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Zweiter Bildungsweg: Abitur, Bafög, Tipps

Der zweite Bildungsweg ist kein Spazierweg. Er ist voller Kreuzungen, Kurven und manchmal auch Sackgassen. Wer ihn bis zum Ende geht, darf sich aber über den Hauptschulabschluss, die mittlere Reife oder das Abitur freuen. Er ist eine Option für alle, die ihr (Berufs)Leben umkrempeln oder noch mal neu starten wollen. Der zweite Bildungsweg ermöglicht eine (andere) Ausbildung oder sogar ein Studium. Das Beste: Sie können dafür Bafög erhalten…

Zweiter Bildungsweg: Abitur, Bafög, Tipps

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Was versteht man unter dem zweiten Bildungsweg?

Den zweiten Bildungsweg kann beschreiten, wer einen Schulabschluss nachholen und/oder eine Hochschulreife erwerben möchte. In der Regel tun dies Erwachsene, die sich beruflich umorientieren oder neu aufstellen möchten.

Beispiel: Jemand, der mit 15 die Hauptschule geschmissen hat und einige Jahre später merkt, dass es ohne Schulabschluss doch recht schwierig ist, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Über den zweiten Bildungsweg kann er oder sie den Hauptschulabschluss nachholen.

Im Prinzip können Sie jeden Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg erwerben. Genauere Hinweise finden Sie in den jeweiligen Dossiers:

Die Grundaussage lautet: Der Zug ist noch nicht abgefahren! Aber: Einen Schulabschluss nachzuholen – das erfordert in jedem Lebensalter Zeit, Energie, Geld. Besser also, man hat von vornherein einen Plan in der Tasche, was man mit den Zeugnissen hinterher anzufangen gedenkt.

Warum zweiter Bildungsweg?

Die Vorteile des zweiten Bildungswegs im Überblick:

  • Größere Jobperspektiven
    Sie erwerben einen formellen Abschluss und verbessern dadurch Ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt erheblich.
  • Schärferes Profil
    Sie stellen Leistungsbereitschaft, Engagement, Lernwillen unter Beweis – auch das muss später bei der Bewerbung kein Nachteil sein.
  • Bessere Soft Skills
    Sie werden selbstständiger, verbessern Zeitmanagement, Organisationsfähigkeit, Disziplin usw.
  • Flexible Einteilung
    Sie können weiter arbeiten – wenigstens in Teilzeit.
  • Überschaubare Kosten
    Der zweite Bildungsweg ist in der Regel kostenfrei.
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Wo lassen sich welche Schulabschlüsse nachholen?

Prinzipiell gilt: In Deutschland können Sie über den zweiten Bildungsweg ALLE Schulabschlüsse nachholen. Als da wären:

Hauptschulabschluss

Er ist so etwas wie die Eintrittskarte in den Arbeitsmarkt. In manchen Ausbildungsberufen ist ein Hauptschulabschluss absolut ausreichend, in den meisten allerdings nicht. Übrigens: Wer das Glück hat, ohne jeden Schulabschluss eine Lehrstelle zu ergattern, holt den Hauptschulabschluss mit der abgeschlossenen Berufsausbildung automatisch nach. Das dürfte aber eine Ausnahme sein.

Den Hauptschulabschluss kann man auf dem zweiten Bildungsweg an Abendhauptschulen oder Volkshochschulen nachholen. In der Abendhauptschule lernen die Schüler meist unter der Woche abends – bis zu 20 Wochenstunden über ein bis drei Semester.

Realschulabschluss

Für viele Ausbildungsberufe ist der Realschulabschluss ausreichend. Wer ihn hat, kann in Verbindung mit beruflicher Qualifikation auch die Fachhochschule – in manchen Fällen sogar die Universität – besuchen.

Nachholen können Sie die mittlere Reife an Abendrealschulen, Berufskollegs oder per Fernstudium. An der Abendrealschule dauert der Unterricht meist zwei Jahre, die Blöcke können auch vormittags besucht werden.

Fachabitur

Umgangssprachlich Fachabi genannt, verbergen sich genau genommen zwei Abschlüsse dahinter: Mit der fachgebundenen Hochschulreife [lässt sich in der gymnasialen Oberstufe, an Berufsoberschulen (BOS) oder Fachakademien erwerben] können Sie die Fächer studieren, die in Ihrem Abschlusszeugnis stehen.

Die sogenannte Fachhochschulreife hingegen berechtigt zum Studium aller Fächer an einer Fachhochschule (FH). Auch an der Uni reicht für bestimmte Fächer die Fachhochschulreife. Oft handelt es sich um technische Fächer. Zu erwerben ist dieser Abschluss über den zweiten Bildungsweg an Abendgymnasien, Berufskollegs oder an der Volkshochschule.

