Studienfachwechsel: Darauf müssen Sie achten
Am Anfang ist das Studium für viele ein Traum: Die neue Stadt ist spannend und man entdeckt täglich neue Ecken; genießt die Freiheiten; der Campus und das Unileben sind neu und faszinierend; man lernt viele neue Leute kennen, geht auf Partys. Doch hat sich erst einmal der Studienalltag eingestellt, verblasst die Euphorie meistens schnell. Nicht wenigen Studenten wird dann bewusst, dass sie sich das Studium anders vorgestellt haben. Die Vorlesungen sind doch nicht so interessant wie erhofft, die Inhalte deutlich komplizierter und man schafft es kaum, alles aufzuarbeiten oder man stellt fest, dass das Interesse woanders liegt. Doch was tun, wenn man feststellt, dass man das Falsche studiert? Für viele ist ein Studienfachwechsel die Lösung. Ganz so leicht ist das jedoch nicht. Wir zeigen, worauf Sie bei einem Studienfachwechsel achten müssen, damit Sie nicht vom Regen in die Traufe kommen...

Studienfachwechsel Begründung: Welche Gründe gibt es?

Peter Bernik/shutterstock.comEgal, wie ausgiebig man sich im Vorfeld informiert: Ob der Studiengang, den man sich ausgesucht hat, einem tatsächlich gefällt - und zwar auf lange Sicht - weiß man meist erst, wenn man einige Wochen studiert hat, Vorlesungen besucht, die Professoren und Dozenten kennengelernt hat, das Lernpensum beurteilen kann und auch einen genaueren Überblick über die Inhalte erhält.

Alle anderen Informationen sind zwar wichtig, kommen aber aus zweiter Hand. Einmal im Alltag des Studienfachs angekommen, stellt man oft fest, dass das eigene Studium nicht nur keinen Spaß macht, sondern sich mit jeder Veranstaltung mehr Unzufriedenheit, Stress und Frust breit macht. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein:

  • Sie hatten falsche Vorstellungen.

    Das ist einer der häufigsten Gründe. Sie sind frisch von der Schule an die Uni gekommen. Die Beschreibung Ihres Studiengangs auf der Website hat sich interessant angehört, doch nun stellen Sie fest, dass sich Ihre Erwartungen nicht erfüllen. Inhalte, die Sie interessieren, kommen zu kurz, während Inhalte, zu denen Sie keinen Bezug herstellen können, lang und ausschweifend behandelt werden.

    Häufig entscheiden sich Abiturienten auch dazu, Fächer zu studieren, die sie bereits aus der Schule kennen. Nicht selten erlebt man dabei jedoch ein böses Erwachen, wenn man feststellt, dass der Studiengang nur wenig mit dem zu tun hat, was man aus der Schule kannte. Oder es sind nicht die Inhalte des Studiums, die Sie frustrieren, sondern die Funktionsweise der Universität. Sie finden sich beispielsweise an einer Massenuniversität nicht zurecht und die Anonymität macht Ihnen zu schaffen..

  • Ihre Interessen haben sich verschoben.

    Die Zeit nach dem Abitur ist für viele angehende Studenten auch eine Zeit des Umbruchs und der Veränderung. Dabei kommt es immer wieder vor, dass auch die Interessen sich verschieben und man plötzlich feststellt, dass ein Germanistikstudium doch nicht die richtige Wahl war, obwohl man es bisher immer geliebt hat zu lesen und den Deutsch-Leistungskurs mit Freude besucht hat.

  • Der Studiengang ist Ihnen zu theoretisch.

    Ein Studium ist immer auch eine Frage der Persönlichkeit. Nicht jedem liegt es, neues Wissen fast ausschließlich theoretisch zu behandeln und nicht selbst in der Praxis anwenden und umsetzen zu können. Zieht sich diese Unzufriedenheit über eine längere Zeit hin, kommen häufig Zweifel, ob ein anderer Studiengang vielleicht die bessere Wahl gewesen wäre, um das Gelernte auch in die Tat umsetzen zu können.

  • Sie fühlen sich den Anforderungen nicht gewachsen.

    Das Tempo und die Anforderungen an der Uni sind nicht mit denen in der Schule zu vergleichen. Inhalte werden zügig abgehandelt und es wird vorausgesetzt, dass Studenten die Inhalte eigenständig vor- und nachbereiten, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

    Besonders am Anfang kann das überfordern. Viele Studenten stellen auch fest, dass sie einfach nicht in der Lage sind bestimmte Leistungen zu erbringen. Selbst wenn das Interesse an der Materie gegeben ist, kann beispielsweise der mathematische Anteil an einem Wirtschaftsstudium eine enorme Herausforderung sein.

Studienfachwechsel im Lebenslauf: Wann ist er sinnvoll?

