Masterstudiengang finden: Der Masterplan

Den richtigen und passenden Masterstudiengang zu finden, ist gar nicht so einfach. Weit über 9000 verschiedene Angebote gibt es mittlerweile bundesweit – Tendenz steigend. Viel Masse, aber auch viel Klasse? Wie immer kommt das darauf an, was man erwartet. Aber auch, wie gut man die Wahl des optimalen Studiengangs vorbereitet und seinen Zielen anpasst. Unser Leitfaden bietet Ihnen ein paar wichtige Leitplanken auf dem Weg dahin, den Masterstudiengang zu finden

Masterstudiengang finden: Der Masterplan

Masterstudiengang finden oder in den Beruf einsteigen?

Bevor Sie mit der Suche loslegen, sollten Sie in die Zukunft blicken und sich fragen: Will ich nach dem Bachelor weiter studieren oder möchte ich lieber schon arbeiten? Oder anders gefragt: Benötige ich für den Job, den ich gerne ausüben möchte, überhaupt einen Masterabschluss oder tut es auch schon ein Bachelor?

Generell gilt das Credo: Wer in die Wissenschaft und Forschung einsteigen, im höheren öffentlichen Dienst oder bei internationalen Organisationen arbeiten oder Führungspositionen in großen Unternehmen besetzen möchte, braucht einen Master. Ebenso dürfen Master-Absolventen in der Regel mit einem höheren Einstiegsgehalt rechnen als Bachelors.

Doch auch der Bachelor ist ein berufsqualifizierender Abschluss, der inzwischen von Arbeitgebern in vielen Branchen und Berufen nach jahrelanger Skepsis akzeptiert und geschätzt wird. Der Ansatz, nach dem Bachelor den direkten Berufseinstieg zu suchen und erst einmal ein paar Jahre lang erste Berufserfahrung im Job zu sammeln, bevor man sich bei Bedarf der Weiterbildung widmet, hat also ebenfalls seinen Reiz.

Neben beruflichen Anforderungen sollten bei Frage wo sie den passenden Masterstudiengang finden auch die persönlichen Vorlieben eine Rolle spielen:

  • Macht mir das wissenschaftliche Arbeiten Spaß und reizt mich die Aussicht, die nächsten ein bis zwei Jahre damit zu verbringen, mich auf Teilgebiete meines Studienfachs zu spezialisieren?
  • Oder habe ich schon genug Zeit in Hörsälen verbracht und brenne darauf, meine theoretischen Kenntnisse in der Praxis anzuwenden?

Egal wie Sie sich entscheiden – ob für den Master oder den Berufseinstieg – das Urteil ist keineswegs endgültig. Der Weg zur Weiterbildung bleibt auch nach Jahren im Job nicht versperrt – und dank berufsbegleitenden Studienmodelle nicht einmal neben dem Job. Trotzdem können Sie viel Zeit und Umwege sparen, wenn Sie sich die erste Frage frühzeitig stellen.

Masterstudiengänge: Fernstudium, berufsbegleitend oder Vollzeit?

Haben Sie die Frage für sich entschieden, dass Sie den passenden Masterstudiengang finden möchten, ergibt sich das Studienmodell meist von selbst: Wer nahtlos an sein Erststudium anknüpft, tut dies in der Regel in Vollzeit. Für Berufstätige, die ihren Job nicht aufgeben, sondern sich nebenbei weiterbilden möchten, bietet sich hingegen ein Teilzeit- oder Fernstudium an, um Studium und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Bei einem berufsbegleitenden oder berufsintegrierten Teilzeit-Studium finden Vorlesungen und Seminare meist blockweise in den Abendstunden oder am Wochenende statt. Ganz ähnlich gestaltet sich ein Fernstudium, bei dem sich individuelle Selbstlernphasen mit nur seltenen Präsenz- und Prüfungsphasen an der Hochschule abwechseln.

So viel Flexibilität hat ihren Preis: Der Doppelbelastung durch den Job und das Studium Zuhause ist nicht jeder gewachsen, zumal sich bei Teilzeit- und Fernstudiengängen durch das geringere Arbeitspensum auch die Regelstudienzeit erhöht. Darüber hinaus sind berufsbegleitende Studiengänge üblicherweise mit gesalzenen Studiengebühren verbunden, da sie sich an eine Zielgruppe mit einem regelmäßigen Einkommen richten.

