Schüleraustausch: Organisationen und Finanzierung

Einen Schüleraustausch in den USA zu machen – das ist wohl der Traum und gleichzeitige Höhepunkt vieler Schüler der gesamten Schulzeit. Ganz gleich, ob es tatsächlich die Vereinigten Staaten werden oder ein anderes Gastland: Solche Erfahrungen sind es, von denen Schüler auch Jahre später noch gerne erzählen und ihr ganzes Leben lang profitieren. Eine fremde Kultur kennenzulernen, Sprachkenntnisse anzuwenden und sich mit neuen Begebenheiten zurechtzufinden sind Erfahrungen und Fähigkeiten, die Arbeitgeber gerne im Lebenslauf sehen. Das wissen auch immer mehr Eltern und Schüler. Die Schwierigkeit ist einzig, durch den Dschungel der Organisationen zu finden. Welche es gibt und welche Finanzierungsmöglichkeiten Sie haben…

Schüleraustausch: Organisationen und Finanzierung

Was ist ein Schüleraustausch?

Definition SchüleraustauschBei einem Schüleraustausch verbringen Schüler – in der Regel im Alter zwischen 14 und 18 Jahren – eine bestimmte Zeit im Ausland, besuchen die dortige Schule und leben in einer Gastfamilie.

Der Zeitraum während des Aufenthalts kann alles zwischen drei Monaten und einem Jahr dauern. Üblicherweise wird für diesen Abschnitt der Übergang von der Mittel- zur Oberstufe gewählt, je nach Anzahl der Schuljahre also die 9., 10. oder 11. Klasse.

Das Hauptziel dabei: den Alltag in einem fremden Kulturkreis kennenzulernen. Der Zeitraum von einem Jahr gilt dabei als optimal, weil innerhalb dieses Zyklus auch Geburtstage sowie landestypische Feiertage miterlebt werden können.

Ursprünglich diente der wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Schüleraustausch der Völkerverständigung und war als direkter gegenseitiger Austausch angelegt. Da so der Auslandsaufenthalt von Schülern kaum noch stattfindet, wird er stattdessen auch als Auslandsjahr oder High-School-Jahr bezeichnet.

Die Vorteile von Schüleraustauschprogrammen

So ein internationales Austauschjahr hat seine Herausforderungen: Freunde und Familie sind weit weg und allenfalls per E-Mail oder Skype erreichbar; zugleich müssen sich die Schüler in einer neuen, fremden Kultur zurecht finden, meist noch in eine neue Familie eingliedern. Das ist prägend und kann auch gewaltig in die Hose gehen.

Auf der anderen Seite bietet so ein Schüleraustausch wertvolle Erfahrungen:

  • Den Einblick in eine andere Kultur.
  • Verbesserte Sprachkenntnisse.
  • Neue Freunde und Kontakte, die womöglich ein Leben lang bestehen bleiben.
  • Selbstständigkeit und gestärktes Selbstbewusstsein.

Nicht jeder Schüler ist entschlossen genug und bereut diesen Entschluss, wenn die Schule erst einmal vorbei ist. Denn es gibt im Leben nur wenige Zeitfenster, in denen sich ein Auslandsjahr so bequem unterbringen lässt, wie bei einem Schüleraustausch.

Als Alternativen bleiben da fast nur noch die Zeit direkt nach dem Abi, ein Auslandssemester während des Studiums oder die Zeit unmittelbar nach Abschluss des Studiums, das sogenannte Gap Year.

Mit dem Einstieg ins Berufsleben gibt es dann allenfalls noch die Chance per Sabbatical oder Versetzung längere Zeit ins Ausland zu gehen, doch die Erfahrungen eines Schüleraustausches kann das kaum ersetzen.

Organisationen und Kosten für Schüleraustausch

In einigen Fällen haben die Schulen bereits Kooperationspartner für den Schüleraustausch, in anderen nicht. Wer nicht darauf verzichten will, bereits in der Schulzeit Erfahrungen im Ausland zu sammeln, muss also selbst tätigt werden.

