Bulimielernen: Ein Erfolgsschlüssel

Wer hat das nicht auch schon so gemacht – erst in der Schule, später an der Uni: das kurzfristige Pauken für die Klausur, wohlwissend, dass das Meiste davon danach wieder vergessen sein wird. Der Fachausdruck dafür: Bulimielernen (oder: Bulimie-Lernen). Wissen kurzfristig in sich reinstopfen als gäb’s kein Morgen, dann in der Prüfung ausspucken und anschließend vergessen. Weg mit dem unnötigen Ballast! Nicht wenige finden das verwerflich, weil es nach Verschwendung klingt, nach vergeudeter Zeit und Unterforderung der grauen Zellen. Und doch lässt sich nicht leugnen, dass es eine ebenso erfolgreiche Strategie ist – ja, sogar ein wichtiger Erfolgsschlüssel, der darin steckt: das Fokussierenkönnen

Bulimielernen: Ein Erfolgsschlüssel

Bulimielernen: Lohnt sich das?

Viele Menschen können das nicht: sich fokussieren. Sie haben schon Probleme damit, sich auf eine Sache zu konzentrieren.

Fokussieren geht aber noch darüber hinaus. Es bedeutet, sich auszurichten auf ein bewusstes (!) Ziel und all seine Kraft, Energie und Leidenschaft darauf zu setzen, dieses Ziel auch zu erreichen. Solche Menschen sind nicht nur enorm hartnäckig, sie lassen sich auch kaum noch ablenken oder entmutigen.

Fokussieren Energie Konzentrieren Grafik

Sicher geht es dabei nicht darum, mit Scheuklappen durchs Leben zu trampeln und alles zu ignorieren oder niederzumähen, was sich einem in den Weg stellt. Das wäre auch blöd, schließlich verläuft das Leben selten nach Plan und Improvisation und Anpassungsfähigkeit sind ebenso wichtige Erfolgsschlüssel.

Es wird immer wieder Dinge geben, die kurzfristig unsere volle Aufmerksamkeit verlangen. Aber es gibt eben auch das eine große Ziel, das, was man wirklich erreichen will. Und darum geht es auch beim Bulemielernen…

Bulimielernen: Mit Fokus zum Lernerfolg

Wir haben hier schon einige sehr erfolgreiche Menschen kennengelernt. Einige davon haben wir interviewt, mit anderen sind wir heute befreundet. Sie alle haben immer wieder dieselben Dinge genannt, die Ihnen auf Ihrem Weg geholfen haben: Sie alle hatten oder haben einen Traum, eine Vision, ein Ziel – das sie mit aller Kraft und klarem Fokus verfolgen oder verfolgt haben.

Dabei war aber auch wichtig, schnell zu erkennen, was von diesem Ziel ablenkt. Dinge, die viel Zeit und Energie fressen – auf dem langen Weg aber kaum noch eine Rolle spielen. Diese Dinge muss man loslassen wenn es an der Zeit ist.

So ist das beim Lernen für eine Klausur oder Prüfung oft auch.

Beim Abitur zum Beispiel. Wer es besteht erhält die „Allgemeine Hochschulreife„. Das heißt, Sie dürfen dieses oder jenes studieren. Mussten aber logischerweise auch einiges Lernen, das Sie im späteren Beruf vielleicht nie mehr brauchen.

Oder Beispiel Beruf: Nur weil Sie eine Ausbildung abgeschlossen oder ein Studium absolviert haben, beherrschen Sie den Beruf noch lange nicht. Das ist doch gerade der Fehler, den viele Berufseinsteiger und Unifrischlinge machen: Mit einer Hoppla-Jetzt-Komm-Ich-Attitüde den alten Hasen erst mal sagen, wie der Laden richtig zu laufen hat – schließlich hat man das aktuelle Top-Wissen aus der Uni…

Andersrum wird eher ein Schuh daraus: Die Grundlagen sind da, aber jetzt heißt es erstmal Learning on the job. Auf die Theorie folgt der Praxisschock.

