Definition: Was ist Straining?
Straining bezeichnet eine Form der gezielten Schikane am Arbeitsplatz, bei der Beschäftigte dauerhaft unterfordert, ausgegrenzt oder ihrer bisherigen Aufgaben und Kompetenzen beraubt werden. Typisch ist zum Beispiel, dass Vorgesetzte ihnen wichtige Aufgaben entziehen, keine neuen Projekte übertragen oder Betroffene von Informationen und Meetings ausschließen.
Der Begriff leitet sich vom englischen „to strain“ ab und bedeutet so viel wie „belasten“, „strapazieren“ oder „unter Druck setzen“. Im Unterschied zum klassischen Mobbing geschieht dies häufig nicht durch offene Angriffe oder Beleidigungen, sondern durch gezielte Untätigkeit, Ausgrenzung und den Entzug sinnvoller Beschäftigung.
Unterschiede: Straining, Boreout, Quiet Firing
Straining, Boreout und Quiet Firing werden häufig synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Phänomene. Straining ist eine gezielte Form der Schikane, Boreout bezeichnet die Folgen chronischer Unterforderung. Quiet Firing wiederum beschreibt eine Strategie, bei der Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen verschlechtern, sodass Beschäftigte möglichst von selbst kündigen.
Begriff |
Bedeutung |
| Straining | Gezielte Unterforderung, Ausgrenzung oder Aufgabenentzug, um einen Mitarbeiter unter Druck zu setzen oder zu zermürben. |
| Boreout | Zustand chronischer Langeweile und Unterforderung im Job. Boreout kann eine Folge von Straining sein, muss aber nicht absichtlich verursacht werden. |
| Quiet Firing | Indirektes „Herausekeln“ aus dem Unternehmen durch schlechtere Bedingungen, fehlende Perspektiven oder gezielte Benachteiligung. Straining kann hierfür eine Methode sein. |
Anzeichen: Woran erkenne ich Straining?
Straining ist nicht jede vorübergehende Unterforderung. Entscheidend ist, dass sich Benachteiligungen systematisch wiederholen und Sie gegenüber vergleichbaren Kollegen auffällig schlechtergestellt werden. Typische Anzeichen sind:
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Dauerhafte Unterforderung
Ihre Qualifikationen und Erfahrungen werden kaum noch genutzt. Sie bekommen überwiegend anspruchslose Tätigkeiten, obwohl anspruchsvollere Aufgaben vorhanden wären.
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Schleichender Aufgabenentzug
Ihr bisheriger Verantwortungsbereich wird ohne nachvollziehbaren Grund immer kleiner.
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Verlust von Verantwortung
Entscheidungsbefugnisse, Zuständigkeiten oder Kompetenzen werden eingeschränkt und auf andere Kollegen übertragen.
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Berufliche Isolation
Sie werden zunehmend von wichtigen Informationen, Abstimmungen oder Entscheidungsprozessen ausgeschlossen.
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Fehlende Perspektiven
Weiterbildungen, neue Projekte oder Entwicklungsperspektiven bleiben Ihnen verwehrt, während vergleichbare Kollegen berücksichtigt werden.
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Ungleichbehandlung
Für Sie gelten erkennbar andere Maßstäbe als für Kollegen mit ähnlicher Position und Qualifikation.
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Abwertung Ihrer Position
Ihre Funktion besteht auf dem Papier weiter, verliert in der Praxis aber zunehmend an Bedeutung.
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Keine sachliche Erklärung
Auf Nachfragen erhalten Sie ausweichende Antworten oder keine nachvollziehbare Begründung für die Veränderungen.
Ein einzelnes Anzeichen beweist zwar noch kein Straining. Verdächtig wird es aber, wenn mehrere Punkte über Wochen oder Monate zusammenkommen und ein systematisches Muster erkennen lassen.
Straining Beispiele: Wie sieht das im Job aus?
