Bildungsgutschein: Förderung, Voraussetzungen, Höhe und Tipps

Sie wollen sich beruflich verändern? Dann könnte ein Bildungsgutschein für Sie infrage kommen. Er deckt die Kosten, wenn Sie eine berufliche Weiterbildung oder Umschulung planen. Ausgegeben wird er von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter. Wer hat Anspruch auf einen Bildungsgutschein? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Diese Fragen beantworten wir und zeigen, wie Sie den Bildungsgutschein beantragen können…

Bildungsgutschein: Förderung, Voraussetzungen, Höhe und Tipps

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Was ist der Bildungsgutschein?

Der Bildungsgutschein ist ein Fördermittel, das die Beschäftigungschancen von Arbeitnehmern verbessern soll. Wenn Sie ihn erhalten, übernimmt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Kosten für Ihre berufliche Weiterbildung bei der Bildungseinrichtung. Voraussetzung dafür ist, dass die Weiterbildung anerkannt ist. Dazu gehören beispielsweise zugelassene Träger wie etwa Industrie- und Handelskammern.

Die Arbeitsagentur oder das Jobcenter stellen den Bildungsgutschein individuell für Sie aus. Er ist damit nur für Sie und auf bestimmte Zeit festgelegt. Außerdem hält der Gutschein fest, auf welche Fortbildungsmaßnahme er sich bezieht und welches Bildungsziel zu erreichen ist. Er besitzt je nach Wohnort einen regionalen Gültigkeitsbereich. Wer in NRW wohnt, wird den Bildungsgutschein nicht ohne weiteres in Bayern einlösen können – es sei denn, diese Weiterbildungsmaßnahme wird nur dort angeboten und ist zwingend notwendig.

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Wer hat Anspruch auf einen Bildungsgutschein?

Arbeitsagentur und Jobcenter sehen den Bildungsgutschein als Mittel, um Arbeitslosigkeit zu beenden beziehungsweise drohende abzuwenden. Beispielsweise wenn einem Arbeitnehmer ein Berufsabschluss fehlt oder dringende Sprachkenntnisse zur Ausübung eines Jobs erforderlich sind. Grundsätzlich kommen Personengruppen in Betracht, auf die eins der folgenden Merkmale zutrifft:

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Bildungsgutschein beantragen: Wie komme ich daran?

Für den Bildungsgutschein wenden Sie sich die Arbeitsagentur, sofern Sie berufstätig sind und drohende Arbeitslosigkeit abwenden möchten. Auch wer arbeitssuchend ist oder ALG I erhält, wendet sich an die Arbeitsagentur. Das Jobcenter ist für diejenigen zuständig, die bereits über ein Jahr lang arbeitslos sind. Als nächstes findet ein Beratungsgespräch statt. Darin prüft die zuständige Behörde, ob die Förderungsmaßnahme zwingend notwendig ist, um die Arbeitslosigkeit zu beenden.

Achtung: Zwar sprechen die Behörden ihrerseits von Beratung. De facto sollten Interessierte sich darauf einstellen, dass sie dem Berater darlegen müssen, warum eine bestimmte Bildungsmaßnahme förderwürdig ist. Wenn Sie den Bildungsgutschein beantragen wollen, sollten Sie sich also gut vorbereiten. Unsere Tipps dazu finden Sie in einem kostenlosen PDF hier zum Herunterladen:

Tipps fürs Bildungsgutschein-Beratungsgespräch (PDF)

Bildungsgutschein Vorraussetzungen

Um den Bildungsgutschein zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Zum einen müssen Sie zur anspruchsberechtigten Gruppe zählen. Wichtig ist außerdem, dass mit dieser Maßnahme die Chancen auf eine berufliche Eingliederung nachweislich steigen. Ein entscheidendes Kriterium dafür ist, wie stark der jeweilige Beruf nachgefragt ist. So bestehen aktuell beispielsweise gute Aussichten auf eine Förderung, wenn sich ein Antragsteller zur Pflegefachkraft umschulen lassen möchte.

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Maximale Höhe: Wie viel bekommt man bei einer Umschulung?

Konkrete Summen lassen sich nicht nennen, da die Kosten für Maßnahmen schwanken. Hinzu kommt, dass der Bildungsgutschein nicht nur unmittelbar für die Maßnahme gilt. Auch können Sie verschiedene zusätzliche finanzielle Belastungen damit finanzieren. Welche Leistungen in welche Höhe genau in Ihrem individuellen Fall in die Förderung fallen, können Sie im direkten Gespräch mit Ihrem Sachbearbeiter erfahren. Folgende Kosten sind erstattungsfähig:

