Ausbildungsvertrag: Erlaubte und verbotene Inhalte

Die Suche nach einer Lehrstelle kann lang und anstrengend sein. Umso größer ist die Freude, wenn Sie einen Betrieb gefunden haben. Bevor es tatsächlich losgeht, muss noch der Ausbildungsvertrag unterschrieben werden. Das ist mehr als nur eine Formalität. Der Ausbildungsvertrag bildet die Grundlage für die Ausbildung und regelt alle wichtigen Rechte und Pflichten – sowohl des Ausbildungsbetriebes als auch des Azubis. Grund genug, sich den Inhalt ganz genau anzusehen und darauf zu achten, dass alle wichtigen Punkte enthalten sind. Hier erklären wir, was Sie zum Ausbildungsvertrag wissen müssen…

Ausbildungsvertrag: Erlaubte und verbotene Inhalte

Ausbildungsvertrag: Das wichtigste Dokument für Azubis

Mit dem Ausbildungsvertrag werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Ausbildungsverhältnis festgelegt. Zwar könnte grundsätzlich auch eine mündliche Absprache gültig sein, doch lässt sich diese im Zweifel nicht nachweisen. Ohne Ausbildungsvertrag ist eine Ausbildung also nicht möglich.

Durch die Unterschrift beider Vertragsparteien sind die Inhalte verpflichtend. Vor dem Abschluss sollten Sie sich entsprechend sehr genau durchlesen, welche Pflichten sich aus dem Ausbildungsvertrag für Sie ergeben. Werden diese nicht eingehalten, kann die Ausbildung im schlimmsten Fall frühzeitig und ohne Abschluss beendet werden.

Dies ist jedoch die Ausnahme. Zudem ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Ausbildungsvertrag und vor dem Beginn der Ausbildung erstellt und unterschrieben werden muss. Konkret heißt es dazu in § 11 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG):

Ausbildende haben unverzüglich nach Abschluss des Berufsausbildungsvertrages, spätestens vor Beginn der Berufsausbildung, den wesentlichen Inhalt des Vertrages gemäß Satz 2 schriftlich niederzulegen; die elektronische Form ist ausgeschlossen.

Sie müssen somit vor Ausbildungsbeginn ein schriftliches Dokument erhalten und unterschreiben. Das gibt Ihnen noch einmal die Möglichkeit, alle Inhalte zu kontrollieren. Eine zweite unterschriebene Ausfertigung des Ausbildungsvertrags bleibt beim Betrieb.

Zudem muss der Ausbildungsvertrag rechtzeitig bei der Industrie- und Handelskammer oder zuständigen Handwerkskammer eingereicht werden. Hier wird dieser noch einmal geprüft, abgestempelt und die Berufsausbildung erfasst, bevor der Vertrag an den Ausbildungsbetrieb zurückgeschickt.

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Inhalt: Was steht im Ausbildungsvertrag?

Das Berufsbildungsgesetz gibt konkrete Anforderungen vor, wenn es um den Inhalt eines Ausbildungsvertrages geht. In § 11 BBiG wird genau geregelt, welche Inhalte mindestens enthalten sein müssen. Darüberhinaus können jedoch auch weitere, individuelle Vereinbarungen getroffen werden.

Die Mindestanforderungen für den Inhalt eines Ausbildungsvertrags umfassen:

  • Ausbildungsberuf

    Auf jeden Fall muss im Ausbildungsvertrag angegeben werden, um welchen Ausbildungsberuf es sich handelt. Klingt nach einem trivialen Punkt, ist für die Vollständigkeit aber unerlässlich. Zusätzlich wird damit noch einmal das Ziel der Ausbildung deutlich gemacht.

  • Sachliche und zeitliche Gliederung

    Hierbei handelt es sich um einen konkreten Ausbildungsplan, der die verschiedenen Stationen der Berufsausbildung strukturiert darstellt. Diese Gliederung gibt gleich zu Beginn einen Überblick über den Ablauf und was dabei auf Sie zukommt.

  • Beginn und Dauer

    In den meisten Berufen beträgt die Dauer der Ausbildung drei Jahre. Im Ausbildungsvertrag muss diese angegeben werden. Unbedingt muss auch die Information enthalten sein, an welchem Datum die Ausbildung offiziell beginnt.

  • Ausbildungsort und Maßnahmen außerhalb der Bildungsstätte

    Wo findet die Ausbildung statt und werden Sie möglicherweise auch an anderen Orten, außerhalb der ersten Ausbildungsstätte, eingesetzt? Gerade wenn es um Fahrtkosten geht, die möglicherweise vom Arbeitgeber übernommen werden können, ist dies eine wichtige Angabe.