Straining kann sehr unscheinbar beginnen. Die folgenden Beispiele zeigen typische Situationen aus dem Arbeitsalltag:
Situation |
Typisch für Straining |
| Eine erfahrene Projektleiterin soll plötzlich nur noch Tabellen aktualisieren und Ablagen pflegen. | Die neuen Aufgaben liegen deutlich unter ihrer Qualifikation und bisherigen Verantwortung. |
| Ein Teamleiter behält seinen Titel, seine Mitarbeiter berichten aber direkt an dessen Vorgesetzten. | Die Position besteht formal weiter, wird faktisch jedoch entmachtet. |
| Eine Redakteurin sitzt regelmäßig ohne Auftrag am Arbeitsplatz, während ihre Kollegen ausgelastet sind. | Arbeit wäre vorhanden, wird ihr aber nicht zugeteilt. |
| Ein wichtiges Projekt wird ohne Erklärung einem neuen Kollegen übertragen. | Aufgaben und Verantwortung werden gezielt entzogen. |
| Eine Fachkraft bittet mehrfach um anspruchsvollere Aufgaben – ohne Erfolg. | Die Unterforderung bleibt trotz eigener Initiative bestehen. |
| Nach einem Konflikt mit dem Chef bekommt ein Mitarbeiter nur noch einfache Routineaufgaben. | Der zeitliche Zusammenhang kann auf eine gezielte Benachteiligung hindeuten. |
Entscheidend ist nicht die einzelne Situation. Straining wird vor allem dann wahrscheinlich, wenn sich solche Vorfälle wiederholen und kein sachlicher Grund erkennbar ist.
Checkliste: Bin ich von Straining betroffen?
Mit der folgenden Checkliste können Sie prüfen, ob bei Ihnen typische Warnsignale vorliegen. Je mehr Aussagen Sie zustimmen, desto genauer sollten Sie die Situation beobachten. Zutreffendes können Sie gleich online abhaken:
- Ich werde dauerhaft unterfordert.
- Mir werden Aufgaben und Verantwortung entzogen.
- Meine Kollegen bekommen anspruchsvollere Aufgaben.
- Meine Bitten um mehr Aufgaben werden ignoriert.
- Meine bisherigen Aufgaben werden anderen übertragen.
- Ich werde von Informationen und Meetings ausgeschlossen.
- Ich bekomme keine Erklärung für die Veränderungen.
- Meine beruflichen Entwicklungschancen nehmen ab.
- Ich werde über längere Zeit systematisch benachteiligt.
- Ich fühle mich zur Kündigung gedrängt.
Test-Auswertung
Bei bis zu zwei Haken gibt es nur wenige Hinweise auf systematisches Straining. Ab drei bis fünf Haken sollten Sie die Situation genauer beobachten und dokumentieren. Ab 6 Aussagen verdichten sich die Warnsignale – suchen Sie das Gespräch und holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung. Disclaimer: Der Selbsttest dient lediglich zur ersten Orientierung! Er kann weder Straining beweisen noch eine arbeitsrechtliche Beurteilung des Einzelfalls ersetzen.
Warum betreiben Arbeitgeber Straining?
Straining kann unterschiedliche Motive haben. Häufig geht es darum, einen Mitarbeiter loszuwerden, ohne selbst eine Kündigung aussprechen zu müssen und dadurch langwierige Auseinandersetzungen oder eine mögliche Abfindung zu umgehen. Betroffene sollen so lange frustriert und zermürbt werden, bis sie freiwillig gehen. Weitere mögliche Gründe sind:
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Kosten reduzieren
Gerade bei langjährigen oder hoch bezahlten Beschäftigten kann der Versuch dahinterstecken, Personalkosten zu senken und eine Stelle günstiger neu zu besetzen.
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Konflikte austragen
Nach persönlichen Auseinandersetzungen oder Kritik kann Aufgabenentzug als subtile Bestrafung oder Druckmittel eingesetzt werden.
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Macht demonstrieren
Manche Führungskräfte nutzen Straining, um Mitarbeiter kleinzuhalten, zu kontrollieren oder ihre Position zu schwächen.
