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Othello-Boss-Syndrom: Wenn Eifersucht die Karriere zerstört

Eifersucht hat viele Gesichter. Manchmal ist es das Gesicht des Chefs. Othello-Boss-Syndrom heißt das Phänomen in der Fachsprache, wenn der Boss so eifersüchtig auf die Talente und den Erfolg seiner Mitarbeiter ist, dass er diese mobbt oder gar sabotiert. Dahinter stecken oft toxische und schwache Persönlichkeiten, die durch schlechte Führung dem Unternehmen enorm schaden. Sind Sie betroffen? Woran Sie das Othello-Boss-Syndrom erkennen und was Sie dagegen tun können…



Othello-Boss-Syndrom: Wenn Eifersucht die Karriere zerstört

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Definition: Was ist das Othello-Boss-Syndrom?

Das Othello-Boss-Syndrom (auch: „Othello-Boss-Syndrome“ oder „Othello Syndrom“) beschreibt das psychologische Phänomen krankhafter Eifersucht auf der Chefetage: Aufgrund von übertriebenem Konkurrenzdenken ist der Chef eifersüchtig auf seine Mitarbeiter und sabotiert sogar deren Arbeit statt sie zu fördern.

Im Extrem führt das Othello Syndrom zu Mobbing durch den Vorgesetzten (Fachbgriff: Bossing). Ausführlich beschrieben wurde das Othello Syndrom in Studien der beiden Ökonomen José Ramón Pin und Guido Stein von der IESE Business School.

Warum heißt das Othello-Boss-Syndrom so?

Namensgeber des Syndroms ist tatsächlich Shakespeares Tragödie „Othello“. Darin geht um den Feldherrn Othello, der die schöne Desdemona heiratet. Bei einer Beförderung übergeht er seinen Freund Jago, der sich daraufhin an Othello rächt, indem er ihm weismacht, seine Frau betrüge ihn. Rasend vor Eifersucht ermordet Othello Desdemona schließlich. Als die Wahrheit ans Licht kommt, begreift er seinen Irrtum und tötet sich selbst.

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Was sind die Ursachen für das Othello-Boss-Syndrom?

Von dem Eifersuchtswahn auf Führungsebene sind vor allem Männer betroffen. Oft wird der Chef noch durch Gerüchte der Kollegen angestachelt, wenn diese ebenfalls einen unliebsamen Mitarbeiter absägen wollen. Untersuchungen zeigen, dass 60 Prozent aller Bossing-Fälle Eifersucht und Neid als Ursache haben.

Ziel der Sabotage ist, den vermeintlichen Aufsteiger von seinem Erfolg abzuhalten, um so den eigenen Platz und das eigene Ansehen zu sichern. Betroffene Führungskräfte sehen in jeder Kleinigkeit ein Anzeichen für Untreue bzw. Illoyalität oder beschuldigen den Mitarbeiter, an ihrem Stuhl zu sägen.

Angst vor Deklassierung und Statusverlust

Hinter dem Othello-Boss-Syndrom stecken meist ausgeprägte Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle. Es ist im Kern, die Angst vor Deklassierung und Statusverlust, die Betroffene antreibt. Othello-Bosse wissen um die eigene Zweitklassigkeit und fürchten daher jedes Top-Talent, das sie automatisch schlechter dastehen lässt.

Es ist wie beim sogenannten Exzellenz-Effekt: Während wirklich erstklassige Chefs auch erstklassige Mitarbeiter um sich scharen, suchen zweitklassige Chefs allenfalls die Nähe zu drittklassigen Mitarbeitern. Oder kurz: „A-Leute ziehen A-Leute, B-Leute nur C-Leute.“

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Symptome: Woran erkenne ich das Othello-Boss-Syndrom?

Nicht immer ist das Othello-Boss-Syndrom auf Anhieb zu erkennen. Ein übellauniger Chef, eine schnippische Bemerkung oder fehlende Wertschätzung sind noch keine Anzeichen für krankhafte Missgunst oder pathologische Eifersucht des Chefs auf erfolgreiche Mitarbeiter und Kollegen.