Verstehen Sie uns nicht falsch: Wissen ist nie ein Fehler. Und lebenslanges Lernen ein kluges Konzept. Grundlagenwissen ist wichtig. Ebenso wenig kann man immer im Voraus wissen, was man später vielleicht doch nochmal braucht. Aber manche Details zählen eben nur für die Klausur oder die mündliche Prüfung.

Seien wir ehrlich: Wie viele Autofahrer kennen heute wirklich noch alle Verkehrsschilder oder würden die theoretische Prüfung immer noch auf Anhieb bestehen? Eben. Trotzdem gibt es dafür erstaunlich wenig Verkehrsunfälle. Und selbst davon gehen die meisten wohl nicht auf mangelhaftes Theoriewissen zurück, sondern auf Unachtsamkeit, Übermüdung, Übermut, Alkohol…

So manche Bildungspolitiker und Studienberater sprechen beim Bulimielernen gar von einem „gefährlichen Trend“ und raten vom exzessiven Pauken kurz vor der Prüfung ab. Wer sich nur von Klausur zu Klausur hangelt, der lernt am Ende gar nichts. Zumindest bliebe so von dem wichtigen Stoff viel zu wenig hängen.

Das stimmt. Gleichzeitig fallen die Kritiker nur auf der anderen Seite vom Pferd. Es ist ein Denken in Extremen. So als gäbe es nur Lernen, um zu behalten hier und Lernen, um zu vergessen dort. Kein Mensch behält alles, was er oder sie sich jemals an Prüfungswissen eingehämmert hat.

Wahr ist: Regelmäßig Gelerntes bleibt länger hängen. Und Verstehen ist besser als stumpfes Auswendiglernen. Aber so manche Formel lässt sich heute (im Gegensatz zur Klausur) bequem googeln, Zusammenhänge nochmal schnell auffrischen. Auf den Fokus kommt es an: Darauf, das zu lernen, zu verstehen und zu behalten, was uns unserem (Berufs-) Ziel näher bringt.

Lerngruppen erzielen bessere Noten

Lerngruppen erzielen bessere NotenDie ersten Tage, noch dazu an einer Massenuni wie Köln, Münster oder München – da kann man sich schon einsam vorkommen. Gemeinsam einsam – inmitten von 2000 anderen Ersties. Immerhin: Den anderen geht es meist genauso.

Alleine studieren sollte man deshalb aber auf keinen Fall. Wer schnell Kontakte knüpft und Lerngruppen bildet, ist nachweislich erfolgreicher und erzielt auch die besseren Noten, wie eine Studie zeigen konnte.

Die Forscher der Universität von Kalifornien in San Diego analysierten dazu mehr als 80.000 (Online-)Interaktion zwischen 290 Studenten. Und tatsächlich: Wer sich öfter austauschte, Fragen stellte, Antworten teilte, erreichte auch bessere Noten. Auch bei den Jahrgangsbesten zeigte sich, dass diese deutlich mehr aktive Kontakte zu anderen Kommilitonen pflegten sowie häufiger Lerngruppen oder Studenten-Cliquen bildeten.

Der Umkehrschluss daraus wäre aber falsch. So hatten etwa die Einzelkämpfer nicht zwangsläufig schlechtere Noten. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass sie ihr Studium vorzeitig abbrechen würden, war messbar höher.

Es ist also eher eine Korrelation als eine Kausalität: Die Chance auf bessere Noten steigt mit der Anzahl der Kommilitonen, mit denen man zusammen lernt und studiert. Und dabei handelt es sich – wie Studienautor Manuel Cebrian feststellt – um eine nicht zu verachtende Korrelation von 72 Prozent.

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[Bildnachweis: monticello by Shutterstock.com]
28. Dezember 2012 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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