Unvermittelbar: Muss ich arbeitslos bleiben?

Sie sind der Albtraum in jedem Jobcenter: die scheinbar Unvermittelbaren. Keine Ausbildung, keine Erfahrung, keine Chance – oder doch? Für Menschen mit mehreren Vermittlungshemmnissen ist der Weg zurück in den Arbeitsmarkt tatsächlich steiniger als für andere, nicht umsonst gelten Sie als unvermittelbar. Arbeitgeber tun sich oft schwer, solche Kandidaten einzustellen und in der direkten Bewerbung gegen zahlreiche Konkurrenten wird es schwer, sich durchzusetzen. Aufgeben und zum Langzeitarbeitslosen werden ist allerdings für viele auch keine Option. Leicht wird es zwar nicht, wenn Sie als unvermittelbar gelten, doch müssen Sie sich nicht gleich geschlagen geben. Wir zeigen, was Sie tun können, um aus dem Status unvermittelbar zu entkommen und einen Job zu finden…

Unvermittelbar: Muss ich arbeitslos bleiben?

Unvermittelbar: Das bringt gleich mehrere Probleme

Der Matthäus-Effekt besagt: Wer hat, dem wird gegeben. Leider funktioniert das oftmals auch genau umgekehrt: Wer nichts hat, bekommt auch nichts.

Einige Arbeitslose stecken in genau diesem Teufelskreis. Der Job ist weg oder der Berufseinstieg ist bisher noch nicht geglückt – und dann türmen sich nacheinander gleich weitere Hürden auf, wodurch die Situation noch schlimmer wird. Das Netzwerk wird kleiner, Wissen, Fähigkeiten und Expertise veraltet, das Selbstvertrauen sinkt.

Fortschreitendes Alter, Digitalisierung, Depressionen – im Worst Case ist man irgendwann unvermittelbar. Der Weg zu einem neuen Arbeitsplatz scheint fast aussichtslos.

Erschwerend hinzu kommt, dass die Zeit gegen Sie läuft. Je länger ein Arbeitssuchender als unvermittelbar gilt, desto schlechter stehen die Chancen. Betroffene geben irgendwann die Hoffnung auf und sehen keine Möglichkeit mehr, in einen Job einzusteigen. Sie so der zwangsläufige Verlauf aus? Unvermittelbar, erfolglose Suche, Resignation?

Nein! Niemand sollte sich der Illusion hingegen, dass es einfach wäre – aber auch wer unvermittelbar scheint, muss nicht arbeitslos bleiben.

Wer gilt als unvermittelbar?

Mit dem Begriff unvermittelbar wird zum Teil sehr locker umgegangen. Wer für einen längeren Zeitraum keinen Job hat und nicht sofort nach dem Verlust einer Arbeitsstelle wieder in den Beruf zurückkehrt, wird leider oftmals viel zu voreilig als unvermittelbar abgestempelt oder stuft sich selbst zu Unrecht in dieser Kategorie ein.

Unvermittelbar ist, wer de facto keine Aussichten auf einen dauerhaften Arbeitsplatz hat. Es müssen tatsächlich schwerwiegende Gründe vorliegen, die dagegen sprechen, dass ein Unvermittelbarer wieder eine Anstellung findet.

Weil er oder sie zum Beispiel weder Schulabschluss noch Ausbildung oder Berufserfahrung vorweisen kann oder die deutsche Sprache nicht beherrscht. Auch Alkohol- oder Drogenprobleme können eine Ursache sein. Oder fehlende charakterliche Eignung, sofern sich diese aus den bisherigen Arbeitszeugnissen herauslesen lässt.

Zusammengefasst: Es können vielerlei formelle, private oder charakterliche Gründe dahinter stecken.

Schwer vermittelbar sind prinzipiell unter anderem…

  • Langzeitarbeitslose
  • Alleinerziehende mit kleinen Kindern
  • Ältere Menschen
  • Chronisch Kranke und Menschen mit Behinderung

Oft sind es auch einfach ungünstige Konstellationen, die aus einem Jobsuchenden einen Unvermittelbaren machen. Wenn es ein klares Mismatch zwischen Stellen- und Bewerberprofil gibt.

Konkrete Beispiele:

  • Ein Bauarbeiter, der chronische Rückenprobleme hat.
  • Eine alleinerziehende Verkäuferin, die keinen Kita-Platz für ihr Kind findet – und deswegen nicht zu den erforderlichen Zeiten im Geschäft sein kann.
  • Ein Handwerker, dessen ausländische Ausbildung nicht anerkannt wird.
  • Ein Informatiker mit Hochschulabschluss, der seit fünf Jahren nicht mehr im IT-Beruf gearbeitet hat – und dementsprechend nicht auf dem neuesten Stand ist.
  • Ein überaus freundlicher und kommunikativer Bewerber, der für jedes Call Center eine Bereicherung wäre – nur leider kein Wort deutsch spricht.

