Ausbildung mit 40: So starten Sie durch

Eine Ausbildung mit 40? Bei manchen Leuten ruft diese Vorstellung ein Stirnrunzeln hervor. Der klassische Azubi ist nun mal je nach Schulabschluss zwischen 16 und 20 Jahren, also gerade mal halb so alt. Allein die Vorstellung, mit vierzig noch einmal die Schulbank zu drücken, ist für viele Menschen im wahrsten Sinne unvorstellbar. Zugegebenermaßen sind das dann allerdings eher solche, die sich unter lebenslangen Lernen nicht viel vorstellen können, sondern schon mit 25 Jahren im geistigen Ruhestand waren. Wie Sie mit 40 noch mal beruflich durchstarten…

Ausbildung mit 40: So starten Sie durch

Ausbildung mit 40: Warum jetzt?

Wir wollen hier gar nicht die ollen Sprüche von wegen „man ist so alt wie man sich fühlt“ herauskramen. Aber es gibt einfach Unterschiede im Denken und im Zugang zu Wissen und Informationen. Manche Menschen haben einen regelrechten Wissensdrang, während andere es sich gemütlich machen – ihnen reicht es, genügend Geld mit nach Hause zu bringen, damit sie in ihrer Freizeit ihren Hobbys frönen können.

Wer noch mal eine Ausbildung mit 40 anpackt, der hat Lebenserfahrung und weiß um seine Qualitäten. Und vor allem hat er den Ehrgeiz, etwas daraus zu machen. Nicht zu vergessen, dass sich die Lebensumstände geändert haben:

In jungen Jahren waren es vielleicht andere Prioritäten, die dazu führten, dass erst einer Familienphase der Vorzug gegeben wurde. Mit 40 sind die Kinder entweder erwachsen oder schon aus dem Gröbsten heraus, so dass neue Kapazitäten frei werden.

Gleichzeitig hat sich natürlich auch der Arbeitsmarkt geändert. Wer nach einer längeren Familienphase im Wiedereinstieg feststellt, dass sich der alte Job und das Tätigkeitsfeld ganz schön geändert haben, kommt vielleicht zu der Feststellung, dass dieser Job nicht mehr die Erfüllung bringt, die er vor Jahren noch brachte.

Oder Sie erleben die Veränderungen hautnah in der Branche und ziehen einen Schlussstrich, indem Sie einen Jobwechsel in eine gänzlich andere Branche planen. Solche Szenarien erklären, warum eine Ausbildung mit 40 gar nicht so unwahrscheinlich ist, denn klar ist auch:

Eine Ausbildung, die bereits Jahre oder Jahrzehnte zurückliegt, hilft Ihnen in einem anderen Job meist nur bedingt weiter. Die Digitalisierung ist in den letzten Jahren deutlich vorangeschritten und hat auch jenseits der üblichen Verdächtigen (Jobs in der Medienwelt) viele Berufe erfasst.

Problematik bei einer Ausbildung mit 40

Wer wirklich früh, also unmittelbar nach der Schule oder nach einer ersten Ausbildung sich der Familie gewidmet hat, ist aus Sicht vieler Arbeitgeber (und Arbeitsagenturen) schwer vermittelbar:

  • unter Umständen keine Berufsausbildung
  • keine Berufserfahrung, bestenfalls veraltete Kenntnisse
  • für Einstiegspositionen eigentlich zu alt

Weniger Probleme solcher Art haben Arbeitnehmer, wenn sie sich mit Nebenjobs über Wasser halten, denn oft verbergen sich dahinter Tätigkeiten für Hilfsarbeiter.

Allerdings werden die nicht besonders gut bezahlt und mit Blick auf die Rente sollte so etwas besser nur von kurzer Dauer sein. Zumal Sie mit 40 Jahren noch mehr als ein Vierteljahrhundert Arbeit vor sich haben!

Wer also nicht in prekäre Beschäftigungsverhältnisse abdriften möchte, dem bleibt fast nichts anderes übrig, als eine Ausbildung mit 40 zu machen. Rein gesetzlich steht dem nichts entgegen, denn es gibt kein Höchstalter für Ausbildungen.

Allerdings kann es dennoch sein, dass ein Ausbildungsbetrieb eine Altersgrenze festlegt. Gerade im öffentlichen Dienst gibt es häufig Altersgrenzen, bis zu denen Bewerber eingestellt werden. Je nach Bundesland dürfen zum Beispiel bei der Polizei Bewerber nicht älter als 29 (Berlin) beziehungsweise 35 Jahre (Saarland) alt sein.

Dazu kommen noch die ganzen Vorbehalte: Älteren Arbeitnehmern wird gerne unterstellt, sie seien geistig nicht mehr so flexibel, nicht mehr so formbar. Und es stimmt natürlich in gewisser Hinsicht:

Jemand mit 40 hat Lebenserfahrung und eine Menschenkenntnis, die ein junger Mensch mit 16 Jahren noch nicht haben kann. Weshalb er sich auch nicht ohne Weiteres ausnutzen ließe, sondern sich eher traut etwas zu sagen, wenn er nur wenig anspruchsvolle Aufgaben aufgetragen bekäme.

Vorzüge älterer Auszubildender

Gleichzeitig bedeutet das noch lange nicht, dass so eine Person lernunwillig oder gar unfähig zum Lernen wäre. Es ist klar, dass ein Arbeitgeber einer gestandenen Frau, die zwei Kinder großgezogen und vielleicht noch einen Vater gepflegt hat und nun eine Ausbildung mit 40 Jahren macht, kein X für ein U vormachen kann.