BWL-Bachelor: Welche Master-Möglichkeiten habe ich?

Mit einem Bachelor in BWL oder einer anderen Wirtschaftswissenschaft sind Absolventen gut aufgestellt und haben in der Regel keine Probleme, einen Job auch ohne einen Masterstudiengang zu finden. Allerdings gilt auch in diesem Bereich: Wer schnell und steil Karriere machen möchte, der wird um den Master in BWL wohl kaum herum kommen.

Besonders Absolventen, die sich für Risiko-Controlling und Finance interessieren, haben in der Regel nach dem BWL-Bachelor noch einen passenden Master gemacht. Die vertieften Studieninhalte prädestinieren die Absolventen eben eher für solche Postionen.

Vergleichbares gilt übrigens auch für Volkswirte, die in exponierte Stellungen kommen möchten. Meist gelingt das nur nachdem sie den passenden Masterstudiengang gefunden haben, weil nur damit die nötige Methodenkompetenz erworben wird.

Diese Einsichten sind natürlich auch in den Personalabteilungen der Unternehmen angekommen. Wenn sich zwei Bewerber für die gleiche Postion interessieren, hat derjenige mit dem höheren Bildungsabschluss – also der BWL-Master – größere Chancen zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Allerdings ist mit einem BWL-Bachelor der Master nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Personen, die sich nur mit Ach und Krach durch den Bachelor-Studiengang gekämpft haben, werden mit einem zusätzlichen Master, der mehrere Semester dauert, sicherlich keine Freude haben – und das spiegelt sich meist auch in den Noten wider.

Absolventen mit einem BWL-Bachelor müssen auch nicht zwingend die Kosten für den Master komplett allein tragen. Einige Unternehmen finanzieren besonders engagierten und vielversprechenden Mitarbeitern einen berufsbegleitenden MBA oder kooperieren direkt mit einer Hochschule, die spezielle Master-Möglichkeiten für Berufstätige im Angebot haben.

BWL-Bachelors wird dabei eher dazu geraten, sich breit aufzustellen und nicht zu sehr zu spezialisieren. Denn das kann Gefahren bergen. Wer sich zu sehr einschränkt und Spezialist für ein ganz bestimmtes Gebiet ist, könnte später Probleme haben, einen Job in seinem Spezialgebiet – trotz Masterstudiengang – zu finden.

Masterstudiengang finden: Ab ins Ausland?

Fernweh ist unter Studierenden bekanntlich ein weit verbreitetes Phänomen. Ein komplettes Auslandsstudium kommt für die meisten Bachelor-Absolventen aber nicht in Frage: Nur etwa jeder Zwanzigste absolviert seinen Master vollständig im Ausland.

Am häufigsten ist dies noch bei Juristen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern sowie Sprach- und Kulturwissenschaftlern der Fall, die ins Ausland gehen, um die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern oder Punkte für den Lebenslauf und eine spätere Karriere in internationalen Unternehmen zu sammeln.

Gegen ein komplettes Auslandsstudium sprechen dagegen die vor allem in den englischsprachigen Ländern die mittlerweile mitunter exorbitanten Kosten.

Ein Auslandssemester innerhalb des Masters ist die deutlich häufiger gewählte Option. Allerdings bleibt selbst für einen lediglich mehrere Monate andauernden Auslandsaufenthalt in vielen Studienplänen keine Zeit, ohne die knapp bemessene Regelstudienzeit zu überschreiten. Für Komplikationen sorgt darüber hinaus die Anrechenbarkeit der im Ausland erbrachten Leistungen.

Wer also plant, einen Teil seines Masters im Ausland zu verbringen oder gar einen kompletten Masterstudiengang im Ausland zu finden, sollte unbedingt auf die internationale Ausrichtung des Studiengangs achten und sich vorab über Kooperationen mit ausländischen Partnerhochschulen informieren.

