Abendstudium: Weiterqualifizierung neben dem Job

Für viele Arbeitnehmer ist lebenslanges Lernen selbstverständlich, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. Die Angebote dazu sind äußerst vielfältig. Ein Abendstudium bietet Ihnen die Gelegenheit, Ihr Wissen nach Feierabend in einem bestimmten Bereich zu vertiefen. Letztlich geht es ja nicht nur darum, das Fachwissen up to date zu halten, sondern oftmals auch die Chancen für einen beruflichen Aufstieg zu erhöhen. Was genau ein Abendstudium ist, welche Möglichkeiten Sie haben und wie es sich gestaltet, erfahren Sie hier.

Abendstudium: Weiterqualifizierung neben dem Job

Abendstudium Definition: Studium nach Feierabend

Abendstudium Kosten NRWHäufig wird Abendstudium synonym mit verschiedenen Formen der Weiterbildung verwendet, so beim Fernstudium, aber ebenso bei privaten Qualifizierungen an Volkshochschulen oder Abendschulen.

Das ist allerdings ungenau, denn genau genommen bedeutet ein Abendstudium, dass ein berufsqualifizierendes Studium an einer anerkannten Hochschule absolviert wird.

Wer nach der Schule erst eine Ausbildung gemacht hat oder sich später im Berufsleben weiter qualifizieren und einen akademischen Abschluss erwerben möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Ein berufsbegleitendes Studium ist auf drei Wegen zu absolvieren:

  • Präsenzstudium

    Bei dieser Studienform finden die Lehrveranstaltungen vor allem abends, am Wochenende oder im Blockunterricht statt. Für die jeweiligen Seminare und Prüfungen besteht Anwesenheitspflicht. Hausarbeiten und Referate werden außerhalb der Unterrichtsorte in der Freizeit verfasst. Diese Studienform bietet viele Vorteile:

    • Der direkte Kontakt mit Dozenten ermöglicht gezieltes Klären von Problemen.
    • Sie haben direkten Austausch und Motivation durch Kommilitonen.
    • Das klar strukturierte und organisierte Studium hilft beim Einhalten der Vorgaben.

    Allerdings sind Sie damit wenig flexibel, da die Lernzeiten und Prüfungstermine festgelegt sind.


  • Fernstudium

    Auch das Fernstudium ermöglicht Ihnen einen akademischen Abschluss wie Bachelor oder Master. Durch die hohe Flexibilität, die diese Studienform mit sich bringt, können Berufstätige, die zeitlich oder räumlich gebunden sind, ihr Studium ideal selbst gestalten. Die Gestaltung des Studiums hängt vom Anbieter ab; teilweise gibt es Online-Lernangebote, teilweise wird mit versandten Studienbriefen gearbeitet. Die Vorteile dieser Studienform:

    • Sie sind völlig zeit- und ortsungebunden, können selbst vom entlegensten Dorf ohne Verkehrsanbindung aus studieren.
    • Der Studienbeginn gestaltet sich ebenfalls unabhängig von Semesterzeiten, Sie können also jederzeit beginnen.
    • Sie sparen Zeit und Spritkosten, dadurch, dass Sie von Zuhause aus studieren.

    Fernstudium bedeutet jedoch auch, dass Sie für sich allein lernen, das heißt, es verlangt ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Selbstmanagement. Auch sollten Sie das wöchentliche Pensum von 12 bis 20 Arbeitsstunden nicht unterschätzen. Der Austausch mit Kommilitonen ist nicht so gegeben wie beim Präsenzstudium, da er hier eher auf virtueller Basis stattfindet.


