Informelles Lernen: Learning on the Job

Schule, Ausbildung, Studium oder Kurse – Wissensvermittlung findet in geregelten Bahnen statt. Einen großen Teil von Wissen und Fähigkeiten eignet der Mensch sich jedoch anderweitig an. Informelles Lernen, im beruflichen Zusammenhang auch als Learning on the Job bezeichnet, gewinnt seit Jahren zunehmend an Bedeutung. Ein Hauptgrund dafür ist, dass die Möglichkeiten für informelles Lernen durch den digitalen Wandel nahezu unbegrenzt sind. Wir zeigen Ihnen, was es mit dem informellen Lernen auf sich hat, welche Vor- und Nachteile es mitbringt und wie informelles Lernen am Arbeitsplatz funktioniert…

Informelles Lernen: Learning on the Job

Definition: Was ist informelles Lernen?

Informelles Lernen Definition am Arbeitsplatz Unternehmen on the JobAls informelles Lernen werden alle Lernformen zusammengefasst, die nicht in einem speziell strukturierten Lehrangebot erfolgen, nicht institutionell organisiert sind und auch nicht an festgelegte räumliche oder zeitliche Vorgaben gekoppelt sind. Das mag zunächst sehr kompliziert klingen, bedeutet im Kern jedoch nichts anderes als: Informelles Lernen ist all das, was Sie nicht in Schule, Studium, Ausbildung oder anderen Kursen beigebracht bekommen, sondern in alltäglichen Situationen lernen.

Anders als beim formellen Lernen geht es nicht darum, dass Sie am Ende ein Zertifikat, eine Urkunde oder eine andere Bescheinigung über Ihren Lernerfolg erhalten.

Wie informelles Lernen in der Praxis aussehen kann, lässt sich an zahlreichen Beispielen beobachten: Wenn Sie in Eigeninitiative nach der Lösung für ein Problem suchen; wenn Sie sich im Internet ein Tutorial anschauen; wenn Sie Zeitschriften lesen; wenn Sie etwas sehen und dann selbst ausprobieren; wenn Sie sich ehrenamtlich engagieren; wenn der Kollege Ihnen im Job eine neue Vorgehensweise erklärt oder ganz einfach im Gespräch mit anderen Menschen.

Gerade Soft Skills werden fast ausschließlich durch informelles Lernen erworben. Natürlich spielt die Persönlichkeit dabei eine Rolle, doch wer solche Schlüsselkompetenzen verbessern will, besucht selten eine Schulung oder einen Kurs. Vielmehr wird im Alltag darauf geachtet, um die Eigenschaften zu üben.

Im Job spielt informelles Lernen eine wichtige Rolle. Nach dem sogenannten 70-20-10-Modell werden 70 Prozent der Fähigkeiten eines Arbeitnehmers durch die täglichen Aufgaben und Herausforderungen gewonnen. Es ist dieses informelle Lernen, das Learning on the Job, das Kompetenzen und Qualifikationen weiterentwickelt – nicht die klassischen Formen von Weiterbildungen oder Seminaren. Diese machen gerade einmal 10 Prozent aus.

Informelles Lernen im Job geschieht dabei in verschiedenen Ausführungen:

  • Lernen von Kollegen
  • Austausch mit anderen Abteilungen oder Kunden
  • Bestehen von beruflichen Herausforderungen
  • Besuch von Messen oder Events
  • Erschließen neuer Arbeitsbereiche
  • Übernahme von mehr Verantwortung

Hat das klassische Seminar bald ausgedient?

Informelles Lernen am Arbeitsplatz Vorteile NachteileVielleicht haben Sie es selbst schon einmal erlebt: Da haben Sie nun tagelang in einem Workshop oder Seminar gesessen, gelernt, diskutiert, gelacht, Networking betrieben und im besten Fall noch die Annehmlichkeiten eines schönen Hotels genossen.

Doch dann fahren Sie am Wochenende nach Hause und fragen sich: Hat mich das inhaltlich weitergebracht? Gab es innovative Erkenntnisse, die ich in meinem Arbeitsalltag gewinnbringend umsetzen kann? Ist mein Problem, wegen dem ich die Fortbildung besucht habe, wirklich gelöst? Leider fallen die Antworten auf diese Fragen allzu oft eher ernüchternd aus.

Solche Kurse und Seminare kosten eine Menge Geld, entweder für Sie selbst oder den Arbeitgeber. Der Nutzen bleibt trotzdem oftmals überschaubar.

Das liegt daran, dass sich die meisten Seminare an heterogene Lerngruppe wenden. Unterricht findet nach dem Gießkannenprinzip statt: Möglichst breit gefächert und wenig spezifisch, so dass auch die Teilnehmer, die mit einem Thema weniger vertraut sind, folgen können. Alle anderen, die sich eine nähere Auseinandersetzung wünschen, gehen dann leer aus.

Wer auf der Suche nach sehr zugespitztem Spezialwissen ist, empfindet solche Schulungen als reine Zeitverschwendung.

