Unterstellung: Vorsicht bei Behauptungen!

In Konfliktsituationen ergibt häufig ein Wort das andere und schon steht eine Unterstellung im Raum. Etwas, das schon lange vor sich hin gärte, ist nun ausgesprochen. Sind Sie betroffen, sollten Sie so etwas nicht auf sich sitzen lassen. Aber auch unabhängig von offen ausgetragenen Konflikten kommt es immer wieder vor, dass wir anderen Menschen etwas unterstellen, weil wir ihre Motive nicht verstehen. Warum Unterstellungen schädlich sind, wie Sie sich wehren können und Tipps, wie Sie es besser machen können…

Unterstellung: Vorsicht bei Behauptungen!

Unterstellung Bedeutung: Von falschen Annahmen bis hin zu Vorwürfen

Unterstellung Bedeutung juristisch böswillige Anzeige Synonym strafbar englischDer Begriff Unterstellung hat zweierlei Bedeutungen:

  • Unterstellung (englisch: subordination) kann bedeuten, dass beispielsweise eine Abteilung oder eine Person einer anderen Abteilung oder Person unterstellt ist, ihr gegenüber verpflichtet ist, Bericht zu erstatten.
  • Unterstellung (englisch: allegation) ist ebenso ein anderer Begriff für negative Behauptungen über eine Person, ohne dass es Beweise dafür gäbe.

Gerade in der zweiten Bedeutung hat er etliche Facetten; so können Sie synonym zu Unterstellung Folgendes sagen:

  • Angriff
  • Anschuldigung
  • Anwurf
  • Belastung
  • Beschuldigung
  • Bezichtigung
  • Diffamierung
  • Schuldzuweisung
  • Verdächtigung
  • Vorhaltung
  • Vorwurf

Dabei bedeutete Unterstellung ursprünglich mal Hypothese, Ansicht oder Meinung. In jedem Fall sind die Assoziationen negativ, denn es bestehen offensichtlich Meinungsverschiedenheiten beziehungsweise bestimmte Differenzen zwischen zwei Akteuren. Wenn einer davon Unterstellungen äußert, kann das je nach Ausprägung zur Beleidigung werden.

Juristische Konsequenzen ehemals harmloser Unstimmigkeiten sind dann nicht mehr ausgeschlossen.

Juristische Aspekte der Unterstellung

Unterstellung Bedeutung juristisch böswillige Anzeige Synonym strafbar englischJe nachdem, um welchen Sachverhalt es geht, kann eine Unterstellung juristische Konsequenzen haben. Dann nämlich, wenn Sie beispielsweise einem Kollegen vorwerfen, wichtige Daten gestohlen zu haben.

Bei so einer Unterstellung werfen Sie eine Straftat vor, die nach § 164 Strafgesetzbuch (StGB) als falsche Verdächtigung gewertet werden kann.

Eine Unterstellung kann je nach Kontext als üble Nachrede gemäß § 186 StGB oder als Verleumdung gemäß § 187 StGB geahndet werden.

Wer so handelt, macht sich strafbar. Kommt es zur Anzeige, kann das mit einer Geldstrafe oder Freiheitsentzug bestraft werden. Bei öffentlichen Straftaten ist sogar Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren möglich.

Unterstellungen: Wahrheit oder selbsterfüllende Prophezeiung?

Wer unterstellt eigentlich wem etwas und warum? Grundsätzlich ist niemand dagegen gefeit, jemanden voreilig etwas zu unterstellen. Vielleicht hat ein Chef einen Mitarbeiter einmal während der Arbeitszeit beim Surfen auf Facebook erwischt.

Nun davon auszugehen, dass ein anderer offensichtlich ebenfalls während der Arbeitszeit auf fachfremden Websites surft, weil er mit seiner Arbeit nicht vorankommt, ist eine Unterstellung.

Das Problem ist, wenn aufgrund eines einmaligen – vielleicht sogar harmlosen – Vorfalls generalisiert wird. Das Vertrauensverhältnis ist dann gestört. Viel ärgerlicher ist aber, dass unwahre Unterstellungen sogar dazu führen können, dass fälschlich Beschuldigte in eine Trotzhaltung verfallen.

Sie haben bereits für etwas gebüßt, das sie nicht begangen haben. Nicht umsonst heißt es: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. So betrachtet kann aus einer Unterstellung eine selbsterfüllende Prophezeiung werden.

Ebenso können natürlich auch im Kollegenkreis Unterstellungen kursieren. Vorwürfe wie in der Art: „Die hat die Beförderung doch nur bekommen weil sie Chefs Liebling ist“ sind keine Seltenheit.

Und klar, völlig ausgeschlossen sind solche Gründe nicht unbedingt; Vetternwirtschaft kommt vor und weckt zunächst einmal Ärger, wenn jemand einfach aufgrund besserer Kontakte in eine lukrativere Position gelangt.

Mögliche Motive für Unterstellungen können daher sein:

  • Missgunst

    Neid und vor allem Missgunst sind nicht gerade sympathische Charakterzüge. Bekommt jemand eine Beförderung nur aufgrund von Vitamin B und ist die Leistung nachweislich schlecht, ist diese Emotion zumindest verständlich.

  • Gedankenlosigkeit

    Manche Menschen denken nicht nach, bevor sie reden. Noch ärgerlicher: Aus dem Wunsch, sich zugehörig zu anderen zu fühlen, plappern sie gedankenlos irgendwelche Vermutungen nach. Ein Kollege äußert eine Unterstellung – sie schließen sich dem einfach an.

