Ausbildung in Teilzeit: So geht die Teilzeitausbildung

In Teilzeit arbeiten ist ein bekanntes Modell, was deutlich weniger wissen: Es ist auch möglich, eine Ausbildung in Teilzeit zu machen. Das Instrument soll es mehr Menschen ermöglichen, eine qualifizierte Berufsausbildung zu machen, auch dann, wenn die persönlichen Umstände eine Tätigkeit in Vollzeit nicht zulassen. Mit der größeren Flexibilität hat eine Ausbildung in Teilzeit durchaus Vorteile und kann eine wichtige Alternative für Azubis sein – jedoch kann es auch Nachteile geben, die berücksichtigt werden sollten. Hier erfahren Sie, was Sie zur Ausbildung in Teilzeit wissen müssen, wie diese funktioniert und welche Vor- sowie Nachteile damit einhergehen können…

Ausbildung in Teilzeit: So geht die Teilzeitausbildung

Ausbildung in Teilzeit: Wie funktioniert das?

Bereits seit einigen Jahren klagen Unternehmen darüber, nicht mehr genügend Auszubildende zu finden, weshalb immer wieder Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Eine Ursache ist der fehlende Nachwuchs, weil die Deutschen immer weniger Kinder bekommen, vor allem aber zieht es immer mehr junge Menschen an die Universitäten und Hochschulen. Während Hörsäle aus allen Nähten platzen, wird der Anteil derer, die eine berufliche Ausbildung machen wollen, geringer.

Um mehr jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen, wurde deshalb die Ausbildung in Teilzeit ins Leben gerufen. Im Kern geht es um genau das, was der Name bereits verspricht: Statt einer Azubi-Stelle in Vollzeit, wird die Ausbildung mit einer verringerten wöchentlichen oder täglichen Arbeitszeit durchlaufen. Den rechtlichen Rahmen gibt das Berufsbildungsgesetz vor. Dort ist geregelt, dass eine Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit möglich ist – jedoch unter gewissen Bedingungen.

Eine Teilzeitausbildung richtet sich speziell und nur an Personen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Das Gesetz spricht vom berechtigten Interesse, das vor allem in diesen Fällen vorliegt:

  • Betreuung eigener Kinder
  • Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen, zum Beispiel der Eltern
  • Gesundheitliche Einschränkung oder Behinderung
  • Teilnahme am Leistungssport

Eine Ausbildung in Teilzeit richtet sich deshalb hauptsächlich an junge Eltern, für die es schwierig sein kann, die Betreuung des Kindes mit einer Vollzeit-Ausbildung zu kombinieren.

In der Praxis bedeutet das: Mit der Ausbildung in Teilzeit ist eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 20 Stunden bis pro Woche verbunden, abhängig von den individuellen Absprachen und Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Azubi.

Besonders wichtig ist: Die Zeit, die in der Berufsschule verbracht wird, bleibt von der Teilzeitregelung unberührt! Verkürzt wird somit die Zeit, die im Betrieb gelernt und gearbeitet wird.

Eine weitere Besonderheit, wenn Sie eine Ausbildung in Teilzeit absolvieren wollen: Viele gehen zunächst davon aus, dass sich die gesamte Ausbildungsdauer verlängert, wenn die wöchentliche Arbeitszeit reduziert wird. Dies ist jedoch nicht unbedingt der Fall. Es ist durchaus möglich, eine Teilzeitausbildung in der Zeit von üblicherweise drei Jahren zu beenden. Möglich ist eine Verlängerung der Gesamtausbildungsdauer aber durchaus, je nach individueller Situation.

So ergeben sich zwei verschiedene Möglichkeiten:

  • Ausbildung in Teilzeit mit Verlängerung der Ausbildungszeit

    Werden mindestens 20 Stunden pro Woche gearbeitet (inklusive der Stunden, die in der Berufsschule verbracht werden), kann die gesamte Dauer der Ausbildung verlängert werden. Normalerweise erhöht sich die Ausbildungsdauer dabei um sechs Monate.

  • Ausbildung in Teilzeit ohne Verlängerung der Ausbildungszeit

    Wird bei einer Ausbildung in Teilzeit zwischen 25 und 30 Stunden (auch hier inklusive der Stunden in der Berufsschule) gearbeitet, ist keine Verlängerung der Ausbildungsdauer angedacht. Hier ist es also möglich, in der normalen Zeit von drei Jahren die Ausbildung zu absolvieren.

