Rassismus im Job: Wie reagieren?

Es könnte so einfach sein, wenn sich Privates und Berufliches immer so leicht trennen ließe. Aber spätestens im Pausenraum, in der Kantine oder bei der Betriebsfeier treten so einige Ansichten der lieben Kollegen zutage, die Unbehagen auslösen können. Politisch inkorrekte Witze sind das Eine – aber wenn der Kollege offenbar ein Rassist ist, wie gehe ich mit ihm um? Was sind die juristischen Aspekte und was kann ich persönlich tun? Kritik zu üben ist sowieso heikel, wenn es nicht gerade um Lob geht. Ab wann ist es Zeit, die Reißleine zu ziehen?

Rassismus im Job: Wie reagieren?

Gegen Rassismus: Das Antidiskriminierungsgesetz

Es fängt oft schon mit vermeintlichen Kleinigkeiten an. Da wird von den Ausländern gesprochen, oder es wird hinter dem Rücken eines dunkelhäutigen Kollegen getuschelt bis hin zu offensichtlicher Diskriminierung.

Untersuchungen gehen davon aus, dass beispielsweise junge Bewerber mit Migrationshintergrund je nach Branche das Anderthalbfache an Bewerbungen gegenüber Mitbewerbern mit deutsch klingendem Namen schreiben müssen, um einen Job zu bekommen.

Um die Diskriminierung im Arbeitsleben wenigstens von gesetzlicher Seite einzuschränken, ist vor zehn Jahren das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten. Das im Volksmund als Antidiskriminierungsgesetz bezeichnete Bundesgesetz soll sicherstellen, dass Menschen weder diskriminiert werden aufgrund…

  • ihrer Hautfarbe,
  • ihrer Religion,
  • ihrer Behinderung,
  • ihrer sexuellen Orientierung/Identität,
  • ihrer Weltanschauung,
  • ihres Geschlechts oder
  • ihres Alters.

Rassistische Äußerungen – so wie diskriminierendes Verhalten insgesamt – stören den Betriebsfrieden und können weitreichende Konsequenzen haben. Das Problem erledigt sich in den seltensten Fällen selbst und sowohl der Arbeitgeber als auch Kollegen sind hier gefragt.

Der Arbeitgeber allein aus dem Grunde heraus, dass er dazu verpflichtet ist. Zum einen besteht die Fürsorgepflicht seinen Mitarbeitern gegenüber, zum anderen muss er vorbeugende Maßnahmen treffen, um Diskriminierung vorzubeugen. Das kann durch Schulungen zum Thema Diskriminierung passieren, aber auch durch entsprechende Aushänge am Schwarzen Brett.

Aber es hängt schlimmstenfalls auch der wirtschaftliche Erfolg davon ab, ob und wann ein Arbeitgeber einschreitet: Wenn Kunden und Dienstleister von solchen Problemen erfahren und die gemeinsame Arbeit aufkündigen.

Rassistisches Verhalten von Mitarbeitern kann stark reputationsgefährdend sein, etwa wenn es in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter bekannt wird.

Wird ein Arbeitgeber Zeuge, andere Mitarbeiter diskriminiert werden, gibt es je nach Eskalationsstufe verschiedene Möglichkeiten. Wenn beispielsweise fremdenfeindliche Witze gemacht werden, kann er den Arbeitnehmer ermahnen. Äußert sich ein Mitarbeiter über jemanden in beleidigender Art und Weise, sollte dieser abgemahnt werden.

Bei fortgesetztem Fehlverhalten oder entsprechend schwerwiegendem Verhalten sind drastische Konsequenzen für den Arbeitnehmer die Folge: Eine rassistische Parole wie „Heil Hitler“ kann eine fristlose Kündigung nach sich ziehen.

Hilfe, mein Kollege ist ein Rassist: Was tun?

Begrifflichkeiten wie Zivilcourage, Farbe bekennen, Rückgrat haben verdeutlichen bereits ganz gut, dass es einen gewissen Mut erfordert, unangenehme Themen anzusprechen. Aber wie heißt es auch so schön? Wehret den Anfängen. Diese zehn Tipps helfen Ihnen dabei:

  • Humor beweisen

    Für einen sanften Einstieg und je nach „Härtegrad“ Ihres Kollegen kann Humor schon Wunder wirken. Wenn man zu verkrampft und ernst an eine Diskussion herangeht, kann die Lage schnell eskalieren. Mit Witz und Ironie können Sie bereits zur Entspannung beitragen, so dass die Gesprächsteilnehmer Argumenten zugänglicher sind.

