Lärm am Arbeitsplatz: Produktiv bleiben im Büro

Im Job kann es schon mal laut werden. Die allgegenwärtige Geräuschkulisse dröhnt in den Ohren und sorgt für Lärm am Arbeitsplatz. Laute Gespräche, klingelnde Telefone, das Klackern von Tastaturen, im Hintergrund vielleicht noch ein Radio und vor dem geöffneten Fenster eine Baustelle, die voraussichtlich noch mehrere Monate dauern wird. Mit vielen Dingen können wir uns arrangieren, Lärm am Arbeitsplatz gehört für viele nicht dazu und ist unerträglich. Krach hält vom Arbeiten ab und kann sogar der Gesundheit schaden. So ist es nicht nur im Interesse von Mitarbeitern, sondern auch von Arbeitgebern, etwas gegen den Lärm am Arbeitsplatz zu unternehmen. Was Sie über eine zu hohe Lautstärke am Arbeitsplatz wissen müssen und was Sie tun können, um trotzdem produktiv zu arbeiten…

Lärm am Arbeitsplatz: Produktiv bleiben im Büro

Lärm am Arbeitsplatz ist Beschwerdegrund Nummer Eins

Lärm wird im Duden als störendes, unangenehmes oder auch durchdringendes Geräusch definiert. Klassische Beispiele sind etwa der Presslufthammer auf der Baustelle, ein Laubbläser im Hinterhof oder auch ein ohrenbetäubendes Hupkonzert, weil es sich auf der Straße staut. Überall sind wir von Lärm und Krach umgeben – leider auch am Arbeitsplatz.

Hier sollen offen gestaltete Großraumbüros die Produktivität der Mitarbeiter steigern, die Kommunikation verbessern und gleichzeitig die Teamarbeit erleichtern. Nachvollziehbare Vorteile, die verpuffen können, wenn der Lärmpegel so hoch ist, dass an Arbeiten kaum noch zu denken ist. Die Wahrheit ist: Offene Büroräume sind laut. Zwar kann man sich gut mit den Kollegen verständigen, im Gegenzug hört man aber auch wirklich alles – ob man will oder nicht.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass eine Studie der Cornell Universität zu dem Ergebnis kam, dass eine zu hohe Lautstärke und Lärmbelästigung der häufigste Beschwerdegrund in Großraumbüros ist.

Der Grund: Es sind zu viele Lärmquellen, die von allen Seiten auf Arbeitnehmer einprasseln. Wo gehobelt wird, da fallen Späne – in handwerklichen Betrieben wortwörtlich, in Büros gilt: Wo gearbeitet wird, da kommt es zu Lärm.

Lärm am Arbeitsplatz ist dabei nicht nur eine Belastung für die Ohren, sondern hat weitere negative Konsequenzen:

Die Folgen von zu viel Lärm am Arbeitsplatz

Lärm am Arbeitsplatz Büro Krank Folgen Grenzwerte Folgen KonsequenzenLärm nervt. Jeder, der schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, direkt neben einer Baustelle zu arbeiten, wird mit Grauen an die Zeit zurückdenken. Je länger Lärm am Arbeitsplatz andauert, desto reizbarer sind alle Kollegen, das Betriebsklima leidet und Kleinigkeiten können zu Streitigkeiten werden. Darüberhinaus hat Lärm allerdings weitere Folgen, die verdeutlichen, warum möglichst schnell etwas unternommen werden sollte:

  • Lärm macht krank

    Großer und anhaltender Lärm kann auf verschiedenen Wegen krank machen. Zum einen besteht die Gefahr, dass das Gehör direkt geschädigt wird und ein Hörschaden zurückbleibt. Schwerhörigkeit oder Tinnitus können die Folgen sein. Dies gilt sowohl bei plötzlichen, sehr lauten Geräuschen als auch bei andauernder Lärmbelastung.

    Gleichzeitig wirkt Lärm am Arbeitsplatz auf den gesamten Körper – in Form von Stress. Der störende Lärm führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, die den Körper in einen Ausnahmezustand versetzen. Die Folgen sind Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Schlafschwierigkeiten und ein erhöhter Blutdruck bis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte.

