Staffing: Mobbing gegen den Chef – Beispiele & Tipps

Staffing ist „Mobbing von unten“: Dabei schikanieren Mitarbeiter gezielt und wiederholt ihre Führungskraft, um deren Autorität zu untergraben oder sie aus ihrer Position zu drängen. Typische Beispiele sind Gerüchte, demonstrative Arbeitsverweigerung oder das bewusste Ignorieren von Anweisungen. Staffing ist damit das Gegenstück zum Bossing (Mobbing vom Chef). Entscheidend ist wie bei jeder Form von Mobbing: Eine einzelne Schikane reicht nicht aus. Erst systematische und wiederholte Angriffe machen daraus Staffing…

Staffing Bedeutung Beispiele Mobbing Mitarbeiter Was Tun

Definition: Was bedeutet Staffing?

Staffing (englisch: upward bullying) bezeichnet eine besondere Form von Mobbing am Arbeitsplatz, bei der hierarchisch untergeordnete Mitarbeiter gegen einen Vorgesetzten vorgehen. Deshalb wird Staffing auch als „Mobbing von unten“ oder „Mobbing gegen den Chef“ bezeichnet. Der Begriff leitet sich vom englischen „staff“ (= Personal, Belegschaft) ab. Im Englischen hat „staffing“ allerdings eine andere Bedeutung und bezeichnet die Personalplanung. Die Verwendung als Bezeichnung für Mobbing von unten ist allein deutschsprachigen Kontext relevant.

Wichtig: Nicht jede Kritik am Chef ist automatisch Staffing. Mitarbeiter dürfen widersprechen, Entscheidungen infrage stellen oder sich gegen einen schlechten Führungsstil wehren. Von Staffing wird erst gesprochen, wenn sich die Angriffe gezielt, wiederholt und systematisch gegen die Führungskraft richten und darauf abzielen, diese zu demütigen, ihre Position zu schwächen oder sie zu verdrängen.

Unterschied: Staffing, Mobbing und Bossing

Der wichtigste Unterschied zwischen Staffing, Mobbing und Bossing liegt darin, wer wen mobbt. Mobbing ist dabei der Oberbegriff; Bossing und Staffing beschreiben spezielle Formen anhand der Hierarchie beziehungsweise Richtung der Angriffe:

Form

Bedeutung

Mobbing Oberbegriff für systematische und wiederholte Schikane, Ausgrenzung oder Angriffe am Arbeitsplatz – häufig zwischen Kollegen.
Bossing Mobbing von oben nach unten: Ein Vorgesetzter schikaniert gezielt einen oder mehrere Mitarbeiter.
Staffing Mobbing von unten nach oben: Mitarbeiter gehen systematisch gegen ihre Führungskraft vor und versuchen, deren Position oder Autorität zu schwächen.
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Beispiele: Wie zeigt sich Staffing?

Staffing kann offen oder subtil stattfinden. Häufig versuchen einzelne Mitarbeiter oder mehrere Teammitglieder gemeinsam, die Autorität des Vorgesetzten zu untergraben. Typische Staffing-Beispiele sind:

Staffing-Form

Beispiel

Informationen vorenthalten Wichtige Termine, Absprachen oder Informationen werden bewusst nicht weitergegeben.
Anweisungen ignorieren Mitarbeiter setzen Entscheidungen absichtlich nicht oder anders als vereinbart um.
Gerüchte verbreiten Die Kompetenz oder Eignung der Führungskraft wird gegenüber Kollegen gezielt infrage gestellt.
Autorität untergraben Entscheidungen werden demonstrativ angezweifelt, ins Lächerliche gezogen oder vor dem Team sabotiert.
Zusammenarbeit verweigern Mitarbeiter blockieren Aufgaben, verzögern Projekte oder lassen den Vorgesetzten bewusst auflaufen.
Fehler provozieren Notwendige Informationen oder Zuarbeiten fehlen, sodass die Führungskraft gegenüber Kunden oder eigenen Vorgesetzten schlecht dasteht.
Ausgrenzung betreiben Die Führungskraft wird von Gesprächen, informellen Absprachen oder gemeinsamen Aktivitäten ausgeschlossen.
Verbündete suchen Einzelne Mitarbeiter ziehen Kollegen auf ihre Seite und bilden eine Front gegen die Führungskraft.

