Gap Year: Auszeit nach dem Abi

Rückt der Schulabschluss in die Nähe, wird die Frage, wie es anschließend weitergeht, wieder drängender. Viele hatten noch gar keine Zeit, sich intensiv mit ihren Wünschen und Zielen für die Zukunft auseinanderzusetzen. Ein Gap Year scheint da verlockend: einfach ein Jahr Auszeit nehmen. Das verschafft die notwendige Zeit, sich selbst und die Welt erkunden und herausfinden, was einem wirklich liegt. Wir zeigen Ihnen, welche Vorteile das Gap Year bringt, welche Gestaltungsmöglichkeiten Sie haben und wo Sie weitere Informationen finden…

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Gap Year: Auszeit nach dem Abi

Definition: Was ist ein Gap Year?

Gap Year bedeutet Lückenjahr und stellt eine bewusst eingelegte Pause dar. Häufig wird diese zwischen dem Abitur und dem Berufseinstieg eingeschoben. Ebenfalls ist ein Gap Year nach dem Studienabschluss oder zwischen Bachelor und Master möglich.

Ursprünglich kommt es aus England und erfreut sich mittlerweile auch in Deutschland einer großen Beliebtheit. Es ermöglicht jungen Menschen sich auszuklinken, über ihre Träume und Ziele nachzudenken und auszuprobieren.

Für viele, die heute nach dem Abitur gerade einmal 18 Jahre alt sind, kommt die Entscheidung über ihre weitere Zukunft zu früh. Meist fühlen sie sich noch nicht bereit, diese weitreichende Entscheidung zu treffen. Sie brauchen erst einmal Zeit für sich.

Und genau darum geht es: Das Gap Year ist mitnichten als zwölfmonatiges Faulenzen gedacht. Wer sich aber nach der Schule sofort ins Bewerben stürzt, die nächstbeste Ausbildung oder das nächstbeste Studium beginnt, findet sich ganz schnell in einem Hamsterrad aus Erfordernissen und Erwartungen wieder, ohne den Kopf frei zu haben, sich über die eigenen Wünsche klar zu werden.

Das Gap Year verschafft Zeit, um nachzudenken. Wichtige Fragen dabei sind:

  • Wie lässt sich diese Zeit nutzen?
  • Welche Alternativen gibt es?

Wir stellen Ihnen im Folgenden drei Möglichkeiten vor und zeigen, wie Sie Ihr Gap Year nutzen können…

2 Fragen, die Sie sich vorher stellen müssen

Bevor Sie sich ins Gap Year stürzen, sollten Sie sich die Zeit nehmen, um im Vorfeld zwei wichtige Fragen zu klären. Diese nutzen der Organisation, sind allerdings auch wichtig, um Ihnen dabei zu helfen, das Beste aus der Zeit zu machen und am Ende zufrieden zurückblicken zu können.

  • Was ist Ihr Ziel?

    Was wollen Sie in Ihrem Gap Year erreichen? Persönliches Wachstum, eine neue Sprache lernen, Selbstbewusstsein oder auch ein besserer Blick auf die Zukunft sind nur einige von unzähligen Zielen, die sehr individuell sein können.

    Wichtig ist nur, dass Sie diese Ziele kennen und sie sich vor Augen führen – nur so lassen sich diese auch erreichen und umsetzen.

  • Wie sieht die Finanzierung aus?

    Kein schönes Thema, um das Sie aber nicht herumkommen. Ihr Gap Year muss nun mal bezahlt werden. In einigen Varianten verdienen Sie während des Aufenthalts Geld oder Unterstützung, auch Auslands-Bafög oder Kredite sind möglich.

    Die Frage der Finanzierung sollte möglichst frühzeitig in Angriff genommen werden, da möglicherweise die weitere Planung daran angepasst werden muss.