Rawpixel.com/shutterstock.comFast jeder Student kommt irgendwann an einen Punkt, an dem er die Wahl seines Studienfachs hinterfragt. Wer bereits innerhalb der ersten Wochen einen Studienfachwechsel anstrebt, trifft deshalb nicht unbedingt die richtige Entscheidung. Eine Unzufriedenheit zu Beginn des Studiums muss kein untrüglich Zeichen dafür sein, dass man die falsche Wahl getroffen hat. Bei dem ersten Unifrust kann es sich auch einfach um eine Art Schock handeln, schließlich ist erst einmal alles neu. Geben Sie sich einige Zeit, um diesen zu überwinden. Die meisten Studenten müssen sich erst an die neue Situation gewöhnen und mit der ungewohnten Art des Lernen und Arbeitens warm werden.

Ist der Frust hingegen von Dauer und Sie fühlen sich im Studium falsch aufgehoben, kann ein Studienfachwechsel eine gute Option sein. Bevor Sie weitere Schritte einleiten, sollten Sie jedoch kurz innehalten, die Auslöser Ihrer Unzufriedenheit mit dem Studienfach analysieren und gleichzeitig reflektieren, in welche Richtung Sie sich entwickeln möchten. Die folgenden Fragen können Ihnen dabei helfen:

  • Warum haben Sie sich in erster Linie für den Studiengang entschieden?
  • Was hat sich nicht so entwickelt, wie Sie es sich erhofft haben?
  • Können Sie benennen, was genau Sie an dem von Ihnen gewählten Studiengang stört?
  • Bereiten Ihnen die Organisation des Studiums und die Prozesse an der Uni Probleme?
  • Welche Rolle spielen die Lehrenden bei Ihrer Unzufriedenheit?
  • Können Sie sich für die Inhalte Ihres Studiums begeistern?
  • Kommen Sie mit dem Arbeitsvolumen zurecht?
  • Fehlt Ihnen möglicherweise die praktische Anwendung Ihres Wissens?
  • Welche Änderungsmöglichkeiten sehen Sie?
  • Haben Sie konkrete berufliche Pläne?
  • Welche Änderung wünschen Sie sich von einem neuen Studienfach?

Sind Sie nach einer ausführlichen Analyse Ihrer Motive und Ziele zu dem Schluss gekommen, dass Sie in Ihrem aktuellen Studienfach keine Zukunft mehr sehen und sich nicht vorstellen können weiterzumachen, sollten Sie den Studienwechsel nicht auf die lange Bank schieben. Denn wer zu lange wartet, riskiert Probleme mit dem Bafög-Amt.

Studienfachwechsel und BAföG?

Über die genauen Regelungen, wie häufig Sie das Studienfach wechseln können, sollten Sie sich an Ihrer Universität informieren, doch in der Regel sind dort mehrere Wechsel möglich. Allerdings gibt es auch Auflagen seitens des BAföG-Amtes, die beachtet werden müssen.

Wird das Studienfach mehr als zwei Mal gewechselt, werden die bereits geleisteten Semester angerechnet. Wer eine BAföG-Förderung erhält, sollte seinen Studienfachwechsel außerdem bis zum Ende des dritten Semesters durchgeführt werden, soll das Studienfach später gewechselt werden, muss ein unabweisbarer Grund vorliegen, der vom Amt akzeptiert wird.

Machen Sie sich jedoch bitte bewusst, dass ein Studienfachwechsel immer auch mit finanziellen Nachteilen verbunden sein kann. Denn auch wenn Sie die Vorgaben des Bafög-Amts einhalten, kann sich Ihre Studiendauer verlängern. Oftmals führt das dazu, dass eine Förderung gegen Ende des Studiums nicht mehr möglich ist.

Studienfachwechsel: Was gilt es zu beachten?

CebotariN/shutterstock.comWenn Sie einen Studienfachwechsel vollziehen wollen, sollten Sie sich beim BAföG-Amt informieren, doch natürlich müssen Sie auch an der Universität einiges klären, um von einem Studiengang in einen anderen zu wechseln.

Damit bei Ihrem Studienfachwechsel alles glatt läuft und Sie problemlos den neuen Studiengang beginnen können, der hoffentlich Ihre Vorstellungen erfüllt, haben wir die wichtigsten Punkte zusammengefasst, die Sie für einen erfolgreichen Studienfachwechsel regeln sollten:

  • Informieren Sie sich über die Fristen.

    Damit Sie das Studienfach wechseln können, müssen Sie rechtzeitig innerhalb der Fristen einen entsprechenden Antrag einreichen. Kümmern Sie sich deshalb frühzeitig um die Termine, um keine Fristen zu verpassen. Informieren Sie sich auch, wie die Exmatrikulation aus den aktuellen Studiengang abläuft.

  • Informieren Sie sich über Bewerbungsmodalitäten.

    Auch bei einem Studienfachwechsel gibt es noch einige Hürden zu nehmen und nicht immer ist ein Wechsel in jeden anderen Studiengang möglich. Je nach Studienfach kann ein Studium beispielsweise nur zum Wintersemester aufgenommen werden oder es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, um sich einzuschreiben.

    In einigen Studiengängen wird der Nachweis von Praktika oder Sprachkenntnissen gefordert, so dass Sie sich auch hier möglichst frühzeitig in Kenntnis setzen lassen sollten, um sich auch tatsächlich einschreiben zu können.

