Blended Learning: Modelle, Methoden & Beispiele im Überblick

Blended Learning greift bestehende Konzepte fürs Lernen auf und vermischt sie mit neuen. Vor allem Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen nutzen E-Learning-Plattformen für Blended Learning. Der entscheidende Punkt: Es findet keine Verdrängung anderer Lernformen statt, sondern Blended Learning ergänzt und kombiniert sie sinnvoll miteinander. Zur Definition und Funktionsweise von integriertem Lernen anhand von Beispielen. Außerdem: Welche Vorteile es für Studenten, Schüler und Arbeitnehmer gegenüber anderen, nicht vermischten Lernformen hat…

Blended Learning: Modelle, Methoden & Beispiele im Überblick

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Definition: Was ist Blended Learning?

Der Anglizismus Blended Learning lässt sich mit „vermischtem“ oder „kombiniertem“ Lernen übersetzen und beschreibt damit sogleich den Kernaspekt des Lernkonzepts. Gemeint ist die Vermischung und Kombination verschiedener Methoden und Medien beim Lernen beziehungsweise Lehren. Veranstaltungen bestehen nicht aus reinem Präsenzunterricht, sondern werden durch E-Learning ergänzt. Man spricht daher auch von integriertem oder hybridem Lernen. Im Wesentlichen sind es drei Merkmale, die Blended Learning ausmachen:

  1. Selbstlernsequenzen
    Der Lernende muss sich bestimmte Lernbestandteile über eine Online-Plattform erarbeiten. Das kann im individuellen Tempo geschehen.
  2. Vermittlungssequenzen
    Ein anderer Teil der zu vermittelnden Lehrinhalte findet unter Anleitung im Lehr- oder Seminarraum statt.
  3. Verzahnung
    Online-Kurse und Präsenzunterricht sind aufeinander abgestimmt und schaffen eine integrierte Lernumgebung.

Erste computergestützte Lern- und Trainingsanwendungen gab es bereits in den 1980er Jahren. Gleichzeitig ist Blended Learning, wie es heute Alltag und Standard an jeder Universität ist, erst später wirklich in der Praxis angekommen. Auch Schulen tun sich damit teilweise noch schwer, wenngleich die Corona-Krise den Einsatz von Blended Learning Methoden verstärkt hat.

Was sind digitale Lernmethoden?

Dank Computerisierung und Internet kommen verschiedene Methoden und Medien zum Einsatz: Lernmanagementsysteme (LMS), teils kommerziell, teils Open-Source (zum Beispiel Moodle und ILIAS), Tablets, Smartphones und Videos. Integriertes Lernen kann dann so aussehen, dass Sie ganz analog einen Text in einem Buch lesen. Dort ist am Ende des Kapitels ein QR-Code gedruckt. Den scannen Sie mit Ihrem Smartphone oder Tablet und arbeiten von dort an Aufgaben, die auf den gelesenen Text aufbauen.

Häufige Fragen zum Blended Learning

Wie funktioniert Blended Learning?

Blended Learning verknüpft synchrones mit asynchronem Lernen. Ein Unterschied besteht zwischen Präsenz- und Fernunterricht. Im Gegensatz zu klassischen Lernformaten erlaubt Blended Learning außerdem eine Mischung aus zeitgleichem und zeitversetztem Unterricht. So können beispielsweise alle Lernenden in einem virtuellen Raum anwesend sein (zum Beispiel Videokonferenz oder Zoom-Meeting) oder losgelöst von Zeit und Raum ihre Unterlagen durcharbeiten. Das Fernlernen erlaubt oft mehrmaliges Lesen zu Übungszwecken oder besserem Verständnis.

Wann ist Blended Learning sinnvoll?

Blended Learning ist ein wichtiger Bestandteil moderner Lehr- und Lernkonzepten und somit nicht wegzudenken. Es ist überall dort sinnvoll, wo mehr Flexibilität, Individualität und Nachhaltigkeit erwünscht ist. Weil es deutlich schnellere Änderungen berücksichtigen kann, passt es in die heutige Zeit und zu den jeweiligen Bedürfnissen von Studierenden und Arbeitnehmern. So lassen sich Lernphasen und Freizeit, Job und Weiterbildung besser kombinieren.

