Tarifvertrag: Arten und Inhalte einfach erklärt

Ein Tarifvertrag regelt das Arbeitsverhältnis zwischen Tarifvertragspartnern. Das sind in der Regel Gewerkschaftsmitglieder auf der einen und Arbeitgeber auf der anderen Seite. Das Besondere daran: Es geschieht (unter Einhaltung der Gesetze) weitestgehend unabhängig vom Staat. Die Rede ist hier von der sogenannten Tarifautonomie.

Tarifverträge haben gegenüber normalen Arbeitsverträgen für Arbeitnehmer etliche Vorzüge. Beispielsweise erhalten sie in 69 Prozent aller Fälle Urlaubsgeld, wenn das Unternehmen tarifgebunden ist. Gibt es keinen Tarifvertrag, zahlen nur 36 Prozent aller Arbeitgeber diese Sonderleistung.

Grund genug, sich genauer mit Tarifverträgen zu beschäftigen – vielleicht gibt es sogar einen gültigen für Ihr Arbeitsverhältnis. Wir beantworten alle wichtigen Fragen rund um den Tarifvertrag: Wir erklären das Pro und Kontra, welche Arten unterschieden werden und unter welchen Bedingungen ein Tarifvertrag für Sie gilt…

Tarifvertrag: Arten und Inhalte einfach erklärt

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Was ist ein Tarifvertrag?

Die Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmernehmern sind im Widerstreit miteinander. Ein Tarifvertrag sorgt dafür, die strukturelle Ungleichheit der Arbeitnehmerseite gegenüber der Arbeitgeberseite auszugleichen.

Geschlossen wird er zwischen den Gewerkschaften (stellvertretend für die Arbeitnehmer) und den Arbeitgeberverbänden (bei Verbandstarifen stellvertretend für den Arbeitgeber) beziehungsweise einzelnen Arbeitgebern (bei Haus-, Firmen- oder Werkstarif).

Die rechtliche Grundlage des Tarifvertrags – in Österreich Kollektivvertrag, in der Schweiz Gesamtarbeitsvertrag genannt – ist das Tarifvertragsgesetz (TVG). Wie bei jedem Vertrag sind die Inhalte für beide Seiten üblicherweise verpflichtend, man spricht hier von Tarifbindung.


Welche Funktionen erfüllt ein Tarifvertrag?

Der Tarifvertrag hält grundlegende Vereinbarungen unter anderem zu Arbeitszeit, Lohn/Gehalt und Urlaub fest. So können Sie ihm zum Beispiel entnehmen, in welche Entgeltgruppe Sie eingruppiert sind und wie diese vergütet wird.

Darüber hinaus erfüllen Tarifverträge im Wesentlichen drei Funktionen:
  • Schutzfunktion: Durch Tarifverträge wird der Arbeitsmarkt geregelt, denn die verbindlichen Vorgaben für individuelle Arbeitsverträge sorgen dafür, dass der Preis für die Arbeit zumindest etwas der möglichen Konkurrenz der Arbeitnehmer untereinander entzogen wird.
  • Friedensfunktion: Den Vertragsparteien ist es während der Laufzeit des Tarifvertrags untersagt, Arbeitskämpfe bezüglich der geregelten Inhalte zu führen.
  • Verteilungsfunktion: Durch ein verbindliches Lohn- und Gehaltsgefüge wird die Beteiligung der Arbeitnehmer am Sozialprodukt gewährleistet.


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Inhalt von Tarifverträgen

Tarifverträge enthalten einen schuldrechtlichen (obligatorischen) Teil, der die Rechte und Pflichten umfasst, und einen normativen Teil, der arbeitsrechtliche Normen festsetzt. Dieser ist für Arbeitnehmer besonders interessant, denn er befasst sich mit dem Arbeitsverhältnis und den zugehörigen Fragen.

Die wichtigsten Punkte innerhalb eines Tarifvertrages sind:

  • Arbeitszeiten
    Neben einer Verkürzung der Arbeitszeit geht es häufig um die Ausgestaltung. In den letzten 30 Jahren hat in Deutschland eine deutliche Flexibilisierung stattgefunden. Verschiedene Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit kommen nicht nur Arbeitnehmern, sondern auch Arbeitgebern entgegen.