Abitur

Mit der allgemeinen Hochschulreife im Lebenslauf stehen Ihnen alle Möglichkeiten offen. Sie können an der Uni jedes Fach studieren. Kleiner Hinweis: Studieren ist mittlerweile auch ohne Abitur möglich.

Der zweite Bildungsweg führt über das Abendgymnasium oder via Fernstudium zum Abitur. Aber der Aufwand ist groß, der Zeitraum lang. Drei Jahre sollten Sie einkalkulieren.

Via Nichtschülerprüfung zum Abitur

Sie müssen nicht einmal das Abendgymnasium besuchen, um das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Prinzipiell kann jeder – mittlere Reife vorausgesetzt – an der sogenannten Nichtschülerprüfung (auch Externenprüfung oder Schulfremdprüfung genannt) teilnehmen. Sie können sich also auch in Eigenregie zuhause vorbereiten und für die Prüfung anmelden.

Aber Achtung: Dieses Vorgehen ist nicht empfehlenswert – nicht einmal für Hochbegabte. Und: Die Teilnahme an der Externenprüfung ist kostenpflichtig. Im Falle einer solchen Nichtschülerprüfung legen Sie vor einer Schulaufsichtsbehörde die Prüfung ab. Für genauere Informationen wenden Sie sich ans Schulamt vor Ort. Das erklärt die Details in Ihrem Bundesland.


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Zweiter Bildungsweg: Wie finanziere ich ihn?

Die gute Nachricht: Der zweite Bildungsweg ist öffentlich und kostenfrei. Wer eine Abendschule oder ein Kolleg besucht, übernimmt nur die Kosten für Schulbücher. Wer aber einen Schulabschluss bei einem Fernanbieter nachholen möchte, verlässt den öffentlichen Bereich – und betritt den privaten. Das bedeutet im Klartext: Er oder sie muss zahlen. Darum vorher die Optionen genau vergleichen.

Der zweite Bildungsweg ist nicht nur beschwerlich, sondern auch kostenintensiv – selbst dann, wenn Sie gar keine Gebühren zahlen. Schließlich können Sie in der Zeit, in der Sie lernen, kein Geld verdienen. Diese Finanzierungsoptionen stehen Ihnen offen:

  1. Schüler-Bafög

    Wer ein Abendgymnasium besucht, kann unter bestimmten Voraussetzungen Schüler-Bafög beziehen. Hierbei handelt es sich um ein elternunabhängiges Bafög. Sie erhalten pauschale Bedarfsbeträge, auf die das eigene Einkommen oder Vermögen angerechnet wird.

    Die Bedarfssätze richten sich nach der Art der Schule. Wer zum Beispiel eine Fachoberschulklasse besucht und nicht bei den Eltern wohnt, erhält derzeit 585 Euro im Monat. Hinzu kommen weitere Zuschläge für Kranken- und Pflegeversicherung. Selbst die Altersgrenze von 30 Jahren, die für Bafög-Empfänger normalerweise gilt, fällt unter bestimmten Umständen weg. Den Antrag stellen Sie direkt beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung.

  2. Bildungskredit

    Wer finanziell sorgenfrei über den zweiten Bildungsweg gehen möchte, kann zudem einen Bildungskredit beantragen. Das Programm der Bundesregierung richtet sich unter anderem an volljährige Schüler und sieht ein Kreditvolumen von 1.000 bis 7.200 Euro vor. Das Geld wird in Monatsraten von 100, 200 oder 300 Euro ausgezahlt – bis zu 24 Monate lang. Auch eine Einmalzahlung in Höhe von 3.600 Euro ist möglich.

    Alternativ können Sie einen privaten Studienkredit bei anderen Banken, Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken beantragen. Der Nachteil bei all diesen Angeboten ist allerdings, dass Sie sich verschulden, sofern Sie auf keinerlei finanzielle Rücklagen zurückgreifen können.

  3. Stipendium

    Um es vorwegzunehmen: Ein Stipendium liegt für die große Mehrheit derer, die einen Schulabschluss nachholen möchte, außer Reichweite. Häufig sind exzellente Noten Voraussetzung für eine Förderung. Auch richten sich Förderungen wie das Aufstiegsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung an besonders motivierte und leistungsbereite Berufstätige, die mit einem Studium eine berufliche Weiterbildung planen.

