Musik hören am Arbeitsplatz: Was ist erlaubt

Mit Musik geht alles gleich besser – langweilige Routineaufgaben werden beschwingt nebenbei erledigt. Musik hören am Arbeitsplatz ist aber eine knifflige Sache. Nicht nur, weil die Geschmäcker verschieden sind: Mancher Kollege braucht schlichtweg seine Ruhe, um arbeiten zu können. Auch ist das Musik hören am Arbeitsplatz für bestimmte Bereiche schlichtweg nicht angebracht oder der Arbeitsort nicht geeignet. Was Arbeitnehmer wissen müssen…

Musik hören am Arbeitsplatz: Was ist erlaubt

Was sagt die Forschung zur Musik bei der Arbeit?

Wer gerne Musik hört und vielleicht einer langweiligen Tätigkeit nachgeht, wird sich freuen zu hören, dass Studien bereits vor Jahren herausgefunden haben, dass Musik die Leistung steigert. Das gilt allerdings vor allem für Ausdauersportarten, also beispielsweise beim Jogging oder Fünf-Kilometer-Rennen.

Außerdem spielt es eine Rolle, ob die Probanden ihre Musik selbst wählen durften oder nicht. Für andere Sportarten, bei denen komplexere Koordination erforderlich ist wie etwa beim Volleyball, konnten diese diese Ergebnisse nicht bestätigt werden.

Hier stellte sich lediglich heraus, dass Musik stärker motivierte und die Risikofreudigkeit erhöhte, beispielsweise den Ball aus einer größeren Distanz zu werfen. Die Leistungen blieben jedoch unterm Strich die gleichen.

Wie sieht es aber am Arbeitsplatz aus? Studien wie die der Universität Marburg konnten zumindest nachweisen, dass Musik auf die Probanden stressreduzierende Wirkung hatte.

Die Teilnehmer der Studie konnten zwischen verschiedenen Musikarten wählen. Im Nachgang entnahmen die Wissenschaftler Speichelproben, in denen Cortisolwerte (Stresshormon) bestimmt wurden. Gleich, ob es Musik zur Entspannung, Aktivierung, Ablenkung oder gegen Langeweile war: In allen Fällen waren die Cortisolwerte geringer.

Musik hören am Arbeitsplatz: Was ist erlaubt?

Musik am Arbeitsplatz KonzentrationWas sagt denn eigentlich das Gesetz dazu – ist Musik erlaubt? Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat grundsätzlich nichts gegen Musik hören am Arbeitsplatz einzuwenden. Dies wurde in einem Beschluss (14. Januar 1986, 1 ABR 75/83) festgestellt. Vielmehr obliegt die Entscheidung dafür, ob es erlaubt ist oder nicht beim Arbeitgeber.

Hier entscheidet also der Einzelfall und sehr wahrscheinlich der konkrete Arbeitsbereich, ob Sie Musik hören dürfen oder nicht. Vorstellbar ist schließlich, dass bei dröhnender Lautstärke über Kopfhörer das Telefon nicht mehr gehört wird oder anderweitige Signale untergehen.

Existiert ein Betriebsrat, hat dieser ein Mitspracherecht, das sich aus § 87 Abs. 1 Nr. 1 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)(BAG, 1 ABR 75/83) ableitet. Bei kleineren Betrieben ohne Betriebsrat entscheidet der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, ob den Mitarbeitern Musik hören am Arbeitsplatz gestattet ist oder nicht:

Ein Verbot wäre zum Beispiel unverhältnismäßig, obwohl die Konzentration am Arbeitsplatz durch Musik nicht beeinträchtigt wird – beispielsweise bei monotonen Tätigkeiten im Akkord. Weniger geeignet wäre Musik, wenn der Kundenkontakt darunter leidet – daher ist in Callcentern Musik am Arbeitsplatz verboten.

Ebenfalls kann der Arbeitgeber bei handwerklichen Tätigkeiten, etwa dem Führen von Kraftfahrzeugen die Musik untersagen, wenn es der Abwendung von Gefahren und Risiken dient.

Klar ist auch, dass Musik hören am Arbeitsplatz nicht die Kollegen belästigen oder stören darf. Kopfhörer können dann eine Möglichkeit sein. Eine Garantie gibt es dennoch nicht: Zwar sind die Kollegen ausreichend berücksichtigt, aber Kopfhörer schirmen den Nutzer stark vom Umfeld ab. Je nach Job und Tätigkeit kann das ein Gefährdungspotenzial darstellen.

Macht Musik hören am Arbeitsplatz entspannter?

Tagtäglich sind wir einer Vielzahl von Geräuschen ausgesetzt. Nur noch 37 Prozent aller Arbeitnehmer arbeiten überhaupt noch in Einzelbüros – der Rest verteilt sich auf Großraumbüros und andere Arbeitsbereiche. Und das alles heißt:

  • klappernde Absätze
  • geräuschvoll geschlossene Türen
  • Kopier- und Druckergeräusche
  • Tippen auf der Tastatur
  • Telefonklingeln
  • Unterhaltungen der Kollegen
  • Körpergeräusche der Kollegen

Faustregel: Je mehr Menschen, desto lauter. Macht Musik als zusätzliche Geräuschkulisse entspannter? Das kommt ganz darauf an. Keine Studie der Welt wird ernsthaft behaupten wollen, dass jede Musik auf jedes Gemüt gleichermaßen wirke.

Bei dem einen ruft Thrash Metal Aggressionen hervor, beim nächsten ist es die volkstümliche Schlagerparade. Manche schwören ja auf Klassik und imaginieren dabei sanfte Violinenklänge, die sich sphärisch in die Gehörgänge winden.