  • Erfragen Sie, ob sich Leistungen anrechnen lassen.

    Haben Sie sich für einen verwandten Studiengang entschieden, kann es möglich sein, sich bisher erbrachte Leistungen anrechnen zu lassen. So müssen Sie möglicherweise nicht komplett von vorne beginnen, sondern können direkt in einem höheren Semester einsteigen.

    Es kann beim Wechsel auch notwendig sein, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung einzureichen. Diese zeigt, dass Sie Ihren Prüfungsanspruch nicht verloren haben, beispielsweise weil Sie zu oft durch eine Klausur gefallen sind.

  • Entscheidung mitteilen.

    Ist der Antrag ausgefüllt und der Studienfachwechsel möglich, sollten Sie daran denken sowohl das Bafög-Amt als auch die Krankenkasse darüber zu informieren, damit der Anspruch bei beiden nicht verloren geht.

Checkliste: Welches Studienfach passt zu mir?

wavebreakmedia/shutterstock.comDie Entscheidung für einen Studienfachwechsel fällt den meisten Studenten nicht leicht, schließlich ist es ein großer Schritt und auch beim neuen Studiengang kann man sich nie hundertprozentig sicher sein, dass man diesmal den Nagel auf den Kopf getroffen hat und sich in seinem Wunschstudium wiederfindet.

Damit nach dem Studienfachwechsel auch wirklich eine Veränderung stattfindet - nicht nur was die Inhalte der Vorlesungen angeht - haben wir sieben Tipps für Sie zusammengestellt, um den perfekten Studiengang zu finden.

  1. Einstellung ändern.

    Die Entscheidung, den Studiengang zu wechseln, kann zu einer psychischen Belastungsprobe werden. Oft sind die Vorwürfe, die man sich selbst macht groß. Doch ein solcher Schritt ist kein Karrierekiller. Wichtig ist, dass Sie sich bewusst dafür entscheiden und auch zukünftig dazu stehen. Wer seine Entscheidung gut begründen kann und das Positive daraus filtern kann, wird auch Personaler überzeugen können.

  2. Nicht die gleichen Fehler machen.

    Sie haben sich dazu entschieden, es noch einmal mit dem Studium zu versuchen. Achten Sie jedoch darauf die Fehler, die Sie beim ersten Mal gemacht haben, nicht zu wiederholen. Lassen Sie sich nicht zu einer Entscheidung drängen, sondern bedenken Sie die langfristigen Konsequenzen.

  3. Wünsche und Ziele kennen.

    Der Studienfachwechsel ist auch eine Chance, sich noch einmal neu zu orientieren und sich wieder auf die eigenen Ziele zu konzentrieren. Fragen Sie sich, was Sie erreichen wollen, wofür Ihr Herz schlägt und wie Ihr Studium Sie auf diesem Weg unterstützen kann.

  4. Viel lesen und informieren.

    Kennen Sie Ihre Ziele und Wünsche, können Sie diese auch in die Suche nach einem passenden Studiengang einfließen lassen. In der Studienberatung haben Sie erste Anhaltspunkte erhalten. Nun sollten Sie sich nach zusätzlichem Material umsehen, im Internet recherchieren und Informationen sammeln, um ein möglichst genaues Bild von den Studiengängen, die in Frage kommen, zu erhalten.

  5. Mit Kommilitonen sprechen.

    Auf jeden Fall sollten Sie mit Kommilitonen aus Ihrem neuen Wunschstudiengang sprechen. Fragen Sie diese gezielt nach Hürden und den negativen Seiten des Studienfachs. Es hilft Ihnen, zu wissen, worauf Sie sich einlassen und was auf Sie zukommt. Keiner kennt die Schwierigkeiten besser als die Studenten, die sich bereits damit herumschlagen müssen.

  6. Machen Sie den Praxistest.

    Bevor Sie sich einschreiben, besuchen Sie Vorlesungen und Seminare, um sich auch mit den Inhalten vertraut zu machen. Damit erhalten Sie die Informationen aus erster Hand, die Ihnen bisher noch gefehlt haben. Damit erhalten Sie nicht nur konkretere Vorstellungen von den Inhalten, sondern machen sich auch ein Bild von den Professoren und deren Präsentation des Lehrstoffes.

  7. Überbrückungszeit nutzen.

    Nicht selten ist es der Fall, dass ein neues Studium erst zum kommenden Wintersemester aufgenommen werden kann. Dadurch entsteht für Fachwechsler ein Leerlauf. Überlegen Sie sich, wie Sie diesen nutzen können. Beispielsweise durch Kurse, die Sie besuchen können, ohne eingeschrieben zu sein oder ein Praktikum im entsprechenden Bereich. So können Sie die Zeit nutzen, um optimal vorbereitet zu sein.

Zum Schluss: Unsere Checkliste für den Studienfachwechsel als PDF.

[Bildnachweis: wavebreakmedia, Peter Bernik, Rawpixel.com, CebotariN, wavebreakmedia by Shutterstock.com]

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