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Gap Year Variante 1: Auslandserfahrung sammeln

Zahlreiche Abiturienten zieht es nach der Schule ins Ausland. Den gewohnten Heimatort und Kulturkreis verlassen und neue Erfahrungen in einer fremden Kultur sammeln. Selbständiger werden, etwas von der Welt sehen und eine neue Sprache lernen – das sind Gründe, wieso es Abiturienten ins Ausland zieht. Doch auch hier ist das Angebot vielfältig:

  • Work and Travel

    In ein fremdes Land reisen, dort Jobs annehmen und von dem Lohn reisen und das Land erkunden. So funktioniert Work & Travel. Beliebte Ländern hierfür sind Australien, Neuseeland und Kanada. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn die Jobs sind nichts für schwache Gemüter.

    Ein beliebter Job ist das fruit picking, bei dem im Akkord Organgen, Äpfel und andere Früchte gepflückt werden. Bei Farmwork müssen womöglich Kühe gemolken und Zäune repariert werden. Wer sich für Arbeit auf Ranchen und Plantagen entscheidet, sollte sich auf harte Arbeit einstellen.

    Die Vorteile liegen aber darin, dass Sie für Ihre geleistete Arbeit bezahlt werden und so den Aufenthalt zum Teil vor Ort finanzieren können. Durch die Arbeit erhält man oft auch einen besonders guten Einblick in die Lebensweise anderer Kulturen, anstatt nur als Tourist unterwegs zu sein.

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  • Au-Pair

    Ein Au-Pair unterstützt die Gastfamilie im Haushalt und kümmert sich um die Kinder. Als Gegenleistung dafür erhält man freie Kost und Logis sowie ein kleines Taschengeld. In der Regel arbeitet man 30 Stunden pro Woche, hat Anspruch auf 1,5 freie Tage wöchentlich sowie bezahlten Urlaub. Daneben besuchen die meisten Au-Pairs einen Sprachkurs.

    Welche häuslichen Aufgaben man im Einzelnen übernimmt, hängt von der Familie ab. Diese reichen von der Kinderbetreuung, über einkaufen, kochen bis hin zu Putzarbeiten. An Au Pairs werden außerdem einige Bedingungen gestellt, so sind ein Schulabschluss, ein gutes Sprachniveau und besonders auch Erfahrung in dem Bereich besonders wichtig.

    Durch den täglichen und intensiven Kontakt und das Leben in einer Gastfamilie bauen Sie in dieser Zeit meist enge Beziehungen vor Ort auf. Durch die Unterkunft und Verpflegung ist ein Au Pair Aufenthalt mit weniger Kosten verbunden.

    Nähere Informationen finden Sie auf der Website der Au-Pair Society.

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  • Volunteering

    Wer sich sozial engagieren und gemeinnützige Projekte unterstützen möchte, wird als Freiwilliger oder sogenannter Volunteer aktiv. Die Programme „weltwärts“ und „kulturweit“ bieten die Möglichkeit, sich beispielsweise in Tierheimen, Waisenhäuser, oder Schulen zu engagieren.

    Das „Kulturweit“-Programm ermöglicht es, auch in Auslandsbüros der UNESCO oder des Goethe-Instituts zu arbeiten. Bezahlt wird man für seine Arbeit nicht, jedoch helfen die geförderten Programme den Aufenthalt überhaupt erst möglich zu machen und sorgen für Betreuung vor Ort.

    Weitere Informationen finden Sie auf den Websites von weltwärts oder kulturweit.

  • Sprachreise

    Wer sich ganz auf das Erlernen einer Sprache konzentrieren will, sollte eine Sprachreise machen. In einem mehrwöchigen Kurs widmet man sich intensiv dem Ausbau der eigenen Sprachkenntnisse. Häufig erwirbt man im Anschluss an den Kurs ein Sprachzertifikat.

    Jedoch sind die meisten Angebote sehr kostspielig und verschlingen für nur vier Wochen bereits 2.000 bis 3.000 Euro. Hinzu kommt, dass man während der Zeit kaum Kontakt zu Einheimischen hat, sondern die meiste Zeit im Kursverband verbringt.