Gemeinhin gilt es als Aufgabe der Politik, Arbeitslose und schwer Vermittelbare durch die richtigen Fördermaßnahmen in Arbeit zu bringen. Aber mal angenommen, die Politik hilft Ihnen nicht weiter und auch in Zukunft wird niemand aus dem Jobcenter bei Ihnen anrufen: Was dann?

Kann man selbst etwas tun, um sich aus dem Status der Unvermittelbarkeit zu kommen? Antwort: Natürlich, auch wenn es nicht einfach wird. Beginnen sollten Sie mit der richtigen Einstellung, indem Sie sich bewusst machen, dass Sie durchaus noch Chancen haben und einige Punkte für Sie sprechen können.

Unvermittelbar? Das spricht für Sie!

  • Arbeitsmarkt

    Unvermittelbar? Das spricht für Sie!Richtig ist: Je länger jemand arbeitslos ist, desto schwieriger wird die Jobsuche. Aussichtslos ist sie aber nicht. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit schaffen Jahr für Jahr zigtausende Langzeitarbeitslose den Sprung auf dem Arbeitsmarkt.

    Besonders niedrig sind die Einstiegsbarrieren in den Bereichen Security und Sicherheitsdienste, Garten- und Landschaftsbau, Call Center, Messebau, Hausmeister und Reinigung. Auch die allgemeine Situation auf dem Arbeitsmarkt sieht gut aus, es werden zahlreiche Positionen neu geschaffen und ausgeschrieben, viele Arbeitgeber sind auf der Suche nach Personal. Noch hat der deutsche Arbeitsmarkt also auch für Ungelernte, Langzeitarbeitslose oder Wiedereinsteiger offene Stellen zu bieten. Tendenziell aber dürfte die Zahl der niedrigschwelligen Jobs immer weiter abnehmen.

  • Arbeitgeber

    Eine Arbeitgeberumfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergab vor einigen Jahren, dass 33 Prozent der Betriebe prinzipiell dazu bereit sind, langzeitarbeitslosen Bewerbern im Einstellungsprozess eine Chance zu geben. 39 Prozent der Betriebe würden nur Bewerber in Betracht ziehen, die weniger als ein Jahr arbeitslos waren. 16 Prozent der Betriebe würden arbeitslose Bewerber gar nicht berücksichtigen.

    Zudem hatten 40 Prozent der befragten Betriebe bereits Erfahrungen mit langzeitarbeitslosen Mitarbeitern gemacht. Ihr Urteil: überwiegend positiv. Rund ein Drittel bewertete die Eigenschaften Langzeitarbeitsloser mit sehr gut oder gut. Diese Firmen zeigten sich vor allem von Tugenden wie Motivation und Zuverlässigkeit angetan.

    Fazit: Die Einstellung vieler Betriebe gegenüber Langzeitarbeitslosen ist besser, als sie mitunter gezeichnet wird.

  • Historie

    Auch Autisten galten noch vor wenigen Jahren als völlig unvermittelbar. Mittlerweile sind sie gefragte IT-Spezialisten, arbeiten bei SAP, Infineon, Allianz und Siemens. Ein Beispiel, das Mut macht und zeigt: Vermeintliche Schwächen können in Zukunft zu Stärken werden.

    Das könnte zum Beispiel auch verstärkt auf Mütter zutreffen, die nach langer Job-Auszeit bisweilen auch als unvermittelbar gelten. Ein Anfang wäre, die vermeintliche Schwäche im Bewerbungsprozess ganz offensiv in eine Stärke umzuinterpretieren.

    Immerhin bringen Mütter und Väter Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein, gutes Zeitmanagement und pädagogische Erfahrungen – oder um es mit einem Euphemismus zu sagen: Leadership-Qualitäten – mit.

Unvermittelbar? Das spricht gegen Sie!

  • Talent Gap

    Unvermittelbar? Das spricht gegen Sie!Schon heute gibt es eine Zweiteilung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. In der einen Spielhälfte stehen stark nachgefragte Fachkräfte und Spezialisten oder auch Young Professionals, die teils frei wählen können. Manche Ingenieure und IT-Fachkräfte gehören dazu. In der anderen Spielhälfte steht ein wachsendes Heer Unqualifizierter, das sich um immer weniger niedrigschwellige Jobs balgt.

    Darum: Langfristig sind Sie nur mit der richtigen Ausbildung und brauchbaren Skills wieder drin im Spiel. Mit IT-Kenntnissen oder Verkaufstalent zum Beispiel – oder auch handwerklicher Expertise.

  • Vermittlungshemmnisse

    Nur 3,9 Prozent aller Beschäftigungslosen weisen kein einziges Vermittlungshemmnis auf. Das ergab eine Untersuchung des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik bereits vor einigen Jahren. 15,9 Prozent haben demnach ein einziges Vermittlungshemmnis, 29,9 Prozent haben zwei und 28,1 Prozent drei Vermittlungshemmnisse. Vier oder noch mehr Vermittlungshemmnisse haben 22,3 Prozent der Beschäftigungslosen.

