Lernmethoden: So kommen Sie ans Ziel

Man lernt nie aus, heißt es. Darüber, wie gelernt wird, sagt diese Weisheit allerdings nichts. Es gibt verschiedene Lernmethoden, die je nachdem zur Wissensaneignung angewendet werden können. Besonders in der Ausbildung und an der Uni ist das wichtig, da die Lernenden über einen längeren Zeitraum immer wieder neuen Input bekommen. Sinn und Zweck dieser Methoden ist es, sich innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit möglichst umfangreich in ein Thema einzuarbeiten, um anschließend eine Prüfung bestehen zu können. Welche Lernmethoden es für Erwachsene und Schüler gibt…

Lernmethoden: So kommen Sie ans Ziel

Lernmethoden Definition: Was ist darunter zu verstehen?

Lernmethoden Definition für Erwachsene Schüler Uni Pädagogik Psychologie Mindmap die besten Lernmethoden und LerntechnikenUnter Lernmethoden – teilweise ist auch von Lernstrategien und Lerntechniken die Rede – ist die Anwendung bestimmter Arbeitshilfen zu verstehen.

Sie ermöglichen es dem Lernenden, sich Wissen gezielt und vor allem effizient anzueignen, so dass es bei Bedarf (in der Prüfung oder im Arbeitsalltag) abgerufen und angewandt werden kann. Das richtige Verstehen des Erlernten zeigt sich unter anderem darin, dass das Gelernte mit eigenen Worten wiedergegeben werden kann.

Dabei gibt es verschiedene Wege der Informationsaufnahme, die unterschiedlich erfolgreich dazu beitragen, ob wir Wissen behalten oder nicht. Gleichzeitig wirkt sich aufs Lernen aus, welcher Lerntypus eine Person ist. Denn wenngleich die meisten Menschen eine Mischung aus verschiedenen Lerntypen darstellen, kann ein Lerntypentest helfen herauszufinden, welche Art und Weise Ihnen besonders liegt.

Zur Verdeutlichung sehen Sie hier eine Übersicht über die unterschiedlichen Arten der Informationsaufnahme und der Wahrscheinlichkeit, dass Sie Informationen auf diesem Wege behalten:

  • Etwas nur hören: 20 Prozent
  • Etwas nur sehen: 30 Prozent
  • Etwas sehen und hören: 50 Prozent
  • Etwas sehen, hören und erklären: 70 Prozent
  • Etwas sehen, hören, erklären und selbst machen: 90 Prozent

Zielgerichtetes und unbewusstes Lernen

Wie jemand lernt und wofür er oder sie lernt, ist unterschiedlich. Manchmal ist das Ziel, sich innerhalb kürzester Zeit einfach nur möglichst viel Faktenwissen anzueignen, um beispielsweise bei Bedarf bestimmte Zahlen abrufen zu können. Ist die Prüfung erfolgreich bestanden, wird das Erlernte allerdings auch schnell wieder vergessen.

Meist handelt es sich bei solchen Prüfungsinhalten um Wissen, das für den Arbeitsalltag keine übergeordnete Rolle spielt. Viel eher dient es der Selektion von Prüflingen. Aber unabhängig davon, welches Ziel seitens der Prüfer verfolgt wird, wollen Lernende vor allem eins: bestehen.

Dabei gibt es einen weit verbreiteten Irrglauben, nämlich den des „viel hilft viel“. Besonders viel Einsatz und Fleiß müsse demnach automatisch zum gewünschten Ergebnis führen. Aber nur weil manche sich kaum noch Freizeit und Ablenkung gönnen und stattdessen in ihren vier Wänden verbarrikadieren und büffeln, gelangen sie noch lange nicht ans Ziel.

Lernmethoden umfassen daher nicht nur konkrete Tipps darüber, wie Sie sich etwas einprägen können, sondern geben Ihnen wertvolle Hinweise zum richtigen Setting. Denn Ihre Einsicht und Einstellung zum Lernen ist genauso wichtig fürs Gelingen wie etwa ein intensiviertes Gedächtnistraining.

Das hilft Ihnen, wenn es darum geht, etwas langfristig zu erinnern, was im Endeffekt immer die bessere Lösung ist – zumindest, wenn es sich um Lerninhalte handelt, die Sie häufiger im Arbeitsleben brauchen werden. Lernmethoden anzuwenden heißt immer, dass Sie einen bestimmten Plan verfolgen.

Das ist wichtig für den Erfolg, denn Wissensaneignung geschieht neben der gezielten Aufnahme von Informationen auch unbewusst. Aus der Psychologie und der Pädagogik wissen wir, dass gerade die ersten Lebensjahre prägend sind und die Informationsverarbeitung später beeinflussen.