Was sind Blended Learning Formate?

Zwar gibt es nicht DIE Blended Learning Formate. Aber in jedem Fall gehört dazu mehr als einfach nur ein Mix aus Präsenzveranstaltung plus einem E-Learning-Kurs. Entscheidend ist, dass digitale und analoge Bestandteile aufeinander abgestimmt sind und sich ergänzen. Präsenzphasen und Selbstlernphasen wechseln sich ab, soziale Interaktion erfolgt auch über die Lernplattformen. Digitale Tools wie Lernplattformen mit interaktiven Inhalten, Videos und Podcasts gehören ebenso dazu wie Videokonferenzen und die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und individuellem Feedback.

Wie stehen die Begriffe Blended Learning und E-Learning zueinander?

E-Learning beinhaltet sämtliches computergestütztes, technisches und digitales Lernen. Wenn Sie beispielsweise ein Erklärvideo schauen, fällt das bereits unter E-Learning. Nach dieser Definition benötigt E-Learning weder ein spezielles Konzept noch zwingend Präsenzbestandteile. Hochschulen fassen diesen Begriff allerdings enger. Demnach bezeichnet er einen elektronisch gestützten Lernprozess, der in bestimmte didaktische und pädagogische Konzepte eingebunden ist. Um von Blended Learning sprechen zu können, sollte ein Kurs wenigstens die oben genannten drei Merkmale erfüllen: Selbstlernsequenzen, Vermittlungssequenzen und schließlich die sinnvolle Kombination von beidem, welche Präsenzanteile enthält.

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Beispiele: Blended Learning in der Praxis

Blended Learning an der Schule

Blended Learning in der Schule bedeutet, die Lernmaterialien zielgruppenspezifisch aufzubereiten. An erster Stelle muss der Kompetenzerwerb im Umgang mit den digitalen Medien stehen. Es ist wie mit allen Fächern: Fehlen elementare Grundlagen, werden diese nicht nachgeholt, setzt sich das Problem später fort. Schule kommt in diesem Zusammenhang eine wichtige Aufgabe im Bereich der Motivation zu. Ein didaktisch sinnvoll erarbeitetes Konzept mit einem Wechsel zwischen verschiedenen Phasen fördert den Erfolg von Blended Learning. Das kann beispielsweise so aussehen:

  • Erste Präsenzphase
    Kennenlernen und gemeinsamer Einstieg aller Schüler in ein Thema.
  • Erste E-Learning-Phase
    Üben und Anwenden des Erlernten in Einzelarbeit.
  • Zweite Präsenzphase
    Gemeinsamer Austausch und Diskussion.
  • Zweite E-Learning-Phase
    Wiederaufnahme bisheriger Aufgaben und Vertiefung.
  • Dritte Präsenzphase
    Präsentation, Diskussion und Reflexion der Ergebnisse.

Dieser grundsätzliche Aufbau bietet sich auch für Blended Learning in Hochschulen oder Betrieben an. Für Schulen besonders praktisch: Der Einsatz von E-Learning-Phasen ermöglicht eine Fortsetzung des Lernstoffs auch dann, wenn der Unterricht aus schulorganisatorischen Gründen ausfallen würde. Beispielsweise wenn die Lehrkraft wegen Krankheit, Fortbildung oder Prüfungsterminen ausfallen würde, ohne dass es Vertretung gibt.

Blended Learning an der Hochschule

Statt in Handapparaten in der Bibliothek oder im Copyshop stellen die Dozenten die Literatur zu ihren Veranstaltungen ins Netz. Nach Sitzungs- oder Semesterende lassen sich die Inhalte, beispielsweise die Powerpoint-Präsentation, gezeigte Folien, Aufgaben und Beispiele ebenfalls hochladen. In Einführungsveranstaltungen oder Methodenseminaren arbeiten Hochschulen mit sogenannten Web Based Trainings (WBT). Diese fassen die Inhalte der Veranstaltungen zusammen und ergänzen sie durch thematische Aufgaben. So können Studenten ihr Wissen direkt überprüfen. Heißt für die Praxis: Nach einer Vorlesung können Studierende im E-Learning-Bereich WBTs machen und kombinieren so Aufnahme von Wissen mit praktischer Umsetzung.