  • Lehrgangskosten
    Dazu zählen neben Gebühren für den Lehrgang und Prüfungen die Kosten für Arbeitskleidung, Lernmittel und Prüfstücke.
  • Fahrkosten
    Die Arbeitsagentur erstattet Pendelfahrten zwischen Wohnort und Ausbildungsstätte mit 20 Cent pro Kilometer. Der Höchstsatz liegt bei 588 Euro monatlich. Allerdings gelten für Kunden des Jobcenters andere Bedingungen, die Sie vorab erfragen sollten.
  • Kosten für auswärtige Unterkunft
    Müssen Sie auswärts nächtigen, unterstützt der Bildungsgutschein bei Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Pro Tag sind bis zu 60 Euro möglich, monatlich ist die Förderung durch den Bildungsgutschein auf 420 Euro begrenzt. Für die Verpflegung können Sie jeden Tag bis zu 24 Euro erhalten, das Maximum im Monat beträgt 168 Euro.
  • Kosten für Kinderbetreuung
    Wer Kinder aufsichtsbedürftige Kinder hat – darunter zählen alle Kinder unter 15 Jahren – kann Kosten für die Kinderbetreuung während der Weiterbildungsmaßnahme geltend machen. Je Kind können Sie durch den Bildungsgutschein bis zu 150 Euro monatlich erhalten.

Machen Sie während einer Arbeitslosigkeit eine Weiterbildungsmaßnahme, die durch einen Bildungsgutschein gefördert wird, sind Sie sozial abgesichert. Wer Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III erhält, ist kranken- pflege-, unfall- und rentenversichert.

Weiterbildungsprämie

Gut zu wissen: Bei erfolgreicher Prüfung im Rahmen der Umschulung können Sie zudem eine Weiterbildungsprämie erhalten. Arbeitsagentur und Jobcenter belohnen damit die erfolgreiche Weiterbildung mit 1.000 Euro für eine Zwischenprüfung beziehungsweise sogar 1.500 Euro bei der Abschlussprüfung. Voraussetzung dafür ist, dass die Ausbildungsdauer mindestens zwei Jahre beträgt. Den Nachweis über die erfolgreich absolvierte Prüfung erbringen Sie beispielsweise durch eine Zeugniskopie.

Bildungsgutschein abgelehnt: Ihre Alternativen

Wurde Ihr Bildungsgutschein abgelehnt, obwohl Sie bestimmte Kriterien erfüllen? Prüfen Sie folgende Ursachen:

  • Haben Sie sich zuvor vom Sachbearbeiter beraten lassen?
  • Garantiert die Weiterbildungsmaßnahme hohe Erfolgsaussichten?
  • Führt ein qualifizierten Bildungsträger sie durch?
  • Haben Sie die Bewerbungsauflagen erfüllt?
  • Bestehen genügend Alternativen, so dass eine Förderung nicht notwendig ist?

Im Falle einer Ablehnung können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Sie sollten dann vergebliche Bewerbungsbemühungen vorlegen und demonstrieren, dass Sie auch außerhalb des üblichen Suchradius sich beworben haben. Lehnt die Behörde Ihren Widerspruch ebenfalls ab, kann es sinnvoll sein, zu einem späteren Zeitpunkt den Bildungsgutschein erneut zu beantragen.

Weitere Fördermöglichkeiten

Manchmal sind die Budgets erschöpft oder die Chemie zwischen Berater und Antragsteller stimmt nicht. In jedem Fall gibt es weitere Möglichkeiten, wenn Sie keinen Bildungsgutschein bekommen haben:

  • Vermittlungsgutschein

    Mit dem Vermittlungsgutschein, auch Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) genannt, haben Arbeitslose die Chance auf ein Coaching oder Qualifizierungsmaßnahmen. Das entspricht zwar keiner Umschulung, kann aber dennoch die Jobchancen erhöhen. Die Kosten übernimmt ebenfalls die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter.

  • Bildungsprämie

    Die Bildungsprämie steht Arbeitnehmern mit geringem Einkommen (nicht mehr als 20.000 Euro im Jahr) zur Verfügung. Sie müssen mindestens 15 Stunden in der Woche erwerbstätig sein, um einen Anspruch auf die Bildungsprämie zu haben. Sie erhalten dann bis zu 50 Prozent der Weiterbildungskosten, jedoch maximal 500 Euro insgesamt.

  • Bildungscheck

    Klingt ähnlich wie Bildungsgutschein und Bildungsprämie, ist aber etwas anderes: Der Bildungscheck ist ein Fördermittel einiger Bundesländer. Teilweise läuft dies unter alternativen Bezeichnungen wie „Weiterbildungsbonus“ oder „Quali-Scheck“. Da die Bundesländer die Kosten tragen, legen sie die jeweiligen Bedingungen – also Höhe der Förderung und Zielgruppe – fest.

    Grob lässt sich sagen, dass eine Unterstützung für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte vorgesehen ist. Fördermöglichkeiten können je nachdem aber auch für Auszubildende, Freiberufler oder Geringqualifizierte bestehen.

  • Bildungsurlaub

    Eine weitere Förderungsmaßnahme zur Qualifizierung von Arbeitnehmern ist der Bildungsurlaub. Auch er ist ein Mittel der Bundesländer und trägt je nach Land Namen wie „Bildungsfreistellung“ oder „Bildungszeit“. Statt den eigenen sauer verdienten Erholungsurlaub zu opfern, können Bildungshungrige zusätzliche Tage zur bezahlten Freistellung erhalten. Die Anzahl der Tage und die genauen Voraussetzungen schwanken von Bundesland zu Bundesland, auch müssen Sie die Kosten für die Bildungsmaßnahme selbst tragen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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