Arbeiten im Ausland: So geht es

Arbeiten im Ausland kann aus vielen Gründen interessant sein: Sei es, dass Sie regelmäßig das Fernweh packt, sei es, dass Sie nach der Schule oder dem Studium die Welt mit Work and Travel kennenlernen wollen, dass Sie im Sabbatical eine Auszeit nehmen wollen oder aber, dass Sie sich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausrechnen: Über internationale Kenntnisse zu verfügen, macht sich immer gut im Lebenslauf. Von der persönlichen Bereicherung ganz zu schweigen, denn Reisen bildet. Nur: Wie geht Arbeiten im Ausland eigentlich? Was muss ich beachten? Wir haben die wichtigsten Tipps für Sie zusammengefasst.

Arbeiten im Ausland: So geht es

Vorbereitungen: Ausgangslage klären und Ziel finden

Wer zum Arbeiten ins Ausland will, sollte zuvor gut erkundigen und seinen Aufenthalt (oder seine Auswanderung) gut planen. Die Bedingungen sind von Land zu Land unterschiedlich, und die staatlichen Förderungen für den Fall, dass es nicht so gut läuft, längst nicht so umfangreich wie in Deutschland.

Darüber hinaus gilt grob gesagt für jedes Land, dass gut qualifizierte Arbeitnehmer bevorzugt genommen werden und es viel leichter haben, im Ausland Fuß zu fassen. Oftmals geht der Weg ins Ausland nur über ein entsprechendes Visum und/oder genügend Geld als Startkapital auf der hohen Kante.

Wer sich für Nicht-EU-Länder wie Australien, Neuseeland oder Kanada interessiert, hat gute Chancen als Ingenieur, Mediziner, IT-Experte oder auch als Handwerker. Denn nach wie vor genießt das in Deutschland übliche duale Ausbildungssystem im Ausland einen guten Ruf.

Darüber hinaus gibt es dort einen Fachkräftemangel: Diese Länder haben eine hohe Wirtschaftsleistung, sind aber gleichzeitig dünn besiedelt. Ebenfalls bieten die Finanzbranche, Unternehmensberatung und die Tourismusbranche Jobs für Deutsche, die im Ausland arbeiten wollen, ebenso wie Sie als Lehrer im Ausland gute Aussichten haben.

Gerade als deutscher Staatsbürger sind die Möglichkeiten zahlreich, nicht zuletzt im europäischen Ausland innerhalb der EU. Dank der Freizügigkeit darf sich jeder EU-Bürger innerhalb der EU niederlassen und in seinem erlernten Job, aber auch als Quereinsteiger oder Selbständiger arbeiten.

Interkulturelle Kompetenz beweisen

The Grass is always greener on the other side. Dieses englische Sprichwort bringt ganz gut zum Ausdruck, was tausenden von Ausreisewilligen offenbar durch den Kopf geht – seit Jahren sind die Fernsehkanäle voll von Auswanderer-Sendungen.

Um sich selbst den Start in einem fremden Land zu erleichtern, sollten neben beruflichen Qualifikationen gewisse Sprachkenntnisse sowie interkulturelle Kompetenz vorhanden sein: Denn Arbeiten im Ausland bedeutet, sich auf unterschiedliche Arten, wie Abläufe gehandhabt werden, einzulassen. Eine andere Kultur bedeutet auch eine andere Arbeitskultur:

So ist in Großbritannien beispielsweise das Hot-Desking verbreitet, das heißt, jeder Mitarbeiter sucht sich einen freien Platz. Dadurch werden Kosten durch überflüssige Arbeitsplätze vermieden, aber es bedeutet auch, dass niemand einen festen Platz hat, die Arbeitsplätze wenig individuell gestaltet sind.

Hinter der Reiselust verbirgt sich nicht selten der naive Gedanke, dass es im Ausland leichter sei, einen Job zu finden. Auch wenn die eigenen Qualifikationen hoch sind, sind bestimmte Hindernisse nicht zu unterschätzen:

  • Sie sind mit dem hiesigen System der Arbeitsvermittlung und Arbeitssuche nicht vertraut.
  • Wer keine Verwandten oder Freunde im Ausland hat, kann auf keinerlei soziales Netzwerk zurückgreifen.
  • Wer nicht über die eigene Firma ins Ausland entsandt wird, hat keinerlei berufliche Kontakte.
  • Es existieren andere Standards, andere Regeln, die das gesellschaftliche Leben bestimmen.

