland laut Bundesärztekammer anerkannt.

  • Bundeswehr

    Sie absolvieren Bundeswehrstudium. Die Bundeswehr kooperiert bei den bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern mit zivilen Hochschulen. Weil die Ausbildung allerdings so lang und der Andrang hoch ist, müssen Sie sich bei einem Medizinstudium für 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten.

  • Test

    Es gibt noch die Möglichkeit je nach Hochschule verschiedener Auswahlverfahren. Diese können Auswahlgespräche oder Tests beinhalten. Zu den bekanntesten Medizinertests gehören der Test Medizinische Studiengänge (TMS) und der Hamburger Naturwissenschaftstest (HAM-Nat). Der TMS ist bereits mit medizinisch relevanten Inhalten gespickt und verlangt von der Testperson einiges an kognitiven Fähigkeiten. Der HAM-Nat hingegen besteht aus 80 Multiple-Choice-Fragen, für die der Studienplatzbewerber 120 Minuten hat. Wer also nicht über die Abiturbestennote einen Studienplatz bekommen hat, kann über den bestandenen TMS oder HAM-Nat sein Studium beginnen – allerdings wird auch hierzu oftmals nach einem bestimmten Abiturschnitt verfahren.

  • Privathochschule

    Wer über das nötige Kleingeld verfügt, kann die Wartezeit für ein Medizinstudium ebenfalls ordentlich abkürzen: Mit einem Studium an einer privaten Hochschule. Die Investition kann sich dennoch lohnen, denn dafür ist die Ausstattung sehr gut, die Betreuung durch Dozenten ist deutlich besser als an einer Massenuni.

BWL, Jura, Psychologie: Wie wird bei örtlichem NC verfahren?

Liegt eine örtliche Zulassungsbeschränkung auf einem Studienfach, so ist dies ein Hinweis darauf, dass es mehr Bewerber als Studienplätze gibt – die Universitäten und Hochschulen schieben daher einen Riegel vor. Um herauszufinden, ob Ihr Studienwunsch zulassungsbeschränkt ist, haben sie verschiedene Möglichkeiten.

Sie recherchieren auf der Seite der jeweiligen Hochschule: Das ist allerdings recht aufwendig und mühsam, da jede Hochschule ihre Seite anders gestaltet hat. Deutlich bequemer gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Studienfach nebst Bedingungen über die Seite Hochschulkompass.

Als nächstes müssen Sie in Erfahrung bringen, ob Ihr Studiengang am Dialogorientierten Serviceverfahren teilnimmt. Ist dies nicht der Fall, sind weitere Erkundigungen über die Hochschule einzuholen. In diesem Fall müssen Sie sich direkt dort beziehungsweise parallel zu weiteren Unis, die am DoSV teilnehmen, bewerben.

Nimmt Ihr Studienwunsch hingegen am DoSV teil, müssen Sie wie bei den bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern ein Benutzerkonto bei Hochschulstart anlegen.

Anschließend können Sie bis zu zwölf Studienwünsche angeben. Dabei können Sie eine Priorisierung vornehmen und die Bewerbungen bei Hochschulstart so ordnen, dass eine von Ihnen bevorzugte Reihenfolge entsteht.

Im Verlauf des Bewerbungsverfahrens prüft die Hochschule, ob Sie die jeweiligen Auswahlkriterien erfüllen. Ihnen wird dann gemäß Ihrer Angaben zu den Studienwünschen ein Angebot unterbreitet. Dieses können Sie annehmen oder warten, bis Ihnen von Ihrer Liste ein anderes Angebot unterbreitet wird, das eher Ihren Vorstellungen entspricht.

Hier muss bei den Wünschen und Priorisierungen aufgepasst werden: Geben Sie beispielsweise zwölf Hochschulen ohne besonderen Wunsch an, kann es sein, dass Ihnen diejenige als Angebot unterbreitet wird, die Ihnen am wenigsten genehm ist. In dem Moment, in dem Sie ein Angebot annehmen, werden die anderen Bewerbungen im DoSV aus dem aktuellen Verfahren gelöscht.

In diesem Fall erhalten Sie einen Zulassungsbescheid. Sie können auch abwarten, wenn der von Ihnen favorisierte Studienplatz noch nicht dabei ist. Sofern kein besseres Angebot kommt, können Sie auf das bereits unterbreitete Angebot zurückgreifen, auch hier erfolgt anschließend ein Zulassungsbescheid.

Wie sind die Bewerbungsfristen?

Wenn Sie sich zum Wintersemester bewerben wollen und ihre Hochschulzugangsberechtigung vor dem 16. Januar des laufenden Jahres erworben haben, dann ist der Bewerbungsschluss…

der 31. Mai, 24 Uhr, des laufenden Jahres.

Wenn Sie sich zum Wintersemester bewerben wollen und ihre Hochschulzugangsberechtigung zwischen dem 16. Januar bis einschließlich 15. Juli des laufenden Jahres erwerben, dann ist der Bewerbungsschluss…

der 15. Juli, 24 Uhr, des laufenden Jahres.

Wenn Sie sich zum Sommersemester bewerben wollen, dann ist der Bewerbungsschluss für alle Bewerber…

der 15. Januar, 24 Uhr.

Die Zulassungs- und Ablehungsbescheide verschickt Hochschulstart vom 10. August an in mehreren Etappen an die Bewerber. Die letzten Bescheide werden am 24. September auf den Weg gebracht. Wer bis zum 27. September noch keinen Bescheid erhalten hat, meldet sich möglichst umgehend bei Hochschulstart.

Das Nachrückverfahren läuft dann vom 8. Oktober bis zum 24. Oktober.

Wichtig: Wer die im Zulassungsbescheid vermerkte Frist überschreitet und sich nicht rechtzeitig in seiner Hochschule einschreibt, verliert den Studienplatz wieder. Wenn Sie den Platz dagegen gar nicht (mehr) haben wollen, dann können Sie genau das tun – nämlich gar nichts.

[Bildnachweis: Tero Vesalainen by Shutterstock.com]
24. August 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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