Job Enlargement: Definition, 3 Beispiele, Vor- und Nachteile

Monotonie am Arbeitsplatz dämpft die Motivation und verursacht Fehler. Job Enlargement ist eine Möglichkeit, dieser Gefahr entgegenzuwirken. Oft fällt der Begriff im selben Zusammenhang mit Job Enrichment. Aber es gibt Unterschiede. Wir erklären, worin diese bestehen und welche Vor- und Nachteile Job Enlargement bietet. Außerdem geben wir Ihnen Beispiele für entsprechende Maßnahmen…

Job Enlargement: Definition, 3 Beispiele, Vor- und Nachteile

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Definition: Was bedeutet Job Enlargement?

Wörtlich lässt sich „Job Enlargement“ mit Arbeitserweiterung übersetzen. Der Mitarbeiter erhält neue Aufgaben, die demselben Anforderungsprofil entstammen. Er benötigt somit keine zusätzlichen Kenntnisse, die er zuvor in einer Weiterbildung erlernen müsste. Vielmehr reicht das bisherige Wissen aus, um die neuen Aufgaben zu übernehmen. Daher stammt diese Strategie aus der horizontalen Arbeitsgestaltung. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn Mitarbeiter anderenfalls massiv unterfordert wären. Langeweile im Büro kann unliebsame Konsequenzen haben: Antriebslosigkeit und Müdigkeit begünstigen Fehler. Wer zunehmend lustlos seinen Aufgaben nachkommt, hinterfragt seinen Job viel eher.

Positive Effekte

Durch Job Enlargement will ein Vorgesetzter meist verhindern, dass ein Mitarbeiter in zu starke Routine verfällt. Die könnte schlimmstenfalls im Boreout enden. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das dem Burnout ähnlich ist, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Während beim Burnout die permanente Überforderung Kern des Problems ist, empfindet der Mitarbeiter beim Boreout ständige Unterforderung.

Das könnte zur Arbeitnehmerkündigung und damit zum Wissensverlust im Unternehmen führen. Den fürchten Unternehmen vor allem dann, wenn in einem Bereich bereits eklatanter Fachkräftemangel herrscht. Aber auch ohne den versuchen Unternehmen die arbeitnehmerseitige Kündigung zu vermeiden. Denn sie ist meist mit hohen Kosten für einen erneuten Bewerbungsprozess und die Einarbeitung neuer Mitarbeiter verbunden. Job Enlargement ist also in jedem Fall die kostengünstigere Maßnahme für Unternehmen.


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Unterschied zu Job Enrichment und Job Rotation

Oft fallen die Begriffe Job Enrichment und Job Enlargement zeitgleich. Beides sind gemeinsam mit Job Rotation Strategien im Personalwesen. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Maßnahmen liegt darin, dass es sich bei Job Enrichment um eine vertikale Arbeitsgestaltung handelt. Das bedeutet, dass die Anforderungen an den Angestellten höher sind. Die neuen Aufgaben sollte er nach einer entsprechenden Weiterbildungsmaßnahme erledigen können. Durch das Job Enrichment – wörtlich: Arbeitsbereicherung – werden seine Aufgaben verantwortungsvoller und abwechslungsreicher.

Auch Job Enrichment kann den erwünschten Effekt erzielen, dass ein Mitarbeiter abwechslungsreichere Tätigkeiten übernimmt. Nun kann Budget- oder Führungsverantwortung Bestandteil des neuen Anforderungsprofils sein. Allerdings muss der Mitarbeiter sich in die neue Rolle hineinfinden, dafür neues Wissen aneignen. Gelingt dies nur unzureichend, kann sein, dass der Mitarbeiter sich überfordert fühlt. Jobrotation hingegen bezeichnet das Prinzip, dass der Mitarbeiter regelmäßig auf eine andere Position oder in eine andere Funktion innerhalb des Unternehmens wechselt. Hier kann er sein Fachwissen in einem neuen Bereich vertiefen und der Langeweile vorbeugen.

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Beispiele für Job Enlargement

Folgende Beispiele aus verschiedenen Bereichen illustrieren die Arbeitserweiterung:

Produktion

Ein typisches Beispiel für Tätigkeiten, die stark routiniert ablaufen, ist Akkordarbeit. Häufig ist diese in der Produktion am Fließband zu finden. Bestimmte Arbeitsvorgänge sind automatisiert, jeder Handgriff sitzt bei gleichbleibender Qualität. Allerdings bedarf es der Abwechslung durch Job Enlargement, damit die Aufmerksamkeit nicht nachlässt. Anderenfalls ist die gleichbleibende Qualität nicht mehr gewährleistet. Statt also am Fließband immer die gleichen Teile zusammenzusetzen, könnte Job Enlargement hier so aussehen, dass der Mitarbeiter einen oder mehrere neue Produktionsschritte hinzunimmt. Er könnte auch die Endkontrolle übernehmen oder das fertige Produkt verpacken.

Unternehmenskommunikation

Bisher hat sich ein Mitarbeiter vorrangig darum gekümmert, den Newsletter eines Unternehmens zu erstellen. Darin weist Das Unternehmen auf neue Entwicklungen in seiner Branche und speziell auf die eigenen Produkte hin. Job Enlargement könnte hier so aussehen, dass der Mitarbeiter zukünftig zusätzlich die diversen Social-Media-Kanäle betreut. Beispielsweise informiert er auf Facebook und Instagram über das Unternehmen.

Außendienst

Job Enlargement liegt beispielsweise vor, wenn ein Vertriebsmitarbeiter im Außendienst einen weiteren Bezirk übernimmt. So ändern sich nicht nur die Strecken auf Dienstreisen, sondern auch die betreuten Kunden.

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Vor- und Nachteile dieser Strategie

Die neuen Aufgaben sorgen für Abwechslung. Waren zuvor bestimmte Tätigkeiten des Mitarbeiters vor- oder nachgelagert, werden nun verschiedene Aufgaben durch das Job Enlargement zusammengefasst. Das hat positive Auswirkungen. Sowohl die Motivation und als auch die Mitarbeiterbindung steigen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass bei verwandten Tätigkeitsbereichen ein und dieselbe Person dafür verantwortlich ist. Während bei unterschiedlichen Verantwortlichkeiten eine Abstimmung erforderlich wäre, entfällt diese nun. Somit sinkt die Wahrscheinlichkeit für Fehler und Kunden haben beispielsweise denselben Ansprechpartner.

Vor allem bei körperlicher Arbeit hat Job Enlargement einen großen Vorteil: Monotone Aufgaben führen oft zu einseitiger Belastung. Das wiederum hat gesundheitliche Folgen wie Fehlstellung und Verspannungen. Abwechslungsreichere Tätigkeiten, die demselben Anforderungsniveau entsprechen, beugen Berufskrankheiten vor. Dasselbe kann auch für typische Büroerkrankungen gelten, wenn beispielsweise ein Wechsel zwischen Tätigkeiten am Bildschirm und anderen Aufgaben stattfindet. So gesehen bewirkt Job Enlargement Gesundheitsförderung.

Eher nachteilig ist, dass keine wirkliche Weiterentwicklung stattfindet. Unternehmen sollten vermeiden, die Strategie einzig in Arbeitsverdichtung mündet: Dann könnte der Mitarbeiter den Eindruck gewinnen, dass er mehr arbeiten muss, ohne dafür eine angemessene Entlohnung zu erhalten. Eine Beförderung ist mit Job Enlargement nämlich nicht verbunden.

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[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]
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28. April 2021 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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