    Für die einen bedeutet es etwa eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder auch einfach verbessertes Arbeiten gemäß Biorhythmus. Für die Arbeitgeberseite springen mehr Leistungsbereitschaft, Mitarbeiterzufriedenheit und Effizienz heraus.

    Mehr zu “ rel=“noopener noreferrer“ target=“_blank“>flexiblen Arbeitszeitmodellen lesen Sie HIER.

  • Arbeitsentgelt
    Ein häufiger Streitpunkt und eine der wichtigsten Forderungen der Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen ist das Gehalt beziehungsweise der Lohn der Arbeitnehmer. Hierbei wird festgelegt, wie viel die Arbeitnehmer verdienen oder in welchen Schritten das Gehalt erhöht wird.

    Mehr zum Arbeitsentgelt lesen Sie HIER.

  • Arbeitsbedingungen
    Die Bedingungen, unter denen eine Aufgabe zu erledigen ist, kann im Arbeitsalltag einen großen Unterschied für die Arbeitnehmer machen. Sind sie Lärm, Staub oder Abgasen ausgesetzt? Arbeiten sie im Freien, ist die Arbeit überwiegend körperlich oder im Sitzen?

    Diese Umstände tragen entscheidend zum Wohlbefinden und somit zum Arbeitsklima bei. Aus diesem Grund fordern Gewerkschaften verstärkt bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder.

    Mehr zu den Arbeitsbedingungen lesen Sie HIER.

  • Kündigungsfristen
    Häufig werden in Tarifverträgen längere Kündigungsfristen als die gesetzlichen vereinbart. Dies ist abhängig von der Betriebszugehörigkeit und wird beispielsweise im öffentlichen Dienst in § 34 TVöD geregelt.

    Wer länger als ein Jahr beschäftigt ist, hat eine Kündigungsfrist von maximal sechs Monaten zum Ende eines Quartals. Ebenso können allerdings auch kürzere Kündigungsfristen als die gesetzlich vorgesehenen Fristen vereinbart werden.

    Neben Kündigungen regelt ein Tarifvertrag Entlassungen sowie Einstellungsmodalitäten bei neuen Arbeitsverhältnissen.

    Mehr zu den Kündigungsfristen lesen Sie HIER.

  • Urlaubsanspruch
    Das Bundesurlaubsgesetz regelt lediglich den den gesetzlichen Mindestanspruch. Durch die Verhandlungen der Gewerkschaft kann ein Tarifvertrag nach oben abweichen.

    Mehr zum Urlaubsanspruch lesen Sie HIER.

  • Zusatzleistungen
    Auch zusätzliche Leistungen an die Arbeitnehmer, beispielsweise in Form von Weihnachtsgeld, können im Tarifvertrag vereinbart werden. Welchen genauen Leistungen hier vereinbart werden, variiert von Branche zu Branche.

    Mehr zu den Zusatzleistungen lesen Sie HIER.
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Worin unterscheiden sich Arbeits- und Tarifvertrag?

Streng genommen regelt ein Tarifvertrag die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Gewerkschaftsmitglieder. Rein rechtlich haben nur sie einen Anspruch auf die im Tarifvertrag vereinbarten Leistungen. In der Praxis werden die Regelungen auch auf andere Mitarbeiter angewendet.

Hintergrund ist der, dass der Arbeitgeber anderenfalls die Angestellten in die Arme der Gewerkschaft treiben würde und das liegt nicht in seinem Interesse.

Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass das Tarifvertragsgesetz unmittelbar gilt, ohne dass es einer weiteren Vereinbarung oder Bestätigung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedarf. Für den Arbeitnehmer bedeutet dies, dass Regelungen im Arbeitsvertrag ungültig sind, sofern sie gegen das TVG verstoßen.

