Unterforderung im Job: Was tun?

Jeder möchte gut in seinem Job sein. Sie zeigen sich selbst und natürlich auch anderen, dass Sie die nötigen Fähigkeiten mitbringen, alle Aufgaben und Herausforderungen Ihrer Arbeit meistern können, keine Fehler machen und es kein Projekt gibt, dem Sie nicht gewachsen wären. Was im ersten Moment nach dem Rezept für beruflichen Erfolg, dem dazugehörigen Aufstieg in der Hierarchie und natürlich der passenden Bezahlung. Es stimmt, wer gut ist, kommt weiter. Wer aber zu gut ist und mit Unterforderung im Job zu kämpfen hat, wird dadurch nicht nur unglücklich, sondern verliert auch seine Motivation, ist genervt und möchte am liebsten alles hinschmeißen. Doch wie lässt sich ernsthafte Unterforderung im Job erkennen und – noch wichtiger – was können Sie dagegen tun?

Unterforderung im Job: Was tun?

Ignorieren Sie Unterforderung im Job nicht

Arbeitnehmer achten auf unzählige Dinge im Berufsleben. Genügend Ausgleich zum Stress im Job, über den Tag verteilte Pausen, um konzentriert und erholt zu bleiben, Work-Life-Balance, ein angenehmes Betriebsklima, Zufriedenheit, ein gutes Verhältnis zum Chef und natürlich die eigene Produktivität.

Geht irgendwo etwas schief, wird der Handlungsbedarf sofort erkannt. Die Unterforderung im Job ist dabei leider eine große Ausnahme. In den meisten Fällen wird sie ignoriert oder akzeptiert. Im Job herrscht Langeweile, die Aufgaben können Sie im Schlaf erledigen, anstrengen müssen Sie sich sowieso nicht mehr und so verbringen Sie die täglichen acht Stunden im Routinemodus. Etwas dagegen unternehmen? Ach, wieso denn… Ist ja auch ganz gut so wie es ist… Aber ist es das wirklich?

Schuld am anhaltenden Wegschauen von den Problemen der Unterforderung sind auch Kollegen, Freunde und die kollektive Einstellung. Wer es sich in seinem Job gemütlich machen kann, den halben Tag nur aus dem Fenster guckt und dem Kaktus auf dem Schreibtisch beim wachsen zusieht, wird beneidet und sollte sich scheinbar glücklich schätzen, einen so perfekten Job gefunden zu haben. Keine Aufgaben, keine Probleme, kein Stress.

Was nach außen wie das Paradies für Arbeitnehmer scheinen mag, kann für Sie selbst aber auch die Hölle sein – auch wenn Außenstehende das vielleicht nicht nachvollziehen können. Unterforderung und Langeweile im Job können genauso belasten und an den eigenen Kräften zehren wie Überforderung und Dauerstress. Ähnlich sind dann auch die Folgen: Unzufriedenheit, Antriebslosigkeit, anhaltende Zweifel und die Frage, ob der aktuelle Job wirklich der richtige ist. In besonders dramatischen Fällen können sogar Depressionen auftreten.

Glücklicherweise muss es aber gar nicht erst so weit kommen, wenn Sie frühzeitig reagieren und sich nicht durch die Unterforderung einlullen lassen. Natürlich ist es verständlich, dass Sie sich am Anfang vielleicht sogar noch wohl dabei gefühlt haben. Weniger zu tun, Ruhe statt Hektik und Belastung. Für ein paar Tage mag das schön sein, doch sollte Unterforderung nie zu einem Dauerzustand werden.

Unterforderung im Job: Symptome erkennen

Unterforderung im Job Symptome BoreoutWo fängt Unterforderung an? Manch einer fühlt sich bereits unterfordert, wenn er bei einem Projekt nur eine Teilaufgabe erledigen soll und nicht auch die Verantwortung für alles andere trägt. Viele sind jedoch auch froh, wenn sie nicht von früh bis spät zu 110 Prozent ausgelastet sind, ein wenig Zeit zum Verschnaufen haben und nicht ständig unter Strom stehen. Unterforderung ist sehr individuell und wird vor allem durch die persönliche Einstellung und auch Leistungsfähigkeit bestimmt.

Wer jeden Tag vor Energie strotzt und sich von einer Aufgabe in die nächste stürzen möchte, braucht deutlich mehr Beschäftigung und hat eher das Gefühl, unterfordert zu sein. Gleiches gilt natürlich für den Arbeitnehmer, der bereits seit Jahren dabei ist und sich in dieser Zeit nicht nur Erfahrung, sondern auch großes Wissen und wichtige Fähigkeiten angeeignet hat. Wer die immer gleichen Abläufe verinnerlicht hat, fühlt sich davon vielleicht nach einigen Jahren unterfordert.

Ob Sie an Unterforderung im Job leiden, sollten Sie also selbst erkennen. Dabei gibt es einige Symptome, auf die Sie besonders achten sollten:

  • Sie langweilen sich regelmäßig über einen langen Zeitraum.
  • Sie haben das Gefühl, Ihre Aufgaben wären zu leicht für Ihre Fähigkeiten.
  • Sie lassen sich extra viel Zeit, um nicht zu früh fertig zu werden.
  • Sie müssen Zeit bis Feierabend totschlagen.
  • Sie können sich nicht mehr an die letzte berufliche Herausforderung erinnern.
  • Sie stehen regelmäßig bei Chef oder Kollegen und fragen, ob es noch was zu tun gibt.
  • Sie werden mit jedem Tag unglücklicher bei der Arbeit.
  • Sie würden sich wünschen, Ihr volles Potenzial nutzen zu können.
  • Sie ertappen sich bei der Prokrastination, weil Sie es sich leisten können.
  • Sie haben nicht das Gefühl, sich beruflich zu entwickeln.
  • Sie werden von Kollegen gefragt, wie Sie es schaffen, immer so früh fertig zu sein.