    Weitere Informationen finden Sie auf der Website des DAAD sowie des Fachverbands Deutscher Sprachreise-Veranstalter.

    Tipps für Auslandserfahrungen

    Sie haben sich für eine Zeit im Ausland entschieden, doch nun stehen Sie vor den Problem, dass Sie nicht wissen, wo es hingehen soll? Verständliche Frage, denn gleich mehrere Faktoren spielen bei dieser Entscheidung eine Rolle. Zum einen wollen Sie natürlich ein fremdes Land kennenlernen, eine Kultur erkunden und neue Leute treffen.

    Hierbei folgen Sie am besten Ihren Interessen. Welches Land interessiert Sie? Welche Kultur fasziniert Sie? So können Sie die Auswahl an Ländern eingrenzen. Allerdings muss der Auslandsaufenthalt auch finanziert werden.

    Damit die Kosten Ihnen nicht über den Kopf wachsen, zeigen wir Ihnen nachfolgend neun günstige Reiseziele:



    Pokhara, Nepal

    Die Stadt liegt im ziemlich genau im geographischen Mittelpunkt des Landes und ist für viele Touristen der einer der ersten Anlaufpunkte. Pokhara liegt in einer wunderschönen Landschaft mit dem zweitgrößten See Nepals auf der einen und einem Gebirgsmassiv auf der anderen Seite der Stadt. Zwischen Juni und September ist allerdings mit starken und anhaltenden Regenfällen zu rechnen – Monsun! Planen Sie Ihre Reise dementsprechend.

    Hanoi, Vietnam

    Die Hauptstadt des Landes liegt im Norden und liegt wie der Name Hanoi – Stadt innerhalb der Flüsse – schon sagt, im Delta des Roten Flusses. Im Sommer sind Temperaturen über 30 Grad an der Tagesordnung. Die perfekten Voraussetzungen, um die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und die Altstadt zu erkunden. Lassen Sie es sich dabei nicht entgehen, die lokale Küche auszuprobieren!

    Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

    Vielen noch unter dem alten Namen Saigon bekannt, liegt die mit mehr als 7 Millionen Einwohnern größte Stadt Vietnams im Süden des Landes. Mit einer Vielzahl an Museen, Theatern aber auch Märkten gibt es eigentlich immer etwas zu sehen. In den warmen Sommermonaten ist sicherlich auch das südlich gelegene Mekong-Delta einen Ausflug wert.

    Goa, Indien

    Goa ist keine Stadt, sondern der kleinste Bundesstaat Indiens, der aus einer Vielzahl kleinerer Städte besteht. Es liegt an der Westküste Indiens und hat mit seinem tropischen Klima sind das ganze Jahr über sehr warme Temperaturen garantiert. Die Hauptreisezeit liegt zwischen November und März, wobei in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr die Preise in den Hotels höher liegen als sonst.

    Kathmandu, Nepal

    Die Hauptstadt Nepals ist mit circa 1 Million Einwohnern auch gleichzeitig die größte Stadt des Landes. Eine Reise lohnt sich nicht nur, um den Mount Everest zu sehen. Auch die Stadt selbst mit vielen hinduistischen und buddhistischen Tempelanlagen bietet viele Möglichkeiten.

    Chiang Mai, Thailand

    Die mit knapp 150.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Thailands liegt im Nordwesten des Landes direkt am Fuß eines Berges. Neben der schönen Lage locken auch fast 200 buddhistische Tempel in der Altstadt sowie unzählige Restaurants und Straßenverkäufer, die mit thailändischen Spezialitäten überzeugen.

    Vientiane, Laos

    Die Hauptstadt von Laos gilt wegen ihrer entspannten Atmospähre als beliebtes Reiseziel. Mit vielen Tempeln und alten, französischen Kolonialbauten gibt es immer etwas zu besichtigen. Die empfohlene Reisezeit liegt zwischen November und Februar, da in dieser Zeit die Temperaturen etwas milder sind und Sie in diesen Monaten auch die lange Regenzeit umgehen.

