BAföG: Voraussetzungen, Höhe, Antrag + Rückzahlung

BAföG ist eine Form der staatlichen Förderung, auf die Studierende unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch haben. Gedacht ist sie als Beitrag zur Chancengleichheit, um den akademischen Nachwuchs auch aus weniger wohlhabenden Familien zu fördern. Denn Eltern sind bis zum Abschluss der ersten Ausbildung eines Kindes unterhaltspflichtig. Aber nicht alle können die Kosten für ein Studium ihres Kindes übernehmen. Wir erklären, wer Anspruch auf die Förderung hat, worauf Sie achten müssen und welche Möglichkeiten zur Studienfinanzierung Sie noch haben…

BAföG: Voraussetzungen, Höhe, Antrag + Rückzahlung

Anzeige

Was ist das BAföG?

Studieren kostet Geld: Miete fürs WG-Zimmer oder Studentenbude, Semesterbeitrag, Lebenshaltungskosten, Freizeitgestaltung, Lernmaterialien… All das fällt regelmäßig an. Kein Geld fürs Studium? Für genau diese Fälle gibt es das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). BAföG ist einerseits die Abkürzung für das vor 50 Jahren eingeführte „Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz“. Es bezeichnet gleichzeitig aber auch die nach diesem Gesetz bewilligte Sozialleistung. Ziel ist es, Chancengleichheit herzustellen.

Unabhängig von der finanziellen Situation soll jeder die Möglichkeit haben, ein Studium zu beginnen. Dies ist prinzipiell auch durch einen Studienkredit möglich, doch die staatliche Förderung bietet einige Vorteile. Allen voran der größte: Empfänger müssen nur die Hälfte des Betrages zurückzahlen – und zwar zinsfrei. Auszubildende und Schüler erhalten das BAföG sogar als sogenanntes Volldarlehen.

Anzeige

Wann hat man Anspruch auf Bafög?

Studierende, aber auch Azubis und Schüler haben einen Rechtsanspruch auf die Zahlung von BAföG – sofern bestimmte Voraussetzungen gegeben sind:

  • Es handelt sich um ein Erststudium (Zweitstudium nach einem Studienabschluss ist meist nicht förderungswürdig!) beziehungsweise die Erstausbildung.
  • Nicht älter als 29 Jahre (zu Beginn des Bachelor-Studiums, bei Master-Studium: nicht älter als 34 Jahre)
  • Nach bestandener Zwischenprüfung oder dem vierten Fachsemester liegt dem Bafög-Amt ein Leistungsnachweis vor
  • Sofern ein Studienfachwechsel erfolgt, muss dieser aus wichtigem Grund und spätestens bis zum Beginn des vierten Fachsemesters stattfinden

Anspruchsberechtigt sind nicht nur deutsche Bürger und Studierende aus der Europäischen Union, sondern auch gesellschaftlich integrierte Ausländer, sofern sie eine Bleibeperspektive haben.

Anzeige

Wie viel Geld bekommt man von BAföG?

Die Höhe der Förderung ermittelt das BAföG-Amt individuell. Es richtet sich dabei nach dem Bedarf, um unterschiedlichen Ausgangssituationen gerecht zu werden – soll heißen: Wer über bessere finanzielle Verhältnisse verfügt oder noch bei den Eltern wohnt und somit weniger Kosten hat, erhält einen geringeren Betrag. Das heißt aber nicht, dass bei hohem Bedarf automatisch die BAföG-Sätze steigen: Wer Pech hat und auf Wohnungssuche im teuren München nur überteuerte WG-Zimmer findet, bekommt trotzdem nur den Zuschlag für die Unterkunft von 325 Euro. Auch das Alter spiegelt sich im BAföG-Höchstsatz wider. Derzeit erhalten Studierende folgende Zahlungen:

  • 752 Euro pro Monat für bis zu 24-Jährige
  • 861 Euro pro Monat für Studierende zwischen 25 und 29 Jahren
  • 941 Euro pro Monat ab 30 Jahren

Hierbei handelt es sich um den Regelbedarfssatz für Studierende, die nicht bei den Eltern leben. Hinzukommen kann noch ein Zuschlag von 84 Euro für Krankenversicherung und 25 Euro für die Pflegeversicherung. Den erhalten Antragsteller dann, wenn sie eigene Beiträge zahlen. Der individuelle Förderungssatz hängt jedoch von vielen weiteren Faktoren ab, auf die wir im Folgenden weiter eingehen.

