Swapping: Positive Effekte für den Job

Mit Swapping schwappt ein Trend nach Deutschland, der so neu gar nicht ist. Kleidertausch kennen Sie schon, jetzt geht es um den Arbeitsplatztausch. Firmen wie Thyssenkrupp praktizieren den Job Swap bereits. Sie haben Lust auf Abwechslung und wollen etwas Neues sehen und lernen, aber Ihren alten Arbeitsplatz nicht verlieren? Dann könnte Swapping genau das Richtige für Sie sein. Es gewährt Ihnen Flexibilität auf der einen und Sicherheit auf der anderen Seite. Wie das funktioniert und welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind…

Swapping: Positive Effekte für den Job

Definition: Was ist unter Swapping zu verstehen?

Swapping DefinitionAus der Informatik ist der Begriff schon länger bekannt; hier geht es um das Auslagern von Dateien aus einem physikalischen Arbeitsspeicher auf eine Festplatte. Um das Umlagern beziehungsweise Tauschen geht es im Übertragenen Sinn auch, wenn Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz tauschen.

Swapping – auch als Job Swapping bezeichnet – bietet die Möglichkeit, den eigenen Arbeitsplatz temporär zu verlassen und an einem anderen Ort zu arbeiten, ohne seinen Job aufgeben zu müssen. Gleichzeitig erhält man Einblicke in einem anderen Arbeitsbereich oder sogar in einem anderen Unternehmen – eine ideale Mischung aus Jobrotation und Weiterbildung, denn Sie praktizieren Training on the Job.

Da Swapping ein Tausch ist, funktioniert es nur, wenn zwei Mitarbeiter gleichzeitig für eine bestimmte Zeit Aufgaben und Verantwortung miteinander tauschen. Das erfordert vergleichbare Kenntnisse und Qualifikationen, weshalb Swapping zumeist innerhalb derselben Branche stattfindet.

Der Zeitraum ist unterschiedlich lang und kann einen Monat oder sogar ein ganzes Jahr lang dauern. Besonders gefragt: Arbeiten im Ausland.

Verschiedene Formen der Jobrotation

Swapping Formen JobrotationSwapping reiht sich ein in einige verschiedene Unterformen der Jobrotation:

  • Job Shadowing

    Dabei werden Sie zum Schatten Ihres Kollegen, dem Sie bei der Arbeit über die Schulter sehen. Sie nehmen eine beobachtende Rolle ein und erhalten so Einblick in seine Tätigkeit.

  • Projektarbeit

    Hierbei werden für eine festgelegte Zeit Teams zur Bearbeitung einer konkreten Aufgabe zusammengestellt. Diese kann mit der täglichen Arbeit zusammenhängen, enthält aber zumeist noch weitere Aspekte.

  • Hospitation

    Während der Hospitation erhält der Mitarbeiter einen kurzen Einblick in ein Unternehmen oder einen anderen Bereich des Betriebs. Dieser soll ein besseres Verständnis für die Abläufe und benötigten Fähigkeiten ermöglichen. Meist findet auch eine Mitarbeit statt, so dass Hospitanten selbst aktiv teilnehmen.

  • Job Enlargement

    Kein reiner Tausch, sondern eine Vergrößerung des Arbeitsfeldes liegt beim Job Enlargement vor. Wichtig für diese Form ist: Die Erweiterung der Aufgaben findet auf dem gleichen Anforderungsniveau statt, das schon die bisherige Tätigkeit hatte.

  • Job Enrichment

    Anders als beim Job Enrichment wachsen nicht nur der Umfang der Tätigkeiten, sondern auch die Verantwortung. Zum Beispiel kann ein Mitarbeiter größere Verantwortungsbereiche erhalten oder die Führung innerhalb eines Teams übernehmen.

  • Job Visiting

    Wem Swapping zu riskant ist, entscheidet sich für diese Option: Beispielsweise können Sie so zu 70 Prozent eine neue Aufgabe übernehmen und zu 30 Prozent Ihre alte behalten.

Vor- und Nachteile: Warum Swapping?

Beim Swapping geht vor allem um Flexibilität und interne Weitergabe des vorhandenen Wissens. Swapping ist die Antwort auf Fachkräftemangel und Digitalisierung.

Beide Phänomene bedingen, dass Arbeitnehmer nicht mehr nur innerhalb eines eng gesteckten Horizonts ihren Aufgaben nachgehen, sondern ihr Wissen ständig erweitern und so auch abteilungsübergreifend einsetzbar sind.

Was auf der einen Seite notwendig ist, weil schlichtweg das Personal fehlt, um Engpässe im Krankheitsfalle ausgleichen zu können, ist andererseits ein Gebot.

Immer schnellere Prozesse in der Arbeitswelt erfordern schnelle Reaktionen – die sind vor allem dann machbar, wenn nicht erst lang und umständlich Zeit für Einarbeitung eingeplant werden muss.