Aber selbst Beethovens 5. Sinfonie oder Bachs Toccata und Fuge sind nicht zwangsläufig geeignet, sich in eine Aufgabe zu vertiefen. Klassik ist nicht gleich Klassik. Und abhängig vom eigenen Musikgeschmack können die Reaktionen auf Musik ausfallen. Musikstil und persönliche Vorliebe sind die eine Sache, die sich auf den Hörer auswirkt. Was ebenfalls eine Rolle spielt: Lautstärke und Tempo.

So konnten Studien beispielsweise belegen, dass laute Musik dazu führt, dass die Konzentrationsfähigkeit sinkt. Hingegen soll leise Musik sich konzentrationsfördernd und sogar produktivitätssteigernd im Vergleich zum Arbeiten ohne Musik auswirken. Offenbar passen sich Hörer der Musik unbewusst an.

Besonders vorteilhaft für das Leistungsvermögen sind demnach gleichmäßige Rhythmen in moderater Lautstärke, die im Hintergrund dudeln.

Musik ist nicht gleich Musik

Über persönliche Vorlieben wurde bereits geschrieben. Tatsächlich hat die Art der Musik auch unabhängig vom persönlichen Geschmack einen Effekt darauf, wie wir arbeiten. Oder anders formuliert: Nicht jede Musik ist für jede Art von Arbeit geeignet:

  • Monotone Tätigkeiten

    Wer monotone Aufgaben erledigen muss, entwickelt mit der Zeit eine Routine. Dazu zählt beispielsweise das Einpflegen von Daten in Datenbanken, Akten sortieren oder die Arbeit auf dem Lager in einer Fabrik. Diese Tätigkeiten sind irgendwann ermüdend, die Folge: die Leistung lässt nach. Diese Arbeiten eignen sich für dynamische, abwechslungsreiche Musik, die eher anregend wirkt.

    Das können rockigere Stücke sowie Popmusik oder auch Rap sein. Nachweislich steigert das Tempo der Musik auch das eigene Tempo. Das heißt, dass sich getragene Balladen und andere, langsame Stücke eher nachteilig auswirken würden, da sie eher einlullend sind. Wer beispielsweise in der Nachtschicht einen Blick auf verschiedene Monitore haben muss, sollte dabei besser nicht einschlafen.

  • Komplexe Tätigkeiten

    Kontraproduktiv können diese Stücke allerdings sein, wenn Sie sich voll und ganz auf etwas konzentrieren und beispielsweise anspruchsvolle Texte erfassen müssen. Oder Sie entwickeln einen neuen Programmiercode. Gerade Stücke mit Gesang, die womöglich zum Mitsingen verleiten, können die Konzentration deutlich erschweren.

    Eher geeignet sind hier Naturgeräusche wie Regen, Meeresrauschen oder Vögel im Wald. Auch klassische Musik (bei entsprechender Lautstärke und Beschaffenheit) sowie Instrumentalmusik können die Arbeit positiv beeinflussen.

Tipps fürs Musik hören am Arbeitsplatz

Musik am Arbeitsplatz nervtHat Ihr Chef bisher nichts gegen Musik hören am Arbeitsplatz geäußert, spricht zunächst nichts dagegen, zukünftig mit musikalischer Unterstützung zu arbeiten. Ihr Arbeitsvertrag bezieht sich lediglich darauf, dass Sie eine bestimmte Leistung zu erbringen haben.

Wie Sie diese erbringen, wie Sie also Ihre Arbeit ausgestalten, bleibt Ihnen überlassen. Dennoch sollten Sie vorab bestimmte Aspekte klären, um möglichst keine Schwierigkeiten zu bekommen:

  • Arbeiten Sie allein oder mit mehreren in einem Büro? Falls letzteres: Wie weit auseinander sitzen Sie, so dass Sie womöglich Kollegen stören könnten?
  • Besteht die Möglichkeit, etwaige Störungen anderer durch Kopfhörer abzufedern?
  • Besteht die Wahrscheinlichkeit, sich mit anderen Kollegen auf einen Musikgeschmack verständigen zu können?
  • Wird die Musik den Kontakt mit Kunden beeinflussen?

Falls Sie in einem Einzelbüro sitzen oder aber musikalisch auf einer Wellenlänge sind, ist das Musik hören über eine Kompaktanlage möglich. Wenn die Musik am Arbeitsplatz aber nervt und Kollegen sich dadurch gestört fühlen, müssen Sie auf Kopfhörer ausweichen.

GEMA und Rundfunkbeitrag

Für Musik übers Radio fällt der Rundfunkbeitrag an, früher auch GEZ-Gebühr genannt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob nur hin und wieder oder täglich von morgens bis abends das Radio läuft. Auch zählt nicht, wenn bereits privat der Rundfunkbeitrag errichtet wird.

Die Kosten für Musik hören am Arbeitsplatz richten sich nach:

  • Anzahl der Beschäftigten
  • Anzahl der Betriebsstätten
  • Anzahl der Kraftfahrzeuge

Es können zusätzlich Lizenzgebühren bei der GEMA anfallen. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (so der vollständige Name) stellt sicher, dass die Urheberrechte von Musikern, Komponisten, Textdichtern und Musikverlegern gewahrt werden.

Wird beispielsweise im Einzelhandel Musik im Verkaufsraum abgespielt, so dass nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Kunden die Musik hören, müssen Gebühren gezahlt werden. Gleiches gilt für offizielle Anlässe im Job, etwa auf der Weihnachtsfeier.

[Bildnachweis: VGstockstudio by Shutterstock.com]
28. Oktober 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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