Das unbewusste Lernen findet beispielsweise statt, wenn wir unsere Muttersprache lernen – wir lernen die Grammatik automatisch, ohne die Reihenfolge der Satzglieder bewusst zu setzen noch ihre Funktion direkt bestimmen zu können.

Lernmethoden ermöglichen systematisches Lernen

Natürlich können Sie einfach anfangen, sich ein Buch zu schnappen, die jeweiligen Kapitel durchzulesen und in Gedanken auswendig zu lernen – wie ein Gedicht. Im letzten Jahrhundert war das noch verbreitete Praxis, allerdings hilft stumpfes Pauken meist nur kurzfristig.

In den wenigsten Fällen können Sie auf Reime zurückgreifen, die Ihnen das Erschließen eines fehlenden Wortes ermöglichen. Dennoch ist Auswendiglernen auch Bestandteil verschiedener Lernmethoden, allerdings häufig deutlich spielerischer.

Nachfolgend stellen wir Ihnen verschiedene Lernmethoden vor, die unterschiedlich effektiv sind. Es kann Phasen geben, in denen eine erforderlich ist, obwohl sie allein nicht erfolgversprechend ist. Die folgende Aufzählung stellt also keine Gewichtung für den Erfolg dar.

Vielmehr müssen Sie selbst entscheiden, welche für Sie in der jeweiligen Situation angemessen erscheint:

  • Lernplan erstellen

    Zu den wichtigsten Lernmethoden zählt, dass Sie einen Lernplan erstellen. Sie sollte daher ganz am Anfang stehen. Was auf dem ersten Blick so simpel klingt, hat ganz einfach den Hintergrund, dass Sie einen Überblick über die Zeit gewinnen, die Ihnen (noch) zur Verfügung steht.

    Sie teilen sie je nach Themengebiet in unterschiedliche Lerneinheiten und Pausen ein. Ein Lernplan ermöglicht Ihnen zudem jederzeit zu überprüfen, ob Sie noch in der Zeit sind, oder ob Sie an einer Stelle kürzer oder länger gebraucht haben. Um nicht doch unter Zeitdruck zu geraten, empfiehlt es sich, diesen Lehrplan so anzulegen, dass Sie großzügige Puffer einbauen, falls etwas nicht nach Plan verläuft.

  • Gelesenes unterstreichen

    Am Anfang einer jeden Wissensaneignung und -vertiefung steht oftmals das Lesen. Besonders wenn Hausarbeiten im Studium verfasst werden müssen, mag zwar ein grobes Verständnis des Themas vorhanden sein. Dann heißt es aber, sich weitere Literatur zu beschaffen, um auf diesem Wissen aufbauen zu können.

    Dabei gehört das Markieren von Textstellen zu einer einfachen und häufig praktizierten Lernmethode, um das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden zu können. Allerdings gibt es Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass diese Methode ein Lernirrtum sei, da sie nicht besonders effektiv sei.

    Ein Grund dafür ist, dass viele Lernende dazu neigen, zu viel und relativ wahllos zu unterstreichen – am Ende ist der gesamte Text in bunten Farben markiert, aber im Gedächtnis kann kaum etwas abgerufen werden. Als Faustregel wird daher häufig empfohlen: Wenn unterstreichen, dann maximal drei Phrasen pro Seite. Bei besonders kleinen Seiten oder extrem langen Sätzen kann das jedoch ebenfalls zu viel sein, weshalb Sie darauf achten sollten, die wichtigsten Schlüsselbegriffe herauszufiltern.

  • Mindmap erstellen

    Die wichtigsten Schlüsselbegriffe wiederum bringen Sie zu einer weiteren Technik. Sie können eine Mindmap anfertigen. So müssen Sie zwangsläufig Informationen aus Ihrem Gedächtnis abrufen und sinnvoll zusammenstellen. Denn in Ihrem Gedächtnis ist das Wissen wie ein Wollknäuel abgespeichert. Mindmapping wird der mäandernden Gehirnstruktur gerecht und hilft quasi beim Entwirren dieses Wollknäuels, so dass Sie eine klarere Vorstellung davon haben, wie sich bestimmte Themenbereiche gliedern lassen.

  • Zusammenfassungen schreiben

    Eine Studie der Wissenschaftler John Dunlosky und Katherine Rawson von der Kent State Universität, Elisabeth Marsh von der Duke Universität, Mitchell J. Nathan von der Universität von Wisconsin und Daniel Willingham von der Universität von Virginia zufolge gehört das Zusammenfassen neben erneutem Lesen, dem Erstellen von Karteikarten, markieren und dem Merken anhand von Bildern zu der am wenigsten erfolgreichen Lernmethode.