Gerade Informationsentzug, absichtlich abweichende Aufgabenerledigung, Störungen von Meetings und das Mobilisieren anderer Mitarbeiter sind dokumentierte Beispiele dafür, wie Staffing in der Praxis aussehen kann. Laut Studien des Bündnisses gegen Cybermobbing macht Staffing rund 11 % aller Mobbingfälle aus:

Mobbing Bossing Staffing Studie Taeter

Ursachen: Warum mobben Mitarbeiter ihren Chef?

Staffing entsteht selten ohne Vorgeschichte. Häufig entwickelt sich das Mobbing von unten aus ungelösten Konflikten, Machtkämpfen oder Widerstand gegen eine Führungskraft. Besonders ein Führungswechsel kann zum Auslöser werden, wenn Mitarbeiter die neue Führungskraft nicht akzeptieren oder selbst auf deren Position gehofft hatten.

Ursachen bei Mitarbeitern

Ursache

Wie sie Staffing begünstigt

Übergangene Beförderung Ein Mitarbeiter wollte selbst die Führungsposition übernehmen und empfindet den neuen Chef als Konkurrenten.
Antipathie Persönliche Abneigung gegen die Führungskraft kann bestehende Konflikte verschärfen.
Neid und Konkurrenz Position, Gehalt oder Status der Führungskraft lösen Neid oder Konkurrenzdenken aus.
Unzufriedenheit Schlechte Arbeitsbedingungen oder fehlende Entwicklungsperspektiven erzeugen Frust, der sich gegen den Vorgesetzten richten kann.
Widerstand gegen Veränderungen Neue Strukturen, Aufgaben oder Arbeitsweisen werden abgelehnt und mit der verantwortlichen Führungskraft verbunden.

Ursachen bei der Führungskraft

Ursache

Wie sie Staffing begünstigt

Unsichere Führung Mangelnde Führungskompetenz oder ein unsicheres Auftreten können Zweifel an der Autorität verstärken.
Blinder Aktionismus Wer direkt nach Amtsantritt vieles verändern will, ohne das Team einzubeziehen, provoziert leichter Widerstand.
Problematischer Führungsstil Mikromanagement oder ein autoritärer Führungsstil können bestehende Spannungen verschärfen.
Mangelnde Transparenz Werden Entscheidungen nicht erklärt oder Mitarbeiter nicht einbezogen, entstehen Misstrauen und Widerstand.
Gefühlte Ungerechtigkeit Fehlende Wertschätzung oder als unfair empfundene Entscheidungen können Frust und Ablehnung verstärken.

Begünstigende Rahmenbedingungen

Ursache

Wie sie Staffing begünstigt

Schlechtes Betriebsklima Hohe Frustration, ungelöste Konflikte und Cliquenbildung erleichtern die Bildung einer Front gegen die Führungskraft.
Geringe Identifikation Fehlt die Bindung an das Unternehmen, sinkt häufig auch die Bereitschaft zu konstruktiver Zusammenarbeit.
Unklare Zuständigkeiten Unklare Befugnisse und Prozesse fördern Machtkämpfe und Konflikte über Verantwortlichkeiten.
Starre Hierarchien Ein großes Hierarchiegefälle bei geringem Handlungsspielraum kann Frust und informellen Widerstand fördern.
Hoher Arbeitsdruck Knappe Budgets, viele Regeln und wenig Gestaltungsfreiheit erhöhen das Konfliktpotenzial im Team.

Hinweis: Auch schwerwiegende Führungsfehler rechtfertigen kein Staffing. Sachliche Kritik, Widerspruch oder eine Beschwerde über den Chef sind legitim – gezielte Schikane, Ausgrenzung oder Sabotage dagegen nicht!

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Was sind Folgen von Staffing?

