Uniwahl: So wählen Sie die richtige Uni aus

Unis zur Auswahl: Für Abiturienten ist die Endlos-Liste deutscher Universitäten kaum zu überblicken. Und jede einzelne ist anders, hat ein eigenes Innenleben, eigene Regeln. Aber nach welchen Kriterien wähle ich die richtige Uni aus? Wonach gehe ich, um meine weiteren Karriere-Chancen zu erhöhen und andererseits ein angenehmes Studentenleben führen zu können? Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrer Uniwahl achten sollten.

Uniwahl: So wählen Sie die richtige Uni aus

Uniwahl: Entspannt bleiben!

432 Hochschulen gibt es in Deutschland, darunter 106 Universitäten. Welche aber ist die richtige für mich? Nach welchen Kriterien sollte ich meine Uni auswählen? Die beruhigende Botschaft vorab: Für Ihre berufliche Laufbahn spielt es keine sonderlich große Rolle, ob Sie Ihren akademischen Abschluss in Köln, Darmstadt oder Clausthal-Zellerfeld erworben haben.

In der vergangenen Woche legte das Manager Magazin eine Auswertung des Elitenforschers Michael Hartmann vor. Sein Ergebnis: Von 529 Vorstandsmitgliedern der 100 größten deutschen Unternehmen hat die große Mehrheit ein an einer stinknormalen staatlichen Universität studiert.

Einen messbaren Vorteil von privaten oder bestimmten staatlichen Unis konnte Hartmann jedenfalls nicht erkennen. Daraus folgt: Wer in Deutschland Karriere machen will, muss bei der Auswahl seiner Hochschule nicht verkrampfen. Mit einem Studium an einer konventionellen deutschen Universität legen Sie ein gutes Fundament für Ihre weitere Laufbahn.

Uniwahl: Elite gefällig?

Andere Länder ticken da durchaus elitärer. In Frankreich öffnen sich viele Türen erst mit einem Abschluss der Verwaltungshochschule ENA , in den USA steigen die Jobchancen auf extreme Pegelstände nur dann, wenn Sie ein erfolgreiches Studium in Harvard oder Yale (z.B.) nachweisen können. Nun ist auch hierzulande der Status quo nicht bis in alle Ewigkeit zementiert. Der Bund fördert seit einiger Zeit einzelne Elite-Unis, der Elite-Stempel dürfte deren Anziehungskraft grundsätzlich steigern.

Verpulvern Sie Ihr Geld jedenfalls nicht in teure Privat-Unis, die keine nennenswerten Vorteile bringen. Zumal die Studiengebühren in den vergangenen Jahren auf breiter Front wieder abgeschafft worden sind, das akademische Spielfeld im ganzen Land angeglichen wurde.

Trotz allem: Unterschiede wird es zwischen den einzelnen Unis immer geben. Drei, vier Minuten sollten Sie also schon darüber nachdenken, welche Universität die perfekte Lehrstätte für Sie ist. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Kriterien für Studienanfänger zusammengefasst – sortiert von ’sehr wichtig‘ bis ’nur im Einzelfall wichtig‘.

Die wichtigsten Kriterien für Ihre Uniwahl

  • Numerus clausus

    Der NC ist so etwas wie die Falltür, die zwischen Ihnen und Ihrer Traum-Uni im Boden versteckt ist. Die Zulassungsbeschränkung ist von Fach zu Fach, von Bundesland zu Bundesland, von Uni zu Uni verschieden. Beispiel: Es ist deutlich einfacher, in Sachsen-Anhalt oder Schleswig-Holstein an einen Platz in Zahnmedizin zu kommen als in Bayern, Berlin oder Hessen. Der Numerus clausus gehört, völlig logisch, ganz an den Anfang Ihrer Grundüberlegungen.

  • Geographie

    Nächste Überlegung: Bleibe ich im Hotel Mama oder koch ich mir meine Suppe ab sofort selbst? Sofern Sie sich für Variante eins entscheiden, ist die räumliche Nähe zur Uni mitentscheidend. Eine tägliche Anreise von 30 bis 40 Kilometer ist in jedem Fall machbar, sofern Sie über ein Auto verfügen. Ab 50 oder 60 Kilometern wird es aber schon kritisch. Unterschätzen Sie nicht die Faktoren Zeit und Kraft, die Sie die Pendelbewegungen Tag für Tag kosten. Pendeln schlägt nicht nur aufs Gemüt, sondern kann auch Ihre Studienleistungen zum Schlechten beeinflussen.