Die Übergänge zum Othello-Boss-Syndrom sind fließend. Die Alarmglocken sollten allerdings schrillen, wenn Sie bei Ihrem Chef folgende Anzeichen – gegenüber Ihnen oder anderen Leistungsträgern – erkennen:

  • Willkürliches Verhalten des Chefs
  • Übertriebene Kritik, teils Realitätsverlust
  • Emotionale Kälte und Skrupellosigkeit
  • Bevorzugung einzelner Mitarbeiter, Ausgrenzung anderer
  • Verbreiten von Gerüchten bis hin zu übler Nachrede
  • Häufiges Lügen
  • Stetiges Streben nach Anerkennung
  • Kollegen werden bloßgestellt und lächerlich gemacht
  • Neidische bis lästerliche Kommentare zu Arbeitsergebnissen
  • Grundloser Ausschluss von Aufgaben (Straining)
  • Narzisstische bis psychopathische Wesenszüge
  • Aufkommendes Klima der Angst und verbalen Gewalt

Dass derlei Schikane am Arbeitsplatz auf eine schwache Persönlichkeit hindeutet, ist für betroffene Mitarbeiter nur ein schwacher Trost. Tatsächlich sind solche Verhaltensweisen pures Gift für die Arbeitsatmosphäre und das Betriebsklima.

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Was sind die Folgen des Othello-Syndroms?

Wirtschaftlich hat das Othello-Boss-Syndrom meist dramatische Folgen auf mehreren Ebenen: Echte Talente und Leistungsträger wandern ab, die verbleibende Belegschaft ist mehr mit Eifersucht und Intrigen beschäftigt als mit Innovationen und zukunftsorientierten Projekten.

Wettbewerb belebt, ja. Aber zu viel Neid und Rivalität im Job tötet jede Kreativität und Produktivität. Othello-Bosse steuern entweder sich selbst oder gleich das ganze Unternehmen in den Abgrund.

Was kann ich gegen das Othello-Boss-Syndrom tun?

Eifersüchteleien und Machtspiele im Job wird es immer geben. Ebenso unvermeidbar ist, dass Erfolg Neider und Hater anzieht – wie im Sprichwort: „Neid muss man sich verdienen.“

Wer gute Arbeit leistet und überdurchschnittliche Erfolge erzielt, ist daher immer gefährdet, Opfer des Othello-Boss-Syndroms zu werden. Erst recht, wenn Sie dabei – auch unabsichtlich – den Boss in den Schatten stellen. Nicht viele Egos vertragen das. Was also tun?

Die beiden IESE-Forscher empfehlen folgendes Vorgehen:

  • Aufmerksamkeit

    Vermeiden Sie Situationen, in denen sich Willkür oder Bevorzugung bereits abzeichnen. Seien Sie auf der Hut, wenn Sie oben beschriebene Symptome im Betrieb beobachten oder sich der Chef bereits eifersüchtig verhält. Nur so lässt sich das Othello-Boss-Syndrom rechtzeitig erkennen und stoppen.

  • Transparenz

    Wenn Sie erste Warnzeichen entdecken und das Othello-Boss-Syndrom vermuten, sollten Sie offen damit umgehen und das Thema taktvoll ansprechen – ohne das Eifersuchtsgefühl noch zu steigern.

  • Sachlichkeit

    Suchen Sie hierfür ausschließlich ein 4-Augen-Gespräch und zeigen Sie Einfühlungsvermögen und formulieren vorsichtig Fragen und Ich-Botschaften. Versichern Sie den Boss Ihrer Loyalität und dass es Ihnen um ein gemeinsames (Unternehmens-)Ziel geht.

  • Bescheidenheit

    Sie müssen deswegen nicht Ihr Licht unter den Scheffel stellen. Vielmehr geht es darum, die Erfolge künftig weniger als Einzelleistung zu kommunizieren. Wer in sich ruht, bescheiden bleibt und weniger prahlt, läuft weniger Gefahr, zum Opfer des Othello-Syndroms zu werden. Sie dürfen weiterhin stolz auf eigene Leistungen sein – sollten mit dem Selbstmarketing aber nicht übertreiben.

Als ultima ratio bleibt Mitarbeitern zudem die Kündigung. Wenn nichts hilft, rettet Sie am Ende nur, die Reißleine zu ziehen und den Job zu wechseln. Letztlich müssen Sie sich fragen, ob Sie ein solch toxisches Umfeld Ihren beruflichen Zielen wirklich näher bringt…


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