Jobrotation: Tipps für den Rollenwechsel

Jobrotation – das klingt nach munterem Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, ist aber ein ernstzunehmendes Personalinstrument. Unternehmen stellen so ganz gerne Jungkräfte auf den Prüfstand, Mitarbeiter erweitern ihren Horizont – und mitunter ihre Perspektive. Vielleicht ist eine Jobrotation ja auch für Sie persönlich – oder Ihr Unternehmen – sinnvoll. Aber was ist das eigentlich? Wir erklären es Ihnen und zeigen, worauf geachtet werden muss, damit die Jobrotation zum Erfolg wird…

Jobrotation: Tipps für den Rollenwechsel

Jobrotation: Bitte was?

Spielzeughersteller Mattel hat eine neue Personalstrategie: Junge Führungskräfte schicken die Barbie-Macher jetzt frühzeitig durch die einzelnen Werke und Abteilungen, häufiger mal vom Hauptquartier in Kalifornien in die Werke nach Mexiko oder Malaysia.

Sinn und Zweck: Die Mitarbeiter sollen von Anfang an unterschiedliche Positionen bekleiden, einen Blick für das große Ganze bekommen, umfassend ausgebildet werden. Hintergrund: Die Puppen-Hersteller haben zunehmend Probleme, brauchbare Fachleute für das Supply Chain Management zu finden, mit umfangreichem Wissen in Produktion, Beschaffung und Logistik. Die Jobrotation soll helfen, dieses Problem zu beheben, die Heranzüchtung von Fachidioten zu vermeiden.

Jobrotation – im Kleinen praktizieren das viele Betriebe ohnehin schon. Ein klassischer Fall ist der Trainee, der bis zum Ende seiner Lehrzeit mehrere Abteilungen im Unternehmen durchläuft. Auch wenn im Supermarkt der Mitarbeiter an die Kasse gerufen wird, weil die Schlange zu lang ist, könnte man gewissermaßen von Jobrotation sprechen.

Es gibt jedoch einige Methoden, die der Jobrotation ähnlich sind – weshalb zunächst eine genauere Differenzierung sinnvoll ist.

Jobrotation Definition: Was verbirgt sich hinter dem Begriff?

Bei der Jobrotation wechseln die Mitarbeiter regelmäßig – oder zeitlich begrenzt – auf eine andere Position oder in eine andere Funktion. Dabei kann es sich um ein Rotationsprinzip handeln, ähnlich wie im Trainee-Programm, bei dem ein Mitarbeiter mehrere Stationen durchläuft. Oder um eine Projektarbeit, die den Mitarbeitern für einen zeitlich genau abgesteckten Zeitraum – sei es eine Woche, ein Monat oder ein Jahr – andere Aufgaben zuteilt. Oder um einen Rollentausch, bei dem die Mitarbeiter ihre Aufgaben wechselseitig vom jeweils anderen übernehmen.

Daneben gibt es noch andere Ausprägungen der Jobrotation: Wenn man einem Kollegen über die Schulter guckt, um zu lernen, dann spricht man auch von Job Shadowing. Noch eine Option: Der Mitarbeiter übernimmt beispielsweise zu 70 Prozent eine neue Aufgabe und behält zu 30 Prozent seine alte – so etwas nennt man in den praktizierenden Unternehmen bisweilen auch Job Visiting. Was Jobrotation hingegen nicht ist: die Tätigkeit als Springer, der schnell Aufgaben übernimmt und dort einspringt, wo es gerade brennt.

Zusätzlich zur Jobrotation zählen zur Vergrößerung des Arbeitsfeldes auch das Job Enlargement sowie das Job Enrichment. Beim Enlargement handelt es sich um eine Erweiterung der Aufgaben auf dem gleichen Anforderungsniveau. Beim Enrichment auf der anderen Seite verändert sich auch die Qualität der Aufgaben, beispielsweise erhält ein Mitarbeiter größere Verantwortungsbereiche.