  • Stadt

    Ist für viele Studenten Kriterium Nummer eins. Immerhin wollen (müssen) Sie in dieser Stadt die nächsten Jahres Ihres Lebens verbringen – und sollten sich auch ein bisschen wohl fühlen. Berlin kennt jeder, aber waren Sie auch schon mal in Tübingen? Wenn nicht, dann informieren Sie sich vorab über die kulturellen Angebote, den Fun-Faktor und schöne Parks zum Joggen, bevor Sie Ihre Entscheidung treffen. Gerne auch per Frage an andere Leser in unserem neuen Schwesterportal.

  • Finanzen

    Die Lebenshaltungskosten sind in Deutschland alles andere als einheitlich. Im Osten sind sie geringer als im Westen, die Mieten in Duisburg günstiger als in Düsseldorf. Wenn Ihr Budget keine großen Sprünge zulässt, scheiden Hochpreisstädte wie Hamburg oder München vielleicht schon aus. Unterschätzen Sie aber auch typische Studentenstädte nicht, die Wohnungsnot ist dort oft groß, die Mieten sind dementsprechend teuer. Werfen Sie daher mal einen Blick in die örtlichen Mietspiegel und vergleichen Sie die durchschnittlichen Mietpreise. Auch gibt es im Netz diverse Rechner für Lebenshaltungskosten, mit denen Sie einzelne Szenarien durchspielen können.

  • Studiengang

    Noch vor der Uni sollten Sie Ihr Studienfach sorgsam auswählen. Natürlich. Aber BWL ist nicht immer gleich BWL, Romanistik hier anders als Romanistik dort. Welche Inhalte hat mein Studiengang konkret? Welche Schwerpunkte setzt er? Gibt es womöglich Professoren, die Koryphäen in ihrem Fachgebiet sind? Pflichtpraktika, die zu absolvieren sind? Ein obligatorisches Auslandssemester? Vergleichen Sie die Inhalte im Hinblick auf Ihre persönlichen Interessen und Karriere-Pläne. Und stellen Sie die Frage, wie es um Online-Kurse und Anwesenheitspflicht bestellt ist. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel tobt seit Monaten ein Streit um das neue Hochschulgesetz, das die Anwesenheitspflicht mehr oder weniger ausgehebelt hat. Ihnen könnten solche Rahmenbedingungen mehr Flexibilität im Studium bringen.

  • Campusleben

    Seien wir ehrlich: Der Spaßfaktor ist für die meisten Studenten mindestens genauso wichtig wie die fachliche Kompetenz ihres Germanistik-Dozenten. Eine Doktorarbeit kam vor einigen Jahren gar zu dem Ergebnis, dass das Drumherum auf dem Campus letztlich sogar das wichtigste Entscheidungsmerkmal ist. Wie sind die Studentenwohnheime? Wie die Sport-Kurse? Und was geht vor allem abends im Partysaal? Online-Foren helfen bei Ihrer Recherche, auch hier würden wir gerne speziell auf unsere Mitmach-Community verweisen. Übrigens könnte auch die Links-Rechts-Gesinnungsfrage eine gewisse Relevanz haben. Sollten Sie beispielsweise in einer schlagenden Burschenschaft die Klingen kreuzen wollen, finden Sie in einer stark links geprägten Uni womöglich nicht das richtige Umfeld – und umgekehrt. Grundsätzlich sind, das ist bekannt, die meisten Unis im politischen Spektrum eher links zu verorten. Wenn Sie die politischen Kräfteverhältnisse näher interessieren, dann schauen Sie sich einfach mal die jeweiligen Ergebnisse bei den Wahlen zum Studierendenparlament an.

  • Betreuungsschlüssel

    Fällt das Stichwort Massen-Uni, springt prompt das Bild eines überfüllten Hörsaals vors geistige Auge. Tatsächlich können sich an großen Unis weniger Professoren um all die angehenden Akademiker kümmern. Dieser Punkt spricht also für kleinere, für weniger überlaufene Unis, für weniger hippe Städte. Aber: Kleinstadt-Unis sind natürlich nicht per se mit einem guten Betreuungsschlüssel gleichzusetzen. In Münster, Freiburg oder Göttingen treiben sich mehr Studenten herum, als sich ein Berliner vielleicht vorstellen kann.

