Tarifvertrag: Arten, Vorteile, FAQ

Wann haben Sie sich das letzte Mal mit dem Thema Tarifvertrag befasst? Wahrscheinlich immer dann, wenn ein großer Streik durch die Medien geht. Besser ist es, sich genauer mit Tarifverträgen zu beschäftigen – vielleicht gibt es sogar einen gültigen für Ihr Arbeitsverhältnis. Wir beantworten alle wichtigen Fragen rund um den Tarifvertrag und erklären, was sich dahinter verbirgt, welche Arten unterschieden werden und – besonders wichtig – unter welchen Bedingungen ein Tarifvertrag für Sie gelten kann…

Tarifvertrag: Arten, Vorteile, FAQ

Definition: Was ist ein Tarifvertrag?

wann gilt ein Tarifvertrag Definition IG Metall GehaltNaturgemäß gibt es widerstreitende Interessen zwischen Arbeitgeber einer- und Arbeitnehmer andererseits. Ein Tarifvertrag sorgt dafür, die strukturelle Ungleichheit der Arbeitnehmerseite gegenüber der Arbeitgeberseite auszugleichen.

Geschlossen wird er zwischen den Gewerkschaften (stellvertretend für die Arbeitnehmer) und den Arbeitgeberverbänden (bei Verbandstarifen stellvertretend für den Arbeitgeber) beziehungsweise einzelnen Arbeitgebern (bei Haus-, Firmen- oder Werkstarif).

Das Recht, weitestgehend unabhängig vom Staat (unter Beachtung der Gesetze) die Regeln des Arbeitsverhältnisses zu gestalten, nennt sich Tarifautonomie.

Etwa ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland ist in einer Gewerkschaft organisiert, Tendenz seit Jahren rückläufig. Sie geben Arbeitnehmern die Möglichkeit, ihren Forderungen beispielsweise durch einen Streik Nachdruck zu verleihen. Als einzelner Arbeitnehmer hingegen wäre es sehr schwierig, etwas an seiner Arbeitssituation zu ändern.

Die rechtliche Grundlage des Tarifvertrags – in Österreich Kollektivvertrag, in der Schweiz Gesamtarbeitsvertrag genannt – ist das Tarifvertragsgesetz (TVG). Wie bei jedem Vertrag sind die Inhalte für beide Seiten üblicherweise verpflichtend, man spricht hier von Tarifbindung.

Inhalte: Das steht in einem Tarifvertrag

Tarifverträge enthalten einen schuldrechtlichen (obligatorischen) Teil, der die Rechte und Pflichten umfasst, und einen normativen Teil, der arbeitsrechtliche Normen festsetzt. Dieser ist für Arbeitnehmer besonders interessant, denn er befasst sich mit dem Arbeitsverhältnis und den zugehörigen Fragen.

Die wichtigsten Punkte innerhalb eines Tarifvertrages sind:

  • Arbeitszeiten

    Nicht jeder arbeitet die gleiche Anzahl an Stunden pro Woche. Mithilfe eines Tarifvertrages kann die Arbeitszeit auch verringert werden, beispielsweise auf maximal 37,5 Stunden pro Woche.

    Lesen Sie dazu auch:

  • Arbeitsentgelt

    Ein häufiger Streitpunkt und eine der wichtigsten Forderungen der Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen ist das Gehalt beziehungsweise der Lohn der Arbeitnehmer. Hierbei wird festgelegt, wie viel die Arbeitnehmer verdienen oder in welchen Schritten das Gehalt erhöht wird.

    Lesen Sie dazu auch:

  • Arbeitsbedingungen

    Die Bedingungen, unter denen eine Aufgabe zu erledigen ist, kann im Arbeitsalltag einen großen Unterschied für die Arbeitnehmer machen. Sind sie Lärm, Staub oder Abgasen ausgesetzt? Arbeiten sie im Freien, ist die Arbeit überwiegend körperlich oder im Sitzen? Diese Umstände tragen entscheidend zum Wohlbefinden und somit zum Arbeitsklima bei. Aus diesem Grund fordern Gewerkschaften verstärkt bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder.

    Lesen Sie dazu auch:

  • Kündigungsfristen

    Häufig werden in Tarifverträgen längere Kündigungsfristen als die gesetzlichen vereinbart. Dies ist abhängig von der Betriebszugehörigkeit und wird beispielsweise im öffentlichen Dienst in § 34 TVöD geregelt. Wer länger als ein Jahr beschäftigt ist, hat eine Kündigungsfrist von maximal sechs Monaten zum Ende eines Quartals. Ebenso können allerdings auch kürzere Kündigungsfristen als die gesetzlich vorgesehenen Fristen vereinbart werden. Neben Kündigungen regelt ein Tarifvertrag Entlassungen sowie Einstellungsmodalitäten bei neuen Arbeitsverhältnissen.