  • Lärm macht unproduktiv

    Penetrante Geräusche lassen sich einfach nicht ausblenden oder ignorieren. Klare Gedanken sind kaum möglich, wenn der Lärm zu groß wird. So werden Sie bei der Arbeit immer wieder unterbrochen, können sich nicht auf Ihre Aufgaben konzentrieren und kommen nicht voran. Kurz: Lärm am Arbeitsplatz verlangsamt die Arbeitsleistung und lässt Mitarbeiter unproduktiver werden.

    Hinzu kommt, dass die Motivation sinkt. Schon der Gedanke an einen lärmenden Arbeitsplatz und die damit verbundene Arbeitsatmosphäre kann ausreichen, um das Motivationslevel auf den absoluten Nullpunkt sinken zu lassen.

  • Lärm macht müde

    Stundenlang mit Lärm am Arbeitsplatz konfrontiert zu sein ist anstrengend. Die Geräusche sind die gesamte Zeit im Ohrt, müssen verarbeitet und zugeordnet werden. Das geschieht zwar nicht bewusst, braucht aber dennoch Energie, die an anderer Stelle fehlt. Die Folge: Ständiger Lärm macht müde und zwingt Arbeitnehmer dazu, ihre Ressourcen schneller zu verbrauchen.

Tipps, um trotz Lärm produktiv zu bleiben

Im Idealfall gibt es am Arbeitsplatz die Möglichkeit, sich aus dem Lärm zurückzuziehen. Manche Unternehmen begegnen dem Problem mit einem Raum der Stille, einem möglichst gut isolierten Arbeitsplatz, an den sich Mitarbeiter begeben können, wenn sie mehr Ruhe für die Arbeit oder schlicht eine Auszeit vom Lärm brauchen. Leider ist das nicht überall möglich.

Für Arbeitnehmer wird es dann doppelt schwer: Sie müssen mit dem Lärm zurecht kommen und gleichzeitig weiterhin Leistungen abliefern. Selbst verständnisvolle Chefs erwarten schließlich, dass Aufgaben weiterhin erledigt. Aber wie?

Manch glückliche Arbeitnehmer sind scheinbar lärmresistent, selbst der nervigste Krach macht ihnen nichts aus. Sie arbeiten konzentriert trotz Marschkapelle im Raum. Das gelingt nicht jedem, doch gibt es Tipps, um trotz Lärm am Arbeitsplatz produktiv zu bleiben:

  1. Erhöhen Sie Ihre Geräuschtoleranz

    Die Geräuschkulisse am Arbeitsplatz sollte so niedrig sein, dass für alle ein angenehmes und konzentriertes Arbeiten möglich ist. Es liegt daher eigentlich nicht bei Ihnen, sich an zu viel Lärm anzupassen. Dennoch kann es helfen und Ihnen bei der Arbeit nützlich sein, wenn Sie weniger sensibel auf laute Geräusche reagieren.

    Es erfordert Übung, doch man kann lernen, Geräusche auszublenden und diese so weniger wahrzunehmen. Konzentrieren Sie sich beispielsweise bewusst auf eine Aufgabe, während im Hintergrund Musik läuft oder lassen Sie auch zu Hause das Radio laufen, um sich an die Lautstärke zu gewöhnen und diese unbewusst auszublenden.

  2. Sorgen Sie für eigene Beschallung

    Ist der Lärm am Arbeitsplatz so groß, dass Sie kaum noch klar denken können, kann es helfen, mit Lautstärke gegen Lautstärke anzukämpfen. Klingt merkwürdig, funktioniert aber tatsächlich. Sie brauchen dazu lediglich Kopfhörer – geschlossene, die äußere Geräusche nicht ans Ohr kommen lassen – und Ihre Lieblingsmusik.

    Die angenehmen Klänge der Musik sind für viele deutlich besser zu ertragen, als beispielsweise Baustellenlärm oder ständig klingelnde Telefone. Allerdings haben die Kopfhörer zwei kleine Haken: Zum einen müssen Sie trotzdem mit der Lautstärke klar kommen, Sie ersetzen lediglich die Geräusche. Zum anderen ist es nicht in jedem Job ohne weiteres möglich, während der Arbeitszeit Musik zu hören, da man erreichbar oder aufmerksam sein muss.