Auf vielen Lernplattformen können die Lernenden die bearbeiteten Aufgaben hochladen. Der Dozent bewertet die Leistungen und die Benotung erscheint im System. Einige Dozenten nutzen Lernplattformen, um Inhalte für Seminare zu generieren. Foren bieten sich an, um die Studenten bereits im Vorfeld zu einer Sitzung zum Thema diskutieren zu lassen. Diese Diskussion kann der Lehrende einsehen und sieht, was die Studenten besonders beschäftigt und wo noch Unklarheiten bestehen. Häufig wird die Bearbeitung solcher WBTs als Voraussetzung für folgende Übungen und Vorlesungen gesehen. So müssen Studenten die Online-Aufgaben der Reihe nach erledigen, schalten dadurch die nächsten Übungen frei und können sich an weiteren Inhalten versuchen.

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Blended Learning Modelle

Es gibt diverse Modelle für Blended Learning, die unterschiedlich gut geeignet sind. Nachfolgend die drei bekanntesten:

1. Springer

Obiges Beispiel für die Schule zeigt das Blended Learning Modell „Springer“, auch als Rotationsmodell bekannt. Präsenz- und E-Learning-Phasen sind einigermaßen ausgewogen und wechseln sich ab.

2. Reiher

Beim Reiher-Modell überwiegen die Präsenzphasen, mit denen ein Kurs startet. Nach weniger als fünf Präsenzphasen folgt das Lernen via Online-Veranstaltung. Das Gleiche ist auch umgekehrt möglich: Nach einigen Online-Veranstaltungen folgt mindestens eine Präsenzphase.

3. Sandwich

Das Sandwich besteht aus mehreren Online-Veranstaltungen, die eine Präsenzphase umschließen. Ebenso umgekehrt: Mehrere Präsenzveranstaltungen, die eine Onlinephase einrahmen.

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Die Vor- und Nachteile von Blended Learning

Verschließt man sich der Möglichkeiten von Lernplattformen, bleibt eine Menge Potenzial ungenutzt. Allerdings bringt Blended Learning Besonderheiten mit sich, die sich nachteilig auswirken können. Die Vor- und Nachteile im Einzelnen:

Vorteile von Blended Learning

  • Geringere Kosten

    Raummiete und Folgekosten für Seminarräume fallen geringer aus, da die Menschen von zuhause lernen. So können von vornherein kleinere Gebäude gemietet werden. Das ist gerade für Schulen eine Erleichterung, die häufig Schwierigkeiten haben, leere Räume zu finden. Auch ist es kostengünstiger, Lerninhalte ins Netz zu stellen als entsprechende Lehrbücher anschaffen zu lassen. Material und Aufgaben werden online eingestellt.

  • Vereinfachter Kontakt

    Die Plattformen erleichtern die Kommunikation. Fiel früher eine Veranstaltung aus, erfuhren die Studierenden häufig erst zu Beginn davon. Dank Digitalisierung lassen sich solche Nachrichten online mitteilen und verbreiten sich schneller unter den Lernenden. Auch Fragen an den Dozenten lassen sich leichter stellen. Oft lässt sich einsehen, ob die eigene Frage nicht bereits von einem Kommilitonen gestellt wurde und eine Antwort verfügbar ist.

  • Flexibles Lernen

    Durch Blended Learning können Studenten jederzeit und von überall online auf Lehrinhalte zugreifen, noch einmal Inhalte wiederholen und Übungen von zuhause oder unterwegs durchführen. Das ermöglicht vor allem Lernen im eigenen Lerntempo, ohne dass schnellere Schüler/Studenten gelangweilt auf die anderen warten müssen.

