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Nichtstun: Warum es so wichtig ist auch wenn’s schwerfällt

Geschäftiges Nichtstun hat einen schlechten Ruf. Wer nichts tut, gilt als faul oder verschwendet Zeit. Dabei ist gelegentliche Untätigkeit enorm wichtig für unsere Gesundheit und Kreativität. Regelmäßig wird die Bedeutung des Nichtstuns im Job unterschätzt, dabei hat es zahlreiche Vorteile. Warum uns das „einfach mal nichts tun“ so schwer fällt und wie wir das Nichtstun lernen können…



Nichtstun: Warum es so wichtig ist auch wenn's schwerfällt

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Was bedeutet Nichtstun?

Nichtstun beschreibt einen Zustand der vollkommenen Untätigkeit: keine Aufgaben erledigen, keine Ziele verfolgen, keine Vorhaben umsetzen. Nichtstun ist Müßiggang in Reinform, bei der wir keine Gedanken an eine Tätigkeit verschwenden, sondern uns dem süßen Nichtstun völlig hingeben.

Nichtstun erquickt, hat aber ein schlechtes Image. Ein solcher Mangel an Aktivität ist gerade in der Arbeitswelt kaum vorstellbar. Dort geht es um Produktivität, Leistung und Effizienz. Es soll mehr in kürzerer Zeit geschafft werden. Doch als Gegenbewegung zu dauerhaftem Stress hat geschäftiges Nichtstun viele Vorteile.

Nichtstun Synonyme

Laut Duden wird Nichtstun zusammengeschrieben. Häufige Synonyme sind: Faulenzen, Müßiggang, Niksen Trägheit, Untätigkeit, Passivität oder Dolcefarniente.


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Warum ist Nichtstun so anstrengend?

Vielen Menschen fällt das Nichtstun schwer. Einfach mal nur herumsitzen und den Gedanken beim Verklären zuschauen? Unmöglich. Sogar auf der Toilette. Allein das Smartphone bietet unzählige Reize und Verlockungen. Leerlauf und fehlende Reize sind für uns nahezu unerträglich. Das konnte eine Studie von Timothy D. Wilson von der Universität von Virginia in Charlottesville zeigen.

Bei der Studie mussten die Probanden 15 Minuten lang in einem reizfreien Raum einfach nur still herumsitzen. Die Erfahrung war für die meisten derart unangenehm, dass sich 67 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen immer wieder mit einem ebenfalls dort drapierten, aber ungefährlichen Elekroschocker selber schockten, um wenigstens ein paar Reize zu erleben.

Nichts ist unmöglich – der Mensch braucht Impulse

Zwar nimmt sich wohl jede(r) mal gerne eine Auszeit vom Alltag. Aber völlige Untätigkeit fällt uns schwer. Unser Gehirn lechzt nach Impulsen. Einfach Augen schließen und an nichts denken – das gelingt den meisten nur kurz. Schon nach wenigen Sekunden formen sich neue Gedanken und wir beginnen zu tagträumen.

Das liegt auch am sogenannten Default Mode Network. Das ist ein Nervenzellen-Netzwerk, das sich einschaltet, wenn wir keiner Aufgabe nachgehen. Das macht das Nichtstun für das Gehirn auch so anstrengend. Genau genommen wird es in der tumben Eintönigkeit noch aktiver. Hinzu kommt bei manchen vielleicht auch die Fear Of Missing Out, die Angst, etwas zu verpassen.

Nichtstun ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt. (Oscar Wilde)

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Ist geschäftiges Nichtstun passiv?

Nichtstun und Untätigkeit sind häufige Synonyme. Doch so ganz stimmt das nicht. Nur weil wir gerade keiner Aktivität nachgehen, sind wir deswegen noch lange nicht passiv. Tatsächlich können einige Varianten des Nichtstuns enorm anstrengend sein: Schieben Sie beispielsweise gerade eine unangenehme Aufgabe vor sich her, tun Sie zwar nichts – plagen sich aber mit einem schlechten Gewissen und beschäftigen sich gedanklich mit dem, was Sie eigentlich tun müssten.

Prokrastination ist daher nicht wirklich Nichtstun. Dasselbe gilt für das Grübeln. Auch das könnte man mit Faulenzen verwechseln. In Wahrheit ist es für das Gehirn Schwerstarbeit, über Probleme nachzudenken und sich Sorgen zu machen. Mehr noch: Das kann regelrecht in Stress ausarten.

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Warum Nichtstun so wichtig ist?

Arbeitsverdichtung, permanente Erreichbarkeit, auch am Wochenende – unser Arbeitsleben ist maximal beschleunigt und kennt kaum noch Pausen. Für Gesundheit und Psyche ist das alles andere als gesund. Stresshormone wie Cortisol können nicht abgebaut werden. Mögliche Konsequenzen sind Schlafstörungen, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, ein geschwächtes Immunsystem und ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

„Immer nur funktionieren, funktioniert nicht“, warnen Psychologen und Ärzte. Unser Lifestyle mache „Erkrankungen“, warnt zum Beispiel Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie. Hinzu kommt der private Stress und die emotionale Belastung durch unsichtbare Arbeit (siehe: Mental Load). Umso wichtiger ist, dass wir einfach mal stillhalten, nichts tun und uns aus dem Alltag ausklinken. Das hat gleich zahlreiche Vorteile…

Ist es ok nichts zu tun?

