Blended Learning: Definition und Vorteile

Mit der Technologie hat sich auch das Lernen verändert und entwickelt. Blended Learning ist als Begriff nur wenigen geläufig, doch wird es fast überall praktiziert. Vor allem an Universitäten lässt sich Blended Learning beobachten und Studenten profitieren von den verschiedenen Vorteile dieses Lernkonzepts. So gibt es längst verschiedene E-Learning-Plattformen und Modelle an Universitäten und Hochschulen. Der entscheidende Punkt dabei: Andere Lernformen werden nicht abgelöst oder verdrängt, sondern ergänzt und sinnvoll miteinander kombiniert. Hier erfahren Sie, was Blended Learning bedeutet, wie es funktioniert und welche Vorteile gegenüber anderen, nicht vermischten Lernformen es gibt…

Blended Learning: Definition und Vorteile

Definition: Was ist Blended Learning

Der Ausdruck Blended Learning lässt sich mit „vermischtem“ oder „kombiniertem“ Lernen übersetzen und beschreibt damit sogleich den Kernaspekt des Lernkonzepts. Damit ist gemeint, dass es kein entweder oder zwischen Online-Kurs und Präsenzveranstaltung gibt. Vielmehr werden beide Formen – und darüberhinaus oftmals noch andere Methoden und Medien – in Kombination genutzt.

Die Wissensvermittlung läuft auch beim Blended Learning in Seminaren und Vorlesungen ab, wird aber zusätzlich und begleitend in speziell eingerichteten Online-Plattformen, digitalen Übungen oder E-Learning-Seminaren unterstützt und vertieft.

Auch wenn erste computergestützte Lern- und Trainingsanwendungen bereits in die 1980er Jahre zurückgehen, ist das Blended Learning, wie es heute Alltag und Standard an jeder Universität ist, erst später wirklich in der Praxis angekommen. Es brauchte die Entwicklung und Vertiefung von verschiedenen E-Learning-Plattformen und -Methoden, bis sich das Blended Learning etablieren konnte.

Wie funktioniert Blended Learning in der Praxis?

Im Großteil der Seminare und Vorlesungen gehören die Handapparate, die man früher in der Bibliothek oder im Copyshop gefunden hat, der Vergangenheit an. Die meisten Professoren und Dozenten stellen die Literatur zu ihren Veranstaltungen bereits zu Beginn des Semesters ins Netz. Im Anschluss an die Sitzung werden die Inhalte, beispielsweise die Powerpoint-Präsentation, gezeigte Folien, Aufgaben und Beispiele ebenfalls ins Internet gestellt.

In Einführungsveranstaltungen oder Methodenseminaren arbeiten Hochschulen auch gerne mit sogenanten Web Based Trainings (WBT). In diesen werden die Inhalte der Veranstaltungen zusammengefasst und durch Aufgaben zur Thematik ergänzt.

Sie bieten den Studenten die Möglichkeit, ihr Wissen direkt zu überprüfen. Heißt für die Praxis: Nach einer Vorlesung können Studierende im E-Learning-Bereich WBTs machen und kombinieren so Aufnahme von Wissen mit praktischer Umsetzung.

Bei vielen Lernplattformen besteht auch die Möglichkeit, Aufgaben beim Dozenten einzureichen. Die Leistungen werden dann bewertet und die Benotung erscheint im System. Dies bietet sich beispielsweise bei Exzerpten und Thesenpapieren an, die beispielsweise begleitend zu einer Veranstaltung als Leistungsnachweis erbracht werden sollen.

Einige Dozenten nutzen die Möglichkeiten der Lernplattform auch, um Inhalte für Seminare zu generieren. Beispielsweise bieten sich Foren an, um die Studenten bereits im Vorfeld zu einer Sitzung zum Thema diskutieren zu lassen. Diese Diskussion kann der Lehrende einsehen und sieht, was die Studenten besonders beschäftigt und wo noch Unklarheiten bestehen.

Häufig wird die Bearbeitung solcher WBTs auch als Voraussetzung für folgende Übungen und Vorlesungen gesehen. So müssen Studenten die Online-Aufgaben der Reihe nach erledigen, schalten dadurch die nächsten Übungen frei und können sich an weiteren Inhalten versuchen.

Blended Learning: Wie ist die Resonanz?

Blended Learning Einmal auf den Geschmack gekommen, erwarten die meisten Studierenden von Ihren Lehrenden, dass diese auch online Lernmaterial anbieten. Dass Vorlesungen auch als Video oder Podcast zur Verfügung stehen, wird zwar noch nicht flächendeckend verlangt, aber dass Begleitmaterial und die Vorlesungsfolien online abgerufen werden können, ist für die Mehrheit ein Muss. In Zeiten, in denen viele Studenten Tablets und Smartphones fürs Studium nutzen, ist es fast undenkbar geworden, dass Lehrende völlig auf die mediale Unterstützung ihrer Veranstaltungen verzichten.

Wie groß das begleitende Online-Angebot ist, variiert von Fachbereich zu Fachbereich und von Dozent zu Dozent. Wirtschafts- und naturwissenschaftliche Fachbereiche haben den Nutzen der neuen Lernformen schnell erkannt und bieten ihren Studierenden mittlerweile eine ganze Bandbreite an. Etwas langsamer war der Prozess in geisteswissenschaftlichen Fachbereichen.

Unter den Lehrenden gibt es glühende Verfechter der multimedialen Lehre und des Blended Learning. Diese sind es auch, die sich die Mühe machen, WBT zu entwerfen, ihre Veranstaltungen zu streamen und Diskussionen online zu moderieren.