Masterstudiengang in Deutschland für Ausländer

Nicht nur Studierende aus Deutschland gehen ins Ausland, um dort einen Master zu machen, es geht auch umgekehrt. Auch viele Ausländer interessieren sich dafür, einen Masterstudiengang in Deutschland zu finden. Und das ist auch ganz im Interesse der Politik: Bis zum Jahr 2020 sollen 350.000 Ausländer in Deutschland studieren. Zugegeben: Nicht alle davon werden einen Master machen, aber sicherlich sind einige darunter.

Wer als Ausländer in Deutschland studieren und vielleicht sogar einen Master machen möchte, sollte einige grundlegende Dinge beachten:

  • EU-Ausländer

    Studierende aus einem Mitgliedsland der EU haben es einfach: Sie benötigen kein Visum und können sich direkt bei der gewünschten Universität bewerben. Wenn sie in ihrem Heimatland die Berechtigung zu einem Hochschulstudium erworben haben, gilt diese auch für Deutschland.

    Inwieweit die Leistungen aus einem Bachelor-Studiengang für einen aufbauenden Masterstudiengang angerechnet werden können, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Interessenten sollten daher am besten direkt mit der gewünschten Universität in Kontakt treten und die Formalitäten klären. In der Regel sollte es bei der Anrechnung von Studienleistungen jedoch aufgrund des Bologna-Prozesses wenig Probleme geben.

    Außerdem müssen Ausländer nachweisen, dass sie über die notwendigen Sprachkenntnisse verfügen, um ein Studium in Deutschland zu absolvieren. In einem Masterstudiengang geht das in der Regel relativ einfach, da gerade diese Studiengänge häufig eine internationale Ausrichtung haben und daher ohnehin zum großen Teil auf Englisch abgehalten werden.

  • Nicht-EU-Ausländer

    Der erste Schritt für Nicht-EU-Ausländer ist die Überprüfung ihrer Hochschulzugangsberechtigung. In der Regel macht das das Akademische Auslandsamt der jeweiligen Hochschule. Daneben benötigen Bewerber (sofern sie nicht aus dem Schengen-Raum stammen) ein Studentenvisum.

    Studierende, die bereits einen Bachelor in ihrem Heimatland erworben haben, können sich natürlich auch sofort für einen Masterstudiengang einschreiben – sofern sie den passenden finden. In diesem Fall ist es ratsam abzuklären, welche Studienleistungen für den Master angerechnet werden können.

Unser Tipp: Eine erste Orientierung über das (Master-) Studium in Deutschland gibt der Test für Ausländische Studierende (TestAS), den Sie hier machen können.

Masterstudiengang finden: Wo informiere ich mich?

Bei der Beseitigung der Fragezeichen, die womöglich noch immer in Ihrem Kopf herum schwirren, helfen zum einen die weiterführenden Informationen, die die offiziellen Anlaufstellen im Netz bereit halten, also die Webseiten der Hochschule oder des Fachbereichs.

Weiteren Überblick geben spezielle Portale wie

Neben der Online-Recherche können auch weiterführende Informationsveranstaltungen der Hochschule oder eine Studienmesse wertvolle Erkenntnisse für die Studienwahl liefern.

Um einen möglichst aussagekräftigen Eindruck vom eigenen Studienangebot zu vermitteln, öffnen die meisten Hochschulen an sogenannten Informationstagen ihre Pforten für Studieninteressierte. Egal ob es sich um einen „Tag der offenen Tür“, ein „Schnupperstudium“ oder lediglich eine „Probevorlesung“ handelt – die Veranstaltungen dienen dazu, dass Sie sich vor Ort einen groben Überblick von der Lehre und den Bedingungen des Studiengangs machen, bei Bedarf mit den Dozenten in Kontakt treten und mit Studierenden Erfahrungen austauschen können.

Masterplan: Die Online-Recherche

Haben Sie die grundsätzlichen Fragen geklärt, geht es ans Eingemachte: Verschaffen Sie sich einen Überblick über ihre Möglichkeiten! Welche Studiengänge stehen Ihnen mit Ihrer Qualifikation offen?

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal, um den richtigen Masterstudiengang zu finden, ist deren Anbindung: Es gibt konsekutive und weiterbildende Masterstudiengänge.