Das kann sich in so Situationen zeigen wie der Suche nach einer passenden Wohnung: In den Zeitungen finden Sie nur Angaben zur Anzahl der Zimmer, aber keine Quadratmeterangaben. Oder aber die Miete ist wöchentlich fällig. Oder Sie müssen erst ein ausländisches Bankkonto eröffnen, bevor Sie Ihre Stelle antreten können.

Arbeiten im Ausland: Krankenversicherung abklären

Wer im Ausland leben und arbeiten möchte, muss sich Gedanken um seine Sozialversicherungen machen. Bezüglich der Krankenversicherung heißt das, dass Sie klären müssen, wohin Sie reisen und wie lange Sie dort bleiben.

Sind sie nur eine befristete Zeit im Ausland, beispielsweise bei einer Entsendung Ihres Arbeitgebers, bleibt Ihr Krankenversicherungsschutz in Deutschland bestehen. Wer dauerhaft ins Ausland geht, ist üblicherweise über seinen Arbeitgeber krankenversichert.

Ausnahme: Beispielsweise die USA. Dort müssen Sie sich selbst um eine Krankenversicherung kümmern. Sie haben als Auswanderer allerdings die Möglichkeit, bei einer deutschen Versicherung eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, ganz gleich, in welchem Land Sie leben.

Machen Sie sich jedoch zuvor mit den jeweiligen Konditionen vertraut, denn die Leistungen von Krankenkassen schwanken von Land zu Land. Die Seiten der EU-Kommission bieten Informationen rund um die soziale Sicherung für diejenigen, die im Ausland arbeiten wollen.

Arbeiten im Ausland: USA – das Land der (un-)begrenzten Möglichkeiten

Nicht nur um die Krankenversicherung müssen Sie sich selbst kümmern: Wer zum Arbeiten im Ausland die USA wählt, sollte sich auch auf eine andere Arbeitspraxis einstellen: hire and fire ist dort völlig üblich, denn es existiert kein Kündigungsschutz.

Auch für die USA gilt wie für jedes Land, dass Sie zuvor Ihre Möglichkeiten realistisch abchecken sollten. Gute Aussichten haben Sie beispielsweise als qualifizierter, gut ausgebildeter Techniker. Aber: ohne Visum läuft nichts.

Das H1B-Visum ermöglicht Ihnen einen Arbeitsaufenthalt, wenn Sie als Akademiker oder mit gesuchten Qualifikationen nicht länger als sechs Jahre in den USA bleiben. Wer jedoch dauerhaft in Amerika bleiben möchte, braucht ein Einwanderungsvisum, die sogenannte Greencard.

Mit einem Touristenvisum dürfen Sie in den USA nicht auf Jobsuche gehen, weshalb Sie sich bereits zuvor von Deutschland aus nach Jobs umgucken müssen. Welches Visum für Sie in Frage kommt und unter welchen Bedingungen die Vergabe stattfindet, erfahren Sie auf der Website der amerikanischen Botschaft.

Wer bei den üblichen Jobbörsen nicht fündig wird, sollte sich gezielt bei international tätigen Firmen bewerben. Idealerweise gelangen Sie über eine Stellenausschreibung eines deutschen Unternehmens oder einer Kooperationsfirma in die USA.

Weitere Möglichkeiten sind die Deutsch-Amerikanische Handelskammer, Headhunter, große Zeitungen oder Jobvermittler wie etwa bei der Arbeitsagentur (mehr dazu weiter unten).

Jobs im Ausland: Arbeitsagentur und andere Dienste

Wen das Arbeiten im Ausland reizt, sollte sich an die Zentrale Auslandsvermittlung und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit wenden. Hier erhalten Sie aktuelle Informationen zu:

  • Stellenangeboten
  • Einstellungs- und Arbeitsbedingungen
  • Anerkennung von Berufsabschlüssen
  • Niederlassungsformalitäten
  • Lebensbedingungen
  • Kontaktadressen

Auch die Arbeitsagentur Jobbörse listet Jobangebote aus dem Ausland, vorwiegend allerdings von mittelständischen Firmen.