  • Demontage praktizieren

    Ist eine Übung für Fortgeschrittene, aber oft wirksam. Mit Nachfragen wie „Woher wissen Sie das denn?“, „Können Sie mir erklären, wie der erste und der zweite Punkt zusammenpassen?“ oder auch „Können Sie dafür ein konkretes Beispiel bringen?“ können Sie Ihren rassistischen Kollegen bereits in seinen Ausführungen irritieren. An diesem Punkt treten Widersprüche auf oder Sie weisen zumindest auf Absurditäten seiner Argumentation hin.

  • Beharrlichkeit zeigen

    Wenn Ihr Kollege eine Behauptung nach der nächsten raushaut, ist das ein durchschaubares Ablenkungsmanöver. Lassen Sie sich nicht beirren! Fordern Sie ihn auf, bei der ersten Behauptung zu bleiben, um diese diskutieren zu können. Lieber Stück für Stück sich ein Argument vorknöpfen als an verschiedenen Fronten gleichzeitig zu kämpfen.

  • Rückfragen stellen

    Appellieren Sie an die Vorstellungskraft Ihres Kollegen, indem Sie mögliche Konsequenzen seiner Forderungen vor Augen halten. Machen Sie ihm klar, wozu beispielsweise ein menschenverachtender oder demokratiefeindlicher Spruch führen würde, wenn er in die Tat umgesetzt würde.

    Fragen Sie ihn, ob er das wirklich will? Spinnen Sie einen Gedanken wie beispielsweise die Ausweisung aller Ausländer konkret weiter und verdeutlichen so Auswirkungen. Derart aufgezeigte Konsequenzen können auch ein Argument sein.

  • Gemeinsamkeiten finden

    Als Einzelkämpfer hat man einen schweren Stand. Sollten Sie beispielsweise in einer Gesprächsrunde von anderer Seite ein geeignetes Argument für Ihre Sicht der Dinge hören, dann greifen Sie es auf. Wenn Sie Gemeinsamkeiten benennen, bekommen Sie vielleicht auch Unterstützung von der Person, die Sie positiv wahrgenommen hat.

  • Zustimmung provozieren

    Das klingt jetzt zunächst widersprüchlich, aber auf die Dosis kommt es an: Nennt Ihr Kontrahent ein Argument, bei dem Sie ein Quäntchen Wahrheit entdecken können, schadet es nichts, dem zuzustimmen.

    Das macht Ihr Gegenüber auch offener für Ihre Argumente. Achten Sie lediglich darauf, generelle Aussagen zu relativieren und zu differenzieren.

  • Ruhe bewahren

    Lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, laut zu werden. Gerade jemand, der sich aufregt, neigt dazu den Ton zu heben. Bleiben Sie stattdessen bewusst leise und gelassen. Andere werden Ihnen dann vermutlich aufmerksamer und offener zuhören, als wenn Sie sich im Kampf ums Rechthaben gegeneinander anbrüllen.

  • Überraschungseffekt nutzen

    Sind Sie zu mehreren Personen und der Kollege mit den rassistischen Äußerungen bestimmt mit seiner Meinung die Runde, können Sie auch reagieren, indem Sie nicht auf besagten Kollegen reagieren: Denn diejenigen, die sich eher zurückhalten oder keine Meinung gebildet haben, sind für Sie von Bedeutung.


    Diese sind womöglich viel offener für Argumente und können eher zum Nachdenken angeregt werden. Wenn Sie diese nach ihrer Meinung fragen, können Sie vielleicht neue Verbündete gewinnen.

  • Präsenz zeigen

    Hier geht es nicht um den Einsatz von Gewalt. Hier geht es um Signale, die Sie mit Körpersprache senden. Wenn Sie sich zurücklehnen und die Beine ausstrecken, wirken Sie für andere offen und gelassen. Wichtig: Verschränken Sie nicht die Arme, das wird allgemein als Abwehrhaltung interpretiert.

  • Situation verlassen

    Das gute alte Dramadreieck: Sie können eine Situation nicht akzeptieren? Sie können die Situation nicht ändern, weil Ihnen die richtigen Argumente und Fakten gerade fehlen, um plausibel argumentieren zu können? Dann verlassen Sie diese Situation. Vertagen Sie die Diskussion zu einem Zeitpunkt, an dem Sie besser vorbereitet sind.

