Lehrling? Das sind Ihre Rechte und Pflichten

Die Lehre ist ein großer Schritt. Nach der Schule geht es in die Berufswelt und es werden in Theorie und Praxis die Fähigkeiten erlernt, die für die weitere Karriere benötigt werden. In der neuen Phase Ihres Lebens stehen Sie auch vollkommen neuen Aufgaben gegenüber. Dabei müssen Sie als Lehrling leider auch lernen, dass Sie eine Reihe von Pflichten haben, an die Sie sich halten müssen. Als Lehrling haben Sie es dabei sicherlich nicht immer leicht und Sie brauchen einige Motivation, Engagement und Durchhaltevermögen, um sich den Herausforderungen erfolgreich zu stellen. Auf der anderen Seite haben Sie als Lehrling auch viele Rechte, auf die Sie bestehen können und die nicht einfach übergangen werden dürfen. Wir zeigen, welche Rechte und Pflichten Sie als Lehrling beachten sollten…

Lehrling? Das sind Ihre Rechte und Pflichten

Lehrling: Eine kurze Begriffserklärung

Lehrling Definition Synonym Erklärung BegriffDer Begriff Lehrling wirft immer wieder einige Fragen auf. Bevor wir auf die Rechten und Pflichten eingehen, klären wir deshalb zunächst, wann genau von einem Lehrling gesprochen wird und welche falschen Annahmen Sie nicht glauben sollten.

So hält sich beispielsweise weiterhin hartnäckig die Behauptung, bei Berufen im Handwerk würde es sich um eine Lehre handeln, weshalb dort auch von Lehrlingen die Rede sei. Dies rührt daher, dass in der Handwerksordnung immer noch der Begriff des Lehrlings zu finden ist, während er im Bundesausbildungsgesetz nicht mehr auftaucht.

Es stimmt jedoch nicht, dass ein Lehrling etwas mit handwerklichen Berufen zu tun hat. Grundsätzlich gilt: Jeder, der sich in einer Berufsausbildung befindet – unabhängig von Branche oder dem angestrebten Beruf – kann als Lehrling bezeichnet werden.

Mittlerweile wurde der Begriff jedoch mehrheitlich durch die modernere Variante des Auszubildenden ersetzt. Die beiden Bezeichnungen sind jedoch im Grunde synonym zu verwenden.

Diese Rechte haben Sie als Lehrling

Die Lehre in jedem Beruf unterliegt klaren Vorgaben, Regeln und Abläufen. Daraus ergeben sich für Sie als Lehrling fest verankerte Rechte, auf die Sie einen Anspruch haben und an die der ausbildende Betrieb sich zwingend halten muss. Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre und oftmals ist die Ausbildung anstrengend, doch steht Ihnen dennoch einiges zu.

Sie haben beispielsweise ein Anrecht darauf, dass Ihre Ausbildung den einheitlichen Vorgaben entspricht. Um dies zu gewährleisten, gibt es für jeden staatlich anerkannten Ausbildungsberuf eine sogenannte Ausbildungsordnung, die von der Bundesregierung erlassen wird. Darin wird genau festgehalten, um welchen Beruf es sich handelt und welche Fähigkeiten und Kenntnisse in der Ausbildung vermittelt werden müssen.

Neben dieser gesetzlichen Regelung finden sich Ihre ganz persönlichen Rechte als Lehrling im Ausbildungsvertrag, den Sie mit dem Unternehmen schließen. Dieses Dokument regelt den gesamten Ablauf Ihrer Lehre und dort wird auch genauer darauf eingegangen, worauf Sie als Lehrling einen Anspruch haben. Welchen Inhalt der Ausbildungsvertrag haben muss, ist wiederum gesetzlich geregelt. Dazu sind in § 11 des Berufsausbildungsgesetzes (BBiG) die verpflichtende Inhalte aufgelistet.