  3. Entfliehen Sie dem Büro

    Die beste Methode, um dem Lärm am Arbeitsplatz zu entkommen: Arbeiten Sie wenn möglich aus dem Home Office. Dies ist eine besonders gute Lösung, wenn die Lärmquelle am Arbeitsplatz nicht von Dauer ist, sondern nach absehbarer Zeit wieder verschwindet. In den eigenen vier Wänden, wo man die Lautstärke selbst bestimmen kann, arbeitet es sich gleich produktiver – und entspannter.

    Solche Pläne müssen Sie jedoch in jedem Fall mit Ihrem Chef absprechen und sich die entsprechende Erlaubnis holen, um der Arbeit nicht unentschuldigt fernzubleiben.

  4. Machen Sie häufigere Pausen

    Lärm bedeutet für die meisten Arbeitnehmer vor allem zwei Dinge: Stress und fehlende Konzentration. Beides führt dazu, dass die Arbeit keinen Spaß mehr macht und zusätzlich die Ergebnisse zu wünschen übrig lassen. Dem wirken Sie entgegen, indem Sie regelmäßige Pausen machen, in denen Sie das laute Büro verlassen können.

    Was Sie genau in der Pause machen, ist dabei Ihnen überlassen. Spazieren gehen, einen Kaffee trinken gehen oder auch einfach nur vor der Tür durchatmen – Hauptsache Sie kommen auf andere Gedanken, können sich vom Dauerlärm erholen und kommen gestärkt zurück.

  5. Sprechen Sie das Problem an

    Bleibt der Lärm bestehen, ist es unausweichlich, das Problem anzusprechen. Handelt es sich um einen Kollegen, für den Krach verantwortlich ist, sollten Sie diesen direkt darauf ansprechen, jedoch ohne ihn dabei persönlich anzugreifen. Schildern Sie Ihre Sicht der Dinge möglichst vorwurfsfrei, um die Chance auf eine Einigung zu erhöhen.

    Auch Ihren Chef sollten Sie informieren, wenn der Lärm am Arbeitsplatz zu viel wird. Dieser ist dafür verantwortlich, akzeptable Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter zu schaffen. Baustellen kann er zwar nicht verschwinden lassen, aber bei vielen Problemen aufgrund von Lärm lassen sich Lösungen finden.

Grenzwerte am Arbeitsplatz: Welche Lautstärke ist erlaubt?

Lärmschutz Grenzwerte am Arbeitsplatz: Welche Lautstärke ist erlaubtUm die Mitarbeiter vor den Folgen einer zu hohen Lärmbelastung zu schützen, gibt die Lärmschutzverordnung einige Richtlinien vor. So soll insbesondere verhindert werden, dass es zu gesundheitlichen Schäden kommt, wenn Arbeitnehmer zu lange sehr hohen Lautstärken ausgesetzt sind.

Entscheidend für die Maßnahmen, die in der Lärmschutzverordnung vorgesehen sind, sind zwei unterschiedliche Werte: Zum einen der sogenannte Tages-Lärmexpositionspegel und zum anderen der Spitzenschalldruckpegel.

Der Tages-Lärmexpositionspegel ist dabei nichts anderes als der Mittelwert des Lärms an einem durchschnittlichen Arbeitstag von acht Stunden. Erreicht dieser Wert 80 Dezibel, ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Mitarbeiter über die Belastung und mögliche Folgen zu informieren und einen Gehörschutz zur Verfügung zu stellen. Ab einem Mittelwert von 85 Dezibel muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass alle Mitarbeiter einen Hörschutz tragen und der Arbeitgeber muss ein Lärmminderungsprogramm erstellen, um die Situation zu verbessern.

Hinter dem Spitzenschalldruckpegel verbirgt sich die maximale Lautstärke, die an einem Arbeitsplatz erreicht werden kann. Diese sind bereits bei kurzem Auftreten eine Gefahr für die Gesundheit. Liegt der Höchstwert bei 135 Dezibel, treten die gleichen Maßnahmen wie bei einem Mittelwert von 80 Dezibel in Kraft – auch wenn der Durchschnitt weiter unter dem Wert liegt. Ab einer maximalen Lautstärke von 137 Dezibel ist immer ein Hörschutz zu tragen und der Arbeitgeber wird auch hier verpflichtet, den Lärm zu begrenzen, unabhängig davon, ob die Lautstärke nur für einen kleinen Moment erreicht wird.