    Etwas bessere Chancen haben Sie, wenn Sie in einer Gewerkschaft aktiv sind. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung gewährt Schülern auf dem zweiten Bildungsweg bis zu 1.148 Euro pro Monat. Selbst bewerben können Sie sich allerdings nicht. Sie müssen – zum Beispiel von einer Gewerkschaft – vorgeschlagen werden. Eine Alternative können allerdings Stipendien sein, die sich an bestimmte, eher benachteiligte Zielgruppen richten wie Migranten, Waisenkinder oder Menschen mit Behinderung.

  4. Selbstfinanzierung

    Nicht unerwähnt bleiben sollte die Möglichkeit der Selbstfinanzierung. Das ist zwar einerseits die anspruchsvollste Alternative, anderseits bleiben Sie unabhängig. Denn hierfür müssen Sie sich weder bewerben, noch sich vorschlagen lassen, noch Nachweise einreichen oder sämtliche Rücklagen und Konten offenlegen.

    Unser Tipp für die Selbstfinanzierung: Besuchen Sie die Abendschule – ganz gleich, ob Abendrealschule oder Abendgymnasium. Mit Abendkursen können Sie tagsüber einer Erwerbstätigkeit nachgehen, um sich zu finanzieren. Auch sind die Abendschulen im Umfang des Lernstoffs und in der Gestaltung der Prüfungen auf diese Fälle ausgerichtet. Zusätzlich kann es sich lohnen, den Arbeitgeber auf eine finanzielle Unterstützung anzusprechen.

Kosten steuerlich absetzbar

Und auch wer alles aus eigener Tasche zahlen muss, kann immerhin steuerliche Vorteile geltend machen. Die entstehenden Kosten – beispielsweise für Kurse, Lehrgänge, Bücher – geben Sie als Werbungskosten oder Sonderausgaben in der Steuererklärung an. Auch Arbeitslose und Eltern in Teilzeit können die Kosten steuerlich absetzen.


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Wie ist der zweite Bildungsweg in den Bundesländern geregelt?

Die deutsche Bildungslandschaft ist relativ stark zersplittert. Ein Hauptgrund: der Föderalismus, der die Hoheit über die Schulen in Länderhände gibt. Darum sieht der zweite Bildungsweg in Bayern auch etwas anders aus als in Brandenburg. In Hessen gibt es andere Schulen und Träger als in Berlin. Grundsätzlich aber können Sie alle Schulabschlüsse in jedem deutschen Bundesland nachholen.

Es können aber Stolpersteine auf dem Weg liegen. Ein Szenario: Sie wohnen im Bremer Umland und wollen an einer Abendschule in Bremen die mittlere Reife nachholen. Das geht leider nicht! Ihr Wohnsitz muss sich in der Stadt Bremen befinden, wenn Sie dort den zweiten Bildungsweg beschreiten wollen. Das ist im Übrigen keine Bremer Spezialität, sondern in anderen Bundesländern auch so.

Diese Herrschaften kamen über den zweiten Bildungsweg

Über den zweiten Bildungsweg kommen – und danach ganz groß rauskommen, zum Beispiel in der Politik. Das ist keinesfalls eine Ausnahme. Diese Herren haben es geschafft…

  • Gerhard Schröder
    Der Ex-Kanzler besuchte zunächst die Volksschule und absolvierte danach eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. In Göttingen arbeitete Schröder in einer Eisenwarenhandlung und ging parallel auf eine Abendschule, wo er die mittlere Reife nachholte. Später führte ihn sein Weg aufs Berufskolleg, ins Jura-Studium – und ins Kanzleramt.
  • Kurt Beck
    Noch ein früherer SPD-Vorsitzender, der den zweiten Bildungsweg ging. Beck ging zunächst auf die Volksschule und machte anschließend eine Ausbildung zum Elektro-Mechaniker. Nach seinem Grundwehrdienst arbeitete der Pfälzer als Funkelektroniker beim Heeresinstandsetzungswerk. Nebenbei besuchte er – von 1969 bis 1972 – die Abendschule und kam so zur mittleren Reife.
  • Norbert Blüm
    Auch in der CDU kann man über den zweiten Bildungsweg in höchste Ämter gelangen. Der frühere Arbeitsminister Blüm ging erst auf die Volksschule, absolvierte danach eine Lehre zum Werkzeugmacher. Von 1957 bis 1961 besuchte er neben seiner Berufstätigkeit das Abendgymnasium in Mainz. Anschließend studierte er in Köln und Bonn.
  • Albert Einstein
    Der hochbegabte Albert war nur ein lausiger Schüler und verließ mit 15 die Schule – ohne Abschluss. Erst in der Schweiz holte er Schulabschluss und Abitur nach und wurde auch im Folgenden von der Technischen Hochschule Zürich zunächst abgewiesen. Heute wird Albert Einsteins Name synonym mit Genialität gebraucht.

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[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]

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