Nichtstun: Mehr Gewinn durch weniger Arbeit

Das süße Nichtstun hat keinen besonders guten Ruf. In einer Leistungsgesellschaft wie der deutschen wird Arbeit hoch geschätzt. Demgegenüber wird Untätigkeit schnell verurteilt. Selbst ungewollte Beschäftigungslosigkeit in Form von Arbeitslosigkeit wird selten gebilligt. Dabei ist Nichtstun nur eine Seite der Medaille und mindestens so wichtig für den Menschen wie eine sinnvolle Beschäftigung. Und es ist ja nicht so, dass die meisten Menschen sich nicht irgendwie die Zeit vertreiben könnten: Alle stöhnen über den Montag, freuen sich aufs Wochenende oder den Urlaub. Doch auch die Freizeit wird mitunter vollgepackt. Warum Nichtstun so wichtig ist und wie Sie davon profitieren…

Nichtstun: Mehr Gewinn durch weniger Arbeit

Nichtstun Definition: Was ist das überhaupt?

Das Substantiv Nichtstun ist eine Zusammensetzung aus dem Pronomen nichts und dem Substantiv Tun, daher ist die korrekte Schreibweise Nichtstun. Will man hingegen zum Ausdruck bringen, dass eine Person nichts machen, ändern oder vollbringen kann, schreiben Sie auseinander, zum Beispiel:

  • Da kann man nichts tun.
  • Ich werde nichts tun.
  • Du musst nichts tun.
  • Er möchte nichts tun.

Gemeint ist ein Verhalten ohne Aktivität. Synonym zu Nichtstun wird ebenfalls häufig gesagt:

  • Dolcefarniente
  • Faulenzerei
  • Faulheit
  • Müßiggang
  • Müßigkeit
  • Muße
  • Passivität
  • Trägkeit
  • Untätigkeit

Nichtstun ist in der Arbeitswelt geradezu ein Unwort. Alles ist auf Produktivität, Leistung und Effizienz ausgelegt. Im besten Falle geht es vielleicht noch um Zeitmanagement beziehungsweise: Selbstmanagement. Denn die Zeit ist nun mal so lange vorhanden, wie es sie gibt – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Aber wie Sie das Kind auch nennen: Es geht fast nie darum, Zeit zu gewinnen, um einfach nur dem Nichtstun zu frönen. Viel häufiger geht es darum, noch mehr in weniger Zeit zu schaffen. Sich selbst zu optimieren. Und das artet teilweise aus:

Es gibt kaum noch einen Bereich, in dem sich Menschen nicht selbst optimieren würden. Klar, die Arbeitsabläufe werden optimiert. Aber hey, ist da nicht noch etwas Luft nach oben, was die eigene Persönlichkeit angeht? Und wo wir gerade bei der Person sind: Wie steht es denn um die Fitness?

Also schnell noch ein paar Coachingseminare gebucht und im Fitnessstudio angemeldet. Alles kann noch ein bisschen besser, höher, weiter, schneller werden. Maximierung statt Zufriedenheit.

Nichtstun Psychologie: Müßiggang zeigt Ziele

Ganz gleich, ob Sie Psychologen, Philosophen oder Coaches fragen: So ziemlich jeder kommt zu dem Ergebnis, dass Nichtstun ein wesentlicher Bestandteil der Lebenszeit sein sollte und ist. Einfach mal eine gewisse Zeit lang nichts tun, einfach nur beobachten, sinnieren, den Gedanken nachhängen.

So Tagträume seien wichtig und längst keine Zeitverschwendung. Denn wer gedanklich mal abschaltet und einfach nichts tut, gibt seinem Körper und seinem Gehirn die Gelegenheit zur Entspannung.

Das löst in dem einen oder anderen leicht Panik aus: Nichtstun wird mit mangelnder Disziplin und sich treiben lassen verbunden. Wer seinen Tag nicht wenigstens zwölf Stunden mit Aktivität vollstopft wird womöglich noch als Faulenzer abgeurteilt. Dabei kann zu viel Aktivität in (blinden) Aktionismus umschlagen.

Dann nämlich, wenn vor lauter Geschäftigkeit die eigentlichen Ziele aus den Augen verloren werden.

Nichts tun: Zitate und Sprüche ums Nichtstun

  • Die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit allein ist göttlich. Anatole France
  • Wie herrlich ist es, nichts zu tun und dann vom Nichtstun auszuruhen. Heinrich Zille
  • Nichtstun ist eine der größten und verhältnismäßig leicht zu beseitigenden Dummheiten. Franz Kafka
  • Nichts tun ist besser als mit viel Mühe nichts schaffen. Laotse
  • Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte. Noël Coward
  • Menschen, mit denen sogar Nichtstun Spaß macht, sollte man behalten. Unbekannt
  • Der Nachteil am Nichtstun ist, dass man nie weiß, wann man fertig ist. Unbekannt
  • Urlaub besteht nicht aus Nichtstun, sondern aus dem, was wir sonst nicht tun. Unbekannt

Nichtstun: Darum ist es so wichtig

Nichtstun muss gewissermaßen fester Bestandteil des Alltags werden, anderenfalls wird die seelische Gesundheit darunter leiden, meinen jedenfalls Psychologen. Das muss sich nicht gleich in psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen manifestieren.

Häufiger beobachten Psychologen und Psychiater Befindlichkeitsstörungen, die sich auf Dauer zu etwas Schlimmeren entwickeln können: Alles wird in eine Schablone gepresst und muss dann passen. Bei Prüfungen müssen bestimmte Leistungen erbracht werden, anderenfalls wird mit leistungssteigernden Mittelchen nachgeholfen.