  • Erleichterte Klausurvorbereitung

    Durch begleitendes Online-Material zu den Veranstaltungen lassen sich Inhalte im Vorfeld einer Klausur viel besser noch einmal auffrischen. Sie können die Vorlesungsfolien können noch einmal durchgehen, Altklausuren lösen und Musterlösungen einsehen. In vielen Veranstaltungen besteht kurz vor der Klausur die Chance, Fragen im Forum zu stellen, die dann ein Lehrender beantwortet.

  • Stärkerer Austausch

    Besonders große, anonyme Vorlesungen erschweren es, mit seinen Kommilitonen in Kontakt zu treten. Die Lernplattform ermöglicht es, im Forum Fragen an die Kommilitonen zu stellen, Notizen gegenseitig auszutauschen und über Sachverhalte zu diskutieren. Blended Learning baut damit die Fähigkeit zur virtuellen Gruppenarbeit aus.

  • Eigenverantwortliches Arbeiten

    Das Online-Angebot ermöglicht Studenten ein flexibleres Zeitmanagement. Verpasste Sitzungen lassen sich jederzeit nacharbeiten. Das bedeutet gleichzeitig, dass Lernende sich selbst disziplinieren müssen, dieses Angebot wahrzunehmen. Blended Learning schult die Fähigkeit zur Selbstmotivation und eigenständigen Arbeit.

  • Erwerb digitaler Kenntnisse

    Studenten lernen ganz selbstverständlich Wikis, Podcast, Videos, Slideshares und andere Tools zu verwenden. Wie viel ein Student in dieser Beziehung lernt, hängt zum einen von der Expertise des Lehrenden im diesem Bereich ab, aber auch vom eigenen Engagement, die Möglichkeiten zu entdecken und für sich selbst zu nutzen.

Die Nachteile von Blended Learning

  • Technische Ausstattung

    Der Lehrende muss im Vorfeld überlegen, welche Lehrmaterialien er wie vermitteln und zur Verfügung stellen kann. Der Lernerfolg hängt neben der Medienkompetenz maßgeblich von der Ausstattung mit Tablets und vom technischen Support ab. Außerdem benötigt Blended Learning via Online-Plattformen den Zugang zu stabilen WLAN-Verbindungen – gerade in ländlichen Gegenden Deutschlands immer noch ein kritischer Punkt.

  • Anfallende Kosten

    Blended Learning ist nicht per se günstiger. Zwar fällt die Anschaffung von Büchern womöglich weg. Aber nicht alle Online-Plattformen sind kostenlos. Manche Dienstleister stellen den Zugang zu ihren Materialien nur gegen entsprechende Gebühren zur Verfügung. Hinzu kommt ein zeitlicher Kostenfaktor: Einigen Untersuchungen zufolge ist die Leistungsbewertung der Studierenden im Netz zeitintensiver als über den klassischen Papierweg.

10 Lerntipps fürs E-Learning

Damit es mit dem Blended Learning und vor allem dem digitalen Teil des E-Learnings wirklich funktioniert, haben wir abschließend noch 10 einfache Tipps für besseres E-Learning für Sie:

  • Machen Sie sich unbedingt im Vorfeld mit Ihren Tools und Programmen vertraut.
  • Setzen Sie sich klare Lernziele für die jeweilige Einheit.
  • Arbeiten Sie die verschiedenen Module oder deren Abschnitte möglichst zusammenhängend durch.
  • Machen Sie sich während eines Moduls Notizen und überarbeiten Sie diese später.
  • Etablieren Sie virtuelle Lerngruppen (PDF).
  • Zoom-Meetings und Whatsapp-Konferenzen können für Lerngruppen zum Einsatz kommen.
  • Bei größeren Projekten sollten Sie kollaborativ – beispielsweise mit Google Drive – an Dokumenten arbeiten.
  • Nutzen Sie auch die Chat- und Kommentarfunktion des E-Learning-Systems für Diskussionen und Fragen.
  • Klären Sie mit den Dozenten, wann und wie diese virtuell erreichbar sind.
  • Wenn Sie nur wenig Zeit haben, sollten Sie mit Zeitblöcken arbeiten. Die Pomodoro-Technik kann dabei hilfreich sein.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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