  • Halbwissen

    Ähnlich riskant ist Halbwissen. Wer nicht die ganze Wahrheit kennt und falsche Schlüsse zieht, riskiert ebenfalls eine zu unrecht formulierte Unterstellung.

Umgang mit Unterstellungen als Verursacher

Nicht immer werden Unterstellungen ausgesprochen. Vielleicht bekommen Sie beispielsweise seit Wochen unliebsame Aufgaben von Ihrem Chef zugeschustert und ärgern sich insgeheim darüber. Sie grübeln, warum ausgerechnet Sie als einziger im Team diese Dinge erledigen muss und kommen zu dem Schluss, dass Ihr Chef Sie nicht leiden kann.

Das ist in dem Moment eine Unterstellung und hier liegt die Gefahr. Denn Sie wissen nichts über die genauen Hintergründe:

  • Ebenso denkbar wäre, dass er Sie testen möchte, wie Sie mit der zusätzlichen Belastung klarkommen.
  • Oder es ist Bequemlichkeit: Der erstbeste Mitarbeiter bekommt die Dinge, die erledigt werden müssen.
  • Vielleicht weiß er um Ihre Qualitäten und will, dass diese Arbeiten mit großer Sorgfalt bearbeitet werden.

Solange Sie also keine konkreten Anhaltspunkte haben, ist Ihre Grundannahme nichts weiter als eine Unterstellung – die zwar keine unmittelbaren Konsequenzen hat, wenn Sie sie nicht äußern. Aber letztlich letztlich wirken sich solche Gedanken dennoch aus.

Wer einer anderen Person unlautere Motive unterstellt, ohne sie zu überprüfen, ändert oftmals unmerklich sein Verhalten, denn er ist nun voreingenommen. Häufig wird beispielsweise dem anderen gegenüber ein anderer Tonfall verwendet.

Frust und schlechte Stimmung machen sich breit, nicht selten kommt es zu einem passiv-aggressiven Verhalten – alles nur, weil der ursprüngliche Gedanke nicht überprüft wurde.

Eine Unterstellung, die nicht überprüft wurde oder sich später sogar als falsch herausstellt, zeugt von einem negativen Menschenbild. Und es zeigt, dass die sozialen Kompetenzen zumindest ausbaufähig sind, denn solche Dinge können zu unnötigen Eskalationen führen.

Die vermeidbar wären, wenn das Gespräch gesucht würde.

Umgang mit Unterstellungen als Betroffener

Unterstellungen sind problematisch. Je nachdem, welches Ausmaß sie annehmen, vergiften sie das Betriebsklima. Werden gezielt über einen längeren Zeitraum Gerüchte gestreut, die sich gegen eine Person richten, spricht man von Mobbing oder Bossing.

In selteneren Fällen, wenn der Chef mit böswilligen Unterstellungen zu kämpfen hat, ist von Staffing die Rede.

Wer von anderen schuldlos attackiert wird, muss sich gegen böswillige Unterstellungen zur Wehr setzen. Im ersten Moment wird bei vielen Menschen vermutlich innerlich ein ähnliches Programm ablaufen: Wieso ich? Was habe ich getan? Das ist so ungerecht!

Gerade, wenn es sich um ehrenrührige Vorwürfe handelt, kann das Selbstwertgefühl einen Knacks kriegen.

So sollten Sie vorgehen:

  • Suchen Sie das Gespräch.

    Kommunikation ist das A und O. Bei einer harmloseren Unterstellung oder fehlgeleiteter Kommunikation sollte es kein Problem sein, die Dinge richtig zu stellen. Ist Ihr Gegenüber beispielsweise wegen einer Sache verärgert und hat seinem Ärger unfair Luft gemacht, könnte ein empathisches Vorgehen sinnvoll sein, indem Sie signalisieren, dass Sie seinen Frust verstehen.

  • Liefern Sie Belege.

    Ist klar, dass es sich um haltlose Unterstellungen handelt, sollten Sie sofort widersprechen. Ist die Sachlage etwas komplizierter, weil sich Ihr Gegenüber beispielsweise auf Vorgänge bezieht, die länger zurückliegen, sollten Sie sich genau notieren, was bemängelt wird. Sie können dann besser die einzelnen Punkte abarbeiten. Bleiben Sie dabei immer auf der Sachebene und liefern Sie überprüfbares Material – merken können Sie sich das anhand der Abkürzung ZDF: Zahlen, Daten, Fakten. Eine falsche Unterstellung können Sie so schnell entkräften.

  • Fordern Sie Beweise.

    In anderen Fällen können Sie Ihrerseits vielleicht nicht nachweisen, dass es sich um eine Unterstellung handelt. Hier können Sie Ihr Gegenüber auffordern, entweder valide Beweise für seine Behauptungen zu liefern oder aber seine Äußerungen zu unterlassen.

  • Suchen Sie sich Unterstützung.

    Selbst wenn es zu einem vorläufigen Burgfrieden kommt, ist es wichtig, dass Sie insgesamt ein gutes Verhältnis zu Ihren Arbeitskollegen pflegen. Die können Ihnen den Rücken stärken, falls es erneut zu einer Unterstellung kommen sollte und können Ihnen als Zeugen dienen, wenn es darum geht, Vorgänge zu rekonstruieren. Hilft das nicht, ist es an der Zeit, sich an den Betriebsrat zu wenden und/oder einen Anwalt zu nehmen.

[Bildnachweis: Giulio_Fornasar by Shutterstock.com]
9. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Kb Buch Werbung 2019
Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!