    La Paz, Bolivien

    Allein durch die Lage in mehr als 3000 Metern Höhe ist La Paz bereits etwas besonderes. Das sorgt auch dafür, dass die klimatischen Verhältnisse über das gesamte Jahr nahezu gleich sind. Reisenden bieten sich eine Vielzahl an Museen aber auch die Möglichkeit, eine Tour zum Titicaca-See zu machen, der südlich der Stadt liegt.

    Quito, Ecuador

    Die Hauptstadt des Landes liegt im Norden und befindet sich nur circa 20 Kilometer unterhalb des Äquators. Das Wetter ist das ganze Jahr mit Temperaturen knapp unter 20 Grad frühlingshaft, Viele Reisende nutzen Quito außerdem als Ausgangspunkt für eine Tour zu den Galapagosinseln.



    Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Ihr Gap Year im Ausland zu verbringen, empfehlen wir Ihnen auch diese Artikel:

Gap Year Variante 2: Praxiserfahrung sammeln

Ein Klassiker für das Gap Year ist das Sammeln von Berufserfahrung. Wer sich unsicher ist, was den späteren Berufswunsch angeht, kann die Auszeit nutzen, um einige Berufsfelder zu erkunden und herauszufinden, ob möglicherweise etwas passendes für ihn dabei ist.

  • Das freiwillige soziale Jahr: FSJ

    Das Konzept besteht bereits seit über 50 Jahren. 40.000 Plätze werden jährlich an engagierte junge Menschen vergeben. Das FSJ bietet Freiwilligen die Möglichkeit, sich für ihre Mitmenschen und die Gesellschaft einzusetzen.

    Als Interessierter suchen Sie sich einen anerkannten Träger, also beispielsweise einen Verein oder eine soziale Einrichtung, und bewerben sich. Besondere Qualifikation sind in der Regel nicht notwendig. Wichtig ist die persönliche Motivation.

    Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Bundesarbeitskreises Freiwilliges Soziales Jahr.

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  • Das freiwillige ökologische Jahr: FÖJ

    Das FÖJ funktioniert im Prinzip genauso wie das FSJ, nur ist das Einsatzgebiet ein anderes. Hier steht das Engagement für Umwelt- und Naturschutz im Vordergrund. Mögliche Arbeitsstellen sind Landschaftsverbände, Naturschutzparks, Wälder und Naturschutzvereine.

    Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Bundesarbeitskreises Freiwilliges Ökologisches Jahr.

  • Der Bundesfreiwilligendienst: BFD

    Der BFD oder liebevoll Bufdi genannte Freiwilligendienst ist ein noch relativ junges Konzept, das erst im vergangenen Jahrzehnt eingeführt wurde. Drei Jahre später gab es schon 40.000 Plätze für Freiwillige. Eingeführt wurde er vor allem als Ersatz für den Zivildienst.

    Genau wie beim FSJ können unterschiedliche Projekte und Einrichtungen unterstützt werden. Hier ist auch ein kurzfristiger Einstieg möglich.

    Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

  • Praktikum

    Wer bereits eine erste Vorstellung davon hat, in welche Richtung es gehen soll, für den bietet sich ein Praktikum an. Dieses bietet Ihnen die Gelegenheit, den Job näher kennenzulernen und einen Einblick in den Arbeitsalltag zu erhalten.

    Falls möglich, sollte das Praktikum dabei länger als nur einige Wochen dauern. Nur so ist es möglich, die Arbeit wirklich kennenzulernen oder sich in ein Projekt einzuarbeiten, anstatt immer nur zuzugucken und mehr oder weniger außen vor zu bleiben.

    Worauf Sie bei der Auswahl eines Praktikums achten sollten und welche Rechte Ihnen zustehen, finden Sie in diesem Artikel.