Staffing belastet nicht nur die betroffene Führungskraft, sondern kann das gesamte Team und Unternehmen schwächen. Dauerhafte Angriffe erzeugen Stress, verunsichern bei Entscheidungen und können die Autorität des Vorgesetzten enorm beschädigen. Zugleich leiden Zusammenarbeit, Motivation und Produktivität im Team, weil Zeit und Energie durch das Staffing gebunden werden. Ein generell toxisches Arbeitsklima geht zudem häufig mit mehr Fehlzeiten und dem Wunsch nach einem Jobwechsel einher.

Typische Folgen sind:

  • Psychische Belastung

    Dauerhafter Stress, Selbstzweifel und das Gefühl der Hilflosigkeit können die Führungskraft stark belasten.

  • Autoritätsverlust

    Werden Entscheidungen ständig untergraben, verliert der Vorgesetzte zunehmend an Rückhalt und Durchsetzungskraft.

  • Schlechteres Arbeitsklima

    Fronten und Cliquen entstehen, während Vertrauen und Zusammenarbeit im Team abnehmen.

  • Leistungseinbußen

    Konflikte, Informationsentzug und Sabotage kosten Zeit und beeinträchtigen Arbeitsabläufe und Ergebnisse.

  • Fluktuation

    Im schlimmsten Fall gibt die Führungskraft ihre Position auf oder verlässt das Unternehmen.

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Was tun bei Staffing? 7 Tipps für Führungskräfte

Staffing sollten Sie weder ignorieren noch mit Gegenangriffen beantworten. Entscheidend ist, frühzeitig zu reagieren, die Vorfälle sachlich zu prüfen und zwischen berechtigter Kritik, einem normalen Konflikt und systematischem Mobbing zu unterscheiden. Vor einer direkten Konfrontation empfiehlt es sich, zunächst die relevanten Fakten zu sammeln.

1. Situation prüfen

Nicht jeder Widerstand ist Staffing. Prüfen Sie zunächst, ob es sich um einzelne Konflikte handelt oder ob Mitarbeiter Sie gezielt, wiederholt und systematisch angreifen.

2. Vorfälle dokumentieren

Notieren Sie konkrete Vorfälle mit Datum, Beteiligten, möglichen Zeugen und Folgen. Ein Mobbingtagebuch hilft dabei, Muster zu erkennen und Vorwürfe später zu belegen.

3. Eigenes Verhalten reflektieren

Prüfen Sie selbstkritisch, ob Führungsfehler oder ungelöste Konflikte zur Eskalation beigetragen haben. Das rechtfertigt kein Staffing, kann aber wichtige Ansatzpunkte für die Lösung liefern.

4. Gespräch suchen

Sprechen Sie auffälliges Verhalten frühzeitig und konkret an. Bleiben Sie sachlich und beschreiben Sie beobachtbare Vorfälle statt pauschaler Vorwürfe.

5. Grenzen setzen

Machen Sie deutlich, welches Verhalten Sie nicht akzeptieren. Vereinbaren Sie klare Regeln für Kommunikation und Zusammenarbeit und achten Sie konsequent auf deren Einhaltung.

6. Unterstützung holen

Beziehen Sie bei anhaltendem Staffing Ihren eigenen Vorgesetzten, die Personalabteilung oder den Betriebsrat ein. Gerade bei eskalierten Konflikten kann zusätzlich eine externe Mediation sinnvoll sein.

7. Konsequenzen ziehen

Hören die Angriffe trotz Gesprächen nicht auf, sollte der Arbeitgeber weitere Schritte prüfen. Je nach Schwere und Nachweisbarkeit des Fehlverhaltens können auch arbeitsrechtliche Maßnahmen infrage kommen.

Welche Fehler sollten Führungskräfte vermeiden?

Staffing verlangt eine klare, aber besonnene Reaktion. Handeln Sie nicht im Affekt und vermeiden Sie Maßnahmen, die den Konflikt weiter eskalieren lassen. Besonders diese Fehler sind kontraproduktiv:

  • Mit Bossing zurückschlagen

    Beantworten Sie Staffing nicht mit Schikane, Drohungen oder Machtmissbrauch. Damit verschärfen Sie den Konflikt und riskieren selbst arbeitsrechtliche Konsequenzen.

