Was ist eine Arbeitnehmerkündigung?
Eine Arbeitnehmerkündigung ist die einseitige Erklärung eines Arbeitnehmers, sein Arbeitsverhältnis zu beenden. Sie wird auch Eigenkündigung genannt. Anders als bei einer Arbeitgeberkündigung müssen Arbeitnehmer ihre ordentliche Kündigung grundsätzlich nicht begründen. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist ebenfalls nicht erforderlich.
Arbeitnehmer können entweder ordentlich mit Kündigungsfrist oder außerordentlich aus wichtigem Grund kündigen. Für beide Kündigungsarten gelten die gesetzliche Schriftform und weitere rechtliche Voraussetzungen.
Welche Arten der Arbeitnehmerkündigung gibt es?
Kündigungsart |
Bedeutung |
| Ordentliche Kündigung | Beendigung des Arbeitsverhältnisses unter Einhaltung der geltenden Kündigungsfrist |
| Außerordentliche Kündigung | Kündigung aus wichtigem Grund, häufig fristlos nach § 626 BGB |
| Kündigung in der Probezeit | Ordentliche Kündigung mit regelmäßig 2 Wochen Frist bei vereinbarter Probezeit innerhalb der ersten 6 Monate |
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Welche Kündigungsfrist gilt für Arbeitnehmer?
Für eine ordentliche Arbeitnehmerkündigung gilt nach § 622 BGB grundsätzlich eine Kündigungsfrist von 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag können andere wirksame Fristen vereinbart sein.
Während einer vereinbarten Probezeit beträgt die gesetzliche Kündigungsfrist innerhalb der ersten 6 Monate grundsätzlich 2 Wochen. Diese Frist gilt nicht automatisch für alle Arbeitnehmer während der ersten 6 Beschäftigungsmonate.
Situation |
Gesetzliche Kündigungsfrist |
| Vereinbarte Probezeit Innerhalb der ersten 6 Monate |
2 Wochen zu jedem Tag |
| Regelfall | 4 Wochen zum 15. oder Monatsende |
| Abweichende Vereinbarung | Wirksame Frist aus Arbeits- oder Tarifvertrag |
Wenn Sie sich unsicher sind, welche Frist für Sie gilt, können Sie in Ihrer Kündigung die Formulierung „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ verwenden. Besser ist ein berechnetes Datum mit dem Zusatz „hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Wie Sie Ihre Kündigungsfrist berechnen, erklären wir ausführlich im verlinkten Ratgeber.
Welche formellen Anforderungen muss die Arbeitnehmerkündigung erfüllen?
Damit Ihre Kündigung rechtswirksam ist, muss sie nach § 623 BGB schriftlich auf Papier erfolgen und eigenhändig unterschrieben sein. Eine digitale Kündigung per E-Mail, WhatsApp, SMS oder Fax ist ebenso unwirksam wie eine mündliche Kündigung. Die Kündigungserklärung muss außerdem eindeutig sein. Dafür eignet sich die Formulierung „Hiermit kündige ich meinen Arbeitsvertrag“. Ein konkretes Beendigungsdatum ist hilfreich, aber nicht in jedem Fall zwingend erforderlich, wenn sich der Termin eindeutig bestimmen lässt.
Darüber, wann die Kündigung wirksam zugeht, entscheidet nicht das Datum auf dem Kündigungsschreiben, sondern deren Zugang beim Arbeitgeber. Bei persönlicher Übergabe kann der Empfänger den Erhalt schriftlich bestätigen. Beim Versand per Post ist ein Einwurf-Einschreiben hilfreich, beweist allein aber nicht den Inhalt des Umschlags. Besonders zuverlässig ist die Übergabe durch einen Boten, der den Inhalt kennt und die Zustellung bezeugen kann.
Kann ich einen befristeten Arbeitsvertrag kündigen?
Ein befristeter Arbeitsvertrag endet grundsätzlich mit Ablauf der vereinbarten Zeit. Eine ordentliche Kündigung ist nach § 15 Abs. 4 TzBfG nur möglich, wenn dies im Arbeitsvertrag oder im anwendbaren Tarifvertrag vereinbart wurde. Eine außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund oder eine einvernehmliche Aufhebung kann unter den jeweiligen Voraussetzungen ebenfalls infrage kommen.
Wann können Arbeitnehmer fristlos kündigen?
Das Recht zur fristlosen Kündigung haben nach § 626 BGB auch Arbeitnehmer. Voraussetzung ist ein wichtiger Grund, der die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der regulären Kündigungsfrist unzumutbar macht. Die Kündigung muss grundsätzlich innerhalb von 2 Wochen erfolgen, nachdem der Arbeitnehmer von den maßgeblichen Tatsachen erfahren hat.
Je nach Pflichtverletzung kann eine vorherige Abmahnung erforderlich sein, damit der Arbeitgeber Gelegenheit erhält, den Missstand zu beheben. Bei besonders schwerwiegenden Vorfällen kann eine Abmahnung entbehrlich sein. Arbeitnehmer sollten die Gründe und Vorfälle möglichst genau dokumentieren, weil eine unberechtigte fristlose Kündigung erhebliche rechtliche und finanzielle Folgen haben kann.
Aus welchen Gründen dürfen Arbeitnehmer fristlos kündigen?
Eine fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer kann beispielsweise bei folgenden schwerwiegenden Pflichtverletzungen gerechtfertigt sein:
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Lohnrückstand
Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt wiederholt erheblich verspätet oder gar nicht.