Welches Einkommen der Eltern bei Bafög?

Denn es gibt natürlich einen kleinen Haken: Einer der wichtigsten Faktoren bei der Beurteilung eines Antrags ist das Einkommen der Eltern. Hier gilt die Faustregel: Je besser die Eltern verdienen, desto geringer fällt das BAföG aus. Bei einem hohen Gehalt der Eltern geht das BAföG-Amt davon aus, dass diese das Studium ihres Kindes finanzieren können. Allerdings bleiben monatlich bestimmte Anteile des Einkommens anrechnungsfrei. Dadurch verringert sich das Einkommen der Eltern also rein rechnerisch. Für beide Eltern gelten derzeit 1.890 Euro (ab August: 2.000) als Freibetrag, für alleinstehende Elternteile 1.260 (ab August: 1.330) Euro. Erst das Einkommen nach Abzug des Freibetrags wird angerechnet.

Wird das Vermögen angetastet?

Eine Erbschaft oder ein gut gefülltes Sparbuch berücksichtigt das BAföG-Amt ebenfalls. Hier gilt ein Vermögensfreibetrag von 8.200 Euro. Wer diesen übersteigt, muss das in seinem Antrag angeben. Der Freibetrag wird vom vorhandenen Vermögen abgezogen. Bei einem Vermögen von 10.000 Euro würden somit noch 1.800 Euro angerechnet und auf den Bewilligungszeitraum (normalerweise 12 Monate) verteilt. In diesem Beispiel würden daher 150 Euro vom monatlichen BAföG abgezogen.

Ist der BAföG-Empfänger bereits verheiratet, wird das Vermögen des Ehepartners nicht angetastet. Das daraus erzielte Einkommen rechnet das BAföG-Amt allerdings auf den Bedarf an. Ebenfalls rechnet es Einkommen an, das innerhalb des Bewilligungszeitraums 5.421 Euro übersteigt. Ebenfalls muss er angeben, ob und wie viel der Ehepartner verdient. Wie bei den Eltern gilt auch hier: Ein hohes Einkommen führt zu Abzügen beim BAföG. Einen Unterschied macht außerdem, ob der Antragsteller bereits Kinder hat. Denn für Studenten mit einem Kind unter 14 Jahren erhöht sich der BAföG-Satz um 150 Euro; für jedes weitere Kind erhalten Sie zusätzlich 150 Euro.

Worauf müssen Sie bei Nebenjobs achten?

Für Auszubildende bleiben 290 Euro im Monat grundsätzlich anrechnungsfrei. Viele Studierende wollen in den Semesterferien oder neben dem Studium noch etwas Geld dazu verdienen. Das BAföG-Amt gewährt eine jährliche Werbekostenpauschale von 1.000 Euro und eine Sozialpauschale von 21,3 Prozent als Freibetrag. Allerdings müssen Sie diese Tätigkeit auch im Antrag angeben. Solange Sie nur kleinere Nebenjobs auf 450-Euro-Basis haben, ist alles im grünen Bereich. Ihre Tätigkeit kann zu Abzügen führen, wenn Sie mehr als 5.400 Euro im Jahr verdienen. Diese sind allerdings geringer als der Verdienst im Nebenjob, wodurch es sich dennoch finanziell lohnt, sich einen Studentenjob zu suchen.

Anzeige

Wie können Sie BAföG beantragen?

Der Weg zur staatlichen Förderung führt übers BAföG-Amt, das dem Studentenwerk angegliedert ist. (Schüler wenden sich an das Amt für Ausbildungsförderung der Stadt- oder Kreisverwaltung.) Üblicherweise dauert die Bewilligung einige Zeit, weshalb Erstsemester am besten ein halbes Jahr vor Studienstart den Antrag auf BAföG stellen sollten. In einigen Bundesländern – darunter Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt – bietet das BAföG-Amt BAföG Digital an: Damit können Antragsteller bequem vom Computer aus ihren BAföG-Antrag online stellen.

