Zwangsexmatrikulation: Was nun?

Es kann diverse Gründe haben, aber eins steht eigentlich fest: Überraschend kommt eine Zwangsexmatrikulation nie. Doch auch wenn alle Warnzeichen ignoriert wurden, sind die meisten Studierenden erst einmal sehr geschockt, wenn sie das entsprechende Schreiben in den Händen halten. Was kommt als nächstes? Worauf muss geachtet werden? Ist die akademische Laufbahn jetzt zwangsläufig vorbei? Antworten auf die wichtigsten Fragen nach einer Zwangsexmatrikulation…

Zwangsexmatrikulation: Was nun?

Zwangsexmatrikulation: Wie kann es dazu kommen?

Folgende Gründe können zu einer Zwangsexmatrikulation führen:

  • Androhung von Gewalt gegenüber Kommilitonen
  • Behinderung universitärer Veranstaltungen
  • Ausstehende Studienbeiträge oder andere offene Rechnungen gegenüber der Hochschule
  • Ausstehende Gebühren bei der Krankenversicherung: Wer für ein halbes Jahr nicht einzahlt, bekommt unangenehme Post.

Die gute Nachricht für alle Nichtzahler: Die meisten Hochschulen nehmen die Exmatrikulation gegen Zahlung des Semesterbeitrags und eine Bearbeitungsgebühr wieder zurück. Darauf ankommen lassen, sollten Sie’s aber nicht! Bei verhaltensbedingten Gründen empfiehlt sich die Beratung durch einen Anwalt. Hier hängt das weitere Vorgehen vom jeweiligen Fall ab.

Zusätzlich gibt es auch noch die leistungsbedingte Zwangsexmatrikulation: Wer innerhalb einer gewissen Zeit keine Prüfungen ablegt oder in Teilabschnitten des Studienganges wiederholt patzt, muss sich früher oder später von seinem Fach verabschieden. Laut einer Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) geben elf Prozent aller Studienabbrecher nicht bestandene Prüfungen als Grund für ihre Exmatrikulation an.

Erste Anlaufstelle: Das Arbeitsamt

Liegt der Bescheid über das Zwangs-Aus im Briefkasten, gilt es zu handeln. Vor allem Bezieher von Studienkrediten oder BAföG sollten schnell aus der Schockstarre erwachen. Denn diese Leistungen fließen bald nicht mehr aufs Konto.

Doch keine Sorge! Es gibt Anlaufstellen, die helfen. In diesem Fall die Bundesagentur für Arbeit: So genannte Leistungen zur „Unterstützung der Sicherung des Grundbedarfs“ stehen zwangsexmatrikulierten Studierenden zu, bis sie eine neue Lösung gefunden haben. Wer seinen Lebensunterhalt durch Nebenjobs bestreitet, hat erstmal nichts außer höheren Steuer- und Sozialversicherungsbeiträgen wegen des Wegfalls des Studentenstatus zu befürchten.

Auch Bewohner einer Studentenbude sollten in die Puschen kommen, wenn sie vorhaben, der Uniwelt endgültig den Rücken zu kehren. Denn grundsätzlich ist der Aufenthalt in einem Studentenwohnheim an ein ordnungsgemäßes Studium gekoppelt. In der Regel wird die Exmatrikulation erst zum Ende des Semesters wirksam. Es verbleibt zwar ein gewisser Zeitpuffer, sich neu zu orientieren. Aber bei der aktuellen Wohnsituation in Studentenstädten zählt jede Stunde bei der Wohnungssuche.

Zwangsexmatrikulation: Steht das Aus vor der Tür?

Aber natürlich ist es nur allzu verständlich, dass die Betroffenen zunächst verunsichert sind. Daher empfiehlt es sich, Beratung und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Besuch bei der zentralen Studienberatungsstelle lohnt sich.

Gemeinsam mit den Beratern lässt sich eine Standortbestimmung durchführen und Antworten auf wichtige Fragen finden:

  • War die eingeschlagene Fachrichtung vielleicht nicht die richtige?
  • Ist ein Studium überhaupt der richtige Weg?
  • Welche Ausbildung entspräche den persönlichen Interessen und Neigungen?
  • Was sind die nächsten Schritte?

Ist Weiterstudieren trotz Exmatrikulation möglich?