Aber es gibt auch Skeptiker, die der Meinung sind, eine Universität sei nicht dafür da, um mit dem Strom zu schwimmen, sondern um unzeitgemäß zu sein. Sie wollen an alt bewährten Lehrmethoden festhalten und argumentieren, es habe ja auch die letzten 2000 Jahre gut gekappt.

Die Vorteile von Blended Learning

Verschließt man sich komplett vor den Möglichkeiten, die Lernplattformen bieten, lässt man eine Menge Potenzial ungenutzt. Wie das Blended Learning die Lehre an Hochschulen bereichert:

  • Die Arbeit des Lehrenden wird erleichtert

    Material und Aufgaben können online eingestellt werden. Die Leistungen der Studierenden werden dort gesammelt und können dort bewertet werden. Das spart eine Menge Arbeit.

  • Der Kontakt zwischen Dozent und Student wird vereinfacht

    Besonders an Massenuniversitäten ist es schwierig, persönlichen Kontakt zu den Studenten aufzubauen. Die Plattformen erleichtern die Kommunikation. Wenn vor einigen Jahren eine Veranstaltung ausgefallen ist, fanden das die Studierenden in der Regel erst raus, wenn sie vor der verschlossenen Tür des Seminarraums standen. Daran klebte dann ein Zettel mit der Info. Heute können solche Nachrichten online angekündigt werden und verbreiten sich schneller unter den Studenten. Auch Fragen an den Dozenten lassen sich leichter stellen. Oft lässt sich auch einsehen, ob die eigene Frage nicht bereits von einem Kommilitonen gestellt wurde und eine Antwort verfügbar ist.

  • Das Lernen ist nicht zeit- und ortsgebunden

    In der heutigen Zeit wird alles dezentraler – nicht nur Arbeiten in Teams, die auf viele Standorte verteilt sind, sondern eben auch das Lernen. Durch Blended Learning können Studenten jederzeit und von überall online auf Lehrinhalte zugreifen, noch einmal Inhalte wiederholen und Übungen von zuhause oder unterwegs durchführen.

  • Die Vorbereitung für Klausuren wird erleichtert

    Aus Studentensicht ist das einer der größten Vorteile. Durch begleitendes Online-Material zu den Veranstaltungen lassen sich Inhalte im Vorfeld einer Klausur viel besser noch einmal auffrischen. Die Vorlesungsfolien können noch einmal durchgegangen, Altklausuren gelöst und Musterlösungen eingesehen werden. In vielen Veranstaltungen wird kurz vor der Klausur auch die Möglichkeit angeboten, Fragen im Forum zu stellen, die dann vom Dozenten oder seinen Tutoren beantwortet werden.

  • Der Austausch zwischen den Studenten wird gefördert

    Besonders in großen Vorlesungen, in denen sich die Teilnehmer kaum kennen, ist es schwierig, mit seinen Kommilitonen in Kontakt zu treten. Die Lernplattform ermöglicht es im Forum Fragen an die Kommilitonen zu stellen, Notizen gegenseitig auszutauschen und über Sachverhalte zu diskutieren. Die Fähigkeit zur virtuellen Gruppenarbeit wird damit ausgebaut.

  • Das eigenverantwortliche Arbeiten wird gefördert

    Durch das Online-Angebot sind Studenten in ihrem Zeitmanagement flexibler geworden. Verpasste Sitzungen können jederzeit nachgearbeitet werden. Das bedeutet allerdings auch, dass ein Student sich selbst disziplinieren muss dieses Angebot auch wahrzunehmen. Die Fähigkeit sich selbst zu motivieren und eigenständig zu arbeiten wird damit geschult.

  • Die digitalen Kenntnisse von Studenten werden ausgebaut

    Studenten lernen ganz selbstverständlich Wikis, Podcast, Videos, Slideshares und andere Tools zu verwenden. Wie viel ein Student in dieser Beziehung lernt, hängt zum einen von der Expertise des Lehrenden im diesem Bereich ab, aber auch vom eigenen Engagement, die Möglichkeiten zu entdecken und für sich selbst zu nutzen.


10 Lerntipps fürs E-Learning

Damit es mit dem Blended Learning und vor allem dem digitalen Teil des E-Learnings wirklich funktioniert, haben wir abschließend noch 10 einfache Tipps für besseres E-Learning für Sie:

  • Machen Sie sich unbedingt im Vorfeld mit Ihren Tools und Programmen vertraut.
  • Setzen Sie sich klare Lernziele für die jeweilige Einheit.
  • Arbeiten Sie die verschiedenen Module oder deren Abschnitte möglichst zusammenhängend durch.
  • Machen Sie sich während eines Moduls Notizen und überarbeiten Sie diese später.
  • Etablieren Sie virtuelle Lerngruppen.
  • Hangouts können als Videokonferenz für Lerngruppen zum Einsatz kommen.
  • Bei größeren Projekten sollten Sie kollaborativ – beispielsweise mit Google Drive – an Dokumenten arbeiten.
  • Nutzen Sie auch die Chat- und Kommentarfunktion des E-Learning-Systems für Diskussionen und Fragen.
  • Klären Sie mit den Dozenten, wann und wie diese virtuell erreichbar sind.
  • Wenn Sie nur wenig Zeit haben, sollten Sie mit Zeitblöcken arbeiten. Die Pomodoro-Technik kann dabei hilfreich sein.
[Bildnachweis: Syda Productions, Andresr by Shutterstock.com]
26. Oktober 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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