Für Büros gibt es keine festen Grenzwerte, extreme Werte werden dort selten erreicht. Um ein konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen und den Stress zu senken, wird jedoch empfohlen, einen durchschnittlichen Geräuschpegel von unter 55 Dezibel anzustreben.

Was sind die nervigsten Geräusche?

Jeder kennt sie: Geräusche, die einen in den Wahnsinn treiben, die so unangenehm sind, dass es in den Ohren weh tut, sich einem die Haare aufstellen und ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Wir haben neun der nervigsten Geräusche zusammengestellt, bei denen bereits der Gedanke dazu führt, dass die Augen zusammengekniffen werden.

  1. Tropfender Wasserhahn

    Ein Geräusch, das einen vor allem wegen seiner Penetranz in den Wahnsinn treibt und Aggressionen weckt. Wer das Pech hat, seinen Schreibtisch in der Nähe der Kaffeeküche zu haben, kann vermutlich ein Lied davon singen und wünschte sich jeden Tag sehnlichst den Handwerker herbei, der die unsägliche Lärmquelle repariert.

  2. Bremsender Zug

    Es gibt mehrere Möglichkeiten, um in den zweifelhaften Genuss dieses nervigen und besonders lauten Geräusch zu kommen. Entweder Sie fahren häufiger mit der Bahn, etwa weil Sie auf Geschäftsreise sind, Ihr Arbeitsplatz liegt in der Nähe eines Bahnhofs oder vielleicht sind Sie auch als Lokführer oder Schaffner tätig – auf jeden Fall kennen Sie das langgezogene, grelle Quietschen, wenn der Zug bremst und langsam zum Stillstand kommt. Sekunden, die jedes Trommelfell strapazieren.

  3. Kreisender Bohrer

    Vor allem Patienten schaudert schon im Voraus, wenn sie nur an das Summen des Bohrers denken. Für Zahnärzte dagegen ist das grässliche Geräusch des Zahnbohrers vermutlich bereits Routine. Doch nicht nur das Geräusch des Zahnarztbohrers ist unangenehm, auch ein Handwerker im Haus, der mit einem Bohrer hantiert, kann jeden Arbeitsplatz in einen Lärm hüllen, der jede Konzentration im Keim erstickt.

  4. Quietschende Schuhe

    Sportschuhe und ein glatter Untergrund sind in Kombination Gift für die Ohren. Ist der Arbeitsplatz mit Teppich ausgelegt, kann man dem Gequietsche vielleicht eingehen, doch warten dann andere lärmende Zeitgenossen.

  5. Staub saugen

    Ja, Ordnung muss sein, doch auf den ohrenbetäubende Lärm eines Staubsaugers würde man dabei gerne verzichten. Zwar gibt es inzwischen auch einige leisere Modelle, doch wirklich angenehme Laute geben diese trotzdem nicht von sich.

  6. Luftballons zuknoten

    Der Anlass für die bunten Ballons ist in der Regel positiv, doch das quieksende Geräusch, das diese erzeugen, wenn sie zusammengeknotet werden, ist alles andere als ein Grund zur Freude.

  7. Kreischende Kreide

    Der schlimmste Moment in jeder Schulstunde: Nicht etwa die Abfrage der Hausaufgaben, sondern das unbeschreiblich hohe Geräusch von Kreide, die über der Schultafel entlang rutscht. Die Reaktion sind zugehaltene Ohren und allgemeine Gänsehaut bei allen Anwesenden.

  8. Pfeifende Rückkopplung

    Wenn bei der Technik etwas schief läuft, kann die Rückkopplung des Mikrofons einen schrillen Pfeifton erzeugen, der durch Mark und Bein geht. Besonders schlimm ist dieses Geräusch, weil es meist unvorbereitet kommt durch den beteiligten Lautsprecher eine hohe Lautstärke erreicht.

  9. Summende Mücken

    Hier kommt es weniger auf die Lautstärke an. Schon das Geräusch einer summenden Mücke reicht oft aus, um Juckreiz am ganzen Körper hervorzurufen. Je mehr es in der Umgebung summt und schwirrt, desto schneller möchte man sich nach drinnen verkriechen.

[Bildnachweis: Aaron Amat by Shutterstock.com]
5. November 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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