Damit aus dem Schüleraustauschjahr kein Himmelfahrtskommando wird, empfehlen wir, den Schüleraustausch mit ausreichender Vorlaufzeit zu planen. Im Internet finden sich dazu für Schüler (und deren Eltern) eine ganze Reihe an Infos, besonders interessant für die sorgfältige Recherche vorab:

Im Video auf der Seite der JUBI erhalten Interessierte Informationen und Tipps rund um das Auslandsjahr – insbesondere für das mit Abstand beliebteste Zielland für einen Schüleraustausch oder besser gesagt ein High-School-Year: die USA.

Drei Organisationen wollen wir hier kurz vorstellen. Die Auswahl ist absolut beliebig und erfolgt ohne persönlichen Bezug:

  • AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

    Die gemeinnützige Organisation existiert bereits seit 70 Jahren und sieht sich als Mittler zwischen den Kulturen. Als eine der – nach eigenen Angaben – ältesten, erfahrensten und größten Organisationen bietet AFS Schüleraustausch auf fünf Kontinenten in über 60 Ländern. Da möglichst vielen reisewilligen Schülern die Gelegenheit zu einem Auslandsaufenthalt gegeben werden soll, werden aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen Schülerstipendien finanziert. Die werden notenunabhängig nach verschiedenen Kriterien gewährt – das Gastland kann ebenso ausschlaggebend sein wie ein Migrationshintergrund des Bewerbers oder eine bestimmte Herkunftsregion.

    • Kosten für Schüleraustausch USA

      AFS bietet je nach Aufenthaltsdauer zwei Zeiträume zur Ausreise an, jeweils Sommer und Winter. Wer für ein Schulhalbjahr, also etwa vier bis fünf Monate, in die USA gehen möchte, kann sowohl im Sommer als auch im Winter ausreisen. Die Kosten für diesen Schüleraustausch liegen bei 11.490 Euro. Wer ein ganzes Schuljahr in den USA verbringen möchte, ist neun bis zehn Monate – also doppelt so lange – vor Ort, zahlt aber mit 11.990 Euro nur 500 Euro mehr. Anreise ist hier nur im Winter möglich.

    • Kosten für Schüleraustausch England

      Für den Schüleraustausch sind wie bei den USA zwei Zeiträume zur Ausreise möglich. Vergleichsweise teurer kommt das Vereinigte Königreich daher: Nur knapp zwei Stunden Flugzeit von Deutschland entfernt, aber kostentechnisch können die Briten es mit den Amerikanern aufnehmen. Mit 11.990 Euro für das Schuljahr und 10.490 Euro für das Schulhalbjahr gibt es preislich keine Unterschiede, allerdings ist im Preis eine Aufwandsentschädigung für die Gastfamilien enthalten.

    • Kosten für Schüleraustausch Frankreich

      Auch hier werden im Sommer und Winter Ausreisetermine fürs Schulhalbjahr geboten, fürs ganze Schuljahr ist eine Ausreise nur im Sommer möglich. Deutlich günstiger liegt ein Schüleraustausch in Frankreich. Hier müssen Eltern lediglich 7.790 Euro fürs Schulhalbjahr und 8.290 Euro fürs ganze Schuljahr berappen.

  • EF Education First

    Das schwedische Unternehmen EF (ursprünglich: Europäische Ferienschule) besteht seit 1965 und ist aus den ureigensten Erfahrungen seines Gründers entstanden. Der stellte fest, dass er – obwohl Legastheniker – keinerlei Schwierigkeiten mit der englischen Sprache hatte. Diesem Umstand ist auch die Tatsache zu verdanken, dass die Länder zum Schüleraustausch sich auf den englischsprachigen Bereich konzentrieren, konkret: USA, Großbritannien und Irland.

    • Kosten für Schüleraustausch USA

      Das Schuljahr ab August kostet 12.450 Euro. Für ein Schulhalbjahr in den USA ist mit 10.950 Euro zu rechnen, Ausreise ist im August oder Januar möglich. Dazu können noch weitere Kosten kommen, wenn beispielsweise eine Reiserücktrittsversicherung (weitere 285 Euro) abgeschlossen wird oder Wert auf einen bestimmten Staat (weitere 895 Euro) oder Region (weitere 630 Euro) gelegt wird. Ein zusätzliches Gesamtpaket mit Sightseeingtour und diversen Aktivitäten kostet 1.375 Euro. Alle diese Leistungen sind optional.

