Studium generale: Selbstständige Weiterbildung für Arbeitnehmer

Mit einem Studium wird oftmals langes Büffeln für Prüfungen oder verklärend Partys ohne Ende verbunden. Anders beim Studium generale. Es eröffnet Arbeitnehmern eine Form der Weiterbildung, die nicht nur kostengünstig ist, sondern auf akademischen Niveau den Horizont erweitert. Das kann einen Wettbewerbsvorteil bedeuten, wenn es um den Aufstieg in höhere Positionen geht – ohne berufliche Weiterbildung ist der heutzutage häufig schwierig. Wie Sie deutsche Universitäten und Hochschulen nutzen können, um Fachwissen und Kompetenzen weiter auszubauen…

Studium generale: Selbstständige Weiterbildung für Arbeitnehmer

Studium generale Definition: Fächerübergreifende Wissensvermittlung

Studium generale Deutschland Definition NRWWas unter einem Studium generale verstanden wird, ist nicht ganz eindeutig zu definieren, da dieser Begriff im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel erfahren hat und auch heute noch unterschiedlich ausgelegt wird.

Andere Bezeichnungen für das Studium generale sind auch:

  • Allgemeine Studien
  • Kontextstudium
  • Studium fundamentale
  • Studium universale

Demnach kann Studium generale Folgendes bedeuten:

  • Veranstaltungen an einer Hochschule, die allen Interessierten offen stehen – so beispielsweise an der Hochschule Ruhr West (HWR), die ihr Angebot „für Studierende, Schüler, Unternehmer und Wissenschaftsinteressierte der Region, interessierte Bürgerinnen und Bürger Bottrops, Mülheims und der angrenzenden Städte, Vertreter der Kommunen und Verbände sowie für Journalisten“ öffnen.
  • Veranstaltungen an einer Hochschule, die sich vor allem an bestimmte Zielgruppen richten. Hierunter fallen zum Beispiel an der Universität Münster der Bereich „Kinderuni“, bei dem Mädchen und Jungen im Grundschulalter zu Themen aus der Politik, Geschichte, Archäologie, Geologie, Literatur, Zellforschung und Psychologie an kindgerechten Vorlesungen teilnehmen können. Ebenfalls kann das Studium im Alter in diese Kategorie fallen.
  • Kostenpflichtige Seminare, Workshops und weitere Veranstaltungen zur Orientierung von Schulabgängern. Teilweise werden diese von Hochschulen angeboten, teilweise von Kollegs wie beispielsweise dem Aicher-Scholl-Kolleg in Ulm. Hier können junge Erwachsene zwischen 16 und 26 Jahren ihre Kurse aus den Bereichen Kunst, Design und Architektur, Naturwissenschaften, Technik sowie Geisteswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Gesellschaftswissenschaften frei wählen und zusammenstellen.

In diesem Artikel soll es allerdings um das Studium generale im Sinne nicht verpflichtender, öffentlicher Lehrveranstaltunge Anderen gehen.

Verwechslungsgefahr: Studium generale versus General Studies

Studium generale NRW Deutschland DefinitionEbenfalls unter Studium generale werden an einigen Universitäten Veranstaltungen innerhalb des Studiums subsummiert, die teilweise auch unter dem Begriff General Studies laufen.

Sie sollen einen Überblick über das Studienfach bieten. Hier wird in die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens eingeführt. So beispielsweise an der Universität Münster:

Von der Themenfindung über die Recherche bis hin zur Informationsauswertung und das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten werden notwendige Kenntnisse für das ordentliche Studium vermittelt. Die Veranstaltung ist obligatorisch und wird mit Leistungspunkten honoriert.

Im Rahmen dieser Veranstaltungen kann es möglich sein, dass ein weiteres Modul fächerübergreifende Kompetenzen anbietet, die allerdings weniger inhaltliches Fachwissen vermitteln, sondern den Einstieg ins Berufsleben unterstützen.

So beispielsweise, indem Kompetenzen trainiert werden, die das Handeln und die Selbstdarstellung in Arbeitszusammenhängen erleichtern, beispielsweise Projektmanagement oder interkulturelle Kompetenz.