Eine leistungsbedingte Zwangsexmatrikulation bedeutet prinzipiell nicht das Ende der universitären Laufbahn, denn der Ausschluss gilt erstmal nur für den ursprünglichen Studiengang. Ein Fachwechsel ist also möglich. Oft liegt es nahe, eine verwandte Richtung einzuschlagen. Der Vorteil: Nicht alle Bemühungen waren umsonst, da der eine oder andere Leistungsnachweis anerkannt werden kann.

Die Idee, das gleiche Fach an einer anderen Uni weiter zu studieren, liegt zwar nahe, ist aber nicht immer machbar. Wer seinen Prüfungsanspruch endgültig verloren hat, verliert man diesen leider auch an einer anderen Hochschule im selben Studiengang. Bundesweit.

In den jeweiligen Landeshochschulgesetzen finden sich entsprechende Regelungen wie zum Beispiel der § 60 Abs. 2 Nr. 2 LHG B-W:

(2) Die Immatrikulation nach Absatz 1 Sätze 1 bis 5 ist zu versagen, wenn […] eine nach der Prüfungsordnung erforderliche Prüfung im gleichen Studiengang endgültig nicht bestanden wurde oder der Prüfungsanspruch aus sonstigen Gründen nicht mehr besteht; durch Satzung der Hochschule kann bestimmt werden, dass dies auch für verwandte Studiengänge mit im Wesentlichen gleichem Inhalt gilt; für Studienabschnitte vor der Vor- oder Zwischenprüfung genügt eine entsprechende Vergleichbarkeit der Studiengänge in diesem Abschnitt.

Es gibt allerdings zwei Hintertürchen:

  • Inwiefern es sich um den „gleichen“ Studiengang handelt, liegt in der Entscheidung der Hochschulen und bedarf unter anderem eines Abgleichs der Studieninhalte.
  • Zudem bleibt Betroffenen die Möglichkeit, auf eine Universität im Ausland auszuweichen.

Studienabbruch – was nun?

Tatsächlich entscheidet sich der eine oder andere nach dem Rauswurf aus dem Fach komplett dagegen, weiterhin die Unibank zu drücken. Auch in diesem Fall ist die Bundesagentur für Arbeit die erste Anlaufstelle. Hier gibt es spezielle Beratungsangebote für Studenten nach einem Studienabbruch. Entscheidet man sich für eine Ausbildung, die mit dem einstigen Studium artverwandt ist, lässt sich diese eventuell abkürzen.

Natürlich gibt es immer auch die Möglichkeit, sich juristisch zu wehren. Entweder gegen die Prüfung an sich, oder gegen die Exmatrikulation. Hier kommt es vor allem darauf an, welche Gründe zum Nichtbestehen geführt haben.

  • Gab es persönliche Probleme?
  • Eine schwere Erkrankung?
  • Eine Trennung?
  • Ein Trauerfall in der Familie?

Dann bestehen Chancen, gegen die Exmatrikulation vorzugehen. In der Zwischenzeit ist die Exmatrikulation nicht wirksam. Der Studierende kann also weiterstudieren. Geht der Rechtsstreit jedoch zugunsten der Hochschule aus, ist endgültig Schluss.

Zwangsexmatrikulation: Und die Karriere?

Was die Karriere angeht, ist ein Studienabbruch nicht unbedingt ein Beinbruch. Bill Gates, Herbert Grönemeyer, Mick Jagger, Wolfgang Joop, Steven Spielberg – die Liste berühmter Studienabbrecher ist lang.

Wichtig ist nur, das Studienaus in der Bewerbung angemessen zu verkaufen.

  • Der Fokus im Lebenslauf sollte auf das Studium, nicht auf den Abbruch liegen
  • Wissen und Fähigkeiten, die während des Studiums erworben wurden, sollten herausgestellt werden

Die Gründe, die zum Abbruch führten, können auf einer extra Seite erläutert werden. Hier ist natürlich auch ein bisschen Selbstmarketing gefragt. Das Wort Zwangsexmatrikulation sollte hier nicht auftauchen, stattdessen besser der „Wunsch, sich neuen und praxisnahen Herausforderungen zu stellen“.

[Bildnachweis: WAYHOME studio by shutterstock.com]
8. April 2015 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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