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Gap Year Variante 3: Das Studium auf Probe

Das Studium Generale bietet die Möglichkeit Uniluft zu schnuppern, bevor man sich dafür entscheidet, was man eigentlich studieren möchte. Dabei handelt es sich um Lehrveranstaltungen, die für jedermann öffentlich zugänglich sind. Sie werden von Hochschulen zusätzlich zum Lehrangebot veranstaltet. Das spezielle Programm beinhaltet Veranstaltungen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen.

Darüber hinaus gibt es auch spezielle Programme die Orientierungs- und Entscheidungshilfe zum Studium geben sollen. Ein solches Programm ist das Studium Generale am Leibniz Kolleg in Tübingen oder am Salem Kolleg. Doch diese Orientierungshilfe ist mit nicht zu unterschätzenden Kosten verbunden. Ein Studienjahr am Leibniz Kolleg kostet rund 4.700 Euro.

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Vorteile und Nachteile des Gap Years

Wer überlegt, nach dem Abitur ein Gap Year einzulegen, hat in der Regel 12, 13 Jahre Schule hinter sich. Eine lange Zeit also, in der sich eine Routine eingestellt hat, die Abläufe klar waren. Insofern ist ein Gap Year ein Sprung ins kalte Wasser, denn was einen jetzt erwartet, ist unklar.

Für diejenigen, die noch nicht genau wissen, ob so eine Auszeit etwas für sie ist, haben wir die Vor- und Nachteile eines Gap Years zusammengestellt:

Vorteile des Gap Years

    Vorteile des Gap Years
  • Selbstreflexion

    Das Gap Years bietet die Chance, sich über einige grundlegende Fragen Gedanken zu machen und noch offene Fragen zu beantworten:

    • Was möchte ich?
    • Was gibt es noch?
    • Wozu bin ich in der Lage?
    • Was interessiert mich?
    • Was habe ich?

    Die wenigsten sind sich wirklich sicher, was sie später einmal mit ihrem Leben machen wollen. Ein Gap Year kann dabei helfen, sich ein genaueres Bild von dem zu machen, was man die nächsten Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte machen möchte. Es hilft dabei, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, etwas Neues und Unbekanntes auszuprobieren. Sie haben die Möglichkeit, Grenzen auszutesten, Stärken und Schwächen kennenzulernen.

    Vielleicht wussten Sie gar nicht, wie sehr Ihnen fremde Sprachen, die Arbeit mit Kindern oder der Einsatz für Naturprojekte liegt. Beim Ausprobieren zeigt sich schnell, ob etwas zu Ihnen passt. Simple Praktika reichen zeitlich oft nicht und zu viele verschiedene Praktika können im Lebenslauf nachteilig ausgelegt werden. Und nicht zuletzt hilft der Abstand von zuhause, Klarheit darüber zu gewissen, was im Leben zählt und worauf Sie eher verzichten können.

  • Kontakte

    Sie lernen neue Menschen kennen, womöglich neue Kulturen. Der Austausch fördert Ihre Sozialkompetenz, häufig entstehen so langjährige Freundschaften. Gleichzeitig erweitern Sie so Ihr Netzwerk, das sich später auf den Beruf auszahlen kann.

  • Selbständigkeit

    Erstmals für längere Zeit von zu Hause weg, alles selbst organisieren müssen (zumindest vor Ort), ist deutlich mehr, als viele während der Schulzeit gewohnt sind. Wer sich noch nie wirklichen Herausforderungen stellen musste, unterschätzt sich oft selbst und weiß gar nicht, wozu er wirklich imstande ist. Erst wenn es drauf ankommt und man gefordert ist, kann man über sich hinauswachsen. Das wiederum gibt Ihnen Selbstvertrauen.

  • Erfahrungen

    Sie sammeln eine Vielzahl an Erfahrungen. Je nachdem, in welchem Bereich Sie aktiv werden, nützen diese Ihnen später im Beruf. In jedem Fall können Sie demonstrieren, dass Sie unabhängig und eigenverantwortlich ein Jahr gestaltet und – je nachdem – neue Sprachkenntnisse und andere Fähigkeiten erworben haben.

