Lernmethoden: So kommen Sie ans Ziel

Man lernt nie aus, heißt es. Darüber, wie gelernt wird, sagt diese Weisheit allerdings nichts. Es gibt verschiedene Lernmethoden, die je nachdem zur Wissensaneignung angewendet werden können. Darunter werden Lernstrategien und Lerntechniken verstanden, die bei gezielter und effizienter Anwendung eine Arbeitshilfe bedeuten. Besonders in der Ausbildung und an der Uni ist das wichtig, da die Lernenden über einen längeren Zeitraum immer wieder neuen Input bekommen.

Sinn und Zweck dieser Methoden ist es, sich innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit möglichst umfangreich in ein Thema einzuarbeiten, um anschließend eine Prüfung bestehen zu können. Vor dem Hintergrund einer sich ändernden Arbeitswelt ist Lernen aber kein abgeschlossener Prozess. Vielmehr ist lebenslanges Lernen die Maxime, weshalb Lernmethoden auch in der Erwachsenenbildung eine wichtige Rolle spielen. Welche Lernmethoden und Lerntechniken es für Erwachsene und Schüler gibt…

Lernmethoden: So kommen Sie ans Ziel

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Was gibt es für Lernmethoden?

Natürlich können Sie einfach anfangen, sich ein Buch zu schnappen, die jeweiligen Kapitel durchzulesen und in Gedanken auswendig zu lernen – wie ein Gedicht. Im letzten Jahrhundert war das noch verbreitete Praxis, allerdings hilft stumpfes Pauken meist nur kurzfristig. In den wenigsten Fällen können Sie auf Reime zurückgreifen, die Ihnen das Erschließen eines fehlenden Wortes ermöglichen. Dennoch ist Auswendiglernen Bestandteil verschiedener Lernmethoden, allerdings häufig deutlich spielerischer. Die nachfolgenden Lernmethoden stellen keine Gewichtung für den Erfolg dar. Vielmehr müssen Sie selbst entscheiden, welche für Sie in der jeweiligen Situation angemessen erscheint:

Lernplan erstellen

Zu den wichtigsten Lernmethoden zählt, dass Sie einen Lernplan erstellen. Sie sollte daher ganz am Anfang stehen. Was auf dem ersten Blick so simpel klingt, hat ganz einfach den Hintergrund, dass Sie einen Überblick über die Zeit gewinnen, die Ihnen (noch) zur Verfügung steht. Sie teilen sie je nach Themengebiet in unterschiedliche Lerneinheiten und Pausen ein. Ein Lernplan ermöglicht Ihnen zudem jederzeit zu überprüfen, ob Sie noch in der Zeit sind, oder ob Sie an einer Stelle kürzer oder länger gebraucht haben. Um nicht doch unter Zeitdruck zu geraten, empfiehlt es sich, diesen Lehrplan so anzulegen, dass Sie großzügige Puffer einbauen, falls etwas nicht nach Plan verläuft.

Gelesenes unterstreichen

Am Anfang einer jeden Wissensaneignung und -vertiefung steht oftmals das Lesen. Besonders wenn Hausarbeiten im Studium verfasst werden müssen, mag zwar ein grobes Verständnis des Themas vorhanden sein. Dann heißt es aber, sich weitere Literatur zu beschaffen, um auf diesem Wissen aufbauen zu können. Dabei gehört das Markieren von Textstellen zu einer einfachen und häufig praktizierten Lernmethode, um das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden zu können. Manche Untersuchungen weisen darauf hin, dass diese Methode ein Lernirrtum sei, da sie nicht besonders effektiv sei: Viele Lernende neigten dazu, zu viel und relativ wahllos zu unterstreichen – am Ende sei der gesamte Text in bunten Farben markiert, aber im Gedächtnis kann kaum etwas abgerufen werden. Als Faustregel wird daher häufig empfohlen: Wenn unterstreichen, dann maximal drei Phrasen pro Seite. Bei besonders kleinen Seiten oder extrem langen Sätzen kann das ebenfalls zu viel sein. Tipp: Achten Sie darauf, die wichtigsten Schlüsselbegriffe herauszufiltern.