Es besteht außerdem Tarifvorrang. Enthält ein Arbeitsvertrag für den Arbeitnehmer ungünstigere Regelungen, gilt der Tarifvertrag. Da immer das Wohl des Arbeitnehmers im Mittelpunkt steht, gibt es mit dem Günstigkeitsprinzip eine Ausnahme, bei der vom Tarifvertrag abgewichen werden darf:

Falls es einem Arbeitnehmer gelingt, in einem Arbeitsvertrag bessere Konditionen auszuhandeln, als sie der Tarifvertrag vorsehen würde, gilt der Arbeitsvertrag.

Unterschied zwischen Tarifvertrag und Betriebsvereinbarungen

Es gibt verschiedene Wege, Abkommen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu treffen. Unterschiede bestehen in der Hierarchie dieser vertraglichen Regelungen:

  • Tarifvertrag
  • Betriebsvereinbarung
  • Einzelarbeitsvertrag

In der Hierarchie am höchsten – und daher bindend – ist ein Tarifvertrag, sofern einer für das Unternehmen gilt. Während dieser zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden geschlossen wird, ist die Betriebsvereinbarung ein Abkommen zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat (in seiner Funktion als Arbeitnehmervertretung).

Sie können vergleichsweise schnell und unkompliziert ausgehandelt werden, so dass sie vor allem da zum Tragen kommen, wo noch kein Tarifvertrag existiert.

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Wann gilt ein Tarifvertrag für mich?

Rund 77.000 gültige Tarifverträge gibt es derzeit in Deutschland. Die entscheidende Frage lautet meist: Gilt ein Tarifvertrag für mich? Um das zu klären, sind müssen Sie drei Möglichkeiten beachten:

  • Tarifwirkung
    Sie sind Mitglied in der Gewerkschaft und Ihr Arbeitgeber Teil des Arbeitgeberverbandes, der den Tarifvertrag geschlossen hat? Dann fällt Ihr Arbeitsverhältnis unter die sogenannte Tarifwirkung und die getroffenen Vereinbarungen sind für Sie gültig.
  • Einzelvertragliche Vereinbarung
    Die Gültigkeit eines Tarifvertrages kann auch im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Selbst wenn Sie nicht Mitglied einer Gewerkschaft sind, kann so geregelt werden, dass der Tarifvertrag für Ihre Beschäftigung angewendet wird.

    Dahinter steht die sogenannte Gleichstellungsabrede. Es handelt sich um eine Klausel im Arbeitsvertrag, anhand derer ein tarifgebundener Arbeitgeber festlegt, dass ein Tarifvertrag und alle eventuell nachfolgenden Tarifregelungen (dynamische Verweisungsklausel) auch für diesen Arbeitnehmer gelten – unabhängig von der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft.
  • Allgemeinverbindlichkeit
    Es besteht die Möglichkeit, dass ein Tarifvertrag durch den Bundesarbeitsminister in den Status der Allgemeinverbindlichkeit gehoben wird. Dies kann passieren, wenn die Tarifwirkung nicht ausreicht, um die verschiedenen Arbeitnehmer einer Branche zu schützen.

Eine mögliche Ausnahme: Es gibt Fälle, in denen der Arbeitgeber Mitglied im Arbeitgeberverband ist, dieser jedoch eine Satzung enthält, die eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung (so genannte OT-Mitgliedschaft) ermöglicht. Gewerkschaften sprechen hier von Tarifflucht, denn die Inhalte des Tarifvertrages sind für den Arbeitgeber nicht mehr bindend.


Wann gilt kein Tarifvertrag?

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass die bloße Existenz eines Tarfivertrages für die eigene Branche eine Bezahlung nach Tarif für den Arbeitnehmer bedeutet. Auch hier gilt: So lange weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer tarifgebunden sind, existiert für den Arbeitgeber keine Pflicht, sich etwa hinsichtlich der Arbeitszeit oder des Gehalts daran zu orientieren.

Das bedeutet, dass ein Arbeitgeber schlechtere Konditionen mit dem Arbeitnehmer aushandeln kann, als sie etwa branchenüblich sind. Zum Beispiel eine höhere Arbeitszeit. Zwar dürfen in der Regel 40 Wochenstunden nicht überschritten werden. Aber manche Tarifverträge sehen beispielsweise eine reduzierte Arbeitszeit von nur 37,5 Stunden bei gleichbleibender Bezahlung vor.