Je nach Durchführung und den einzelnen Stationen ist es wahrscheinlich, dass gleichzeitig zur Jobrotation ein Job Enlargement und Job Enrichment stattfindet, wenn ein Mitarbeiter in unterschiedlichen Bereichen viele verschiedene Aufgaben betreut.

Jobrotation: Beispiele im Arbeitsalltag

Das Konzept der Jobrotation kann grundsätzlich in jedem Unternehmen und in jeder Stufe der Hierarchie angewendet werden. In jeder Branche und in jedem Bereich gibt es andere Positionen, die man zwar kennt, mit deren genauen Aufgaben man sich aber bisher wenig bis gar nicht beschäftigt hat.

Ein solcher Blick über den eigenen Tellerrand kann aber durchaus lohnenswert sein. Wie die Jobrotation konkret aussehen kann, zeigen diese drei einfachen Beispiele:

  • Ein Bankangestellter, der zwischen Innen- und Außendienst rotiert
  • Ein Junior-Berater, der die verschiedenen internationalen Standorte der Firma durchläuft
  • Ein Schweißer, der zwischen Fertigung, Wartung und Werkzeugbau hin und her switcht.

Welche Vorteile hat Jobrotation?

Als Instrument der Personalentwicklung wird die Jobrotation genutzt, um – wie im obigen Beispiel – Mitarbeiter besser auf die Anforderungen im Unternehmen vorzubereiten. So werden Personalengpässe frühzeitig verhindert und offene Positionen mit den richtigen Qualifikationen besetzt. An dieser Stelle hört der nutzen der Jobrotation aber keinesfalls auf, denn es gibt viele weitere Vorteile, sowohl für die Unternehmen als auch für deren Mitarbeiter, die an der Rotation teilnehmen.

  • Aufmerksamkeitsspanne vergrößern

    Ein Arbeiter, der am Förderband defekte Teile aussortiert, lässt in seiner Konzentration automatisch nach, zumindest nach einer gewissen Zeit. Dieser Effekt lässt sich durch Pausen abmildern – oder durch Jobrotation.

  • Gesundheitsprävention betreiben

    Vor allem für Arbeiter mit körperlich anstrengenden Jobs kann so Entlastung geschaffen werden. Das betrifft etwa Tätigkeiten in der Fabrik, im Handwerk oder auch speziell ältere Arbeitnehmer. Nicht nur die körperliche Gesundheit wird geschützt, sondern auch psychischen Belastungen wird vorgebeugt. Immer gleiche Tagesabläufe werden für viele sonst irgendwann zum Problem.

  • Abwechslung bieten

    Die Rotation führt zu neuen Aufgaben und Herausforderungen, zu mehr Abwechslung – und kann dementsprechend die Motivation einzelner Mitarbeiter erhöhen. Das ist allerdings kein Selbstläufer, sondern oft nur möglich, wenn damit auch mehr Verantwortung einhergeht.

  • Kriminal- und Korruptionsprävention

    Mitarbeiter von Banken und Sparkassen, die Gelder veruntreut haben. Eine Schlagzeile, die man durchaus regelmäßig in der Lokalpresse lesen muss. Wo immer Gelder und Konten, sensible Daten bearbeitet und betreut werden, ist die Versuchung für einzelne Mitarbeiter groß, die Finger lang zu machen. Wird die Verantwortung mittels einer Jobrotation geteilt, kann das Risiko vielleicht durch das Vier-Augen-Prinzip reduziert werden. Andererseits: So haben noch mehr Personen Zugriff und Einsicht in die Daten. Hier ist also besonders viel Fingerspitzengefühl, Organisation und Planung gefragt.

  • Weiterbildung vorantreiben

    Jobrotation kann ein Baustein sein, um den Modebegriff des lebenslangen Lernens im Betrieb tatsächlich zu implementieren. Die Mitarbeiter werden so im besten Fall flexibler, vielseitiger, auch gedanklich wendiger.