Nachteile des Gap Years

    Nachteile Gap Year
  • Zeitverlust

    Das Gap Year muss nicht zwingend ein Jahr dauern, letztlich geht es um einen längeren Zeitraum, der für die Selbstreflexion genutzt werden kann. Das ist gleichzeitig ein Nachteil, denn Ihnen geht Zeit verloren. Hierzulande werden Lücken im Lebenslauf in der Arbeitsbiographie nicht gerade positiv bewertet.

    Allerdings können Sie diesen anfänglichen Nachteil kompensieren, denn kommt es darauf an, was Sie in der Zeit gemacht haben. Auch wenn Nachdenken ein wichtiger Teil dieser Zeit ist, sollten Sie zusehen, dass Sie anschließend etwas Greifbares vorlegen können und auf die Frage „Was haben Sie in der Zeit gemacht?“ nicht „Playstation gespielt“ antworten müssen.

  • Heimweh

    Wer fürs Gap Year längere Zeit ins Ausland geht, merkt häufig erst, wie sehr er Familie und Freunde vermisst. Dank Whatsapp, Skype und Co. lässt sich der Kontakt zwar meist deutlich einfacher aufrecht erhalten, aber echte Treffen sind trotzdem etwas anderes als Telefonate.

  • Aufwand

    Auch wenn Sie einen unserer günstigen Tipps für Ihr Gap Year im Ausland berücksichtigen: Diese Auszeit ist meist mit ordentlichem Aufwand verbunden. Das gilt sowohl für den Stressfaktor Organisation, als auch für die Finanzierung.

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Organisation: Das Gap Year planen

Wer sich für ein Gap Year entscheidet, sollte sich entsprechend früh darum kümmern. Das gilt insbesondere dann, wenn es ins Ausland gehen soll.

Die Organisation eines Gap Years umfasst:

  • Zielland: Wo soll es hingehen?
  • Form: Welcher Art soll das Gap Year sein?
  • Formalia: Sind für meine Auslandspläne Visa und/oder weitere Nachweise (Impfungen) notwendig?
  • Auflagen: Für die meisten Gap Year Programme gilt eine Altersspanne von 18 bis maximal 35 Jahren.
  • Finanzen: Ist die Finanzierung gewährleistet, gibt es Ersparnisse oder Unterstützung durch ein Stipendium?
  • Flüge: Sind Flüge in der Zeit verfügbar/gebucht, wurden diese Ausgaben einkalkuliert?
  • Unterkunft: Wo werden Sie unterkommen?

Für solche Überlegungen gibt es Organisationen, die sich auf diese besonderen Auslandsaufenthalte spezialisiert haben. Der Vorteil ist, dass die sich über Jahre hinweg ein Netzwerk aufgebaut haben. Sie haben Ansprechpartner in allen möglichen Ländern und Bereichen und wissen, wen sie je nach Kunden kontaktieren müssen.

Preise

Diejenigen, die selbst organisieren, fangen bei Null an und recherchieren erst einmal. Entsprechend leicht ist es, sich im Informationsüberfluss zu verirren. Als Interessierter können Sie sich mit einer Organisation eine Menge Nerven und Zeit sparen. Natürlich ist dieser Service nicht umsonst.

Leider lassen sich keine pauschalen Aussagen über die Kosten machen, weshalb wir nachfolgend einige Beispiele nennen. Nur so viel vorab: Die Preise richten sich nach Dauer und den Zielländern als auch den dazu gebuchten Paketen, etwa für Versicherungen oder Sprachkurse. Gerade bei weiter entfernten Zielen sind die Flüge der größte Kostenfaktor.

Beispiele und Anbieter

  • Farmaufenthalt

    Ein dreimonatiger Aufenthalt in Argentinien, davon vier Wochen auf einer Farm, inklusive Visum und Flügen kostet bei AIFS derzeit 2.240 Euro. Es besteht die Option, das Paket ohne Flüge für 1.070 Euro zu buchen. Wollen Sie das Ganze in Australien machen, zahlen Sie mit 2.170 Euro (beziehungsweise 1.050 Euro ohne Flüge) geringfügig weniger.