Bei einem einzelnen Symptom brauchen Sie noch nicht gleich davon ausgehen, im Job unterfordert zu sein. Aufmerksam sollte Sie hingegen werden, wenn die Symptome sich häufen – nicht nur an einem Tag, sondern über Wochen oder gar Monate hinweg. Nur wenn Sie die Anzeichen ernst nehmen, können Sie entsprechend darauf reagieren und der Unterforderung entgegenwirken.

Unterforderung im Job: Das können Sie tun

Unterforderung im Job erfordert vor allem eins: Ihre Eigeninitiative und den Wunsch, etwas an der aktuellen Situation zu ändern. Leider fallen viele Arbeitnehmer durch die Unterforderung in ein noch tieferes Loch der Motivationslosigkeit, in dem sie verharren und immer weiter unter den fehlenden Herausforderungen leiden.

Verfallen Sie nicht in den Irrglauben, dass die Unterforderung von alleine nachlassen wird. Untätigkeit bringt Sie nicht weiter. Es können viele Monate oder sogar Jahre vergehen, bis sich Ihre Aufgabenfelder so grundlegend ändern, dass der Job endlich wieder Spaß macht und Sie sich gefordert fühlen.

Wenn Sie die Unterforderung nicht länger ertragen und endlich etwas unternehmen wollen, können die folgenden Tipps helfen:

  • Suchen Sie das offene Gespräch

    Unterforderung im Job wird oftmals verheimlicht. Statt dazu zu stehen, versuchen Arbeitnehmer es zu vertuschen, um beim Chef nicht den falschen Eindruck zu machen. Ein großer Fehler, denn damit setzen Sie sich selbst noch mehr unter Druck und machen die Situation zusätzlich schwierig. Sobald Sie merken, dass Sie unterfordert sind, sollten Sie deshalb das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen.

    Nur wenn Ihr Chef weiß, dass Sie sich größere Verantwortung oder mehr Herausforderungen im Job wünschen, kann er auch darauf eingehen. Machen Sie deshalb nicht nur deutlich, dass Sie unterfordert sind, sondern versuchen Sie auch gleich eine gemeinsame Lösung zu finden, die im Anschluss an das Gespräch umgesetzt werden kann.


  • Analysieren Sie die Ursachen

    So individuell Unterforderung im Job wahrgenommen wird, so individuell können auch die Ursachen sein. Doch erst wenn Sie die Gründe für Ihre Unterforderung verstehen, können Sie das Problem auch wirklich an der Wurzel packen und eine Verbesserung erzielen. Analysieren Sie, was genau Sie an Ihrem Job langweilt, wo Sie sich etwas anderes wünschen würden und wie die Veränderung aussehen könnte.

    Wichtig ist dabei vor allem die Unterscheidung zwischen quantitativer und qualitativer Unterforderung (auch geistige Unterforderung genannt). Anders ausgedrückt: Haben Sie schlichtweg nicht genügend Aufgaben, weil Sie zu schnell fertig sind? Oder sind es die Aufgaben an sich, die nicht genügend Anreize bieten und Ihrer Ansicht nach einfach so leicht sind, dass Sie sofort in den Autopilot schalten?


  • Schaffen Sie sich Erfolgserlebnisse

    Neben purer Langeweile entsteht ein Gefühl der Unterforderung im Job oftmals auch dadurch, dass Sie das Gefühl haben, nicht wirklich etwas beizutragen und einen Anteil am Ergebnis zu haben. Obendrein geht das Lob auch noch an einen Kollegen, obwohl Sie sicher sind, dass Sie es besser gemacht hätten – wenn Ihnen nur die Chance dazu gegeben worden wäre.

    Hilfreich kann es sein, wenn Sie sich Erfolgserlebnisse schaffen und sich so bewusst machen, dass Sie ein wichtiger Teil des Teams sind und einen entscheidenden Beitrag zum gemeinsamen Erfolg leisten. Dies kann beispielsweise gelingen, indem Sie sich immer wieder kleine Ziele setzen. Aber auch ein Verständnis für das Gesamtbild des Unternehmens ist wichtig. So sehen Sie genau, wie sich Ihre Arbeit auswirkt.


  • Wechseln Sie den Arbeitgeber

    In letzter Konsequenz bleibt Ihnen kaum etwas anderes übrig und manchmal ist es der einzige Weg, um aus der Unterforderung zu entkommen. Bietet Ihr aktueller Arbeitgeber Ihnen keine Möglichkeiten mehr und Sie sehen nicht die Chance, dass es sich in naher Zukunft ändert, ist der Sprung zu einem anderen Arbeitgeber der beste Weg, um endlich Ihr volles Potenzial zu nutzen.

    Achten Sie von Anfang an darauf, im neuen Job nicht in eine ähnliche Situation zu geraten. Das lässt sich zwar im Vorfeld nie garantieren, doch indem Sie bei der Tätigkeitsbeschreibung und im Vorstellungsgespräch sehr aufmerksam sind, erhalten Sie bereits einen ziemlich guten Eindruck, welchen Aufgaben Sie zukünftig gegenüber stehen.

[Bildnachweis: Stokkete by Shutterstock.com]
11. Mai 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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