Bildungsprämie: Weiterbildung für Geringverdienende

Bildung, insbesondere die berufliche Weiterbildung, sollte nicht am Einkommen scheitern. Tut sie aber, wenn das eigene Einkommen kaum zum Überleben, geschweige denn für die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten reicht. Die Bildungsprämie der Bundesregierung soll dieses Problem lösen. Denn häufig befinden sich Arbeitnehmer in einem Teufelskreis: Um besser bezahlte Jobs aufnehmen zu können, fehlt es an der notwendigen Qualifikation. Um diese erwerben zu können, müssen kostenpflichtige Bildungseinrichtungen besucht werden. Dafür braucht es allerdings Geld, welches durch die gegenwärtigen Jobs nicht erwirtschaftet werden kann. Wer Anspruch auf die Bildungsprämie hat und welche Möglichkeiten Sie haben…

Bildungsprämie: Weiterbildung für Geringverdienende

Notwendigkeit von Weiterbildungen

Lebenslanges Lernen heißt die Devise. Was ursprünglich mal als Ideal gedacht war, um Menschen die Vorzüge eines weiten, intellektuellen Horizonts zu zeigen, ist mittlerweile oftmals bittere Notwendigkeit. Berufe ändern sich, manche verschwinden ganz.

Nicht zuletzt ändern sich die eigenen Interessen. Von der Ausbildung bis zur Rente im selben Unternehmen zu arbeiten ist nicht nur aufgrund befristeter Arbeitsverträge seltener geworden. So eine Erwerbsbiographie passt häufig nicht mehr zu Vorstellungen von Selbstverwirklichung.

Wer krankheitsbedingt länger ausfällt, eine Elternzeit nimmt oder infolge einer Insolvenz länger aus dem Erwerbsleben rausfällt, läuft Gefahr den Anschluss zu verlieren. Ähnliches gilt für Geringverdienende. In einigen Fällen mag die reine Stundenzahl ausschlaggebend für das geringe Einkommen sein, beispielsweise bei Teizeitarbeit.

Oftmals ist der Verdienst jedoch so niedrig, weil die Tätigkeit als geringqualifiziert eingestuft wird, etwa bei Hilfsarbeitern. Das Dilemma lässt sich kurz mit folgenden Worten zusammenfassen: Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Genau hier setzt die Bildungsprämie an. Denn eigentlich sollten für alle Menschen dieselben Bildungschancen bestehen. Das ist jedoch nicht der Fall. Sei es, dass bereits die Herkunft aus einem bildungsfernen Elternhaus dazu geführt hat, dass wenig lukrative Jobs ergriffen wurden oder aber oben beschriebene Umstände dazu beitragen, dass die eigenen Finanzen nicht ausreichen, um in nachträgliche Bildung zu investieren.

Bildungsprämie als staatliche Unterstützung

Die Eigenverantwortlichkeit wird im Kontext von Bildungsthemen gerne hervorgehoben. Wenn jedoch die Mittel nicht reichen, wird es schwierig. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und 2008 die Bildungsprämie ins Leben gerufen. Seitdem wurde sie bereits von über einer Viertelmillion Bundesbürger genutzt.

Finanziert wird die Bildungsprämie mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds.

Voraussetzungen

  • Was wird gefördert?

    Die Bildungsprämie ist für die „individuelle berufsbezogene Weiterbildung“. Das heißt, wer als Sanitäter im Rettungsdienst arbeitet und nun eine Weiterbildung machen möchte, durch die er zum Assistenten wird, kann nicht einfach einen Kurs in Aquarellmalerei finanzieren, weil er zur Entspannung gerne malt. Die ausgewählte Weiterbildung muss entweder auf der aktuellen aufbauen oder aber zu einer geplanten neuen Tätigkeit passen. Dennoch stehen Ihre persönlichen Interessen im Vordergrund – nicht die eines Arbeitgebers.

  • Wie wird gefördert?

    Gefördert werden kann mit zwei Gutscheinen, einmal dem Prämiengutschein und dann mit dem Spargutschein. Beide Gutscheine können miteinander kombiniert werden. Beim Prämiengutschein erhält der Antragsteller 50 Prozent der Weiterbildungskosten (jedoch maximal 500 Euro) durch den Staat. Bedingung ist allerdings, dass das zu versteuernde Jahreseinkommen nicht über 20.000 Euro liegt (bei Paaren: nicht über 40.000 Euro). Wer vermögenswirksame Leistungen anspart, kann das für die Weiterbildung benötigte Geld außerdem aus seinem Sparvertrag nehmen, ohne Nachteile befürchten zu müssen. In diesem Fall kommt der Spargutschein zum tragen, die Einkommensgrenzen sind unwichtig.