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Umstrukturierungen durchsetzen
Soll eine Position wegfallen, kann der Verantwortungsbereich schrittweise ausgehöhlt werden, statt offen über die Veränderungen zu sprechen.
Hinweis: Nicht jeder Aufgabenentzug ist automatisch Straining. Betriebliche Veränderungen, Auftragsmangel oder eine Neuverteilung von Zuständigkeiten können sachliche Gründe haben. Entscheidend sind die Dauer, die systematische Benachteiligung und die erkennbare Absicht dahinter!
Welche Folgen hat Straining?
Dauerhafte Unterforderung klingt zunächst weniger belastend als Überarbeitung. Tatsächlich können erzwungene Langeweile und Untätigkeit genauso erheblichen Stress auslösen. Betroffene fühlen sich dadurch nutzlos, ausgegrenzt und beruflich entwertet. Typische Folgen sind Frust, Selbstzweifel, Motivationsverlust und sinkendes Selbstwertgefühl.
Hält die chronische Unterforderung an, kann daraus ein Boreout entstehen. Überdies verlieren Betroffene ebenso wichtige Erfahrungen und werden im Unternehmen zunehmend unsichtbar. Im schlimmsten Fall endet die Situation mit längerer Arbeitsunfähigkeit, einer Eigenkündigung oder einem Rechtsstreit mit dem Arbeitgeber.
Wie kann ich mich gegen Straining wehren?
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie gezielt unterfordert oder aus dem Job gedrängt werden sollen, sollten Sie nicht vorschnell kündigen. Gehen Sie stattdessen strategisch vor und schaffen Sie zunächst Klarheit. Diese Schritte helfen:
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Beobachten Sie die Entwicklung
Eine ruhige Phase oder eine einzelne unliebsame Aufgabe ist noch kein Straining. Achten Sie darauf, ob Aufgabenentzug, Unterforderung oder Ausgrenzung über längere Zeit auftreten und nur Sie betreffen.
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Sprechen Sie das Problem an
Bitten Sie Ihren Vorgesetzten um ein Gespräch: Beschreiben Sie konkrete Veränderungen und fragen Sie nach den Gründen: Warum wurden Ihnen Aufgaben entzogen? Welche Verantwortung sollen Sie künftig übernehmen?
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Fordern Sie Aufgaben aktiv ein
Signalisieren Sie ausdrücklich Ihre Arbeitsbereitschaft und bitten Sie um angemessene Beschäftigung. Machen Sie möglichst konkrete Vorschläge für Aufgaben oder Projekte, die Ihrer Position und Qualifikation entsprechen.
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Dokumentieren Sie die Vorfälle
Halten Sie fest, wann Ihnen Aufgaben entzogen, Informationen vorenthalten oder Zuständigkeiten übertragen wurden. Bewahren Sie relevante E-Mails und andere zulässige Belege auf.
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Holen Sie sich Unterstützung
Bleibt das Gespräch erfolglos, können Sie sich je nach Unternehmen an den Betriebsrat, Personalrat, die Personalabteilung oder eine höhere Führungskraft wenden.
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Lassen Sie sich beraten
Dauert das Straining an, kann eine Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht sinnvoll sein. Das gilt besonders, bevor Sie selbst kündigen, einen Aufhebungsvertrag unterschreiben oder andere weitreichende Schritte unternehmen.
Wichtig ist, selbst professionell zu bleiben. Verweigern Sie bloß nicht aus Frustration die Arbeit und provozieren Sie keine Eskalation. Je sachlicher Sie reagieren und je besser Sie die Entwicklung dokumentieren, desto stärker ist Ihre Position.
Wie kann ich Straining beweisen?