Und das bringt durchaus Vorteile mit sich; denn auch im Umgang mit Kunden wird sich ein älterer Arbeitnehmer anders einlassen können. Er ist ja gewissermaßen krisenerprobt, es gibt vermutlich nur wenige Konflikte, die er nicht bereits so oder ähnlich erlebt und gemeistert hat.

Darüber hinaus sind Arbeitnehmer, die eine Ausbildung mit 40 oder noch später machen, deutlich motivierter: Sie wissen schließlich genau, was sie wollen – häufig im Gegensatz zu jungen Schulabsolventen, die völlig ratlos in Sachen Berufswahl sind und erst einmal ihre eigenen Stärken und Schwächen eruieren müssen.

Ausbildung mit 40: Wie finanzieren?

Ausbildung mit 40 Förderung wie finanzieren Arbeitsamt ü40 für ältere Erwachsene mit über 30 JahrenEine Ausbildung mit über 30 Jahren finanziert zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Da gibt es zunächst den „normalen Weg“, das heißt, Sie finden einen Ausbildungsplatz, bekommen ein Ausbildungsgehalt. Nicht immer reicht das, denn die Lebensumstände mit 40 Jahren oder älter sind natürlich andere als mit 16 Jahren, wenn die meisten Menschen noch bei den Eltern wohnen.

Ein geringes Ausbildungsgehalt ist dann beispielsweise ein Problem, wenn es kein Zweiteinkommen durch einen Partner gibt und/oder beispielsweise ein Haus abbezahlt werden muss.

Je nach Ihren persönlichen Voraussetzungen gibt es verschiedene Möglichkeiten, bei denen Sie jeweils bestimmte Kriterien erfüllen müssen:

  • Berufsausbildungsbeihilfe: Diese wird allerdings nicht bei schulischen Ausbildungen gewährt.
  • Bildungsgutschein: Dieser wird von Arbeitsagenturen und Jobcentern bei einer Umschulung ausgegeben.
  • Meister-Bafög: Gefördert werden nur solche Aufstiegsausbildungen, die bei einem zertifizierten Anbieter stattfinden.

Daneben haben Sie im Falle einer Mietwohnung eventuell die Möglichkeit, über Wohngeld die Finanzen etwas aufzubessern. Für Studierende bis einschließlich 35 Jahren käme zusätzlich ein Bildungskredit infrage, aber leider eben nicht mehr, wenn Sie eine Ausbildung mit 40 machen.

Tipps für die Ausbildungssuche: Vom Nebenjob zum Hauptjob

Wie kann eine Ausbildung mit 40 klappen? Die Zeiten haben sich geändert. Auch wenn Vierzigjährige nicht den Löwenanteil unter den Azubis ausmachen, können es sich einige Branchen nicht mehr leisten, auf ältere Arbeitnehmer zu verzichten. Das gilt vor allem für Berufe im Bereich Pflege oder Soziales.

In Gesundheitsberufen wie Altenpfleger oder Krankenpfleger herrscht seit Jahren eklatanter Mangel, darüber hinaus erfordert die Arbeit mit alten oder kranken Menschen ein hohes Maß an Empathie. In diesen Bereichen wird Ihre Lebenserfahrung gern gesehen werden.

Gemäß einer aktuellen Umfrage geben auch 50 Prozent aller mittelständischen Unternehmen an, dass sie den Fachkräftemangel als größtes Risiko für die Entwicklung ihres Betriebs sehen.

Daher kommt es häufiger vor, dass Arbeitgeber beispielsweise Ihren Angestellten, die bisher in einer Nebentätigkeit dort beschäftigt waren, eine Ausbildung anbieten, um ihren Mangel mit einer Vollzeitkraft beheben zu können.

Der Weg vom Nebenjob zur Ausbildung bietet für beide Seiten Vorteile: Schließlich hat man sich in der Vergangenheit bereits kennen- und schätzen gelernt, also keiner „kauft die Katze im Sack“.

Mittlerweile begegnen einige Firmen dem Fachkräftemangel ganz offensiv, indem sie gezielt mit Ausbildungen für ältere Arbeitnehmer werben: Sogenannte Senioren-Ausbildungen wie beispielsweise das Karriereprogramm „Ausbildung 50+“, welches seit einigen Jahren vom Finanzinstitut ING-DiBa angeboten wird.

Tipps für die Bewerbung: So überzeugen Sie

Ausbildung mit 40 wie finanzieren für Erwachsene Ü40Das Internet ist offensichtlich kein Neuland für Sie, sonst hätten Sie diesen Artikel nicht gelesen – schon mal ein riesiger Pluspunkt für Sie. Denn bei uns finden Sie allerhand weitere Informationen dazu, wie Sie Ihre Bewerbung am besten aufbauen.

Mittlerweile sparen sich viele Unternehmen den Papierkrieg und das Porto und wünschen sich vom Bewerber die Unterlagen als E-Mail-Bewerbung oder als Online-Bewerbung.

Geändert haben sich allerdings mehr die Übermittlungswege als tatsächlich die Inhalte: So werden Sie Ihrer Bewerbung üblicherweise immer ein Anschreiben, den Lebenslauf und Zeugnisse beifügen müssen.

Inhaltlich sollten Sie Ihre Lebenserfahrung und Motivation herausstreichen: Sie wissen exakt, was Sie wollen, also werden Sie die nötige Disziplin aufbringen, um die Ausbildung mit 40 genauso zu meistern wie Ihre jüngeren Mitauszubildenden.

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[Bildnachweis: Monkey Business Images by Shutterstock.com]

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6. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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