Welche Vor- und Nachteile das Swapping für Arbeitnehmer hat…

Swapping Vorteile

Swapping Vorteile

  • Sie behalten Ihren festen Job, den Sie nicht aufgeben müssen.
  • Sie lernen etwas Neues: neue Herangehensweisen, neue Arbeitstechniken oder Strategien.
  • Dadurch kann Swapping ein wertvoller Schritt zur nächsten Karrierestufe sein.
  • Wer ins Ausland geht, kann gegebenenfalls seine Englischkenntnisse erweitern/pflegen. Außerdem gewinnen er Einblicke in eine fremde Kultur und trainiert seine interkulturelle Kompetenz.
  • Sie haben keine finanzielle Nachteile wie im Falle eines Sabbaticals.
  • Sie knüpfen wertvolle Businesskontakte und vergrößern Ihr Netzwerk.

Swapping Nachteile

Swapping Nachteile

  • Die tauschenden Mitarbeiter sollten vergleichbare Qualifikationen besitzen und in derselben Hierarchieposition sein, ansonsten wird Swapping schwierig.
  • Nicht alle Bereiche können miteinander tauschen: Ein technischer Mitarbeiter kann schlecht jemanden aus dem Vertrieb ersetzen und umgekehrt.
  • Je nachdem, wie kurz der zeitliche Rahmen gesteckt ist, bleibt der Erkenntnisgewinn doch an der Oberfläche.

Bedeutung von Swapping für Unternehmen

Befürworter von Swapping betonen, dass die Zufriedenheit und damit die Mitarbeiterbindung steigen, weil individuelle Mitarbeiterwünsche berücksichtigt werden. Nicht zuletzt geht der Arbeitnehmer kein Risiko ein: Der Mitarbeiter bleibt erhalten – seine freie Stelle wird mit vorübergehend einem anderen Mitarbeiter aus dem Tochterunternehmen oder einem Partnerbetrieb besetzt.

Der innerbetriebliche Zusammenhalt wird durch Swapping gefördert. Es macht einen Unterschied, wenn beispielsweise Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen oder Niederlassungen sich persönlich begegnen und die Plätze miteinander tauschen. Das lässt den Respekt und das Verständnis für einander wachsen.

Idealerweise vergrößert der Mitarbeiter seinen Wissensbereich und kann seine Kenntnisse nun auf verwandte Bereiche anwenden. Auch wenn Swapping nicht zwangsläufig eine Einarbeitung ersetzt, kann es zumindest Hinweise darauf geben, welcher Mitarbeiter für den Fall aller Fälle für diese andere Position geeignet wäre.

Klappt die Arbeit am Tauscharbeitsplatz relativ mühelos, könnte eine intensivere Einarbeitung dabei helfen, Engpässe durch Urlaub oder Krankheit auszugleichen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn es darum geht, Deadlines einzuhalten.

Auf der anderen Seite werden womöglich Fehlbesetzungen offensichtlich, nämlich wenn jemand in einem anderen Bereich eine deutlich bessere Arbeitsleistung als auf seinem alten Arbeitsplatz erzielt. Das ist ein guter Hinweis für verborgene Talente und kann eine Umverteilung von Aufgaben nach sich ziehen.

Damit Swapping für Unternehmen funktioniert, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Beginnen Sie mit Berufseinsteigern

    Berufseinsteiger sollten direkt in Jobrotation verschiedene Abteilungen durchlaufen. Es ist für die Mitarbeiter selbst deutlich einfacher, wenn sie sich nicht erst nach langer Betriebszugehörigkeit umstellen müssen. Für das Unternehmen ist es außerdem weniger ressourcenintensiv, da sie jemanden auf Einstiegsebene eher verschmerzen können.

  • Holen Sie den Mitarbeiter ins Boot.

    Wenn jemand schon länger im Unternehmen ist, kann eine gewisse Routine dazu beitragen, dass Mitarbeiter es sich in ihrer Komfortzone einrichten. Der Zugewinn an neuen Erkenntnissen durch Swapping muss also schmackhaft gemacht werden. Es geht dabei nicht nur darum, dem Mitarbeiter einen Zugewinn an Wissen zu ermöglichen, sondern auch seiner Abteilung, dadurch dass ein Ersatz kommt. Wichtig ist natürlich, dass die Mitarbeiter nicht sich selbst überlassen werden, sondern die Vorgesetzten jeweils mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

  • Passen Sie die Dauer an.

    Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, das Swapping nicht allzu lange dauern zu lassen. Geht es vor allem um den Zusammenhalt im Unternehmen, können auch wenige Monate bereits helfen, wertvolle Einblicke zu erlangen.

  • Fördern Sie neue Ideen.

    Machen Sie deutlich, dass Sie sich von Jobrotation und Swapping neue Ideen und Impulse erhoffen. Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, nach neuen Lösungen zu schauen und den Blickwinkel auf eine Sache zu ändern. Lassen Sie durchblicken, dass der Gewinn fürs Unternehmen auch ein Gewinn für sie sein könnte – beispielsweise durch Incentives.

[Bildnachweis: StockLite by Shutterstock.com]
21. Mai 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



Mehr von der Redaktion und aus dem Netz


Weiter zur Startseite