Notwendige Formulare können in bestimmten Dateiformaten hochgeladen werden. In Bundesländern ohne digitales Angebot und als Alternative zum BAföG Digital besteht die Möglichkeit, bei den jeweiligen Studentenwerken die Papierformulare auszufüllen oder die notwendigen Formulare am Computer auszufüllen und anschließend auszudrucken. Auch wenn Sie fehlende Unterlagen nachreichen können: Informieren Sie sich frühzeitig, welche Unterlagen Sie einreichen sollen, so verhindern Sie Verzögerungen. Zumeist benötigen Sie diese Nachweise:

  • Ausweisdokument (gegebenenfalls Asylbescheinigung)
  • Semesterbescheinigung
  • Mietvertrag
  • Nachweise zur Krankenversicherung
  • Gehaltsabrechnung / Einkommensnachweise der Eltern vom vorletzten Kalenderjahr
  • Nachweise über Nebenjobs oder Einkommen (zum Beispiel Waisenrente)
  • Kontoauszug / Nachweise zu Sparguthaben
  • Rückkaufwert einer Lebensversicherung oder eines Bausparvertrags
  • Zeitwert des Fahrzeugs (sofern eigenes Auto vorhanden)

Weitere Hinweise, wie Sie BAföG beantragen, erhalten Sie hier.

BAföG: Wann steht mir die Förderung zu?

Hinter der Bestimmung der Fördersätze steht ein sehr komplexes System, was es kaum ermöglicht, auf einen Blick zu sagen, ob oder gar wie viel BAföG angehenden Studierenden zusteht. Die beste Möglichkeit, um herauszufinden, ob Sie eine Förderung erhalten, ist daher der klassische Weg: Ein Termin bei Ihrem zuständigen BAföG-Amt machen und ausrechnen lassen, ob die nötigen Voraussetzungen erfüllt sind. Daneben gibt es zahlreiche BAföG-Rechner im Internet. Hier erhalten Sie eine grobe Einschätzung mit zu erwartender Förderhöhe anhand der Informationen, die Sie selbstständig eintragen.

Sollten Sie trotz Ihrer Berechnungen einen ablehnenden Bescheid vom BAföG-Amt erhalten, bedeutet das nicht das Ende Ihrer Studienträume! Zum einen verdienen sich viele Studierende neben dem Studium Geld, etwa als studentische Hilfskraft oder Werkstudent. Auf der anderen Seite gibt es immer noch die Möglichkeit, sich über ein Stipendium (weitere Infos unter stipendienlotse.de) zu finanzieren. Zusätzliche Hinweise zur Studienfinanzierung erhalten Sie HIER.


Wie viel vom BAföG muss man zurückzahlen?

Im Laufe seiner 50-Jährigen Geschichte gab es einige Anpassungen beim BAföG. War es ursprünglich ein Volldarlehen, müssen seit den neunziger Jahren Hochschulabsolventen die Hälfte zurückzahlen. Grund dafür ist, dass im Laufe der Jahre der Kreis der Förderungsberechtigten immer größer wurde. Für Auszubildende und Schüler bleibt das BAföG ein Volldarlehen, das heißt, sie zahlen nichts zurück. Für Studierende beziehungsweise Absolventen gilt: Unabhängig von der tatsächlichen Höhe des gezahlten BAföGs ist die Rückzahlung auf maximal 10.000 Euro begrenzt.

Außerdem wird die Rückzahlung erst fünf Jahre nach Ende der Förderung fällig. Viel Zeit also, um den Berufseinstieg zu schaffen und mit beiden Füßen im Berufsleben zu stehen, bevor die BAföG Rückzahlung kommt. Allerdings zahlt es sich aus, wenn Sie nicht so lange warten. Für die Rückzahlung verantwortlich ist das Bundesverwaltungsamt in Köln (BVA). Und das belohnt Sie mit einem Nachlass von zehn bis maximal 50 Prozent, wenn Sie Ihre BAföG-Schuld vorzeitig begleichen. Hier kann es sich lohnen, Geld von Freunden zu leihen oder bei günstigen Konditionen auf einen Kredit der Bank zurückzugreifen. Wichtig: Die Ersparnis durch diesen Erlass muss größer sein als die Zinsen für einen etwaigen Kredit. Lassen Sie sich also alles sorgfältig durchrechnen.

Was andere Leser dazu gelesen haben

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

Bewertung: 4,98/5 - 7933 Bewertungen.

Interessante Videos

Hier weiterlesen!

Weiter zur Startseite