    Je mehr Faktoren, die gegen Sie sprechen, desto eher werden Sie unvermittelbar und desto größer das Risiko für Langzeitarbeitslosigkeit.

Schluss mit Unvermittelbar: So bauen Sie Vermittlungshemmnisse ab

Wichtig ist für schwer Vermittelbare und Langzeitarbeitslose vor allem eines: Vermittlungshemmnisse abbauen! Das steigert die Chancen enorm, wieder einen passenden Job zu finden und endlich etwas an der beruflichen Situation ändern zu können.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Schließlich kann man nicht jede Schwäche einfach beseitigen. Chronische Rückenprobleme werden nicht einfach verschwinden, das Alter bleibt bestehen und schreitet weiter vor und auch andere Vermittlungshemmnisse sind leider sehr hartnäckig.

Aber: Wer vorher vier Vermittlungshemmnisse hatte und hinterher nur noch zwei oder eines, verbessert schon allein dadurch seine Einstellungschancen enorm.

Darum: Schritt für Schritt vorgehen – und mit dem Aspekt beginnen, der für Sie am leichtesten zu bewerkstelligen ist. Die Devise ist simpel: Jedes Hemmnis, das Sie lösen können, verbessert Ihre Situation und bringt Sie weg vom „Status unvermittelbar“.

Analysieren und reflektieren Sie dafür zunächst den Status Quo: Warum sind Sie unvermittelbar? Welche Faktoren tragen dazu bei? Welche sind dabei besonders wichtig? Und welche können Sie persönlich ändern? So erhalten Sie eine Liste mit Punkten, an denen Sie arbeiten können und sollten, um nicht mehr unvermittelbar zu sein.

Beispiele und Tipps, was Sie tun können, um der Unvermittelbarkeit den Kampf anzusagen, haben wir in der folgenden Liste für Sie zusammengestellt:

  • Schulabschluss nachholen

    Für Bewerber ohne Hauptschulabschluss wird es auf dem Arbeitsmarkt immer schwieriger. Einen Schulabschluss – vielleicht sogar das Abitur – können Sie aber nachholen. Das geht per Fernstudium oder in der Abendschule.

  • Umschulung durchführen

    Sollten Sie die „falsche“ (weil nicht nachgefragte) Qualifikation haben, dann könnte eine Umschulung für Sie in Betracht kommen. Genauso für Menschen, die aufgrund eines Handicaps nicht mehr als Handwerker arbeiten können – in einem Schreibtischjob aber sehr wohl.

  • Ehrenamt übernehmen

    Ein Ehrenamt zeigt, dass Sie Verantwortung übernehmen, sich engagieren wollen. Sie sind eben nicht aus eigener Entscheidung arbeitslos, sondern wollen arbeiten und etwas daran ändern. Das gibt ein dickes Plus im Lebenslauf!

  • Kinderbetreuung organisieren

    Betrifft vor allem Alleinerziehende. Wichtig ist, einem potenziellen Arbeitgeber klar zu machen: Ich habe einen Profi-Plan in der Tasche – mit Oma, Kita, Tagesmutter, für jedes Problem eine Lösung – und muss nicht bei jedem Schnupfen meines Kindes nach Hause rennen.

  • Therapie machen

    Auch psychische Probleme sind ein nicht seltenes Vermittlungshemmnis. Wer seine Angstzustände, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen durch eine Therapie in den Griff bekommt, verbessert nicht nur sein Leben – sondern auch seine Jobperspektiven.

  • Sprache lernen

    Deutsch lernen – das sollte insbesondere für Zuwanderer, die der Sprache nicht mächtig sind, ganz oben auf der To-do-Liste stehen. Aber: Rudimentäres Deutsch bringt einen kaum weiter. Je besser die Sprachfähigkeit, desto besser die Chancen. Also nicht einfach bei A2 aufhören. Mit einem gut abgeschlossenen Sprachkurs wird es auf dem Arbeitsmarkt deutlich leichter.

  • Lücken vermeiden

    Am Anfang der Bewerbung steht der Lebenslauf: Hier gilt es, Lücken zu vermeiden oder zu füllen. Für Unvermittelbare besonders schwer, da der Job fehlt, um einen fortlaufenden Lebenslauf bieten zu können. Hier hilft es, die Zeit mit anderen Aktivitäten zu nutzen, die im Lebenslauf angegeben werden können. Praktikum, Sprachkurse, Fortbildungen oder andere Qualifikationen zeigen, dass Sie wichtige Kompetenzen mitbringen. Sollte es doch Lücken geben, kann eine professionelle Bewerbung die Chancen verbessern.

  • Eigenmarketing verbessern

    Wer sagt, dass nur Medien- und Marketingexperten zu unkonventionellen Mitteln greifen dürfen? Erstellen Sie doch einfach eine Bewerbungshomepage, auf der Sie um die Gunst der Unternehmen buhlen. Zeugt von Motivation und Antrieb – und wird Ihre Vermittlungschancen sicher nicht verschlechtern.

[Bildnachweis: Andrey_Popov by Shutterstock.com]
26. Februar 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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