Der Austritt aus dem Arbeitgeberverband reicht übrigens nicht, dass ein Tarifvertrag seine Gültigkeit findet. Die Tarifbindung endet erst dann, wenn auch der Tarifvertrag ausläuft.


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Gibt es einen Tarifvertrag in der Zeitarbeit?

Im öffentlichen Dienst, in der Finanz- und Versicherungsbranche sowie im Baugewerbe sind Tarifverträge an der Tagesordnung.

Ungeachtet der Tatsache, dass es allein in Nordrhein-Westfalen tausende von Tarifverträge gibt, existieren aber auch zahlreiche Branchen und Unternehmen, in denen es keine tarifliche Bindung gibt.

Hervorzuheben wäre der Niedriglohnsektor, der oftmals gerade den gesetzlichen Mindestlohn zahlt. Dazu zählen Unternehmen, die im Bereich Facility Management, Security oder in der Reinigungsbranche arbeiten.

Diese Tätigkeiten werden häufig über Zeitarbeitsfirmen vermittelt. Die Branche genießt oft keinen allzu guten Ruf. Dabei muss Zeitarbeit keine schlechtere Entlohnung bedeuten. Zum einen gibt es gibt es seit einigen Jahren eine Equal-Pay-Regelung.

Diese besagt, dass nach spätestens neun Monaten die Leiharbeiter denselben Lohn wie die Stammbelegschaft erhalten müssen.

Zum anderen existieren in der Zeitarbeit etliche Tarifverträge zwischen dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister e.V. (BAP) sowie dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V. (iGZ).

Über Entgelttarifvertrag, Manteltarifvertrag und weiteren Tarifverträgen werden zwischen BAP, iGZ und DGB folgende Inhalte festgelegt:

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Arten und Beispiele für Tarifverträge

Durch die mediale Berichterstattung sind die Tarifverträge am bekanntesten, die die meisten Arbeitnehmer betreffen. Beispielsweise in folgenden Branchen:

  • Öffentlicher Dienst – Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TvöD)
  • Medizin – Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte/Arzthelferinnen (MFA)
  • Einzelhandel – Tarifvertrag Handel (Tv-H)
  • Versicherung – Tarifvertrag für die Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche (TVF)
  • Bau – Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV)
  • Metallverarbeitung – Entgelt-Rahmenabkommen in der Metall- und Elektroindustrie (ERA)

Deutlich wird: Tarifvertrag ist noch lange nicht gleich Tarifvertrag. Manche unterscheiden sich in erster Linie dadurch, wer von den Regelungen, auf die man sich einigen konnte, betroffen ist und welche Bereiche der Vertrag behandelt:


Unterscheidung nach Vertragsparteien
  • Verbandstarifvertrag
    Diese Art wird auch Branchen- oder Flächentarifvertrag genannt und ist die häufigste Form des Tarifvertrages in Deutschland. Er hat Gültigkeit beispielsweise für eine Branche oder einen vorher festgelegten Tarifbezirk, wie zum Beispiel ein bestimmtes Bundesland. Da sie meist auf regionaler Ebene geschlossen werden, gibt es geringfügige Unterschiede zwischen den Verträgen. Für gewöhnlich sind die Lohnerhöhungen davon nicht betroffen, Ausnahme ist Ostdeutschland: Der durchschnittliche Tariflohn dort entspricht nur zu 96,5 Prozent dem Westlohn.
  • Firmentarifvertrag
    Dieser Vertrag entsteht zwischen einer Gewerkschaft und einem einzelnen Unternehmen, er wird daher auch Haustarifvertrag genannt. Bekannte Beispiele für Firmentarifverträge sind der Tarifvertrag zwischen der IG Metall und dem Automobilhersteller Volkswagen oder auch der Firmentarifvertrag zwischen der IG Bergbau, Chemie, Energie mit den großen Mineralölkonzernen. Orientiert sich dieser Tarifvertrag an branchenspezifischen Tarifen oder werden teilweise Inhalte von branchenspezifischen Verbandstarifverträgen übernommen, ist vom Anerkennungstarifvertrag die Rede, da Inhalte eines anderen Tarifvertrages anerkannt werden.
  • Mehrgliedriger Tarifvertrag
    Hierbei handelt es sich um eine etwas speziellere Form des Tarifvertrages. Als Vertragspartner können in diesem Fall auf beiden Seiten mehrere Parteien stehen. Es können also beispielsweise fünf Gewerkschaften gleichzeitig mit mehreren Arbeitgeberverbänden verhandeln. Sofern es nicht anders festgelegt ist, bestehen hier mehrere Verträge, die zum Beispiel von jeder Tarifpartei getrennt gekündigt oder geändert werden können. Genauso gut kann aber festgehalten werden, dass alle oder bestimmte Rechte nur gemeinsam angewendet werden können. Man spricht dann von Einheitstarif.


