Ausbildung Gehalt: Hier verdienen Azubis am meisten

Für ihren dekadenten Lebensstil sind Azubis gemeinhin nicht bekannt. Ihr schmaler Lehrlingsverdienst erlaubt es kaum, am Wochenende in Eselsmilch zu baden oder exklusive Boutiquen leer zu shoppen. Aber: Die Gehälter der Nachwuchs-Fachkräfte steigen seit Jahren stark an. Für Unentschlossene gilt: Vergleichen Sie ruhig die Vergütung, bevor Sie sich für einen Ausbildungsberuf entscheiden. So viel verdienen Auszubildende…

Ausbildung Gehalt: Hier verdienen Azubis am meisten

Ausbildung Gehälter: So entwickeln sie sich

Azubis verdienen mehr. Im Jahr 2017 sind ihre tariflichen Vergütungen nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Schnitt um 2,6 Prozent gestiegen – eine Quote, die deutlich höher ist als die Inflationsrate 2017 (1,8 Prozent). Der bundesdeutsche Durchschnitts-Azubi verdient damit nun 876 Euro im Monat.

Aber: In den Vorjahren waren die Azubi-Gehälter noch wesentlich kräftiger gewachsen. Zwischen 2012 und 2016 lag das Plus in einer Spanne von 3,4 Prozent bis 4,5 Prozent.

Am meisten durften sich Handwerker in den neuen Bundesländern freuen. Ihre tarflichen Vergütungen stiegen 2017 um 3,5 Prozent – mehr als in allen Vergleichsgruppen. Im Vorjahr wiederum waren die Handwerker-Vergütungen im Osten sogar um 9,2 Prozent gewachsen. Handwerk hat goldenen Boden – die Redewendung scheint aktueller denn je.

In den westlichen Bundesländern gehen Auszubildende nun mit durchschnittlich 881 Euro nach Hause, im Vorjahr waren es 859 Euro. In den östlichen Bundesländern steckten durchschnittlich 827 Euro in der Lohntüte – rauf von 807 Euro. Der Abstand zwischen West und Ost bleibt damit unverändert. Ein Azubi in Ostdeutschland kommt im Schnitt auf 94 Prozent des Lohns seines westdeutschen Gegenparts.

Drei Gründe für den Lohnzuwachs

  1. Die wirtschaftliche Lage: Die Betriebe in Deutschland stehen sehr solide da, insbesondere im europäischen Vergleich, und können die Gehaltssprünge verkraften.
  2. Die demographische Entwicklung: Sinkende Schülerzahlen verringern das Azubi-Angebot schon seit Jahren und treiben die Löhne nach oben – das kann auch die hohe Zuwanderung nicht ausgleichen.
  3. Die akademische Konkurrenz: 2013 gab es in Deutschland zum ersten Mal mehr Studienanfänger als Azubis. Der Trend zum Studium ist ungebrochen und macht aus den Auszubildenden eine knappe und begehrte Spezies. 2016 hatte die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit 510.000 sogar einen historischen Tiefstand erreicht.

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Ausbildung Gehalt: In diesen Berufen gibt es am meisten

Das sind laut BIBB die Berufe mit dem höchsten Verdienst für Azubis (in Klammern das Bundesgebiet, im der Tarif gilt). Der Lohn bezieht sich dabei auf die gesamte Dauer der Ausbildung.

Beispiel: Ein Maurer in den alten Bundesländern verdient im ersten Ausbildungsjahr 785 Euro, im zweiten Jahr 1.135 Euro und im dritten 1.410 Euro – ergibt ein Durchschnittsgehalt von 1.110 Euro.

  • Beton- und Stahlbetonbauer (Westen): 1.110 Euro
  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger (Westen): 1.110 Euro
  • Maurer (Westen): 1.110 Euro
  • Kanalbauer (Westen): 1.110 Euro
  • Rohrleitungsbauer (Westen): 1.110 Euro
  • Straßenbauer (Westen): 1.110 Euro
  • Stuckateur (Westen): 1.110 Euro
  • Trockenbaumonteur (Westen): 1.110 Euro
  • Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer: 1.110 Euro
  • Zimmerer (Westen): 1.110 Euro
  • Binnenschiffer: 1.072 Euro
  • Gleisbauer (Westen): 1.071 Euro


Ausbildung Gehalt: In diesen Berufen gibt es am wenigsten

Das sind laut BIBB die Berufe mit dem geringsten Verdienst für Azubis (in Klammern das Bundesgebiet, im der Tarif gilt). Der Lohn bezieht sich dabei auf die gesamte Dauer der Ausbildung.