Hyperaktiven Kindern wird sofort die ADHS-Diagnose gestellt und mit Medikamenten wird auch hier sichergestellt, dass der Schulunterricht zufriedenstellend absolviert werden kann.

Menschen müssen funktionieren und in Körper und Geist einem Ideal entsprechen. Es bleibt, so Kritiker, gar keine Zeit fürs Nichtstun, denn viele rennen diversen Idealen hinterher. Langfristig nagt das am Selbstwertgefühl und verursacht Stress. Und beides wirkt sich negativ auf auf die Leistungen aus.

Andersherum konnten Biologen feststellen, dass Nichtstun dazu führt, dass sich die Aktivität der Gehirnwellen verlangsamt. Der Blutdruck sinkt, der Stress lässt nach. Diese Reaktionen stärken das Immunsystem. Aber nicht nur für Ihre körperliche und seelische Gesundheit ist Nichtstun wichtig.

Letztlich führt es dazu, dass Sie ihre Energiereserven wieder auftanken und Kreativität für neue Aufgaben gewinnen. Nichtstun ermöglicht Ihnen geistige Klarheit, so dass Sie mit Blick auf Ihre Ziele wesentlich leichter Entscheidungen treffen können.

Nichtstun lernen: So gelingt’s

Man sollte glauben, so einfach faul sein und sich dem Nichtstun hinzugeben, kann doch gar nicht so schwer sein – das klappt im Urlaub schließlich auch.

Aber gerade das Beispiel Urlaub zeigt immer häufiger, dass Nichtstun gar nicht so einfach ist. Selbst wenn sie eigentlich frei haben, meinen viele Menschen, alles mögliche in ihre Freizeit hineinpressen zu müssen. Und es geht gar nicht mal nur um körperliche Aktivitäten.

Immer mehr Menschen verordnen sich selbst einen Digital Detox. Einfach mal das Smartphone zur Seite legen und dort liegen lassen. Nicht permanent erreichbar sein, aber auch nicht ständig E-Mails und Benachrichtigungen checken.

Vielleicht auch einfach mal Nachrichten aus aller Welt außen vor lassen. Sich keine Sorgen um die aktuelle Weltpolitik und irgendwelche Größenwahnsinnigen machen, sondern sich ganz auf sich und die eigenen Belange konzentrieren.

Sowas ist aber nicht nur im Urlaub wichtig. Auf der anderen Seite ist Nichtstun Menschen offenbar auch früher schon schwergefallen, wie dieses Zitat von Oscar Wilde zeigt:

Gar nichts tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung auf der Welt und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.

Wie lässt sich Nichtstun also lernen? Wir haben dazu folgende Tipps:

  • Erlaubnis

    Es klingt vielleicht merkwürdig, aber erlauben Sie sich selbst das Nichtstun. Manche Menschen plagt sofort das schlechte Gewissen, weil sie noch tausend andere Dinge auf ihrer Agenda haben. Aber überlegen Sie, ob wirklich alles davon wichtig ist und ob alles sofort getan werden muss? Manchmal muss man sich selbst eine Auszeit verordnen, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder das erreichen zu können, was man sich vorgenommen hat.

  • Selbstwertgefühl

    Vor allem Menschen mit einem angeknacksten Selbstwertgefühl meinen ständig noch etwas an sich optimieren zu müssen. Natürlich ist es völlig in Ordnung, wenn Sie sich Ziele in bestimmten Bereichen gesetzt haben, in denen Sie sich verbessern wollen. Wer aber ständig unter Strom steht, sollte überprüfen, ob diese Ziele a) realistisch sind und b) immer noch mit den ursprünglichen Zielen übereinstimmen? Manchmal verändern sich die Dinge und vor lauter Rennen im Hamsterrad verlieren wir das Eigentliche aus dem Blick.

  • Blickwinkel

    Ändern Sie ruhig mal den Blickwinkel und machen Sie sich mit dem Konzept der Entschleunigung vertraut. Denn mit Schnelligkeit in allen Bereichen geht häufig ein Qualitätsverlust einher. Nichtstun bremst diese Geschwindigkeit und kann Ihnen eine neue Lebensqualität bescheren. Den Blickwinkel zu ändern bedeutet, nicht nur zu sehen, was noch nicht funktioniert, sondern auf die positiven Dinge im Leben zu blicken.

  • Hygge

    Die Dänen gelten als die glücklichsten Menschen in Europa. Wie wäre es, sich etwas von ihrem Hygge abzuschauen? Hygge steht für Gemütlichkeit. Das lässt sich mit Nichtstun hervorragend verbinden: Einfach mal in einem Vollbad mit ätherischen Ölen entspannen oder im Sommer die Liege schnappen und in die Sonne auf den Balkon legen.

  • Kontakte

    Viele Menschen verbinden mit Freunden vermutlich Aktivitäten wie Sport, ins Kino oder in die Disco gehen und Ähnliches. Auch das kann in gewissen Maßen seinen Platz beim Nichtstun haben, sofern es nicht in Freizeitstress ausartet. Mit Freunden lassen sich auch sehr beschauliche Treffen wie Wandern und Tretboot fahren unternehmen.

  • Meditation

    Auch Meditation ist eine Form der Aktivität, aber eine sehr sinnvolle Entspannungsübung. Wer gestresst ist, kommt dabei von seinem hohen Stresslevel herunter. Wer sich schnell langweilt, lernt seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge – nämlich nach innen – zu richten. So betrachtet ist Meditation hilfreich für die eigene Konzentration, was Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt bei Arbeitsabläufen wieder zugute kommt.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]
23. Mai 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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