  • Konsekutive Master

    bauen inhaltlich auf dem zuvor studierten Bachelor auf, stellen einen fachlichen Zusammenhang zu dessen Grundlagen her und vertiefen oder spezialisieren die bereits erlernten Inhalte.

    Eine andere Möglichkeit besteht darin, einen fachlich anderen Master zu studieren. Das vorangegangene grundständige Studium spielt hierbei keine so große Rolle. Beispiel: Wer seinen Bachelor in Betriebswirtschaftlehre gemacht hat, kann danach einen Master in „Sportmanagement“ oder „Marketingmanagement“ anhängen. Ebenso steht es etwa einem Historiker mit Bachelor frei, sich für einen journalistischen Master zu entscheiden.

    Der Knackpunkt: Nur etwa zehn Prozent aller Masterstudiengänge sind derart flexibel aufgebaut. Die Auswahl ist also deutlich eingeschränkter als bei herkömmlichen Mastern.

  • Weiterbildende Masterstudiengänge

    richten sich indes an eine bereits berufstätige Klientel. Zugangsvoraussetzung ist neben einem ersten Abschluss eine mindestens einjährige Berufstätigkeit, da die Inhalte des Studiums an die Erfahrungen im Job anknüpfen sollen.

    Die meist betont anwendungsorientiert ausgerichteten Weiterbildungsmaster werden daher auch oft berufsbegleitend angeboten. Bekanntestes Beispiel ist der wirtschaftswissenschaftliche „Master of Business Administration“ (MBA), der sich unter Berufstätigen branchenübergreifend einer großen Beliebtheit erfreut.

Welche Zulassungsvoraussetzungen muss ich erfüllen?

Die Studienplätze in Masterstudiengängen sind oft begrenzt und deutlich knapper als im Bachelor. Folge: Nicht jeder Bachelor-Absolvent hat eine Chance auf einen Masterstudienplatz. Stattdessen gilt es, die nötigen Anforderungen zu erfüllen und sich wie schon beim Bachelor auf einen Studienplatz zu bewerben.

Grundsätzlich zählt die Abschlussnote des Bachelor-Studiengangs, um das unter Umständen weite Bewerberfeld auszudünnen. Darüber hinaus müssen bestimmte Schwerpunkte oder formale Voraussetzungen wie Sprach- und Fachkenntnisse oder eine bestimmte Anzahl von Credit Points nachgewiesen werden. Als letzten Schritt veranstalten die Hochschulen unter Umständen noch ein gesondertes Aufnahmeverfahren, bei dem sich die Bewerber in persönlichen Gesprächen oder schriftlichen Prüfungen endgültig einen Studienplatz sichern können.

Denken Sie darüber hinaus auch an finanzielle Voraussetzungen: Welche Gebühren fallen für den Master an, und sind diese für Sie zu leisten?

Das Bewerbungsprozedere unterscheidet sich von Hochschule zu Hochschule und selbst von Fachbereich zu Fachbereich. Zunächst sollten Sie sich also gründlich darüber informieren, welche Zulassungsbeschränkungen der Wunschstudiengang mit sich bringt und was in die dazugehörige Bewerbungsmappe gehört.

Achtung: Um die jeweiligen Bewerbungsfristen einzuhalten, kann man gar nicht früh genug damit anfangen, die nötigen Bestandteile zu sammeln – gerade dann, wenn Professorengutachten, Zeugnisse oder Zertifikate wie etwa der TOEFL-Sprachtest vorgelegt werden müssen.

Tipp: Falls Sie an der gleichen Hochschule weiterstudieren möchten wie bisher, informieren Sie sich am besten persönlich bei Ihren Professoren und Dozenten nach den Bedingungen für den anknüpfenden Master.

Eine Garantie auf einen Masterstudienplatz gibt es selbst mit einem guten Notenschnitt nicht. Von daher ist es zu empfehlen, nicht nur auf ein Pferd zu setzen: Legen sie sich nicht auf einen bestimmten Studiengang fest, sondern verschicken sie unbedingt Bewerbungen für mehrere Masterstudienplätze, um am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen.

[Bildnachweis: Billion Photos by Shutterstock.com]
6. April 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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