  • Dauer der täglichen Arbeitszeit

    Hier geht es darum, von wann bis wann Sie während der Ausbildung täglich arbeiten. Bei einer Ausbildung in Vollzeit sind hier acht Stunden täglich der Normalfall. Hinzu kommt eine gesetzlich vorgeschriebene Pause.

  • Dauer der Probezeit

    Nicht nur im späteren Arbeitsverhältnis gibt es eine Probezeit. Auch im Ausbildungsvertrag muss diese geregelt sein. Die Länge der Probezeit einer Ausbildung ist in § 20 BBiG geregelt: Sie muss mindestens einen Monat betragen, darf aber vier Monate nicht überschreiten.

  • Höhe der Ausbildungsvergütung

    Für viele Azubis ein sehr wichtiger Punkt: Im Ausbildungsvertrag muss das Brutto-Gehalt der jeweiligen Lehrjahre vereinbart werden. Gleichzeitig muss der Zeitpunkt der Zahlung im Ausbildungsvertrag stehen. Entweder erhalten Sie die Zahlungen zum Monatsanfang oder zur Mitte des laufenden Monats.

  • Dauer des Urlaubs

    Während der Ausbildung haben Sie natürlich Anspruch auf Erholungsurlaub. Der Ausbildungsvertrag muss eine entsprechende Passage mit der Anzahl der Urlaubstage enthalten, die Ihnen jährlich zustehen.

  • Voraussetzungen für Kündigungen

    Sie unterschreiben gerade den Ausbildungsvertrag, da wollen Sie nicht gleich an eine mögliche Kündigung denken. Trotzdem muss im Vertrag geregelt sein, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen der Ausbildungsvertrag wieder gekündigt werden kann.

  • Hinweis auf Tarifverträge

    Gibt es für Branche oder Beruf einen gültigen Tarifvertrag, der auf das Ausbildungsverhältnis angewendet wird? Dann muss im Ausbildungsvertrag darauf hingewiesen werden. Gleiches gilt für andere Vereinbarungen, beispielsweise eine Betriebsvereinbarung.

Nicht erlaubte Inhalte im Ausbildungsvertrag

Ausbildungsvertrag Rechte Pflichten InhalteDie meisten Ausbildungsbetriebe wissen sehr genau, was im Ausbildungsvertrag stehen muss und was auf der anderen Seite verboten ist. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass unerlaubte Inhalte in einen Vertrag gesetzt werden.

Vor der Unterschrift sollten Sie sich den Vertrag gründlich durchlesen und genau prüfen, ob alles seine Richtigkeit hat. Die folgenden Punkte haben dabei in Ihrem Ausbildungsvertrag nichts zu suchen:

  • Verpflichtung zum Verbleib

    Im Ausbildungsvertrag müssen Sie sich nicht dazu verpflichten, nach dem erfolgreichen Abschluss weiterhin im Ausbildungsbetrieb zu arbeiten. Eine Übernahme kann durchaus ein Vorteil sein, doch ist es Ihr gutes Recht, sich nach der Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt nach einer anderen Stelle umzusehen. Im Gesetz heißt es: Eine Vereinbarung, die Auszubildende für die Zeit nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses in der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit beschränkt, ist nichtig. Eine Ausnahme liegt vor, wenn Sie sich in den letzten sechs Monaten der Ausbildung verpflichten, im Anschluss zu bleiben.

  • Zahlung einer Ausbildungsentschädigung

    Sie müssen für die Ausbildung keine Entschädigung oder andere Zahlungen an den Betrieb leisten. Solche Klauseln im Ausbildungsvertrag sind in jedem Fall ungültig. Versucht ein Betrieb eine solche Ausbildungsentschädigung von Ihnen zu verlangen, sollten Sie vorsichtig sein. Möglicherweise sind Sie an einen unseriöses Unternehmen geraten.

  • Vereinbarung von Vertragsstrafen

    Das Berufsbildungsgesetz erklärt jede Vereinbarung über Vertragsstrafen im Ausbildungsvertrag als nichtig. Manchmal soll beispielsweise eine Strafe gezahlt werden, wenn eine Ausbildung doch nicht angetreten oder vorzeitig gekündigt wird. Vor solchen Vertragsstrafen brauchen Sie keine Angst zu haben.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
20. August 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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