  • Abendstudium

    Üblicherweise findet das Abendstudium an den Wochentagen nach Feierabend ab 18 Uhr statt. Dafür sollten Sie zwischen drei und vier Stunden einplanen. Je nach Hochschule wird es teilweise als Wochenendstudium angeboten, dann sollten Sie auch einen Samstag einplanen. Die größte deutsche private Hochschule, die FOM Hochschule für Ökonomie und Management, bietet beispielsweise Mischformen an. Die Vorteile dieser Studienform:

    • Sowohl das Abendstudium als auch das Wochenendstudium beinhalten einen hohen Anteil an Präsenzveranstaltungen. Dies bedeutet weniger Zeit fürs Selbststudium zu Hause und direkte Ansprechpartner.
    • Sie haben – je nach Organisationsform der Hochschule – üblicherweise ein vorlesungsfreies Wochenende.

    Andererseits haben Sie eine Woche mit langen Arbeitstagen hinter sich.

Voraussetzungen für ein Abendstudium

Auch wenn vom Abendstudium häufig im Zusammenhang mit dem berufsbegleitendem Studium die Rede ist, so ist es gar nicht zwingend notwendig, dass Sie für die Studienzulassung einen Beruf ausüben. Dennoch gibt es eine Reihe formaler und persönlicher Voraussetzungen, die Sie mitbringen sollten:

  • Formale Voraussetzungen

    Für ein Hochschulstudium wird üblicherweise das Abitur (allgemeine Hochschulreife), die fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife (auch Fachabitur genannt) erwartet. Allerdings hängen die genaueren Zulassungsbedingungen von Ihren persönlichen Voraussetzungen, von der Studienfachwahl und der Hochschule ab.

    Bildung ist in Deutschland Ländersache und 16 Bundesländer haben zum Teil sehr unterschiedliche Voraussetzungen, so dass oftmals ein Studium ohne Abitur möglich ist. Dafür muss dann zumeist eine mindestens zweijährige Ausbildung mit dreijähriger Berufserfahrung oder aber ein Meisterabschluss vorhanden sein.

    Zusätzlich können für verschiedene Fächer Eignungsprüfungen verlangt werden, etwa besondere künstlerische Begabung bei künstlerischen Fächern, Sprachnachweise oder Ähnliches. Auf manchen Studiengängen wie beispielsweise Medizin, Psychologie und Biologie liegt ein Numerus Clausus (NC), das heißt, sie haben als Anforderung eine entsprechend gute Abiturnote.

    Um detaillierte Informationen zum jeweiligen Studienfach zu erfahren, sollten Sie sich direkt bei der entsprechenden Hochschule informieren.

  • Persönliche Voraussetzungen

    Mindestens ebenso wichtig sind allerdings Ihre individuellen Voraussetzungen. Bevor Sie sich um einen Studienplatz bemühen, sollten Sie für sich geklärt haben, warum Sie studieren – geht es um einen konkreten Mehrwert, den Sie daraus ziehen oder lediglich um Statusdenken?

    Ein Studium, besonders neben dem Beruf, verlangt von Ihnen ein hohes Maß an intrinsischer Motivation. Diese von innen kommende Motivation könnte allerdings recht schnell angesichts der Anforderungen verpuffen. Um ein Abendstudium erfolgreich absolvieren zu können, müssen Sie sich über einige Jahre hinweg disziplinieren können.

    Sie sollten gut im Selbstmanagement sein, denn Sie geben einen Teil Ihrer Freizeit auf, um beruflich weiterzukommen. Die Lernphasen am heimischen Schreibtisch verlangen, dass Sie Ablenkungen Zuhause widerstehen können.

    Dazu gehört auch, Ihr soziales Umfeld – Familie, Kinder, Partner – darauf vorzubereiten, dass Sie nicht im gewohnten Umfang zur Verfügung stehen.


Ungeachtet gewisser Entbehrungen und Schwierigkeiten werden Sie für ein erfolgreich absolviertes Abendstudium belohnt: Zum einen sieht es immer gut im Lebenslauf aus, wenn Sie auf neue Abschlüsse oder Zusatzqualifikationen verweisen können. Zum anderen bewerten auch Arbeitgeber solche Anstrengungen positiv:

Immerhin haben Sie Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit und Ehrgeiz bewiesen – Eigenschaften, die Ihnen im Berufsleben zugute kommen.