Verschwinden werden Seminare und Kurse nicht. Als Einstieg in ein Themengebiet sind sie weiterhin eine gute Methode. Für alle anderen ist das informelle Lernen deutlich besser geeignet und viel effektiver. Sie erhalten detaillierte, passgenaue Antworten und Informationen, statt sich nur berieseln zu lassen. Kein Gießkannenprinzip, sondern eine gezielte Wissensspritze.

Vor- und Nachteile des informellen Lernens

Informelles Lernen am Arbeitsplatz wird nicht ohne Grund hoch eingeschätzt. Ein besonders großer Vorteil ist die Praxisnähe, die anderen, formellen Formen der Wissensvermittlung oftmals fehlt. Wenn Sie etwas on-the-job lernen, hat dies einen ganz konkreten Bezug zu Ihrer täglichen Arbeit. Meist handelt es sich um Probleme, die gelöst werden müssen oder Veränderungen, die ein neues Vorgehen erforderlich machen.

Ein weiterer Vorteil sind natürlich die Kosten – genauer gesagt deren Fehlen. Wenn Sie sich in Eigeninitiative etwas beibringen, dem Kollegen über die Schulter schauen oder in einem Fachmagazin neue Erkenntnisse gewinnen, sind damit keine Ausgaben verbunden (einmal abgesehen vom Preis der Zeitschrift). Während Unternehmen für Weiterbildungen tausende von Euros ausgeben, können Sie durch informelles Lernen kostenlos und effektiver neue Kompetenzen erwerben oder vorhandenes Wissen ausbauen.

Allerdings hat informelles Lernen für Mitarbeiter einen Nachteil: Wenn Sie sich bei einem neuen Arbeitgeber bewerben, ist es schwieriger, die erworbenen Fähigkeiten zu dokumentieren und in der Bewerbung zu belegen. Es gibt kein Zeugnis, dass die Teilnahme belegt und keine Bescheinigung über den Erwerb von Know How.

Es liegt somit an Ihnen, im Anschreiben die richtigen Formulierungen zu finden und mit konkreten Beispielen zu punkten. So lässt sich auch informell Gelerntes überzeugend und glaubhaft vermitteln, um Personalern zu zeigen, dass Sie die benötigten Kompetenzen mitbringen.

Tipps für informelles Lernen im Job

Während formelle Lernformen vom Arbeitgeber angeordnet werden können, muss beim informellen Lernen anders vorgegangen werden. Mit ein paar einfachen Tipps lässt sich informelles Lernen im Job erfolgreich nutzen und verbessern:

  • Schaffen Sie die Voraussetzungen

    Im Unternehmen sollten die Rahmenbedingungen für informelles Lernen geschaffen werden. Das können eigene Räume sein, die darauf ausgelegt sind, Wissen zu erweitern, Probleme zu lösen oder Ideen zu entwickeln. Ebenso können Mitarbeitern anfangs das Konzept und die Möglichkeiten des informellen Lernens erklärt werden. Zudem sollten Arbeitgeber kommunizieren, dass großer Wert auf diese Form des Learning on the Job gelegt wird.

  • Entwickeln Sie Eigeninitiative

    Der größte Feind des informellen Lernens ist mangelnde Motivation und fehlende Eigeninitiative. Wer stets darauf wartet, dass jemand anders Dinge erklärt oder Lösungen von selbst auftauchen, lernt nur wenig dazu. Werden Sie stattdessen selbst aktiv und suchen Sie aus eigenem Antrieb heraus nach Informationen und Antworten. Wenn Sie etwas nicht wissen oder können, sollte Ihre Einstellung nicht Das kann ich nicht sein, sondern Wie finde ich heraus, wie es funktioniert?.

  • Fördern Sie den Austausch untereinander

    Informelles Lernen kann so einfach sein, oft reicht es schon, wenn Sie mit den Menschen in Ihrem Umfeld sprechen, Fragen diskutieren und Probleme erörtern. Vielleicht kennt sich ein Kollege mit genau diesem Thema besser aus, kann sein Wissen teilen und schon erweitern Sie Ihr Know How. Oder der Input von außen hilft Ihnen, eine neue Perspektive einzunehmen, die zur Lösung beiträgt. Im Team kann es hilfreich sein, Ansprechpartner für bestimmte Bereiche festzulegen.

  • Nutzen Sie die zahlreichen digitalen Möglichkeiten

    Die unzähligen digitalen Möglichkeiten machen informelles Lernen so leicht wie nie zuvor. Natürlich sind weiterhin Bücher und Fachzeitschriften ein guter Weg, doch online sind alle Informationen in kürzester Zeit aufrufbar. Blogs, Video-Tutorials, Communities und Gruppen in allen Bereichen, Foren, Informationsangebote – suchen Sie sich die Alternativen heraus, von denen Sie am meisten lernen können.

[Bildnachweis: nd3000 by Shutterstock.com]
21. Juni 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



Mehr von der Redaktion und aus dem Netz


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!