    Lesen Sie dazu auch:

  • Urlaubsanspruch

    In einem Tarifvertrag kann vereinbart werden, dass der Urlaubsanspruch der Mitarbeiter über den gesetzlichen Mindestanspruch hinaus erhöht wird. So kann durch die Verhandlungen der Gewerkschaft beispielsweise ein Urlaubsanspruch von 30 Tagen durchgesetzt werden, anstatt der gesetzlich vorgeschriebenen 24 Tage.

    Lesen Sie dazu auch:

  • Zusatzleistungen

    Auch zusätzliche Leistungen an die Arbeitnehmer, beispielsweise in Form von Weihnachtsgeld, können im Tarifvertrag vereinbart werden. Welchen genauen Leistungen hier vereinbart werden, variiert von Branche zu Branche.

    Lesen Sie dazu auch:

FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Tarifvertrag

Das Thema Tarifvertrag ist sehr umfangreich und in vielen Bereichen sehr komplex. Entsprechend groß ist die Verunsicherung bei Arbeitnehmern. In unserem kleinen FAQ zum Tarifvertrag haben wir einige der häufigsten und wichtigsten Fragen gesammelt und für Sie beantwortet:

  • Welche Bedeutung haben Tarifverträge?

    In Deutschland haben Tarifverträge einen hohen Stellenwert. Sie liefern wichtige Regelungen für einen großen Teil aller Arbeitnehmer und beeinflussen somit maßgeblich die Berufswelt. An erster Stelle steht hier natürlich die Bezahlung, die im Tarifvertrag geregelt ist, doch gerade auch Vereinbarungen und Bestimmungen zu Arbeitsbedingungen, Kündigungen oder zusätzlichen Leistungen, auf die Mitarbeiter Anspruch haben, machen Tarifverträge ungemein wichtig.

    Zudem sorgt ein Tarifvertrag für eine größere Einheitlichkeit und Fairness. So wird beispielsweise verhindert, dass für vergleichbare Tätigkeiten eine völlig unterschiedliche Bezahlung ausgehandelt wird.

  • Wie viele Tarifverträge gibt es?

    Es gibt einige große und bekannte Tarifverträge, darunter beispielsweise der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD). Tatsächlich gibt es insgesamt in Deutschland aber über 50.000 Tarifverträge.

    Jedes Jahr werden zwischen 5.000 und 7.000 dieser gültigen Tarifverträge neu verhandelt, aktualisiert und ergänzt. In den meisten Fällen geschieht dies ohne große Aufmerksamkeit. Anders kann es aussehen, wenn es Tarifstreitigkeiten gibt und eine große Gewerkschaft zum Streik aufruft. In einem solchen Fall ist das Medieninteresse groß.

    Lohn- und Gehaltstarifverträge werden für gewöhnlich alle ein bis zwei Jahre neu abgeschlossen, Rahmen- und Manteltarifverträge, welche die allgemeinen Arbeitsbedingungen regeln, in größeren Abständen.

    Rund 50 Prozent aller Arbeitnehmer in Westdeutschland und rund ein Drittel der Beschäftigten in Ostdeutschland arbeiten laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Betrieben mit Tarifbindung.

  • Welche Arten von Tarifverträgen gibt es?

    Tarifvertrag ist noch lange nicht gleich Tarifvertrag. Manche unterscheiden sich in erster Linie dadurch, wer von den Regelungen, auf die man sich einigen konnte, betroffen ist und welche Bereiche der Vertrag behandelt.

    • Verbandstarifvertrag

      Diese Art wird auch Branchen- oder Flächentarifvertrag genannt und ist die häufigste Form des Tarifvertrages in Deutschland. Er hat Gültigkeit beispielsweise für eine Branche oder einen vorher festgelegten Tarifbezirk, wie zum Beispiel ein bestimmtes Bundesland. Da sie meist auf regionaler Ebene geschlossen werden, gibt es geringfügige Unterschiede zwischen den Verträgen. Für gewöhnlich sind die Lohnerhöhungen davon nicht betroffen, Ausnahme ist Ostdeutschland: Der durchschnittliche Tariflohn dort entspricht nur zu 96,5 Prozent dem Westlohn.

    • Firmentarifvertrag

      Wie Sie sicherlich aus dem Namen schon richtig schlussfolgern, entsteht dieser Vertrag zwischen einer Gewerkschaft und einem einzelnen Unternehmen, er wird daher auch Haustarifvertrag genannt. Bekannte Beispiele für Firmentarifverträge sind der Tarifvertrag zwischen der IG Metall und dem Automobilhersteller Volkswagen oder auch der Firmentarifvertrag zwischen der IG Bergbau, Chemie, Energie mit den großen Mineralölkonzernen. Orientiert sich dieser Tarifvertrag an branchenspezifischen Tarifen oder werden teilweise Inhalte von branchenspezifischen Verbandstarifverträgen übernommen, ist vom Anerkennungstarifvertrag die Rede, da Inhalte eines anderen Tarifvertrages anerkannt werden.