Dort heißt es:

Ausbildende haben unverzüglich nach Abschluss des Berufsausbildungsvertrages, spätestens vor Beginn der Berufsausbildung, den wesentlichen Inhalt des Vertrages gemäß Satz 2 schriftlich niederzulegen; die elektronische Form ist ausgeschlossen. In die Niederschrift sind mindestens aufzunehmen

  • 1. Art, sachliche und zeitliche Gliederung sowie Ziel der Berufsausbildung, insbesondere die Berufstätigkeit, für die ausgebildet werden soll,
  • 2. Beginn und Dauer der Berufsausbildung,
  • 3. Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte,
  • 4. Dauer der regelmäßigen täglichen Ausbildungszeit,
  • 5. Dauer der Probezeit,
  • 6. Zahlung und Höhe der Vergütung,
  • 7. Dauer des Urlaubs,
  • 8. Voraussetzungen, unter denen der Berufsausbildungsvertrag gekündigt werden kann…

Für Lehrlinge ist natürlich vor allem die Höhe der Vergütung ein viel beachteter Punkt, doch wenn es um Ihre Rechte geht, sollten Sie auch anderen Aspekten des Ausbildungsvertrages genügend Aufmerksamkeit zukommen lassen. So gibt es beispielsweise klare Regelungen zur Probezeit eines Lehrlings. In § 20 BBiG wird festgelegt, dass diese mindestens einen Monat betragen muss und höchstens vier Monate dauern darf.

Auch beim Thema Arbeitszeit haben Sie das Recht auf Ihrer Seite, vor allem wenn Sie als Lehrling noch nicht volljährig sind. Minderjährige Lehrlinge dürfen höchstens 40 Stunden pro Woche arbeiten – auch dürfen sie nicht am Wochenende arbeiten, wenn es sich nicht um Branchen handelt, in denen Schichtdienst gearbeitet wird. Nachtschichten sind für Lehrlinge unter 18 jedoch tabu.

Wie hoch ist der Urlaubsanspruch bei Lehrlingen?

Lehrling Rechte Pflichten Urlaub Anspruch Aufgaben Gesetz LehreZu den wichtigsten Rechten eines Lehrlings gehört auch der Urlaubsanspruch, der Ihnen während der Ausbildung eine bezahlte Erholungszeit einräumt. Dabei spielt wie bei der Arbeitszeit Ihr Alter eine zentrale Rolle und wirkt sich auf die Höhe des Urlaubsanspruchs aus. So sollen durch das Gesetz jüngere Lehrlinge besonders geschützt werden, indem ihnen mehr Erholungsurlaub zugestanden wird.

Wenn Sie bereits volljährig sind, stehen Ihnen pro Jahr mindestens 24 Werktage Urlaub zu. Sind Sie hingegen noch jünger, kann sich der Anspruch erhöhen.

Für 17-jährige sieht der Gesetzgeber mindestens 25 freie Tage vor, 16-jährige erhalten 27 Tage Urlaub und wenn Sie noch jünger als 16 Jahre als sind, stehen Ihnen sogar 30 Urlaubstage im Jahr zu.

Diese Pflichten haben Sie als Lehrling

Neben Ihren Rechten müssen Sie als Lehrling aber auch einigen Pflichten nachkommen. Die meisten davon ergeben sich ebenfalls aus Ihrem Ausbildungsvertrag, es lohnt sich daher in jedem Fall, diesen sehr genau und aufmerksam zu lesen und sich genau zu informieren.

Die folgende Liste zeigt Ihnen, welche Pflichten Sie als Lehrling haben. An diese sollten Sie sich gewissenhaft halten, denn im schlimmsten Fall drohen Ihnen Ärger mit dem ausbildenden Betrieb oder sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen oder eine Kündigung, wenn Sie gegen Ihre Pflichten verstoßen.

  • Sie sind weisungsgebunden

    Als Lehrling sind Sie an die Weisungen Ihres Ausbilders und von Vorgesetzten gebunden. Das bedeutet, dass Sie Aufgaben, die Ihnen erteilt werden, erledigen müssen. Ihr Ausbilder hat also das Recht, Ihnen Aufgaben zu geben. Sie können sich jedoch unter besonderen Voraussetzungen weigern, der Weisung zu folgen, wenn Sie sich dadurch beispielsweise selbst gefährden oder eine Straftat begehen würden.

