Faulenzer: Ein Grund, sich zu schämen?

Einfach mal dem süßen Nichtstun frönen, ganz entspannt sein, sich auf die Couch fallen lassen und den Tag so gemütlich wie nur irgend möglich angehen. Für manche klingt das nach perfektem Zeitvertreib, für andere handelt es sich dabei um einen Faulenzer par excellence. Wer nicht ständig unter Strom steht und von einer Aufgabe zur nächsten springt, sieht sich in unserer Gesellschaft oftmals Kritik ausgesetzt und stößt dabei auf Unverständnis. Wie kannst du nur so ein Faulenzer sein? Kaum möglich, die Auszeit vom Alltagsstress zu genießen, wenn einem das Umfeld ständig in den Ohren liegt und ein schlechtes Gewissen einredet. Die entscheidende Frage lautet: Sollten sich Faulenzer wirklich dafür schämen, manchmal rein gar nichts zu tun? Wir finden: Nicht unbedingt, denn richtig umgesetzt, kann es sogar einige Vorteile haben, ein Faulenzer zu sein…

Faulenzer: Ein Grund, sich zu schämen?

Faulenzer: Darum haben sie einen schlechten Ruf

Zuhause auf der Couch gemütlich die Füße hochlegen oder im Büro die Kaffeepause ein paar Minuten in die Länge ziehen, um die Ruhe noch ein bisschen zu genießen, bevor der Stress weitergeht und die nächste Aufgabe, das nächste Projekt oder das nächste Meeting ansteht. Der Ruf eines Faulenzers ist wahrlich schnell erarbeitet, haftet aber durchaus lange an und kann dann das Leben erschweren.

Faul sein allein ist sehr negativ und mit einem Faulenzer werden gleich noch eine ganze Reihe weiterer schlechter Eigenschaften verbunden: Sie sind unzuverlässig, ruhen sich auf der Arbeit anderer aus, heimsen fremde Lorbeeren ein, sind absolut nicht hilfsbereit, haben keine Ziele, es fehlt ihnen an Hobbys und überhaupt wissen sie scheinbar nichts mit ihrer Zeit anzufangen, außer rumzuliegen.

Faulenzer haben es entsprechend nicht leicht, müssen sich ständig für ihr Verhalten rechtfertigen und kriegen eine Menge dumme Sprüche zu hören. Und warum das Ganze? Weil Arbeitswut, Produktivität, Effizienz und ständige Aktualität heutzutage als erstrebenswert und absolutes Nonplusultra gelten. Motto: Wer nichts macht, macht was verkehrt.

Jeder muss ständig unterwegs sein, Dinge erleben, etwas zu erzählen haben, sich einem großen Ziel verschreiben und unerlässlich daraufhin arbeiten. Für Faulenzer ist in diesem Denken kein Platz. Wer dem Trend des Dauerstresses nicht mitgehen möchte, wird deshalb Faulenzer abgestempelt und mit dem verbundenen Ruf gestraft.

Vorteile: Es lohnt sich, ein Faulenzer zu sein

Wohin die Mentalität der dauerhaften Beschäftigung führt, bekommen viele Menschen am eigenen Leib zu spüren. Alles wird immer schneller, hektischer, stressiger. Zeit für sich selbst hat kaum noch jemand, da immer irgendetwas erledigt werden muss. Die Folgen: Überforderung, Erschöpfung, körperliche und auch psychische Probleme.

Egal, wie sehr wir auf immer mehr Leistung konditioniert werden, Menschen sind eben keine Roboter und irgendwann kommt jeder an seine Grenzen. Faulenzer haben dabei einen großen Vorteil: Sie können die Geschwindigkeit rausnehmen, Aufgaben und Probleme einfach mal beiseite schieben, zur Ruhe kommen und sich erholen.

Von außen betrachtet und mit dem ständigen Ich muss etwas tun im Hinterkopf, sieht das dann wie unnützes Herumlungern und Faulenzen aus, tatsächlich sollten sich viele davon aber eine Scheibe abschneiden und lernen, einen Gang runterzuschalten, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und sich danach zu richten, was für einen selbst am besten ist – und nicht was die Gesellschaft oder das direkte Umfeld möglicherweise von einem erwarten.