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Pflichtverletzungen
Grobe Verstöße gegen arbeitsvertragliche Pflichten, zum Beispiel eine unberechtigte Suspendierung.
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Gesundheitsgefährdung
Es herrschen gefährliche Arbeitsbedingungen, der Arbeitsschutz wird trotz erheblicher Risiken nicht eingehalten.
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Sexuelle Belästigung oder Mobbing
Es gibt schwerwiegende Übergriffe oder systematische Schikanen am Arbeitsplatz, gegen die der Arbeitgeber nicht angemessen vorgeht.
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Straftaten
Der Arbeitgeber fordert zu Bilanzfälschung, Betrug oder Bestechung auf.
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Massive Vertragsänderungen
Einseitige, erhebliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen ohne rechtliche Grundlage.
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Vertrauensverlust
Das Vertrauensverhältnis ist durch schwerwiegende Vorfälle nachhaltig zerstört und eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar.
Ob ein wichtiger Grund vorliegt, hängt stets von den konkreten Umständen und einer Interessenabwägung ab. Nicht jeder Lohnrückstand oder Konflikt berechtigt automatisch zur sofortigen Kündigung.
Was sind die Folgen einer Arbeitnehmerkündigung?
Wer seinen Job aus eigenen Stücken kündigt, muss mit einer 12-wöchigen Sperrzeit beim Arbeitslosengeld rechnen, wenn dadurch vorsätzlich oder grob fahrlässig Arbeitslosigkeit verursacht wird und kein wichtiger Grund vorliegt. Das kann auch bei einem Aufhebungsvertrag der Fall sein. Ausnahmen kommen etwa bei erheblichen Gesundheitsgefährdungen, Mobbing oder sexueller Belästigung infrage. Solche Gründe müssen Sie gegenüber der Arbeitsagentur darlegen und gegebenenfalls nachweisen.
Wichtig: Melden Sie sich rechtzeitig bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend – grundsätzlich spätestens 3 Monate vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Erfahren Sie erst kurzfristiger vom Ende, müssen Sie sich innerhalb von 3 Tagen nach Kenntnis melden. Die Arbeitsuchendmeldung ersetzt nicht die Arbeitslosmeldung.
Welche Ansprüche und Rechte haben Arbeitnehmer?
Mit dem Ende Ihres Arbeitsverhältnisses ist nicht automatisch alles erledigt. Häufig bestehen noch offene Ansprüche – zum Beispiel auf Ihr restliches Gehalt, variable Vergütungsbestandteile, anteilige Sonderzahlungen, Urlaubsabgeltung für nicht genommenen Resturlaub oder den Ausgleich von Überstunden und Zeitguthaben.
Ob und in welcher Höhe Ihnen diese Ansprüche zustehen, hängt von Ihrem Arbeitsvertrag, möglichen Betriebsvereinbarungen, Tarifverträgen sowie den gesetzlichen Vorgaben ab. Ein genauer Blick in die Unterlagen lohnt sich!
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Anspruch auf Arbeitszeugnis
Arbeitnehmer haben nach § 109 GewO einen gesetzlichen Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Auf Verlangen muss es auch Leistung und Verhalten beurteilen. Ein solches qualifiziertes Zeugnis muss wahr und wohlwollend formuliert sein. Die Zeugnisformulierungen sollten Sie deshalb genau prüfen.
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Rückgabe von Arbeitsmitteln
Spätestens mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses müssen Sie alle überlassenen Arbeitsmittel zurückgeben. Dazu zählen etwa Schlüssel, Unterlagen, Laptop, Smartphone oder andere IT-Geräte. Auch ein Dienstwagen, der Ihnen zur Privatnutzung überlassen wurde, ist in der Regel herauszugeben. Beachten Sie zudem: Ihre Verschwiegenheitspflicht hinsichtlich Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen gilt auch weiterhin.
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Nachvertragliches Wettbewerbsverbot
Ein Wettbewerbsverbot nach Ihrem Ausscheiden gilt nur dann, wenn es wirksam vereinbart wurde. Dafür müssen gesetzliche Voraussetzungen erfüllt sein – insbesondere eine angemessene Karenzentschädigung sowie eine zulässige zeitliche Begrenzung.
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Rückzahlungsklauseln und Bindungsfristen
Vorsicht bei Rückzahlungsklauseln – etwa für Fortbildungskosten oder Sonderzahlungen mit Bindungsdauer. Solche Vereinbarungen sind nur wirksam, wenn sie transparent formuliert, zeitlich angemessen und für beide Seiten ausgewogen sind. Unangemessen lange Bindungen oder überzogene Rückzahlungspflichten können Ihre berufliche Bewegungsfreiheit unzulässig einschränken – und damit unwirksam sein.
Bekomme ich bei einer Arbeitnehmerkündigung eine Abfindung?
Bei einer freiwilligen Arbeitnehmerkündigung besteht grundsätzlich kein Anspruch auf eine Abfindung. Möglich ist jedoch eine freiwillige Vereinbarung mit dem Arbeitgeber, beispielsweise im Rahmen einer einvernehmlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Eine solche Vereinbarung sollte auch wegen möglicher Folgen für das Arbeitslosengeld sorgfältig geprüft werden.
Kann ich eine Arbeitnehmerkündigung widerrufen?
Eine wirksam zugegangene Arbeitnehmerkündigung können Sie grundsätzlich nicht einseitig zurücknehmen. Sie können Ihren Arbeitgeber aber um eine einvernehmliche Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bitten. Eine Anfechtung kommt nur unter besonderen Voraussetzungen infrage. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber Kündigung widerrufen.
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