Mindmap erstellen

Die wichtigsten Schlüsselbegriffe wiederum bringen Sie zu einer weiteren Technik. Sie können eine Mindmap anfertigen. So müssen Sie zwangsläufig Informationen aus Ihrem Gedächtnis abrufen und sinnvoll zusammenstellen. Denn in Ihrem Gedächtnis ist das Wissen wie ein Wollknäuel abgespeichert. Mindmapping wird der mäandernden Gehirnstruktur gerecht und hilft quasi beim Entwirren dieses Wollknäuels. So vermittelt Ihnen diese Lernmethode eine klarere Vorstellung davon, wie sich bestimmte Themenbereiche gliedern lassen.

Zusammenfassungen schreiben

Eine Studie der Wissenschaftler John Dunlosky und Katherine Rawson von der Kent State Universität, Elisabeth Marsh von der Duke Universität, Mitchell J. Nathan von der Universität von Wisconsin und Daniel Willingham von der Universität von Virginia zufolge gehört das Zusammenfassen neben erneutem Lesen, dem Erstellen von Karteikarten, markieren und dem Merken anhand von Bildern zu der am wenigsten erfolgreichen Lernmethode. Zumindest, wenn Sie den Aufwand und das Ergebnis in Verhältnis zueinander stellen.

Andere Studien wiederum belegen, dass vor allem das handschriftliche Schreiben sehr wohl dazu beitragen kann, Gelerntes zu verinnerlichen. Denn Sie müssen sich mit bestimmten Inhalten erneut auseinandersetzen, sie in Ihre Sprache und Vokabular transformieren. Darüber hinaus hilft das Schreiben dabei, den Kopf wieder frei zu bekommen – Ihre Unterlagen sind gewissermaßen ein ausgelagertes Gedächtnis. Sie können so Sinnesabschnitte in eine logische Reihenfolge bringen und in „leicht verdauliche Häppchen“ unterteilen.

Karteikarten anfertigen

Karteikarten eignen sich besonders gut zum Auffrischen und Wiederholen von bereits Gelerntem, da sie eine Mini-Zusammenfassung darstellen. Wer beispielsweise eine längere Präsentation vorbereiten muss, hat mit Karteikarten einen Stichwortgeber für den nächsten Präsentationspunkt. Karteikarten als Lernmethode stehen daher eher am Ende eines Lernprozesses.

Eselsbrücken merken

Generationen von Schülern haben sich im Unterricht mit Eselsbrücken geholfen. So eine ist beispielsweise 753 – Rom schlüpft aus dem Ei. Diese Lernmethode eignet sich, wenn etwas anderenfalls nur schwer zu merken wäre. Denn das Jahr 753 hat für Menschen in der Gegenwart keine besondere Bedeutung, kann daher nur schwer mit etwas verknüpft werden. Eselsbrücken mit Reimen funktionieren recht gut. Schwieriger ist es, sich selbst welche auszudenken, die beim zu lernenden Stoff passen.

Diskussionsrunde bilden

Diskutieren gehört zu den effektivsten Lernmethoden. Zum einen werden Sie zuvor mit der Materie über den einen oder anderen Informationsweg auseinandergesetzt haben. Zum anderen wiederholen Sie das aufgenommene Wissen, indem Sie Ihrem Gegenüber mit Ihren eigenen Worten einen Sachverhalt auseinandersetzen. Umso besser, wenn Sie eine kritikwürdige Theorie dazu äußern können. Das ermöglicht einen neuen Blick auf das Gelernte und führt zu einem differenzierten Bild. Gerade für wissenschaftliches Arbeiten ist dies unerlässlich, da von Ihnen kritisches Denken erwartet wird.

Prüfung simulieren

Das geht besonders gut mit Tests, die Sie sich und Ihren Kommilitonen selbst stellen. Häufig bieten Fachschaften an der Uni ihre Hilfe, indem auf ältere Klausuren zurückgegriffen wird. Diese enthalten oft ähnliche Aufgaben je nach Kurs und Semester. Dies ist Studien zufolge eine der effektivsten Lernmethoden, da Sie so das vorhandene Wissen abfragen und gleichzeitig festigen. Wenn keine Altklausuren existieren, können Sie und Ihre Mitstreiter durch eigene Frage-Antwort-Spiele die Prüfungssituation simulieren. Das bietet sich auch zusätzlich zu den Klausuren an, da Sie so vermeiden, sich einfach nur die Lösung einzuprägen und bei einer ähnlichen Aufgabe Schwierigkeiten haben, einen Lösungsweg zu erarbeiten.