Rassismus im Job: So bitte nicht reagieren

Manchmal ist der erste Impuls jedoch ein Verhalten, was uns nicht weiterbringt. Daher hier auch drei Punkte, die nicht hilfreich sind und die Sie daher vermeiden sollten:

  • Ignorieren

    Nach dem Motto „Der kriegt sich schon wieder ein“ nichts zu unternehmen, kann eher fatale Auswirkungen haben – Sie und alle anderen signalisieren damit, dass er auf dem richtigen Weg ist. Nicht umsonst heißt es „Wer schweigt, stimmt zu“. Somit müssen Sie davon ausgehen, dass der rassistische Kollege derart bestärkt weitermacht.

  • Überreden

    Erschreckend, aber leider wahr: Mit Fakten alleine erreichen Sie nichts. Es ist zwar immer gut, welche zur Hand zu haben, aber Sie müssen das Gesagte konkret belegen können, im Faktencheck quasi. In den meisten Fällen hat man aber keine Paragraphen oder Statistiken zur Hand und dann wird es schwierig.


    Abgesehen davon neigen solche Leute auch dazu ungeprüft Behauptungen zu äußern, die ihrer Sicht der Dinge entsprechen. Schlimmstenfalls wird Ihnen das Wort im Mund umgedreht und der Kritikpunkt von diesem Kollegen passend zu seiner Wahrnehmung umgeformt.


    Ausnahmen können am ehesten Geschichten aus eigener Erfahrung sein, die dazu geeignet sind Nachdenklichkeit zu bewirken oder Irritationen auslösen.

  • Besserwissen

    Keiner mag Besserwisser. Wenn Sie belehrend oder moralisch auftreten, werden Sie nichts gewinnen. Im Gegenteil: Sie werden Ihr Gegenüber eher noch mehr reizen und zur Abwehr provozieren.

Rassismus: Was tun, wenn ich selbst betroffen bin?

Extra-Tipp-IconWer selbst von rassistischen Äußerungen betroffen ist, mag Schwierigkeiten haben, die vorweggenannten Punkte umzusetzen. Dennoch sollte ein Gespräch mit der jeweiligen Person an erster Stelle stehen. Fruchtet das nicht, haben Sie folgende Optionen:

  • Informieren Sie andere Kollegen davon, dass Sie diskriminierendem Verhalten durch einen Mitarbeiter ausgesetzt sind. Zum einen ist es wichtig, moralische Unterstützung zu haben, zum anderen ergibt sich so die Möglichkeit, dass andere Kollegen bei ähnlichen Fällen direkt einschreiten.
  • Ist keine Einsicht zu erkennen oder setzt der Kollege sein diskriminierendes Verhalten fort, ist der Gang zum Betriebsrat der nächste Schritt. Gemäß § 80 Absatz 7 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) ist der Betriebsrat ausdrücklich dazu verpflichtet, die Integration ausländischer Mitarbeiter im Unternehmen und das Verhältnis zwischen ausländischen und deutschen Mitarbeitern zu fördern.

    Die logische Konsequenz daraus ist, dass sich der Betriebsrat in so einem Fall mit dem Betroffenen solidarisieren sollte. Das kann etwa auf eigens einberufenen Betriebsversammlungen geschehen.

    Der Betriebsrat kann zudem bei schwerwiegenden Fällen vom Arbeitgeber die Entlassung von betriebsstörenden Beschäftigten nach §104 BetrVG fordern. In § 75 BetrVG sind explizit solche Personen gemeint, die gegen Nicht-Deutsche und Asylsuchende hetzen.
  • Hat ein Unternehmen keinen Betriebsrat, müssen Sie den Arbeitgeber von diesen Vorgängen in Kenntnis setzen. Er ist nach dem AGG verpflichtet, entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Dies erfordert normalerweise auch einen Anti-Diskriminierungsbeauftragten.
  • Wenn Sie überall auf taube Ohren stoßen sollten, bleibt Ihnen der Gang zu Gewerkschaften und/oder der Presse. Lokale Vereine oder Organisationen wie etwa der Integrationsrat einer Stadt können Ihnen ebenfalls weiterhelfen.
[Bildnachweis: Ross Petukhov by Shutterstock.com]
4. November 2016 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px

Andere Besucher lesen gerade diese Artikel:



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!