Straining ist schwer nachzuweisen, weil viele Maßnahmen für sich genommen harmlos wirken. Entscheidend ist deshalb weniger ein einzelner Vorfall als ein nachvollziehbares Muster über einen längeren Zeitraum. Führen Sie hierzu ein Mobbingtagebuch: Notieren Sie darin möglichst zeitnah Datum, Situation, beteiligte Personen, entzogene oder verweigerte Aufgaben und mögliche Zeugen. Dokumentieren Sie ebenfalls, wann Sie um Arbeit oder mehr Verantwortung gebeten haben und wie darauf reagiert wurde.
Hilfreich können zudem E-Mails, schriftliche Arbeitsanweisungen, Aufgabenverteilungen, Kalendereinladungen oder andere Unterlagen sein, die Veränderungen Ihres Verantwortungsbereichs nachvollziehbar machen. Auch Kollegen können als Zeugen wichtig werden. Achten Sie dabei darauf, Beweise nur auf rechtlich zulässige Weise zu sichern – heimliche Tonaufnahmen sind keine gute Idee! Je genauer Sie aber zeigen können, dass die Unterforderung systematisch erfolgt, über längere Zeit anhält und Sie gegenüber vergleichbaren Kollegen benachteiligt werden, desto leichter lässt sich der Verdacht auf Straining nachvollziehbar begründen.
Ist Straining strafbar?
Straining ist in Deutschland kein eigener Straftatbestand. Das bedeutet jedoch nicht, dass Arbeitgeber Beschäftigte beliebig ausgrenzen oder zur Untätigkeit zwingen dürfen. Je nach Einzelfall können dabei arbeitsvertragliche Pflichten oder das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers verletzt werden. Auch Ansprüche auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld kommen grundsätzlich infrage, sind aber an hohe Voraussetzungen und entsprechende Nachweise gebunden. Ob tatsächlich ein Rechtsverstoß vorliegt, hängt immer vom konkreten Fall ab. Nicht jede Unterforderung oder Versetzung ist rechtswidrig: Arbeitgeber besitzen bei der Verteilung von Aufgaben ein Weisungsrecht.
FAQ – Häufige Fragen zum Straining
Muss mein Arbeitgeber mir Arbeit geben?
Grundsätzlich haben Arbeitnehmer nicht nur Anspruch auf ihre Vergütung, sondern können auch einen Anspruch auf vertragsgemäße Beschäftigung haben. Welche Aufgaben der Arbeitgeber zuweisen darf, richtet sich insbesondere nach Arbeitsvertrag, Stellenbeschreibung und seinem Weisungsrecht. Eine dauerhaft erzwungene Untätigkeit oder Beschäftigung unterhalb der vereinbarten Tätigkeit kann deshalb arbeitsrechtlich unzulässig sein.
Kann ich wegen Straining kündigen?
Sie können Ihr Arbeitsverhältnis grundsätzlich immer ordentlich kündigen. Von einer vorschnellen Eigenkündigung ist bei Straining jedoch abzuraten: Sie kann finanzielle und sozialrechtliche Nachteile haben. Eine fristlose Eigenkündigung kommt nur unter besonderen Voraussetzungen infrage. Lassen Sie sich deshalb immer vorher beraten.
Kann Straining krank machen?
Ja, dauerhafte Ausgrenzung und erzwungene Unterforderung können erheblichen psychischen Stress verursachen. Mögliche Folgen sind Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Selbstzweifel und Motivationsverlust. Chronische Unterforderung kann zudem einen Boreout begünstigen. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Betroffene ärztlichen Rat suchen.
Wann sollte ich einen Anwalt einschalten?
Arbeitsrechtliche Beratung ist sinnvoll, wenn das Straining über längere Zeit anhält, Gespräche mit dem Arbeitgeber erfolglos bleiben oder Ihnen systematisch Aufgaben und Kompetenzen entzogen werden. Besonders wichtig ist sie, wenn eine Kündigung, Abmahnung, Versetzung oder ein Aufhebungsvertrag im Raum steht. Bringen Sie zum Beratungsgespräch Ihre Dokumentation, relevante E-Mails und weitere zulässige Belege mit.
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