  • Vertretung ermöglichen

    In manchen Szenarien ist Jobrotation sogar unumgänglich, Stichwort: Schwangerschaftsvertretung. Unternehmen, die Erfahrungen mit diesen Modellen haben, können den Übergang oft geschmeidiger bewältigen.

  • Potenzialanalyse durchführen

    Unternehmen nutzen das Instrument gerne, um Kandidaten im direkten Vergleich gegenüberzustellen. Für die Mitarbeiter ist das oft weniger schön, kann aber auch helfen, die eigenen Stärken und Potenziale genauer zu erkennen.

  • Wissenskultur etablieren

    Verständnis für die Rahmenbedingungen im ganzen Unternehmen entwickeln, die Nöte und Zwänge in anderen Abteilungen kennenlernen, neues Wissen aufbauen. Der Blick über den berühmten Tellerrand hilft dabei. Im Übrigen kann so auch das Risiko in bestimmten Funktionen vermieden werden, dass ein Mitarbeiter beim Wechsel das ganze Wissen der Abteilung quasi mitnimmt – und eine allzu große Lücke hinterlässt.

  • Teambuilding stärken

    Wenn die Mitarbeiter in immer neuen Konstellationen zusammenarbeiten, kann das den Zusammenhalt fördern. Und es kann sich so auch die optimale Besetzung einzelner Teams herauskristallisieren. Kehrseite der Medaille: Funktionierende Gespanne werden bisweilen auseinandergerissen.

Die möglichen Nachteile der Jobrotation

Wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten und auch die Jobrotation ist keine Ausnahme, wenn es um die Nachteile geht.

  • Zeit- und Produktivitätsverluste. Wenn permanent neu eingearbeitet, erklärt und gezeigt werden muss, bringt das logischerweise auch Zeitverluste mit sich. Für viele Unternehmen, die sich ohnehin am liebsten Plug and Play-Mitarbeiter wünschen, ein großes (Mentalitäts-)Problem.
  • Überforderung. Immer neue Aufgaben, immer neue Rahmenbedingungen – das bedeutet auch immer neue Probleme, Schwierigkeiten und Hindernisse, die übersprungen werden sollen. Nicht wenige Mitarbeiter kommen damit nicht klar und fühlen sich überfordert.
  • Egoismen. Rotation bedeutet Kontroll- und manchmal auch Machtverlust. Oder wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Kollege plötzlich Ihren Job machen soll? Diesen Punkt sollten Unternehmen – und die Mitarbeiter selbst – keinesfalls unterschätzen. Auch können Loyalität und Autorität leiden, wenn absehbar ist, dass jemand sowieso nur kurzzeitig auf diesem Stuhl Platz nimmt.
  • Spezialisierung. Für kleine Unternehmen und Berufe mit hohem Spezialisierungsgrad ist Jobrotation weniger geeignet. In Unternehmen, deren Mitarbeiter ganz unterschiedliche Hintergründe haben, kann nun einmal nicht beliebig von A nach B rotiert werden. Hier ist der praktische Rahmen deutlich enger gesteckt.
  • Berufsordnung. Auch darf der gesetzliche Rahmen nicht gedehnt werden. Für bestimmte Tätigkeiten sind eine Ausbildung oder bestimmte Vorkenntnisse notwendig. Eine Krankenschwester kann trotz ihrer Kenntnisse nicht morgen den Job des Chirurgen übernehmen.

Zu wenige Unternehmen nutzen die Jobrotation

Trotz der Nachteile und Schwierigkeiten überwiegen häufig die Vorteile der Jobrotation. Allerdings hat sie sich trotzdem erst bei einem geringen Anteil der Unternehmen tatsächlich durchgesetzt. Schuld daran ist oft die Angst vor dem benötigten Aufwand sowie die Unsicherheit in der Umsetzung.