    • Kosten für Schüleraustausch England

      Ein Schüleraustausch in Großbritannien ist ab 10.950 Euro zu haben, für das gesamte Schuljahr müssen 1.000 Euro mehr veranschlagt werden. Ausreise ist in beiden Fällen im August. Wie für die USA können hier zusätzlich gegen Aufpreis eine Reiserücktrittsversicherung und ein 13-tägiges Aktivitätenprogramm gebucht werden.

    • Kosten für Schüleraustausch Irland

      Ausreisetermine für Irland liegen jeweils im August. In Irland ist nur ein ganzes Schuljahr möglich, die Kosten liegen bei 11.450 Euro. Wie für Großbritannien können hier zusätzlich gegen Aufpreis eine Reiserücktrittsversicherung und ein 13-tägiges Aktivitätenprogramm gebucht werden.

  • Intrax

    Hinter Intrax beziehungsweise Ayusa-Intrax steckt eine seit mehr als 25 Jahren tätige amerikanische Organisation, die verschiedene Auslandsprogramme in 26 Ländern anbietet. Neben Schüleraustausch gehören Au-Pair-Aufenthalte in den USA, Work and Travel und diverse andere Programme zu ihrem Portfolio.

    • Kosten für Schüleraustausch USA

      Für das Schulhalbjahr werden zwei Ausreisezeiträume angeboten, wahlweise zwischen Juli und September und im Dezember oder Januar. Hier sind verschiedene Pakete möglich: 7.890 Euro fürs Halbjahr, gegen 2.000 Euro Aufpreis sind im Sommer die Flüge und drei Nächte in New York City wählbar. Das gesamte Schuljahr kostet 8.490 Euro, für eine bestimmte Region kommen weitere 990 bis 1.290 Euro hinzu.

    • Kosten für Schüleraustausch England

      Recht unübersichtlich und erklärungswürdig die Preise für einen Schüleraustausch in England: Hier können Interessierte zwischen Paketen wie „England Landesweit classic“ und „England flex“ sowie „England Schulwahl“ wählen. Die Aufenthaltsdauer bemisst sich in „Terms“, wobei ein Term in etwa drei Monaten zu entsprechen scheint. Demnach haben Eltern für einen etwa 9-monatigen Schüleraustausch in der Mittelstufe mit 10.990 Euro zu rechnen, hingegen fallen in der Oberstufe nur 10.490 Euro an. Ein Term in der Mittelstufe ist bereits ab 6.290 Euro (Ausreise Januar) zu haben.

    • Kosten für Schüleraustausch Frankreich

      Gestaffelte Preise je nachdem, wo es hingehen soll, gibt es ebenfalls für Frankreich. Wenig überraschend ist die Region um die Hauptstadt am teuersten. Das Schulhalbjahr ist ab Januar oder August bereits für 5.990 Euro zu haben – mit entsprechenden Präferenzen sind 8.490 Euro (Regionswahl) oder 8.990 Euro (Regionswahl Paris) fällig. Das gesamte Schuljahr wird ab August gebucht und kostet 7.290 beziehungsweise 11.490 Euro (Regionswahl) oder 12.490 Euro (Regionswahl Paris).

Finanzierungstipps: Auslandsbafög und PPP

Schüleraustausch Kosten FinanzierungFalls Sie sich jetzt noch fragen: Wer soll das am Ende bezahlen? Auch hierzu gibt es Tipps. Je nachdem, wie viel die Eltern verdienen, besteht die Chance, für den Schüleraustauch Auslandsbafög zu beantragen.

Das sollte jedoch mindestens sechs Monate im Voraus geschehen. Folgende Bedingungen müssen außerdem erfüllt sein:

  • Die deutsche Staatsbürgerschaft
  • Ein ständiger Wohnsitz in Deutschland
  • Eine Bestätigung der Gastschule über den Antritt des Aufenthalts
  • Die Bestätigung der Schulleitung, dass das Auslandsjahr anerkannt wird und kein Schuljahr wiederholt werden muss
  • Ausreichende Fremdsprachenkenntnisse

Eine Finanzierungsalternative ist das sogenannte Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP) des Deutschen Bundestages. Das ermöglicht ausgewählten Teilnehmern ein Vollstipendium für die Zeit des Schüleraustausches in den USA und deckt so ziemlich alle relevanten Kosten ab.