  • Wer wird gefördert?

    Alle Arbeitnehmer, die mindestens 15 Stunden die Woche erwerbstätig sind, Selbständige und Beschäftigte in Mutterschutz, Elternzeit oder Pflegezeit. Die früher gültige Altersgrenze von 25 Jahren ist ebenso entfallen wie die Beschränkung der Weiterbildungskosten auf höchstens 1.000 Euro.

Änderungen der Förderkonditionen

Wer 2018 die Bildungsprämie für sich beantragen möchte, hat Glück. Die derzeitige, dritte Förderphase des Programms läuft seit dem 1. Juli 2014 und geht bis zum 31. Dezember 2020.

Bereits seit einem guten Jahr haben sich einige Bedingungen geändert. War bis dahin eine Förderung erst ab einem Alter von 25 Jahren möglich und nur bis zur Rente, können nun junge Arbeitnehmer unter 25 Jahren die Bildungsprämie beantragen, Rentner und Pensionäre ebenso.

Allerdings gilt auch für ältere Antragsteller, dass sie einer Erwerbstätigkeit im Umfang von mindestens 15 Stunden die Woche nachgehen müssen.

Nebendem können Sie mit der Bildungsprämie nun Weiterbildungen in Anspruch nehmen, die 1.000 Euro Gesamtkosten übersteigen. Allerdings gilt dies nicht für alle Bundesländer. Davon ausgenommen sind Maßnahmen in den folgenden Bundesländern:

  • Bundesländern Brandenburg (BB),
  • Rheinland-Pfalz (RP),
  • Sachsen (SN),
  • Sachsen-Anhalt (ST),
  • Schleswig-Holstein (SH).

In diesen Bundesländern kann die Bildungsprämie nur eingesetzt werden, wenn die Gebühren 1.000 Euro nicht übersteigen. Wer in einem dieser Bundesländer lebt, kann auf entsprechende Landesprogramme zurückgreifen, die teurere Weiterbildungen unterstützen.

Weitere Änderungen, von denen Antragsteller profitieren:

  • Seit dem 1. Januar 2017 kann jährlich die Bildungsprämie beantragt werden (zuvor: alle zwei Jahre).
  • Sofern Prüfungen im Zusammenhang mit der geförderten Maßnahme stehen, sind sie förderfähig. Die Kosten müssen entsprechend ausgewiesen sein.
  • Statt einer Maßnahme können auch mehrere Weiterbildungen (sogenannte Kursbündel) mit der Bildungsprämie finanziert werden – sofern die Bedingungen (berufsbezogen, 1.000-Euro-Grenze in BB, RP, SN, ST und SH) beachtet werden.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Pflichtfortbildungen finanziert werden, sofern keine Finanzierungspflicht seitens des Arbeitgebers existiert.
  • Für den Fall eines Kursabbruchs können mit dem Prämiengutschein der Bildungsprämie anteilig die zu bezahlenden Kosten übernommen werden.
  • Dauert eine Maßnahme länger und ist sie in inhaltlich sowie finanziell klar abgrenzbare Einheiten untergliedert, können Kosten bereits vorzeitig zur Abrechnung eingereicht werden.
  • Bereits jetzt werden Prämiengutscheine bis Ende 2020 herausgegeben, welche bis zum 31. Dezember 2021 durch den Maßnahmenträger abgerechnet werden können.

Bildungsprämie beantragen: So gehen Sie vor

Wer sich für die Bildungsprämie interessiert, sollte folgendermaßen vorgehen:

  • Informieren Sie sich.

    Das geht beispielsweise über www.bildungspraemie.info, die Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Bundesprogramm Bildungsprämie oder die diversen Weiterbildungsberatungen, beispielsweise die Weiterbildungsberatung in Nordrhein-Westfalen. Haben Sie darüber hinaus Fragen, hilft die kostenlose Hotline 0800 26 23 000 weiter.

  • Machen Sie den Vorabcheck.

    Sie wollen die Bildungsprämie, sind sich aber unsicher, ob Sie zum genannten Personenkreis gehören? Sie haben keine Zeit für lange Recherche? Kein Problem, machen Sie einfach den Vorabcheck. Anhand weniger Fragen können Sie schnell und unkompliziert ermitteln, ob Sie für den Prämiengutschein infrage kommen.

  • Lassen Sie sich beraten.

    In ganz Deutschland gibt es verschiedene Beratungsstellen mit geschulten Beratern, die Ihnen die Voraussetzungen für eine Bildungsprämie erklären können. Eine Liste der rund 530 Beratungsstellen erhalten Sie HIER.

[Bildnachweis: ShotPrime Studio by Shutterstock.com]
31. August 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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