Wer bietet eine Ausbildung in Teilzeit an

Ausbildung in Teilzeit Anbieter Voraussetzungen
Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit auf Teilzeitausbildung nach Angaben des Bundesbildungsministeriums in allen Berufen, die im dualen System, also im Betrieb und in der Berufsschule gelehrt werden. Die Herausforderung besteht für angehende Azubis darin, einen Betrieb zu finden, der eine Ausbildung in Teilzeit anbietet. Hier kommt es auf die jeweiligen Absprachen an, aber auch Branche und Beruf können einen Einfluss haben. Vor allem in diesen Bereichen und Berufen gibt es Teilzeit-Lehrstellen:

  • Gesundheitsbranche, etwa Altenpflegekräfte in Kliniken
  • Kaufmännische Berufe, etwa Industriekaufleute
  • Freie Berufe, etwa Physiotherapeuten, Krankengymnasten oder Hebammen
  • Handwerkliche Berufe, etwa Friseure
  • Berufe im Öffentlichen Dienst, etwa Verwaltungsfachangestellte
  • Landwirte
  • Hauswirtschafter

Können Azubis sich mit dem ausbildenden Betrieb auf eine Teilzeitregelung einigen, muss darüberhinaus ein Antrag bei der Industrie- und Handelskammer beziehungsweise Handwerkskammer eingereicht werden. Hier vom zuständigen Ausbildungsberater entschieden, ob die Ausbildungsziele in der angestrebten Teilzeit vermittelt werden können oder ob eine Verlängerung der Ausbildungszeit (wie oben erklärt) nötig ist.

Vor- und Nachteile einer Ausbildung in Teilzeit

Zunächst einmal stehen bei einer Ausbildung in Teilzeit die positiven Aspekte im Vordergrund. Ziel der Regelung ist es schließlich, mehr jungen Menschen eine gute Berufsausbildung zu ermöglichen.

Für Interessenten, die eine Ausbildung in Teilzeit in Erwägung ziehen, gibt es dabei vor allem drei Vorteile:

  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Mehr (zeitliche) Flexibilität im Alltag
  • Vollwertiger Abschluss

Aus der Teilzeit-Ausbildung verabschiedet man sich also hinterher keineswegs mit einem B-Abschluss, die Berufsausbildung ist absolut vollwertig und steht einer anderen Ausbildung, die in Vollzeit absolviert wurde, in nichts nach. Zudem ist auch mittendrin durchaus ein Umstieg von Teil- auf Vollzeit möglich, nach Absprache mit dem Arbeitgeber, wenn zum Beispiel ein Kita-Platz für das Kind gefunden wurde.

Unternehmen, die Teilzeit-Lehrstellen anbieten, erschließen im Gegenzug völlig neue Bewerberkreise: Junge Mütter, die häufig über einen guten Schulabschluss verfügen und denen oftmals ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, eine hohe Team- und Leistungsorientierung bescheinigt werden.

Auf der anderen Seite kann es aber leider auch Nachteile geben. Der vielleicht größte kann sich in der Bezahlung finden. Zwar weisen offizielle Stellen immer wieder darauf hin, dass das Azubi-Gehalt bei Teilzeit nicht zwingend gekürzt werden muss und auch nicht von allen Unternehmen gekürzt wird. In der Realität aber müssen sich Teilzeit-Azubis oft mit einem entsprechend niedrigeren, anteilig gekürzten Gehalt zufriedengeben.

Für Azubis gilt daher: Unbedingt bei der Arbeitsagentur nach einer Ausbildungsbeihilfe anfragen. Die Chancen auf Ausbildungsbeihilfe sind besonders gut für junge Eltern und Langstrecken-Pendler. Angerechnet werden allerdings die Einkommen vom Ehepartner und auch der Eltern. Rechnen Sie Ihr persönliches Szenario einfach mal durch, die Bundesagentur bietet im Netz einen Rechner an.

Ein weiterer möglicher Nachteil: Sie müssen dieselben Fähigkeiten und Qualifikationen wie alle anderen in kürzerer Zeit erlernen. In der Berufsschule gilt das zwar nicht, da die Zeit hier unberührt bleibt. Im praktischen Teil steht Ihnen jedoch weniger Zeit zur Verfügung – an den Ausbildungsinhalten und -zielen ändert sich dabei nichts. So haben Sie ein größeres Pensum, das nicht unterschätzt werden sollte.

[Bildnachweis: ntm by Shutterstock.com]
16. April 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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