Pausen machen

Pause machen soll eine Lernmethode sein? Wo es doch so inaktiv wirkt, während Lernen als aktives Vorgehen begriffen wird? Allerdings braucht jeder Mensch Zeit zur Regeneration. Im Schnitt sagt man, dass nach 90 Minuten eine Pause eingelegt werden sollte. Wer beispielsweise seine Lernphase dann für 15 oder 30 Minuten unterbricht und frische Luft schnappt, sich bewegt, pustet sein Gehirn durch. Das erhöht die Chancen um ein Vielfaches, danach aufnahmefähiger zu sein.

Schlafzeiten einhalten

Genügend Schlaf wird immer wieder unterschätzt. Einige begehen vor einer wichtigen Klausur den Fehler, die ganze Nacht durchzupauken – und wundern sich dann, dass sie nichts behalten können! Dabei hilft der Schlaf dabei, Wissen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Und genau da soll das Gelernte hin, denn was im Kurzzeitgedächtnis sitzt, geht schnell wieder verloren. Genügend Schlaf hilft außerdem, dass Sie am nächsten Morgen vergleichsweise entspannt sind – eine gewisse Grundnervosität ist völlig normal.

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Was ist die beste Lernmethode?

Das Gehirn kennt verschiedene Wege der Informationsaufnahme, die unterschiedlich erfolgreich dazu beitragen, ob wir Wissen behalten oder nicht. Die Theorie der Lerntypen geht davon aus, dass Menschen unterschiedliche Sinneskanäle bevorzugen. Beispielsweise haben Sie vielleicht etwas gehört und es dennoch nicht ganz verstanden. Zuhause haben Sie es nachgeschlagen und dann konnten Sie die Information behalten. Dieser Effekt beschreibt die Verarbeitungstiefe. Nachfolgend sehen Sie die unterschiedlichen Arten der Informationsaufnahme. Die Prozentangaben zeigen die Wahrscheinlichkeit, mit der Sie Informationen auf diesem Wege behalten:

➠ Etwas nur hören: 20 Prozent
➠ Etwas nur sehen: 30 Prozent
➠ Etwas sehen und hören: 50 Prozent
➠ Etwas sehen, hören und erklären: 70 Prozent
➠ Etwas sehen, hören, erklären und selbst machen: 90 Prozent

Selbst wenn Sie zum Lernen Videos bevorzugen: Die beste Lernmethode ist nicht eine einzelne, sondern beschreibt die Wege der Informationsaufnahme. Demnach sollte jeder möglichst viele Sinneskanäle nutzen. Wer etwas sieht, hört, anderen mit eigenen Worten erklären und womöglich sogar vormachen kann, hat den Stoff richtig durchdrungen. So bekommt der Lernstoff eine große Verarbeitungstiefe: Etwas wird eben nicht nur oberflächlich kurz auswendig gelernt, sondern durch intensive Beschäftigung langfristig abgespeichert.

Zielgerichtetes und unbewusstes Lernen

Wie und wofür jemand lernt, ist unterschiedlich. Manchmal ist das Ziel, sich innerhalb kürzester Zeit einfach nur möglichst viel Faktenwissen anzueignen, um beispielsweise bei Bedarf bestimmte Zahlen abrufen zu können. Ist die Prüfung erfolgreich bestanden, wird das Erlernte allerdings schnell wieder vergessen. Meist handelt es sich bei solchen Prüfungsinhalten um Wissen, das für den Arbeitsalltag keine übergeordnete Rolle spielt. Viel eher dient es der Selektion von Prüflingen. Ein häufiger Irrtum bei Lernenden: „Viel hilft viel“. Besonders viel Einsatz und Verzicht auf Zerstreuung müsse demnach automatisch zum gewünschten Ergebnis führen. Aber nur weil manche sich kaum noch Freizeit gönnen, sondern sich stattdessen in ihren vier Wänden verbarrikadieren und büffeln, gelangen sie noch lange nicht ans Ziel.