5 Vorteile des Nichtstuns…

  1. Sie werden kreativer

    Studien von Gottlieb Guntern, einem Schweizer Psychiater und Kreativitätsforscher, zeigen: Entspannung und Zerstreuung sind das A und O, damit kreative Gedanken aufblühen können. Schon ein simpler Spaziergang zwischendurch hilft, um die Kreativität zu steigern und mehr Ideen zu bekommen. Bestätigt wird das auch von Studien an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara.

  2. Sie beugen psychischen Erkrankungen vor

    Ruhe und Entspannung sind wichtige Voraussetzungen für seelische Gesundheit und Balance. Nichtstun beugt psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen vor, weil es für erholsame Pausen sorgt.

  3. Sie werden glücklicher

    Nichtstun reduziert nicht nur das Stressempfinden, wir gewinnen auch Zeit zur Selbstreflexion. Das macht zufriedener und glücklicher. Regelmäßiges Nichtstun kann sogar das Selbstwertgefühl steigern, weil Sie Ihre eigenen Stärken erkennen.

  4. Sie sammeln neue Kraft

    Wer über lange Zeit Vollgas gibt, hat irgendwann keine Kraft mehr. Beim Nichtstun können Sie Ihre Energiereserven wieder auffüllen und anschließend mit neuer Motivation Ihre Ziele verfolgen und Aufgaben besser erledigen.

  5. Sie treffen bessere Entscheidungen

    Wer kluge Entscheidungen treffen will, braucht einen klaren Kopf. Nichtstun schafft dafür die besten Voraussetzungen: Der Zustand der Untätigkeit schärft den Blick für das Wesentliche. Wir erlangen Klarheit darüber, was wir wirklich wollen und können Alternativen besser abwägen.

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Nichtstun lernen: Endlich Erholung schaffen

Nichtstun ist ein Kunst – und viele Menschen haben es verlernt, einfach mal faul zu sein und sich dem Nichtstun hinzugeben. Doch die gute Nachricht ist: Was wir verlernt haben, können wir auch wieder erlernen.

Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal nichts getan – kein Social Media, kein Sport, kein TV, kein Haushalt? Dann sollten Sie dringend das Nichtstun lernen. Unser Gehirn braucht diese Stille. Und so geht’s:

💭 Erlauben Sie sich das Nichtstun

Viele verwechseln Nichtstun mit Faulheit, nur weil sie frei von Aufgaben sind. Das Gegenteil ist richtig: Wer Untätigkeit als unnütze Zeitverschwendung verunglimpft, übersieht die wertvollen Kehrseiten: abschalten, Kraft sammeln, Klarheit gewinnen, kreativ werden, sich selber besser kennenlernen…
Träumer können ein Motor für Innovationen sein – und sie beugen dem eigenen Burnout vor.

💭 Planen Sie die Auszeiten

Wer verlernt hat, abzuschalten, muss die Auszeiten am Anfang üben und bewusst im hektischen Alltag einplanen. Irgendwas kommt sonst doch wieder dazwischen. Nehmen Sie sich dafür zum Beispiel jeden Tag eine halbe Stunde Zeit – am Vormittag, am Abend und am Wochenende. Hauptsache, es passt in Ihren Tagesablauf und erzeugt keinen neuen Stress oder Druck.

💭 Finden Sie einen passenden Ort

Wer sich so richtig ausklinken will, braucht eine Umgebung, die frei von Reizen, Störquellen und Ablenkungen ist. Sie dürfen nicht das Gefühl haben, etwas zu verpassen oder Zeit zu vergeuden. Ein einsamer Ort in der Natur ist dafür perfekt. Es geht aber auch das sprichwörtliche stille Kämmerlein. Hauptsache, Sie finden dort Stille und zur Ruhe im Kopf.

💭 Setzen Sie sich nicht unter Druck

Apropos: Dolcefarniente sollte nicht zu neuer Gehetztheit führen. Der größte Fehler wäre, sich mit dem Nichtstun erneut unter Druck zu setzen und daraus einen Leistungssport zu machen. Der Trick ist, zu lernen, „die Untätigkeit zu genießen“, schreibt auch Jenny Odell in ihrem Buch „Nichts tun – Die Kunst, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen„. Wenn es beim ersten oder zweiten Mal nicht klappt, üben Sie weiter.

💭 Nutzen Sie verschiedene Methoden

Gar nichts machen und Löcher in die Luft starren, fällt uns schwer. Leichter wird es, wenn wir dazu zu Beginn unterschiedliche Methoden einsetzen, die das Abschalten fördern. Zum Beispiel Meditation oder Beten. Auch Atemtechniken oder Achtsamkeitsübungen können helfen. Streng genommen sind diese Methoden zwar noch zu „aktiv“ – einen guten Einstieg bieten sie aber allemal.

Nichtstun Sprüche und Zitate

Schon immer gaben sich Dichter und Denker dem Müßiggang und der süßen Untätigkeit hin. Von ihnen stammen einige der schönsten Sprüche und Zitate zum Nichtstun:

  • „Wie herrlich ist es, nichts zu tun und dann vom Nichtstun auszuruhen.“ (Heinrich Zille)
  • „Nichtstun ist besser als mit viel Mühe nichts schaffen.“ (Laotse)
  • „Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.“ (Noël Coward)
  • „Urlaub besteht nicht aus Nichtstun, sondern aus dem, was wir sonst nicht tun.“ (Unbekannt)
  • „Menschen, mit denen sogar Nichtstun Spaß macht, sollte man behalten.“ (Unbekannt)
  • „Die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit allein ist göttlich.“ (Anatole France)
  • „Der Nachteil am Nichtstun ist, dass man nie weiß, wann man fertig ist.“ (Unbekannt)



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