Andere lassen sich anhand des Inhalts unterscheiden und beispielsweise wie folgt gliedern:


Unterscheidung nach Inhalt
  • Manteltarifvertrag
    Der Manteltarifvertrag (auch als Rahmentarifvertrag bezeichnet) beschäftigt sich mit einigen wichtigen Fragen des Arbeitsverhältnisses. Dazu zählen in erster Linie die Arbeitszeit, der Urlaubsanspruch oder Kündigungsfristen. Ein Vorteil dieser Verträge ist ihre lange Laufzeit, die teilweise sogar unbegrenzt sein kann.
  • Gehaltstarifvertrag
    Um eine angemessene Entlohnung der Mitglieder zu garantieren, schließen Gewerkschaften mit den Arbeitgeberverbänden sogenannte Gehaltstarifverträge ab. Dadurch können Arbeitnehmer, für die der Vertrag gilt, sicher sein, nicht unter Tarif bezahlt zu werden. Er regelt auch die Einteilung der Arbeitnehmer in verschiedene Lohn- und Gehaltsgruppen, die aufgrund der Arbeitsinhalte der einzelnen Arbeitnehmer voneinander unterschieden werden. Allerdings sind die Laufzeiten solcher Verträge deutlich kürzer als beispielsweise bei einem Manteltarifvertrag.
  • Anschlusstarifvertrag
    Ein Tarifvertrag, der zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung gekündigt wird und mit neu verhandelten Vereinbarungen direkt im Anschluss wirksam wird, wird als Anschlusstarifvertrag bezeichnet.
  • Paralleltarifvertrag
    Dieser Tarifvertrag ähnelt dem Anerkennungstarifvertrag, da Tarifverträge gleichen Inhaltes von verschiedenen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden abgeschlossen und deren Inhalte anerkannt werden.
  • Notlagentarifvertrag
    Diese Art von Tarifvertrag (auch als Sanierungstarifvertrag bezeichnet) tritt dann in Kraft, wenn eine wirtschaftliche Notlage oder Insolvenz des Unternehmens vermieden werden soll. Verbunden sind damit häufig Einbußen im Bereich der Sonderzahlungen und Arbeitsverlängerungen ohne Lohnausgleich. Im Gegenzug gilt es betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.


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Vorteile eines Tarifvertrags

Er bietet beiden Tarifparteien Vorteile. Insbesondere die Berechenbarkeit der Gehalts- und Arbeitsbedingungen für eine große Anzahl von Beschäftigten sind sowohl Gewerkschaften als auch Arbeitgebervertretern wichtig.