  • Sie haben eine Anwesenheitspflicht

    Sowohl für die praktische Ausbildung im Betrieb als auch für die theoretische Wissensvermittlung in der Berufsschule haben Sie eine Anwesenheitspflicht. Es liegt in Ihrer Verantwortung, an allen Terminen teilzunehmen.

  • Sie müssen sich krankmelden

    Sollten Sie erkranken und deshalb nicht in der Lage sein, zur Arbeit oder zur Berufsschule zu gehen, ist es Ihre Pflicht, sowohl den Betrieb als auch die Berufsschule zu benachrichtigen. Und zwar sofort. Bei längerer Krankheit brauchen Sie spätestens am dritten Tag ein ärztliches Attest, dieses kann aber auch schon früher verlangt werden – eine Regelung dazu kann im Ausbildungsvertrag enthalten sein.

  • Sie unterstehen der Sorgfaltspflicht

    Jeder Lehrling untersteht der Sorgfaltspflicht, die besagt, dass Sie alle Aufgaben sorgfältig und nach Ihren Fähigkeiten so gut es eben geht erledigen. Außerdem sind Sie verpflichtet, mit allen Materialien oder Werkzeugen sorgsam umzugehen und Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten.

  • Sie sind zum Lernen verpflichtet

    Tatsächlich sind Sie als Lehrling dazu verpflichtet, sich die Inhalte der Ausbildung auch selbstständig anzueignen. Sie haben außerdem die Pflicht, aktiv an der Erreichung Ihrer Ausbildungsziele mitzuwirken und Ihr Bestes zu geben, um diese zu erreichen.

  • Sie müssen ein Berichtsheft führen

    Es ist für viele Lehrlinge eine unliebsame Aufgabe, doch ist es Ihre Pflicht, ein sogenanntes Berichtsheft zu führen und dieses ständig auf dem aktuellen Stand zu halten. Die meisten Lehrlinge schreiben entweder täglich oder mindestens einmal die Woche Ihr Heft. Allerdings muss Ihnen die Gelegenheit gegeben werden, das Berichtsheft während der Arbeitszeit auszufüllen.

  • Sie müssen die Geheimhaltungspflicht beachten

    Durch die Ausbildung kommen Lehrlinge auch mit Betriebsgeheimnissen in Kontakt. Diese sind unbedingt vertraulich zu behandeln und dürfen nicht einfach an Dritte außerhalb des Betriebs weitergegeben werden.

Checkliste der Lehrling-Rechte und -Pflichten

Checkliste-Rechte-Pflichten-AzubisWelche Aufgaben und Arbeiten zur Ausbildung gehören, ist je nach Fachrichtung und Betrieb verschieden. Klar ist aber, dass zum Beispiel Krankheitsvertretungen von Mitarbeitern nicht dazu gehören. Das gilt auch für Arbeiten, die körperlich zu schwer sind und ein Gesundheitsrisiko für Azubis darstellen.

Einfache Aufgaben wie Kaffee kochen, das Aufräumen von Werkstatt oder Büro und Botengänge für Kollegen können zur Ausbildung gehören – wenn sie nicht zur Regel werden und nicht zu viel Zeit der Ausbildung in Anspruch nehmen. Setzt sich jedoch der größte Teil der Ausbildung aus wenig qualifizierten Aufgaben zusammen und ändern Gespräche mit Ausbilder oder Vorgesetztem wenig bis nichts, sollte Sie über einen Abbruch der Ausbildung oder einen Unternehmenswechsel nachdenken.

Eine übersichtliche Checkliste der Rechte und Pflichten für Lehrlinge können Sie sich hier als PDF kostenlos herunterladen.

[Bildnachweis: lenetstan by Shutterstock.com]
27. April 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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