Damit nehmen Arbeitgeber sich jedoch gleichzeitig selbst die Chance, vom Nutzen der Jobrotation zu profitieren. Es mag verständlich sein, sich an seine Komfortzone zu klammern und möglichst die Abläufe beizubehalten, die man seit Jahren kennt, doch manchmal ist es notwendig, neue Schritte zu gehen, um erfolgreich zu bleiben. Durch die Jobrotation steigt nicht nur die Qualität der Mitarbeiter, sondern im besten Fall auch deren Zufriedenheit, Motivation und Bindung zum Unternehmen.

Jobrotation: Tipps für eine erfolgreiche Durchführung

Die Jobrotation hat großes Potenzial, das vielfach ungenutzt bleibt. Bei dieser Entscheidung bleibt auch unberücksichtigt, dass einige Mitarbeiter vielleicht ganz froh über die Möglichkeit wären, den eigenen Horizont und natürlich auch die eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Eine solche Erfahrung schärft das eigene Profil und sorgt für größeres Know How. Wer dennoch befürchtet, dem Aufwand der Jobrotation nicht gewachsen zu sein, sollte sich nicht zu große Sorgen machen. Es ist zwar eine Veränderung, aber durchaus realisierbar. Damit die Jobrotation zum Erfolg wird, haben wir abschließend noch einige Tipps für Sie gesammelt:

  • Achten Sie auf die Kommunikation

    Die Jobrotation soll in keinem Fall einer Strafversetzung gleichkommen. Vielmehr ist eine Win-win-Situation das gemeinsame Ziel. Anstatt einfach eine Entscheidung zu treffen, sollte der Weg gemeinsam gegangen werden. Am Anfang stehen etwa Fragen wie: Welche Erwartungen hat der Mitarbeiter? Welche Bedenken müssen geklärt werden?

  • Beziehen Sie den Betriebsrat mit ein

    Stimmen Sie die Jobrotation mit dem Betriebsrat ab. In größeren Betrieben ist das ohnehin Pflicht. So sind Sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite und erhalten vielleicht noch wichtiges Feedback.

  • Klären Sie alle Formalitäten

    Diesem Punkt kommt vor allem bei Auslandseinsätzen eine größere Bedeutung zu. Wenn nämlich Visa und Arbeitserlaubnis, Impfungen und interkulturelle Trainings organisiert werden müssen. Bei all diesen Anliegen sollten Mitarbeiter möglichst unterstützt werden.

  • Erstellen Sie einen Zeitplan

    Im Rahmen einer Projektarbeit ist es sinnvoll, die Rotation zeitlich exakt auf das Projekt abzustimmen und nicht mittendrin anzufangen. Andernfalls kann es ganz unterschiedliche Zeitabläufe geben. Trotzdem sollte der Zeitplan konkret aufgestellt werden, um die Organisation der Jobrotation eindeutig zu bestimmen.

  • Legen Sie wert auf Dokumentation

    Wenn die Dauer, Erwartungen und Inhalte vorab schriftlich fixiert werden, beseitigt das nicht nur Unklarheiten, sondern ermöglicht gleichzeitig, dass nach Ablauf der Jobrotation die Ergebnisse besser kontrolliert werden können.

  • Bestimmten Sie konkrete Ziele

    Die Rotation sollte nicht ins Blaue hinein erfolgen. Welche Ziele verfolgt sie? Das sollte zwischen Unternehmen und Mitarbeiter zuvor definiert werden. Soll lediglich ein Einblick gewährt oder tatsächlich fundiertes Wissen in einem anderen Bereich vermittelt werden?

  • Nutzen Sie einen Mentor

    Ein Mentor hilft beim Übergang in neue und bisher vielleicht unbekannte Bereiche – und steht jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. Legen Sie vorher eine geeignete Person dafür fest, die sich während der Jobrotation besonders um die Mitarbeiter kümmert.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
16. Juni 2016 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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