Studium generale auch für externe Interessenten

Die Idee hinter dem Studium generale ist schnell erklärt: Professoren und Dozenten deutscher Hochschulen bieten – zusätzlich zu ihrer regulären Lehrtätigkeit – Vorlesungen und Seminare an, die auch für nicht immatrikulierte Interessenten offen sind. Die Teilnahme ist in der Regel kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr möglich.

Damit ist das Studium generale auch für Arbeitnehmer interessant, die vom Arbeitgeber in ihren Weiterbildungsbemühungen nicht finanziell unterstützt werden. Es bietet die Möglichkeit, fernab typischer beruflicher Weiterbildungen überfachliche Schlüsselkompetenzen zu erwerben.

Die Qualität der Vorlesungen liegt auf einem hohen Niveau, da diese von hoch qualifizierten Lehrkräften durchgeführt werden. Um das Studium generale jedoch für die berufliche Weiterbildung nutzen zu können, sollten Sie als Arbeitnehmer etwas Zeit investieren.

Da die Vorlesungen des Studiums generale eine große Themen-Bandbreite abdecken, müssen Sie die für sich passenden Veranstaltungen recherchieren. Je nachdem, wo diese Vorlesungen dann stattfinden, kommen möglicherweise zusätzliche Fahrt- und Übernachtungskosten auf Sie zu.

Allerdings: Wenn es Ihnen um anerkannte Zertifikate, Scheine und Prüfungen geht, wird das Studium generale für Sie keine Option sein. Dafür müssten Sie in der Regel ordentlich eingeschriebener Student sein.

Das Studium generale hilft eher, wenn Sie Ihr Wissen in den verschiedenen Bereichen erweitern und auf dem aktuellen Stand halten wollen. Stellt sich die Frage, ob ob sich der zeitliche Aufwand ohne entsprechende Zertifikate überhaupt lohnt. Die Antwort: Das hängt von Ihren Zielen ab.

Wollen Sie Ihr professionelles Profil primär für Ihren Arbeitgeber oder künftige Jobwechsel ausbauen, ist das Studium generale vermutlich nicht die beste Option. Geht es Ihnen jedoch darum, Ihr Allgemeinwissen zu erweitern und sich selbst auch abseits des eigenen Fachgebiets weiterzuentwickeln, sind Sie im Studium generale genau richtig.

Sinn und Zweck des Studium generale

Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg griffen immer mehr Universitäten und Hochschulen in Deutschland das Studium generale als eine Einrichtung auf, den humanistischen Bildungsgedanken weiterzutragen. Im Sinne des lebenslangen Lernens soll Interessenten hier die Gelegenheit gegeben werden, an gesellschaftlichen Themen zu partizipieren.

Das spielt gerade vor dem Hintergrund eine Rolle, dass ein Studium zum Experten auf einem Fachgebiet ausbilden soll. Nicht umsonst ist umgangssprachlich vom Fachidioten oder auch vom Wissenschaftler im Elfenbeinturm die Rede: Manche Studenten sind derart auf das eigene Fach fixiert, dass sie links und rechts davon nichts mitbekommen.

Oder sie sind derart abgehoben in irgendwelchen wissenschaftlichen Sphären, dass sie den Bezug zu gesellschaftlich ebenfalls relevanten Themen leicht verlieren. Genau diesem Nebeneffekt soll das Studium generale vorbeugen.

Erweitern Sie Ihr Netzwerk

Ob sich das Studium generale für Sie als Alternative zur beruflichen Weiterbildung nutzen lässt, müssen Sie selbst entscheiden. In jedem Fall stellen die Vorlesungen eine hervorragende Ergänzung zu klassischen Weiterbildungsangeboten dar.

Neben dem Wissenserwerb können Sie bei solchen Veranstaltungen auch Ihr persönliches Netzwerk erweitern und neue Kontakte knüpfen. Durch den oftmals interdisziplinären Austausch lernen Sie Menschen kennen, denen Sie sonst nicht begegnet wären.

Zum Abschluss noch ein Hinweis: Die Vorlesungen und Themen des Studium generale finden Sie meist nur auf der Homepage der jeweiligen Bildungseinrichtung. Um Ihnen die Suche ein wenig zu erleichtern, haben wir im Folgenden eine Übersicht der deutschen Universitäten mit Angeboten zum Studium generale für Sie zusammengestellt.

Wir haben dabei bewusst nur Angebot aufgenommen, die auch für nicht immatrikulierte Interessierte offen sind. Wenn Sie weitere Angebote kennen, freuen wir uns über Ihre Zuschrift nebst Informationen.