  • Unnachgiebige Härte zeigen

    Wer nur seine Macht demonstriert, verhärtet die Fronten. Bleiben Sie konsequent, aber zugleich gesprächs- und lösungsbereit.

  • Das Verhalten ignorieren

    Aussitzen löst Staffing selten. Ungeklärte Angriffe können sich festsetzen und weitere Mitarbeiter gegen Sie aufbringen.

  • Verantwortung abschieben

    Holen Sie sich Unterstützung bei Vorgesetzten, HR oder Betriebsrat – geben Sie die Lösung aber nicht vollständig aus der Hand. Bleiben Sie selbst handlungsfähig und führen Sie den Konflikt aktiv.

Ist Staffing ein Kündigungsgrund?

Staffing kein Kavaliersdelikt! Staffing kann arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung haben. Entscheidend ist jedoch nicht die Bezeichnung „Staffing“, sondern das konkrete Fehlverhalten des Mitarbeiters. Beharrliche Arbeitsverweigerung, grobe Beleidigungen, üble Nachrede, gezielte Sabotage oder erhebliche Verstöße gegen arbeitsvertragliche Pflichten können eine ordentliche und in schweren Fällen sogar eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Das Bundesarbeitsgericht bestätigt beispielsweise, dass beharrliche Arbeitsverweigerung grundsätzlich einen wichtigen Grund für eine außerordentliche Kündigung darstellen kann.

In vielen Fällen ist vor einer verhaltensbedingten Kündigung jedoch zunächst eine Abmahnung erforderlich, sofern diese geeignet ist, das Verhalten künftig zu ändern. Ob Abmahnung, Versetzung, ordentliche oder fristlose Kündigung zulässig sind, hängt deshalb immer vom Einzelfall und der Schwere sowie Nachweisbarkeit der Pflichtverletzung ab.

FAQ – Häufige Fragen zu Staffing

Kann eine einzelne Person Staffing betreiben?

Staffing muss nicht von einem ganzen Team ausgehen. Auch ein einzelner Mitarbeiter kann seine Führungskraft systematisch schikanieren, sabotieren oder deren Autorität untergraben. Häufig wird Staffing allerdings besonders problematisch, wenn weitere Kollegen einbezogen werden und sich eine Gruppe gegen den Vorgesetzten bildet.

Ist Kritik am Chef schon Staffing?

Mitarbeiter dürfen Entscheidungen kritisieren, widersprechen und auch deutlich auf Führungsfehler hinweisen. Selbst überspitzte Kritik ist nicht automatisch eine arbeitsrechtliche Pflichtverletzung. Die Grenze wird überschritten, wenn daraus gezielte und wiederholte Angriffe, Beleidigungen, Sabotage oder andere erhebliche Pflichtverletzungen werden.

Wer muss Staffing beweisen?

Betroffene Führungskräfte sollten konkrete Vorfälle möglichst genau dokumentieren und Beweise wie E-Mails, Nachrichten oder Zeugenaussagen sichern. Besonders wichtig wird das, wenn der Arbeitgeber arbeitsrechtliche Maßnahmen ergreifen will: Bei einer Kündigung muss der Arbeitgeber die Tatsachen darlegen und gegebenenfalls beweisen, auf die er die Kündigung stützt.

Kann Staffing auch durch ehemalige Kollegen entstehen?

Staffing im eigentlichen Sinne setzt ein bestehendes hierarchisches Arbeitsverhältnis voraus. Gehen ehemalige Mitarbeiter nach ihrem Ausscheiden gegen eine frühere Führungskraft vor, etwa durch Rufschädigung oder Belästigung, kann das zwar ebenfalls problematisch oder rechtswidrig sein – es handelt sich aber nicht mehr um das typische „Mobbing von unten“ innerhalb eines bestehenden Teams.


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