Ein abgeschlossenes Hochschulstudium gilt immer noch als Garant für einen problemlosen Einstieg ins Arbeitsleben. Und die Statistik scheint es zu belegen: Arbeitslose Akademiker machen seit Jahren die kleinste Gruppe unter den Arbeitslosen aus. Wer Jahre in eine hochqualifizierte Ausbildung investiert, macht sich zurecht Hoffnungen auf einen adäquaten Arbeitsplatz. Dennoch gestaltet sich der Berufseinstieg oftmals gar nicht so einfach. Arbeitslose Akademiker sind nicht so selten, wie es auf den ersten Blick scheint, daran ändern auch Bestnoten in der Masterarbeit wenig. So bleibt nach einer Vielzahl von Bewerbungen nichts anderes übrig als der Gang zum Jobcenter. Was Sie dagegen tun können...

Arbeitslose Akademiker 2017 Depression Statistik 50 Hartz 4

Arbeitslose Akademiker: Statistik unvermindert positiv

Wer sich oberflächlich mit der Statistik von arbeitslosen Akademikern beschäftigt, gewinnt den Eindruck, dass ein Hochschulabschluss eine Garantie für einen Arbeitsplatz darstellt. Seit Jahrzehnten sind die Arbeitslosenzahlen in dieser Bevölkerungsgruppe niedrig; selbst in Krisenzeiten sind es nie mehr als vier Prozent gewesen.

Gemäß dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung lag 2016 die Arbeitslosenquote von Akademikern bei 2,3 Prozent (PDF) (Stand: 10. Oktober 2017).

Also alles in Ordnung? Der Teufel liegt im Detail. Deutschlandweit sind gemäß der Bundesagentur für Arbeit knapp 200.000 Akademiker arbeitslos gemeldet. Viele davon kommen aus geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengängen. Ebenfalls nicht wenige arbeitslose Akademiker gibt es in beruflichen Feldern der Biologie, Werbung, Marketing, Redaktion und Journalismus.

Einer Studie (PDF) des Instituts für Hochschulforschung (HIS) zufolge findet selbst ein Jahr nach dem Hochschulabschluss nur jeder zweite Absolvent aus diesen Bereichen einen festen Job.

Eine ganz andere Vermittlungsquote haben Absolventen, die Ingenieurswissenschaften studiert haben; hier kommen aufgrund des Bedarfes in der Industrie 90 Prozent unter. Es sind die sogenannten MINT-Fächer, die vergleichsweise wenig arbeitslose Akademiker haben.

Also solche aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Allerdings: Auch Geographen, Forst-, Geo- und Agrarwissenschaftler kämpfen mit Arbeitslosigkeit. Selbst wenn es sich teilweise nur um eine Episode handelt, so ist der Weg zur festangestellten Vollbeschäftigung oft ein steiniger.

Arbeitslose Akademiker: Depression statt Job

Arbeitslosigkeit ist eine bitte Erfahrung, die viele Menschen in die Krise stürzt: Elementare Existenzängste, Fragen wie: Wovon soll ich meine Miete bezahlen? Wovon soll ich leben? begleiten die Betroffenen. Manche Betroffene leiden unter Schlafstörungen, Panikattacken bis hin zu Depressionen.

Arbeitslose Akademiker haben doppelt damit zu kämpfen: Die weitverbreitete Ansicht ist, dass das Studium quasi einen Garant für einen Job darstellt. Mit anderen Worten: Wer dennoch arbeitslos ist, muss "irgendwie selbst schuld" sein.

Selbstzweifel machen sich breit, viele fragen sich, ob sie vielleicht das Falsche studiert haben. Das psychische Befinden ist bei arbeitslosen Akademikern deutlich schlechter als bei anderen Berufsgruppen. Das wundert nicht, denn Arbeit bedeutet so viel mehr als nur Geld zu verdienen:

  • Aktivität: Der Mensch muss aktiv handeln, er geht zur Arbeit, hat Aufgaben zu erledigen und bekommt dadurch Bestätigung.
  • Tagesablauf: Arbeit strukturiert den Tag; sie gibt vor, welche sonstigen Tätigkeiten wie geplant werden müssen.
  • Selbstverwirklichung: Beschäftigte entwickeln und erreichen Ziele.
  • Status: Wer arbeitet, steigt im gesellschaftlichen Ansehen. Umgekehrt bedeutet Arbeitslosigkeit oftmals eine Stigma.
  • Kontakt: Durch die Arbeit lernen Mensch neue soziale Kontakte neben Familie und Freunden kennen.

All das fällt weg. Zusätzlich jedoch spielt der Status eine Rolle. So hat der Bremer Sozialwissenschaftler Benedikt Rogge in seiner Dissertation "Wie Arbeitslosigkeit unter die Haut geht" das Selbstbild und die psychische Gesundheit von Arbeitslosen untersucht.

Dabei kam heraus, dass Menschen, die oftmals in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten und häufig von Arbeitslosigkeit bedroht sind, psychisch die Arbeitslosigkeit besser verkraften. Anders sieht es bei Menschen aus, für die Arbeit einen anderen Stellenwert hat und die einen sozialen Abstieg aufgrund der Arbeitslosigkeit fürchten.