Die Arbeitsagentur richtet sich an Akademiker, Führungskräfte und Fachkräfte ebenso wie an Künstler oder an Freiwillige, die ehrenamtlich in Organisationen tätig werden wollen. Sie ist Ihr Ansprechpartner sowohl während des Auslandsaufenthaltes als auch nach der Rückkehr nach Deutschland.

Andere Möglichkeiten der Jobsuche

Arbeiten im Ausland bedeutet für manche Länder vor allem: vorher arbeiten, und zwar von Deutschland aus. Denn teilweise bekommen Sie ohne einen festen Arbeitsplatz gar keine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Das bedeutet eine intensive Recherche und schließt folgende Möglichkeiten ein:

  • Jobbörsen

    Die wohl größte Jobbörse ist Monster, aber auch Stepstone und Seek sind international mit verschiedenen Domains vertreten. Daneben bieten soziale Netzwerke wie Xing, Linkedin und Facebook die Möglichkeit, sich beruflich umzuschauen.

  • Nationale Zeitungen

    Wie bei der Jobsuche in Deutschland sollten große Zeitschriften des jeweiligen Landes durchstöbert werden. Im Gegensatz zu früher geht das heutzutage bequem über das Internet, so dass Sie das viele Geld für importierte Zeitschriften sparen können. Die bekanntesten sind für…

    • Vereinigte Staaten: The New York Times
    • Australien: The Australian
    • Neuseeland: The New Zealand Herald
    • Großbritannien: The Times
    • Schweiz: Neue Zürcher Zeitung
  • Digitaler Nomade

    Wer als Freelancer unterwegs ist und lediglich das Internet benötigt, kann ortsunabhängig arbeiten. Das geht im außereuropäischen Ausland zwar meist nur für wenige Monate, jedoch bietet diese Form der Arbeit Ihnen die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten. Meist arbeiten Sie nach wie vor für deutsche Unternehmen, können aber beispielsweise in einem Land mit niedrigeren Lebenshaltungskosten leben.

  • Work and Travel

    Work and Travel bietet vor allem für junge Arbeitnehmer bis 30 Jahre eine gute Möglichkeit erst einmal herauszufinden, ob das Land der Träume auch wirklich geeignet ist für einen Daueraufenthalt. Zwar ist der Aufenthalt bei Work and Travel begrenzt, dafür sind die Ansprüche an die beruflichen Qualifikationen sehr gering, da hier Arbeit im Ausland ohne Ausbildung möglich ist.

Bewerben im Ausland: Anforderungen kennen

Wer dauerhaft (oder auch nur vorübergehend) im Ausland arbeiten möchte, sollte sich vor Augen halten, dass die Bedingungen oftmals andere als in Deutschland sind. Da schadet auch ein Blick in die Arbeitslosenstatistik nicht: In anderen europäischen Ländern sind die Arbeitslosenzahlen um ein Vielfaches höher.

Gerade beliebte Urlaubsländer wie Griechenland (22,5 Prozent), Spanien (17,7 Prozent) und Italien (11,3 Prozent) führen die Arbeitslosenquote an (Stand: Mai 2017). Man muss also schon ein überzeugendes Konzept haben beziehungsweise den Bedarf kennen, um erfolgreich zu sein.

Für die Bewerbung gilt es, die Gepflogenheiten des Landes zu beachten, nicht immer ist ein Anschreiben wie in Deutschland üblich. Eine Bewerbung auf Englisch für die USA oder Großbritannien etwa verwendet stattdessen den cover letter.

Wichtig ist, dass Sie Ihre beruflichen Qualifikationen in der Landessprache übersetzen und darlegen können. Die richtigen Berufsbezeichnungen auf Englisch und Französisch finden Sie beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Wer beispielsweise eine Ausbildung zum Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement gemacht hat, wird als office manager in England bezeichnet werden und in Frankreich heißt ein Augenoptiker opticien.

[Bildnachweis: George Rudy by Shutterstock.com]
20. Juli 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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