Auch hier gibt es entsprechende Bedingungen. Die Bewerber müssen…

  • die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
  • zwischen 15 und 17 Jahre alt sein.
  • gute Englischkenntnisse und Schulleistungen nachweisen.

Checklisten fürs Auslandsjahr

Da es inzwischen eine ganze Reihe von Anbietern gibt, die den Schüleraustausch organisieren, haben Interessierte die Qual der Wahl. Die schlechte Nachricht: Glasklare Indizien, woran man miese Anbieter erkennt, gibt es nicht.

Aber glücklicherweise ein paar Indizien für seriöse Anbieter:

  • Der Veranstalter sollte umfänglich helfen, eine geeignete Gastfamilie zu finden sowie bei allen Ausreiseformalia zur Seite stehen.
  • Ebenso sollte der Kontakt zur ausgesuchten Gastfamilie einige Wochen vor der Abreise hergestellt werden.
  • Die Organisation sollte eine Notfallnummer haben, die rund um die Uhr im jeweiligen Zielland erreichbar ist.
  • Zudem sollte jeweils ein Betreuer vor Ort sein, wenn die Schüler irgendwo im Ausland umsteigen müssen – etwa an Flughäfen oder (Bus-)Bahnhöfen.
  • Es empfiehlt sich, einen deutschen Vertragspartner zu wählen. Dann gilt bei etwaigem juristischem Ärger das deutsche Recht und Sie müssen nicht im Ausland um Ihr Recht kämpfen.
  • Seriöse Anbieter bieten außerdem immer ein persönliches Beratungsgespräch an – nicht nur E-Mail-Korrespondenz oder Telefon.
Weitere Checklisten

Wie sich die Schüler vorbereiten können

Aber auch die Schüler selbst können einiges dafür tun, damit das Auslandsjahr ein voller Erfolg wird, an den man sich gerne zurück erinnert. Und das Wichtigste dabei ist: offen zu sein und sich ganz auf Land und Leute einzulassen.

Auch wenn die Sprache fremd, die Gepflogenheiten in der Familie befemdlich sind und das Essen anfangs ungewohnt schmeckt: Um zügig und möglichst schnell im Ausland anzukommen, sollten Schüler von Anfang an neugierig und aufgeschlossen sein, Fragen stellen – mehr aber noch: Initiative zeigen und einfach mitmachen.

Darüber hinaus hilft:

  • Reden

    Den anderen ist der deutsche Schüler genauso fremd. Damit alle schneller auftauen, hilft es ungemein, erst mal von sich und dem eigenen Leben zu erzählen, Fotos zu zeigen, und vor allem Gemeinsamkeiten zu finden (Unterschiede entzweien). Nebenbei lernt man auch noch die Fremdsprache schneller.

  • Mithelfen

    Klingt altbacken, ist aber ein Eisbrecher par excellence – und ein Akt der Höflichkeit: Wer Gast in einer neuen Familie ist, sollte sich aktiv einbringen und etwa beim Abwasch Hilfe anbieten, beim Putzen, Autowaschen oder Rasenmähen. Was besonders gut ankommt (vorausgesetzt man kann es): mal einen „deutschen Abend“ vorbereiten und etwas kochen oder Spezialitäten einkaufen. Und klar: die üblichen Benimm-Regeln – Bitte-Danke-sagen – gelten auch im Ausland.

  • Durchhalten

    Heimweh, Missverständnisse, vielleicht auch mal Knatsch mit den Gastgeschwistern und -eltern – all das kann in dem Jahr auch vorkommen. Und ist normal. Deswegen sollte aber keiner die Flinte ins Korn werfen, sondern zunächst mal versuchen, die Konflikte vor Ort und mit den Gasteltern zu klären. Erst wenn das nichts hilft, sollten die eigenen Eltern informiert und eingeschaltet werden. Denn auch darum geht es beim Schüleraustausch: selbstständiger zu werden.

[Bildnachweis: ESB Professional by Shutterstock.com]
12. Juli 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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