Ausreichend Schlaf, regelmäßige Pausen über den Tag verteilt, sich nicht ständig unter Druck setzen lassen und die Fähigkeit, das Nichtstun zu genießen, können sogar der Gesundheit eines Faulenzers zugute kommen. Anstatt sich immer weiter zu überfordern, wird durch das Faulenzen neue Kraft und Energie getankt, der Körper kann sich regenerieren und tatsächlich kann es sogar zu einem insgesamt längeren Leben verhelfen.

Deshalb soll an dieser Stelle noch einmal eine Lanze für all die sogenannten Faulenzer gebrochen werden, sich sich immer nur mit Kritik konfrontiert sehen und denen – oft zu Unrecht – negative Dinge unterstellt werden. Tatsächlich kommen Faulenzer neben dem niedrigeren Stresslevel und der verbesserten Gesundheit in den Genuss mehrerer Vorteile:

  • Sie besitzen größere Geduld

    Faulenzer haben meist eine deutlich größere Geduld und verfallen nicht gleich in Panik, wenn es einmal länger dauert und sie auf etwas warten müssen. Sie sind bereit, den Dingen eine gewisse Zeit zu geben und müssen nicht jedes Bedürfnis sofort befriedigen.

  • Sie haben ein besseres Selbstbild

    Wer öfter nichts tut, hat zudem ein besonders ausgeprägtes Selbstbild, da die Zeit des Faulenzens zur Reflexion genutzt wird. Kurz gesagt: Faulenzer kennen sich selbst besser, wissen um Stärken und Schwächen und können diese in Relation zu anderen setzen.

  • Sie sind kreativer

    tudien zeigen, dass es die Kreativität fördert, die Seele baumeln zu lassen. Wer sich mit etwas anderem beschäftigt, kommt auf Ideen und Lösungen, die ihm beim angestrengten Nachdenken wahrscheinlich niemals eingefallen wären.

Aber Vorsicht: Werden Sie nicht zum Faulenzer auf Kosten anderer

Das klingt nun so, als wäre es das beste, wenn jeder zum absoluten Faulenzer mutieren würde, sich den ganzen Tag gemütlich zurücklehnt und zusieht, wie die Dinge sich auch ohne sein Zutun entwickeln. Das funktioniert aber natürlich auch nicht und auch für Faulenzer gilt: Die Dosis macht das Gift. Jeder sollte die Fähigkeit haben, zu faulenzen und sich für eine Zeit aus dem ewigen Hamsterrad zurückzuziehen, doch darf das nicht die einzige Tagesbeschäftigung sein.

Außerdem gibt es auch für bekennende Faulenzer, die gerne einmal ins Nichtstun verfallen, einige Grundregeln, die beachtet werden sollten. Zunächst einmal sollte immer darauf geachtet werden, dass das eigene Faulenzen keinen wichtigen Dingen im Weg steht. Wenn Sie sich ausruhen und dadurch einen wichtigen Termin verpassen oder eine Aufgabe, die dringend ihre Aufmerksamkeit benötigt, unerledigt bleibt, ist auch der Spaß am Faulenzen schnell vorbei.

Faulenzer sein müssen Sie sich also auch erarbeiten und wer alles erledigt hat, darf sich gerne zurücklehnen und die schönen Seiten des Lebens genießen.

Der zweite wichtige Punkt: Faulenzer sollten niemals andere Menschen ausnutzen. Das würde nur jedes negative Klischee bestätigen und einen wahrlich schlechten Eindruck hinterlassen. Wer sich im Stuhl zurücklehnt und gemütlich zusieht, wie andere sich abrackern oder sich fröhlich in die Pause verabschiedet, während die Kollegen auf den letzten Drücker wichtige Projekt fertigstellen, tut damit nichts für sich, sondern ist im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur faul.

Faulenzer müssen sich also nicht grundsätzlich schämen, vielmehr können sie sogar eine Vorbildfunktion für all die Mehr-Mehr-Mehr-Mentalitätsträger haben, die Dinge gelassener zu sehen und auch mal Fünfe gerade sein zu lassen – solange das nicht als Ausrede genutzt wird, um andere die Arbeit machen zu lassen und sich nur auf die faule Haut zu legen.

[Bildnachweis: RomarioIen by Shutterstock.com]
18. Oktober 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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