BundeslandHochschuleInhalte
Baden-WürttembergHochschule PforzheimDesign und Ethik, Korruption, Geld, Die Macht der Stimme, Nah-Ost-Politik
Uni FreiburgIndien, USA, baden-württembergische Autoren und Komponisten, US-Wahl, Energiewende, Körpersprache und Geschlechter, Weißrussland
Universität HeidelbergUrheberrecht, Piraten-Partei, Occupy-Bewegung, Facebook-Revolution
Universität HohenheimAkademischer Abschluss, Freiheit der Forschung, Gentechnik, Kirchen
Universität KonstanzHirnforschung, Medienzukunft, Welternährung, Zukunft der Religion
Universität StuttgartKunstgeschichte, Planetologie, Griechische Lektüre, Gewerbliche Schutzrechte
Universität TübingenFrauen in Württemberg, Jüdische Literatur, Einblick in die Mikro- und Nano-Welt
Universität UlmRegenration, Genom, Krebsprävention, Gesundheit
BayernUniversität WürzburgKulturstadt Würzburg, Ägyptologie
HessenPhilipps-Universität MarburgArzneimittel, Medizin, Pharmazie
NiedersachsenCarl von Ossietzky Universität OldenburgSozial-, Wirtschafts-, Kultur- und Humanwissenschaften
Nordrhein-WestfalenUniversität Duisburg-EssenMedizin, Literatur, Ökonomie, Forschung
Rheinland-PfalzJohannes Gutenberg Universität MainzSelbstbild und Weltbild, Modell und Wirklichkeit in der Wissenschaft
SachsenHochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur LeipzigRingvorlesungen, Evolution und Biologie
Sachsen-AnhaltHochschule Magdeburg – StendalBeruf, Zukunft, Kreativität, Sprachen, Computer, Persönliche Fähigkeiten
Schleswig-HolsteinUniversität zu LübeckMensch, Evolution, Genom, Werte
ThüringenUniversität JenaOberthema: Symmetrie – Schönheit der Natur und ihrer Gesetze

iTunes U: Virtuelles Studium generale

Neben den Ringvorlesungen und Angeboten deutscher Hochschule gibt es ein weiteres Angebot, das wir Ihnen nicht vorenthalten wollen: iTunes U. Das in den Apple iTunes Store integrierte – und damit auch unter Windows nutzbare – Angebot fasst Aufzeichnungen, Video-Kurse und Podcasts zahlreicher Universitäten und Hochschulen – auch deutscher Einrichtungen – zusammen.

Interessierte können sich so Wissen aus Vorlesungen aneignen, die nicht Teil des normalen Studium generale Angebots sind. Einen Blick ist die umfangreiche Wissenssammlung allemal wert.

Studium generale: Bewerbungsvorteil durch Themenwahl

Ob sich der Besuch eines oder mehrere Vorlesung im Rahmen des Studium generale für Sie als Arbeitnehmer auch beruflich auszahlt, hängt in erster Linie von der passenden Themenwahl ab. Längst nicht alle angebotenen Themen bieten einen direkten Übertrag in den beruflichen Bereich und zahlreiche Vorlesungen sind zwar interessant, jedoch nur schwer praktisch nutzbar.

Bei der Themenwahl sollten Arbeitnehmer daher einige Fragen als Entscheidungsgrundlage nutzen:

  • Hat das angebotene Thema mit meinen aktuellen oder künftigen Aufgaben zu tun?
  • Bringt mich die Vorlesung inhaltlich meinem beruflichen Ziel näher?
  • Will ich mich selbst in diesem Bereich weiterentwickeln?
  • Gibt es möglicherweise Überschneidungen zu offiziellen Fortbildungen meines Arbeitgebers?
  • Welche Themen interessieren mich am meisten?
  • Könnte ich dort interessante Kontakte treffen?

Natürlich spricht absolut nichts dagegen, Vorlesungen aus reinem Interesse und Freude am Thema zu besuchen. Solange die zeitliche Investition für Sie angemessen und in Ordnung ist, lohnt sich das Studium generale für Sie. Diese Lernform ist nicht auf die berufliche Weiterbildung beschränkt.

[Bildnachweis: Aimorn1992 by Shutterstock.com]
14. Mai 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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