Abendstudium Kosten: Was kommt auf Sie zu?

Eine pauschale Beantwortung dieser Frage ist nicht möglich, da die Kosten von verschiedenen Faktoren wie der gewählten Hochschule und dergleichen mehr abhängig sind. So können beim Abendstudium Kosten für Lernmaterialien hinzukommen, aber auch monatliche Beiträge der Hochschule oder Prüfungsgebühren.

Abhängig sind die Gesamtkosten Ihres Abendstudiums ebenso von der Studiendauer als auch von der Höhe der Semestergebühren, die mehrere hundert oder auch tausend Euro pro Jahr betragen können. Die werden zumeist nur an Hochschulen erhoben, die Vollzeitstudiengänge anbieten.

Der dort übliche Semesterbeitrag enthält den Sozialbeitrag, mit dem studentische Einrichtungen wie der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta), das Semesterticket oder auch der Hochschulsport finanziert werden. Allgemein gilt, dass ein Abendstudium an einer staatlichen Hochschule günstiger ist als an einer privaten.

Allerdings kann sich auch die Qualität der Lehre unterscheiden, weshalb Interessierte verschiedene Optionen prüfen sollten. Weiterhin sollten Sie einkalkulieren:

  • Immatrikulations- und Prüfungsgebühren
  • Kosten für zusätzliche Kurse und Tutorien
  • Reisekosten zum Studienzentrum, für Exkursionen oder Auslandsaufenthalte im Rahmen des Studiums
  • Kosten für Unterbringung und Verpflegung
  • Kosten durch Überschreitung der Studienzeit

Unterstützung bei der Finanzierung

Wer sein Abendstudium berufsbegleitend organisiert, wird vermutlich einen Teil seines Einkommens vorher beiseite gelegt haben oder kann aus dem monatlichen Verdienst die Kosten bestreiten. Je nach Art und Aufwand des Abendstudiums kommen Kosten in Höhe eines Kleinwagens auf Sie zu – gut, wer da entsprechend vorsorgen kann.

Da Sie vermutlich neben dem Job Ihr Abendstudium stemmen, fällt die häufigste Finanzierungsmöglichkeit aus, nämlich das Bafög. Das wird üblicherweise nur denjenigen gezahlt, die noch keine abgeschlossene Ausbildung haben. Zusätzlich gibt es Auflagen bezüglich des Vermögens und monatlicher Einkünfte, die Berufstätige üblicherweise überschreiten.

Neben der einfachsten Voraussetzung – reich geboren oder geerbt – gibt es einige Möglichkeiten, sich Unterstützung zu holen, beispielsweise direkt vom Arbeitgeber. Der kann Ihnen ganz praktisch mit Bildungsurlaub oder unbezahltem Urlaub helfen. Ebenfalls denkbar ist eine Finanzierung durch den Arbeitgeber, sofern Sie ihm den konkreten Nutzen Ihres Abendstudiums darlegen können.

Über die jährliche Steuerklärung können Sie Studienkosten übrigens als Werbungskosten absetzen. Das ist dann zwar keine unmittelbare Finanzierung, aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Wie das genau funktioniert, lesen Sie hier:

Daneben können Sie sich durch staatliche, gesellschaftliche oder religiöse Stiftungen mit einem Stipendium fördern zu lassen. Dafür müssen Sie gar kein Einser-Kandidat sein, dahinter steckt vielmehr die ideelle Förderung. Mehr dazu erfahren Sie hier:

Und wenn alle Stricke reißen, können Sie beispielsweise bei der staatlichen Kfw-Bank einen Studienkredit aufnehmen. Mehr dazu erfahren Sie hier:

[Bildnachweis: ESB Professional by Shutterstock.com]
31. Juli 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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