Aus der Psychologie und der Pädagogik wissen wir, dass die ersten Lebensjahre prägend sind und die Informationsverarbeitung später beeinflussen. Unbewusstes Lernen findet beispielsweise statt, wenn wir unsere Muttersprache lernen. Wir lernen die Grammatik automatisch, ohne die Reihenfolge der Satzglieder bewusst zu setzen noch ihre Funktion direkt bestimmen zu können. Für erfolgreiche Wissensaneignung muss allerdings bewusst und aktiv gelernt werden. Erfolgreiches und effizientes Lernen heißt, dass Sie einen bestimmten Plan verfolgen. Lernmethoden umfassen konkrete Tipps darüber, wie Sie sich den Stoff einprägen können und geben Ihnen wertvolle Hinweise zur richtigen Umsetzung. Ihre Einsicht und Einstellung zum Lernen ist genauso wichtig fürs Gelingen wie etwa ein intensiviertes Gedächtnistraining. Das hilft Ihrem Gehirn, sich langfristig zu erinnern. Das ist immer die bessere Lösung – zumindest, wenn es sich um Lerninhalte handelt, die Sie häufiger im Arbeitsleben brauchen werden.


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Wie lernt man am besten als Erwachsener?

Die Lernmethoden von Erwachsenen und Schülern unterscheiden sich nicht fundamental – vielmehr gelten die obigen Tipps auch im Erwachsenenalter. Aber das Alter spielt eine Rolle. Drei Lernmethoden, die speziell Erwachsenen das Lernen erleichtern:

  • Nutzen Sie Ihre Lebenserfahrung. Grundsätzlich lernen Menschen bis ins hohe Alter neue Dinge. Es ist die sogenannte fluide Intelligenz, die bereits mit Mitte zwanzig abnimmt und sich auf das Verarbeitungstempo von Informationen auswirkt. Kinder lernen noch spielend und im Handumdrehen Sprachen und neue Dinge – Erwachsene brauchen meist länger. Mit der kristallinen Intelligenz lässt sich allerdings einiges ausgleichen. Neben dem Faktenwissen handelt es sich um die Fähigkeit, erworbenes Wissen auf andere Bereiche zu übertragen und komplexe Probleme zu lösen.
  • Fördern Sie Konzentration. In einer ruhigen Umgebung lässt es sich besser konzentrieren. Ständiges Handyklingeln, laut redende Mitbewohner oder Baustellen vor der Tür lenken meist stärker ab als vermutet. Wer in so einer Lernumgebung sich volle Konzentration abverlangt, macht es sich unnötig schwer. Arbeiten Sie lieber mit lärmdämpfenden Kopfhörern. Auch ruhige Meditationsmusik kann geeignet sein, lästige Geräusche zu überdecken und die Konzentration zu verstärken.
  • Bewegen Sie sich. Wer rastet, der rostet. Bewegung hingegen fördert die Durchblutung. Das kommt nicht nur ihren Beinen und dem Rücken zugute, denn langes Sitzen ist schädlich. Vielmehr aktivieren Sie auch die Lernareale im Gehirn. Dies hängt wiederum mit den oben genannten Lerntypen beziehungsweise Sinneskanälen zusammen: Durch Bewegung können Sie Informationen mit Haptik (etwas „be-greifen“) oder Gestik verbinden und so besser abspeichern.
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Wann ist es am besten zu lernen?

So ganz pauschal lässt sich das nicht beantworten, da es verschiedene Chronotypen gibt. Starre Zeitvorgaben à la „von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends“ kann es daher nicht geben, zumindest nicht für jeden. Es gibt allerdings Zeitfenster, die sich am besten eignen. Diese liegen am Vormittag zwischen 9 und 11 Uhr beziehungsweise am Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr. Auch ausgemachte Nachteulen haben am Mittag einen tiefen Punkt und schaffen Lernen in der Nacht oft nur mit Kaffee. Was sich außerdem sagen lässt: Unter Zeitdruck zu lernen – etwa einen Tag vorher – ist nie vorteilhaft. Denn das Gelernte muss Zeit haben, sich zu setzen. Das passiert über Nacht, aber auch durch Wiederholung, durch Übung. Je nach Umfang des Lernstoffs muss also rechtzeitig begonnen werden, damit Sie Informationen erneut lesen und Aufgaben wiederholen können.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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10. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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