    Zumindest, wenn Sie den Aufwand und das Ergebnis in Verhältnis zueinander stellen. Andere Studien wiederum belegen, dass vor allem das handschriftliche Schreiben sehr wohl dazu beitragen kann, Gelerntes zu verinnerlichen. Denn Sie müssen sich mit bestimmten Inhalten erneut auseinandersetzen, sie in Ihre Sprache und Vokabular transformieren.

    Darüber hinaus hilft das Schreiben dabei, den Kopf wieder frei zu bekommen – Ihre Unterlagen sind gewissermaßen ein ausgelagertes Gedächtnis. Sie können so Sinnesabschnitte in eine logische Reihenfolge bringen und in „leicht verdauliche Häppchen“ unterteilen.

  • Karteikarten anfertigen

    Karteikarten eignen sich besonders gut zum Auffrischen und Wiederholen von bereits Gelerntem, da sie eine Mini-Zusammenfassung darstellen. Wer beispielsweise eine längere Präsentation vorbereiten muss, hat mit Karteikarten einen Stichwortgeber für den nächsten Präsentationspunkt. Karteikarten als Lernmethode stehen daher eher am Ende eines Lernprozesses.

  • Eselsbrücken merken

    Generationen von Schülern haben sich im Unterricht mit Eselsbrücken geholfen. So eine ist beispielsweise 753 – Rom schlüpft aus dem Ei. Diese Lernmethode eignet sich, wenn etwas anderenfalls nur schwer zu merken wäre. Denn das Jahr 753 hat für Menschen in der Gegenwart keine besondere Bedeutung, kann daher nur schwer mit etwas verknüpft werden. Eselsbrücken mit Reimen funktionieren recht gut. Schwieriger ist es, sich selbst welche auszudenken, die beim zu lernenden Stoff passen.

  • Diskussionsrunde bilden

    Diskutieren gehört zu den effektivsten Lernmethoden. Zum einen werden Sie zuvor mit der Materie über den einen oder anderen Informationsweg auseinandergesetzt haben. Zum anderen wiederholen Sie das aufgenommene Wissen, indem Sie Ihrem Gegenüber mit Ihren eigenen Worten einen Sachverhalt auseinandersetzen. Umso besser, wenn Sie eine kritikwürdige Theorie dazu äußern können. Das ermöglicht einen neuen Blick auf das Gelernte und führt zu einem differenzierten Bild. Gerade für wissenschaftliches Arbeiten ist dies unerlässlich, da von Ihnen kritisches Denken erwartet wird.

  • Prüfung simulieren

    Das geht besonders gut mit Tests, die Sie sich und Ihren Kommilitonen selbst stellen. Häufig bieten Fachschaften an der Uni ihre Hilfe, indem auf ältere Klausuren zurückgegriffen wird. Diese enthalten oft ähnliche Aufgaben je nach Kurs und Semester. Dies ist Studien zufolge eine der effektivsten Lernmethoden, da Sie so das vorhandene Wissen abfragen und gleichzeitig festigen. Wenn keine Altklausuren existieren, können Sie und Ihre Mitstreiter durch eigene Frage-Antwort-Spiele die Prüfungssituation simulieren. Das bietet sich auch zusätzlich zu den Klausuren an, da Sie so vermeiden, sich einfach nur die Lösung einzuprägen und bei einer ähnlichen Aufgabe Schwierigkeiten haben, einen Lösungsweg zu erarbeiten.

  • Pausen machen

    Pause machen soll eine Lernmethode sein? Wo es doch so inaktiv wirkt, während Lernen als aktives Vorgehen begriffen wird? Allerdings braucht jeder Mensch Zeit zur Regeneration. Im Schnitt sagt man, dass nach 90 Minuten eine Pause eingelegt werden sollte. Wer beispielsweise seine Lernphase dann für 15 oder 30 Minuten unterbricht und frische Luft schnappt, sich bewegt, erhöht die Chancen um ein Vielfaches, danach aufnahmefähiger zu sein.

  • Schlafzeiten einhalten

    Auch genügend Schlaf wird immer wieder unterschätzt – gerade vor einer wichtigen Klausur begehen einige den Fehler, die ganze Nacht durchzupauken – und wundern sich dann, dass sie nichts behalten können! Dabei hilft der Schlaf dabei, Wissen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Und genau da soll das Gelernte hin, denn was im Kurzzeitgedächtnis sitzt, geht schnell wieder verloren. Genügend Schlaf hilft außerdem, dass Sie am nächsten Morgen vergleichsweise entspannt sind – eine gewisse Grundnervosität ist völlig normal.

[Bildnachweis: Klever LeveL by Shutterstock.com]
14. August 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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