Für den Arbeitnehmer
  • Höherer Lohn
    Im Vergleich zu Mitarbeitern, die gemäß eines Werkvertrages bezahlt werden, verdienen Angestellte in tarifgebundenen Unternehmen besser. Laut Statistischem Bundesamt kann der Lohn eines Facharbeiters in der Metallindustrie ohne Tarifbindung 11,20 Euro betragen, während sein Kollege mit Tarifbindung einen Stundenlohn von bis zu 20,65 Euro erhält.
  • Stärkere Einflussnahme
    Durch die Gewerkschaften können Arbeitnehmer bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln. So wurde beispielsweise durch die IG Metall der Einstieg in die Bildungsteilzeit geschaffen. Sie ermöglicht einem Arbeitnehmer eine Weiterbildung in Teilzeit (oder auch kompletter Freistellung) bei entsprechender Lohn- oder Gehaltsreduktion.
  • Transparente Gehälter
    Ohne Tarifvertrag werden die Gehälter mit jedem Mitarbeiter individuell ausgehandelt. Es besteht somit die Möglichkeit, dass zwei Mitarbeiter identische Arbeit verrichten, aber unterschiedliche vergütet werden. Eine ungerechte Entlohnung kann den Betriebsfrieden erheblich stören.
  • Kürzere Reaktionszeit
    Die kurzen Laufzeiten von Lohn- und Gehaltstarifverträgen ermöglichen eine Teilnahme an den wirtschaftlichen Entwicklungen.
  • Geringere Arbeitszeiten
    Arbeitnehmer mit Tarifvertrag arbeiten oft deutlich kürzer: In der Metall- und Elektroindustrie werden beispielsweise in Westdeutschland 35 Stunden durchschnittlich gearbeitet (Ostdeutschland: 38 Stunden). Dem gegenüber steht eine wöchentliche Durchschnittsarbeitszeit von 40 Stunden bei nicht tarifgebundenen Unternehmen.
  • Besserer Schutz
    Rahmen- und Manteltarifverträge haben üblicherweise lange Laufzeiten. Das schützt vor zu schnellen Änderungen (und damit Verschlechterungen) der individuellen Arbeitsverträge.
  • Mehr Urlaub
    Der gesetzliche Urlaubsanspruch garantiert dem Arbeitnehmer bei einer 5-Tage-Woche 20 Tage Erholungsurlaub. Wer hingegen einen Metalltarifvertrag hat, erhält bei einer 5-Tage-Woche 30 Tage Urlaub und zusätzlich die Hälfte des Monatsgehalts als Urlaubsgeld oben drauf.



Für das Unternehmen
  • Gleiche Wettbewerbsbedingungen
    Der Tarifvertrag setzt Mindeststandards, die nicht unterschritten werden dürfen. Das heißt, dass jedes tarifgebundene Unternehmen einer Branche oder Region zu gleichen Arbeitsbedingungen und bei gleichem Lohn seine Arbeitnehmer beschäftigt. Tarifverträge übernehmen somit eine Kartellfunktion.
  • Keine Streiks
    Für die Dauer des Tarifvertrages gilt die oben angesprochene Friedenspflicht: Den Arbeitnehmern ist es währenddessen untersagt zu streiken. Das bedeutet für die Arbeitgeber wiederum Planungs- und Kalkulationssicherheit.
  • Bessere Planbarkeit
    Der Arbeitgeber kann Lohnkosten besser kalkulieren, da die Rahmenbedingungen von Arbeitsverträgen nicht jedes Mal mit einem neuen Arbeitnehmer individuell verhandelt werden müssen.
  • Größere Effizienz
    Ein Flächentarifvertrag bedeutet für die Unternehmen eine Arbeitserleichterung, da ein zeit- und kostenträchtiger Aufwand für eigene Tarifverhandlungen wegfällt.



Für den Staat
  • Keine Gesetze notwendig
    Nur Gewerkschaft und Arbeitgeberverband verhandeln miteinander. Das bedeutet eine Arbeitsentlastung für den Staat, der anderenfalls durch Gesetze regulierend eingreifen würde, so beispielsweise beim Mindestlohngesetz. Das steht nach Ansicht von Arbeitgeberverbänden konträr zur Tarifautonomie.
  • Nur eine Schlichterposition
    Verhärten sich dennoch die Fronten zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, nimmt der Staat die Rolle eines Schlichters ein.



Und die Kontras?
Wo Licht ist, da ist auch Schatten, könnte man meinen. Was sind also die Kontras von Tarifverträgen? Im Prinzip gibt es kaum Nachteile. Die jeweiligen Vorteile sind zwar unterschiedlicher Art und können sich für die eine Seite nachteilig auswirken. Gleichzeitig wird diese Seite an anderer Stelle begünstigt.

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[Bildnachweis: Bacho by Shutterstock.com]
9. Oktober 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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