  • Rankings

    Uni-Rankings sind überbewertet, aber beliebt. Sie brechen komplexeste Zusammenhänge in eine einfache 1-2-3-Rangliste herunter, die schnell und leicht zu konsumieren ist. Und sie hinterlassen, Wahrheitsgehalt hin oder her, definitiv ihre Spuren im kollektiven Bewusstsein. Die Uni Mannheim etwa hat sich im Laufe der Jahre eine herausragende Reputation für ihren BWL-Fachbereich erarbeitet. Dem einen oder anderen Personaler wird dies durchaus bewusst sein, was die Einstellungschancen für studierte Mannheimer nicht schmälert. Außerdem können es Bewerber auch zum eigenen Vorteil nutzen, indem Sie bei der Bewerbung proaktiv darauf hinweisen. Also ja, Rankings können nützliche Hinweise geben, sollten bei der Uniwahl aber nicht überbewertet werden.

  • Schwerpunkt

    An der RWTH Aachen dreht sich einfach alles um hochfeste Schrauben und Radialverdichter und Hybridantriebe und … Ergo sind Techniker in Aachen einfach besser aufgehoben als Philosophen. In welchen Fachbereichen hat die Uni ihre Stärken? Welche Schwerpunkte setzt sie? Hier könnten wiederum auch Rankings Anhaltspunkte liefern. Darüber hinaus erhöht ein großes Studienangebot insgesamt Ihre Optionen. Denn es könnte ja sein, dass Sie sich mittendrin noch umorientieren oder ein Master-Studium dranhängen wollen.

  • Ausstattung

    Während im Ruhrgebiet der Putz von den Wänden bröckelt, sind in den Unis der neuen Bundesländer selbst die Kloschüsseln aus Marmor. Das ist ein Scherz, soll aber ganz ernst darauf hinweisen, dass nicht jede Forschungsanstalt mit dem allerneuesten Equipment gesegnet ist. Gerade in Fächern mit praktischem Anwendungsbedarf ist das kein Vorteil. Hier kann es tatsächlich ratsam sein, sich die Uni vorab mal aus der Nähe anzuschauen (sofern die Möglichkeit dazu besteht).

  • Wirtschaft

    Die städtische Konjunktur hilft Ihnen – oder hält Sie davon ab, je nachdem – schon während des Studiums wichtige Kontakte in die Privatwirtschaft zu knüpfen. Schließlich wollen/sollten/können Sie (Pflicht-)Praktika absolvieren, in Nebenjobs praktische Arbeitserfahrung sammeln und Ihren Lebenslauf durch eine Tätigkeit als Werksstudent aufmöbeln. Beziehen Sie also die urbane Wirtschaft in Ihre Überlegungen mit ein. Welche (großen) Unternehmen sind hier vertreten? Welche Branchen prägen die Stadt? Wo könnte ich mich bewerben? Beispiele: Berlin hat eine vibrierende Medien- und Startup-Szene, aber kaum Industrie. Typische Uni-Städte bieten akademische Spitzenforschung, aber außerhalb des Elfenbeinturms oft nur wenige Betätigungsfelder.

  • Partner-Unis

    Wenn Sie ein Auslandssemester von vornherein in Ihren Studienplan einweben wollen, hilft ein Blick auf die internationalen Partner-Unis. Sie haben Südafrika auf der Liste, die Uni aber „nur“ China? Sie wollen in ein spanischsprachiges Land, die Uni bringt Sie aber ausschließlich nach Angelsachsen? Das globale Netzwerk der Uni könnte ein Faktor sein, wenn Sie im Hinblick auf eine internationale Karriere die Weichen richtig stellen wollen.

  • Verkehrsverbindungen

    Ein Kriterium, das gar nicht mal so unerheblich ist. Wenn Sie den Lappen nie gemacht haben, sind Sie vor Ort auf Bus und Bahn angewiesen (mal abgesehen vom Fahrrad). Wie komm ich von A nach B, wie von meiner Studentenwohnung zur Uni? Hält ein ICE am Hauptbahnhof, mit dem ich am Wochenende schnell nach Hause flitze? Wie viele Fernbusse fahren hier durch? Und: Für Globetrotter (das sind Studenten ja in der Regel) ist auch praktisch, einen Flughafen in der Nähe zu wissen.

  • Spin-offs

    In Ausgründungen manifestiert sich die Innovationskraft einer Uni. Wie aktiv und erfolgreich fördert Ihre Wunsch-Uni denn eigentlich solche Spin-offs? Wenn Ihre Wunsch-Uni diesbezüglich eine gute Quote hat, könnten Sie selbst später einmal davon profitieren, entsprechende Ambitionen vorausgesetzt.

[Bildnachweise: Monkey Business Images by shutterstock.com]
16. Februar 2015 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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