    Wer über Farmarbeit einen Aufenthalt in Neuseeland bucht, kann sein Gap Year wahlweise auf einer Farm für Schaf- oder Rinderzucht verbringen oder im Weinanbau beziehungsweise einer Obstplantage mithelfen. Hier starten die Pakete ab 990 Euro.

    Einen achtwöchigen Farmaufenthalt in Chile inklusive Sprachkurs (allerdings mit Selbstverpflegung!) können Sie für 2.020 Euro bei TravelWorks buchen.

    Als Tipp raten wir Ihnen, auf solche Organisationen zu achten, die sich bereits seit einer Weile am Markt halten – offensichtlich ist die Kundenzufriedenheit so groß, dass das Unternehmen bereits über einen längeren Zeitraum existiert.

    Ebenfalls ein Indiz für Seriosität: Transparenz bei den Preisen. Welche Kosten kommen auf Sie zu und welche Leistungen beinhalten diese? Diese Fragen sollten Sie klären, bevor Sie sich ins Gap Year stürzen.

  • Freiwilligendienst

    Straßenhunde retten in Rumänien oder Delphine erforschen in Kroatien – Freiwilligendienst im Ausland kann im Bereich des Umweltschutzes angesiedelt sein. Ebenso gut können Sie sich aber auch für kulturelle oder soziale Einrichtungen entscheiden.

    So beispielsweise, wenn Sie bei einer Nichtregierungsorganisation Themen wie europäische Identität und ländliche Entwicklung in Armenien diskutieren. Oder Sie wirken bei einer Jugendinitiative in Russland mit, die sich der Unterstützung demokratischer Werte und Lebenslangem Lernen verschrieben hat.

    Übrigens läuft der Europäische Freiwilligendienst (EFD) über das Programm Erasmus+, das heißt, es finanziert sich aus den Ländern der EU und teilnehmenden Partnerländern.
    Weitere Informationen über Entsendeorganisationen finden Sie in der Datenbank des Europäischen Jugendportals.

Wie mit der Lücke im Lebenslauf umgehen?

Das Umkrempeln der gymnasialen Schulzeit von neun (G9) auf acht (G8) Schuljahre führte zu einem schnelleren Schulabschluss. Gleiches bezweckt der Bologna-Prozess mit seiner Umstellung der Hochschulabschlüsse auf Bachelor beziehungsweise Master.

Im Ergebnis wurde das Studium nicht nur deutlich verschulter. Aufgrund der starren Gestaltung hemmt es Studierende stärker, sich in bestimmten Bereichen auszuprobieren.
Die Umstellungen bringen zwar jüngere Absolventen hervor. Gleichzeitig mangelt es ihnen an Lebenserfahrung.

Wer sich für ein Gap Year entscheidet, hängt also nur die Zeit dran, die vorherige Generationen ohnehin hatten und das ganz bewusst. So betrachtet handelt es sich also nicht um eine klassische Lücke im Lebenslauf.

Zumal ein geplantes Lückenjahr in mehrerlei Hinsicht Respekt verdient: Selbst wenn Sie nicht in Eigenregie alles selbst organisieren, sondern auf eine Organisation zurückgreifen: Wer beispielsweise zum Arbeiten ins Ausland geht, zeigt, dass er sich auch in einer fremden Umgebung mit ungewohnten Anforderungen zurechtfindet.

Auch ehrenamtlicher Einsatz wird für gewöhnlich gern gesehen, immerhin zeigen Sie damit Ihren Sinn für soziales Engagement und können wichtige Soft Skills wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Organisationsfähigkeit belegen.

Genau das sollten Sie in Ihrer Bewerbung schließlich auch betonen und formulieren: Zeigen Sie, dass Sie die Zeit nicht einfach nur verdaddelt haben, sondern wertvolle Erfahrungen gesammelt und interkulturelle Kompetenz gewonnen haben.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
3. Februar 2020 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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