  • Fleischer (Osten): 383 Euro
  • Schornsteinfeger: 518 Euro
  • Friseur: 522 Euro
  • Florist: 587 Euro (Osten), 622 Euro (Westen)
  • Parkettleger: 588 Euro
  • Bodenleger: 588 Euro
  • Winzer: 596 Euro
  • Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (Osten): 600 Euro
  • Fachkraft für Schutz und Sicherheit (Osten): 600 Euro
  • Feinwerkmechaniker (Osten): 604 Euro
  • Metallbauer (Osten): 604 Euro
  • Fachkraft Agrarservice (Osten): 607 Euro
  • Pferdewirt (Osten): 607 Euro
  • Landwirt (Osten): 607 Euro
  • Schilder- und Lichtreklamehersteller: 607 Euro
  • Tierwirt (Osten): 607 Euro


Die beliebtesten Ausbildungsberufe: Das verdienen Azubis

Kaufleute sind auf der Popularitätsskala ganz weit vorne. Ihr Azubi-Gehalt dagegen ist nicht immer Spitzenklasse. Das verdienen Azubis in den beliebtesten Ausbildungsberufen:

  • Kaufleute im Einzelhandel: 869 Euro (Westen), 788 Euro (Osten)
  • Kaufleute für Büromanagement (Industrie und Handel): 971 Euro (Westen), 896 Euro (Osten)
  • Kaufleute für Büromanagement (Öffentlicher Dienst): 961 Euro
  • Kaufleute für Büromanagement (Handwerk): 767 Euro (Westen), 720 Euro (Osten)
  • Verkäufer: 813 Euro (Westen), 735 Euro (Osten)
  • Kraftfahrzeugmechatroniker (Industrie und Handel): 860 Euro (Westen), 669 Euro (Osten)
  • Kraftfahrzeugmechatroniker (Handwerk): 785 Euro (Westen), 669 Euro (Osten)
  • Industriekaufleute: 1.008 (Westen), 942 Euro (Osten)
  • Medizinische Fachangestellte: 803 Euro
  • Kaufleute im Groß- und Außenhandel: 910 Euro (Westen), 850 Euro (Osten)
  • Industriemechaniker: 1.042 Euro (Westen), 1.003 Euro (Osten)


[Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Datenbank Ausbildungsvergütungen]

Stellensuche: Das sollten Azubis wissen

  1. Berufe

    Unter normalen Umständen steigen die Löhne gerade in den Ausbildungsberufen stark an, in denen der Bewerbermangel besonders heftig um sich greift. Das ist zum Beispiel im Handwerk der Fall. Indiz: Die tariflichen Azubi-Vergütungen für Handwerker stiegen im Osten in den vergangenen acht Jahren stets schneller als in Industrie und Handel, im Westen immerhin in den zurückliegenden fünf Jahren.

  2. Branchen

    Auch zwischen den Ausbildungsbereichen gibt es deutliche Unterschiede. So verdienen Azubis in Industrie und Handel 950 Euro im Monat (Westen), während es im Handwerk (Westen) nur durchschnittlich 743 Euro sind.

  3. Bundesländer

    In einzelnen Berufen ist die Lohn-Diskrepanz zwischen Ost und West größer, in anderen geringer. So bekommen etwa Versicherungskaufleute, Verwaltungsfachangestellte und Bäcker während ihrer Ausbildung das gleiche Geld, während das Gehaltsgefälle bei Maurern (fast 200 Euro) beträchtlich ist. Das heißt ganz praktisch: Thüringer, die zur Maurer-Ausbildung nach Hessen ziehen (oder pendeln), erzielen ein deutlich höheres Gehalt. Umgekehrt haben hessische Bäcker-Aspiranten nebenan in Thüringen womöglich eine größere Auswahl an Azubi-Plätzen – zu denselben Konditionen wie daheim.

  4. Regionen

    In Ballungsgebieten ist die Palette an Ausbildungsbetrieben zwar größer, dafür auch die Konkurrenz. Wer seine Fühler in ländlichen Regionen ausstreckt, hat womöglich bessere Chancen auf seine Traumstelle.

  5. Angebot

    Sehen Sie sich auch nach Alternativen abseits des Azubi-Mainstreams um. Es gibt nicht nur Friseur, Koch und Bäcker da draußen. Das BIBB hat in seine Berechnungen übrigens 181 Berufe im Westen und 152 im Osten einbezogen, in denen insgesamt 89 Prozent aller Auszubildenden vertreten waren.

[Bildnachweis: Andrey_Popov by Shutterstock.com]
2. Februar 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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