Arbeitslos nach dem Studium: Hartz 4 für Akademiker

Die Zuversicht nicht zu verlieren, ist nicht einfach, wenn man bereits unzählige Bewerbungen geschrieben und sogar verschiedene Vorstellungsgespräche geführt hat und dennoch nur Absagen kassiert.

Welche Alternativen bleiben arbeitslosen Akademikern noch nach beziehungsweise neben dem Bewerbungsmarathon? Die Arbeitsberater raten in dem Fall meist doch nur, dass zumindest die Aushilfs- und Nebenjobs in der Zwischenzeit etwas mit dem späteren Beruf zu haben oder zumindest Qualifikationen trainieren sollten, die gefragt sind.

Dazu zählt insbesondere Wissen rund um die Fachbereiche Informatik, Marketing, Betriebswirtschaftslehre oder Projektmanagement. Diese Kenntnisse sind in der Industrie aktuell besonders gesucht.

Gleichzeitig bringen gerade arbeitslose Akademiker aus den Geistes- und Sozialwissenschaften solche Kenntnisse nicht mit. Oder aber sie stehen vor einem weiteren Problem: Wer direkt nach der Uni arbeitslos ist, hat in der Regel keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und rutscht somit direkt in den ALG-II-Bezug.

Studium abgeschlossen - arbeitslos: Jobchancen durch Weiterbildung steigern

Auch wenn man gerade erst das Lernen für beendet erklärt hat: Der Erwerb von Zusatzqualifikationen bei privaten Bildungsanbietern kann ein Anfang von etwas Neuem sein. Die haben oft bis zu 12-monatige Weiterbildungsangebote zu IT, Medien, Technik oder kaufmännischen Berufen im Programm.

Die Kurse sind in der Regel modular aufgebaut und können auch fächerübergreifend belegt werden. Gerade bei den privaten Bildungsanbietern wurden diese meist in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen und den eventuell späteren Arbeitgebern der Studierenden entwickelt. Und diese Kontakte lassen sich natürlich nutzen. Achten Sie bei der Auswahl also auch darauf!

Diese Weiterbildungsangebote sind natürlich nicht nur für arbeitslose Akademiker, denen der Berufseinstieg erleichtert werden soll. Auch für Arbeitnehmer, die nach Einsparungen, betriebsbedingten Kündigungen oder beim Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienphase nicht sofort einen Arbeitsplatz finden, ist der Erwerb neuer Fachqualifikationen ein wichtiger Schritt.

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, über verschiedene Programme oder Angebote wie beispielsweise den Bildungsgutschein solche Weiterbildungen finanziert zu bekommen. Allerdings existiert kein Anspruch darauf. Für arbeitslose Akademiker ist es daher besonders wichtig, dass sie beim Jobcenter einen Berater finden, der sich mit Hochschulabschlüssen, den Angeboten und den Weiterbildungsmöglichkeiten danach auskennt.

Arbeitslose Akademiker: Weiterbildungsangebote nutzen

Für Hochschulabsolventen gilt das Gleiche wie für andere Berufsgruppen: Konzentrieren Sie sich nicht nur auf einen Bereich, ziehen Sie sämtliche Quellen für einen Arbeitsplatz in Erwägung. Die Arbeitsagentur bietet beispielsweise mit dem Kursnet ein Portal für die berufliche Aus- und Weiterbildung, bei dem Sie sich über die deutschlandweiten Angebote informieren können.

Viele Weiterbildungseinrichtungen wie das LVQ-Weiterbildungszentrum haben spezielle Angebote für Hochschulabsolventen, die auf die Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnitten sind.

Ende der Arbeitslosigkeit nur mit Eigeninitiative

Egal, für welchen Weg Sie sich letztlich entscheiden: Ohne Eigeninitiative gelingt es nicht. Die Jobcenter-Berater kennen praktisch nie alle auf dem Markt befindlichen Optionen.

Daher hier ein paar Tipps:

  • Informieren Sie sich bei Industrie- und Handelskammern

    Sie verfügen ebenfalls über ein umfassendes Weiterbildungsangebot, das entsprechend zertifiziert ist. Daneben haben Sie die Möglichkeit, sich ausführlich über die verschiedenen Fördermöglichkeiten zu informieren.

  • Erweitern Sie Ihr Netzwerk

    Es gibt viele Möglichkeiten, sein Netzwerk zu erweitern - über Hobbys und Vereine in der Freizeit, das Ehrenamt oder den Besuch von fachspezifischen Messen und Konferenzen. Für arbeitslose Akademiker bieten sich auch Arbeitskreise oder Alumni-Programme an Hochschulen an.

  • Nutzen Sie Jobbörsen

    Viele große Zeitschriften wie Die Zeit oder die Süddeutsche Zeitung haben bereits einen eigenen Stellenmarkt, oftmals können Interessierte einen Newsletter abonnieren. Kennen Sie unsere Jobbörse bereits? Unter Karrieresprung.de können Sie Ihren Lebenslauf hochladen, um die passive Jobsuche zu fördern - also das Gefundenwerden.

[Bildnachweis: Africa Studio by Shutterstock.com]

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