    • Mehrgliedriger Tarifvertrag

      Hierbei handelt es sich um eine etwas speziellere Form des Tarifvertrages. Als Vertragspartner können in diesem Fall auf beiden Seiten mehrere Parteien stehen. Es können also beispielsweise fünf Gewerkschaften gleichzeitig mit mehreren Arbeitgeberverbänden verhandeln. Sofern es nicht anders festgelegt ist, bestehen hier mehrere Verträge, die zum Beispiel von jeder Tarifpartei getrennt gekündigt oder geändert werden können. Genauso gut kann aber festgehalten werden, dass alle oder bestimmte Rechte nur gemeinsam angewendet werden können. Man spricht dann von Einheitstarif.

    Wird eine Unterscheidung anhand des Inhalts getroffen, erfolgt eine Gliederung beispielsweise in:

    • Manteltarifvertrag

      Der Manteltarifvertrag (auch als Rahmentarifvertrag bezeichnet) beschäftigt sich mit einigen wichtigen Fragen des Arbeitsverhältnisses. Dazu zählen in erster Linie die Arbeitszeit, der Urlaubsanspruch oder Kündigungsfristen. Ein Vorteil dieser Verträge ist ihre lange Laufzeit, die teilweise sogar unbegrenzt sein kann.

    • Gehaltstarifvertrag

      Um eine angemessene Entlohnung der Mitglieder zu garantieren, schließen Gewerkschaften mit den Arbeitgeberverbänden sogenannte Gehaltstarifverträge ab. Dadurch können Arbeitnehmer, für die der Vertrag gilt, sicher sein, nicht unter Tarif bezahlt zu werden. Er regelt auch die Einteilung der Arbeitnehmer in verschiedene Lohn- und Gehaltsgruppen, die aufgrund der Arbeitsinhalte der einzelnen Arbeitnehmer voneinander unterschieden werden. Allerdings sind die Laufzeiten solcher Verträge deutlich kürzer als beispielsweise bei einem Manteltarifvertrag.

    • Anschlusstarifvertrag

      Ein Tarifvertrag, der zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung gekündigt wird und mit neu verhandelten Vereinbarungen direkt im Anschluss wirksam wird, wird als Anschlusstarifvertrag bezeichnet.

    • Paralleltarifvertrag

      Dieser Tarifvertrag ähnelt dem Anerkennungstarifvertrag, da Tarifverträge gleichen Inhaltes von verschiedenen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden abgeschlossen und deren Inhalte anerkannt werden.

    • Notlagentarifvertrag

      Diese Art von Tarifvertrag (auch als Sanierungstarifvertrag bezeichnet) tritt dann in Kraft, wenn eine wirtschaftliche Notlage oder Insolvenz des Unternehmens vermieden werden soll. Verbunden sind damit häufig Einbußen im Bereich der Sonderzahlungen und Arbeitsverlängerungen ohne Lohnausgleich. Im Gegenzug gilt es betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.

  • Welche Funktionen erfüllt ein Tarifvertrag?

    Im Tarifvertrag werden grundlegende Vereinbarungen zu Arbeitsverhältnissen festgehalten. Mit einem Blick in den für Sie gültigen Tarifvertrag können Sie somit herausfinden, welche Rechte und Ansprüche Sie im Job geltend machen können.

    Darüberhinaus erfüllen Tarifverträge im Wesentlichen drei Funktionen:

    • Schutzfunktion

      Durch Tarifverträge wird der Arbeitsmarkt geregelt, denn die verbindlichen Vorgaben für individuelle Arbeitsverträge sorgen dafür, dass der Preis für die Arbeit zumindest etwas der möglichen Konkurrenz der Arbeitnehmer untereinander entzogen wird.

    • Friedensfunktion

      Den Vertragsparteien ist es während der Laufzeit des Tarifvertrags untersagt, Arbeitskämpfe bezüglich der geregelten Inhalte zu führen.

    • Verteilungsfunktion

      Durch ein verbindliches Lohn- und Gehaltsgefüge wird die Beteiligung der Arbeitnehmer am Sozialprodukt gewährleistet.

  • Wo sind die Unterschiede zwischen Arbeits- und Tarifvertrag?

    Wenn ein Arbeitsvertrag das Arbeitsverhältnis zwischen den Vertragsparteien regelt und ein Tarifvertrag ebenso – wo liegt denn dann der Unterschied?

    Zunächst rein formal in der Zielgruppe. Ziel eines Tarifvertrages ist es, die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Gewerkschaftsmitglieder festzulegen. Rein rechtlich haben also nur Gewerkschaftsmitglieder einen Anspruch auf die im Tarifvertrag vereinbarten Leistungen.

    In der Praxis werden die Regelungen auch auf andere Mitarbeiter angewendet. Hintergrund ist der, dass der Arbeitgeber anderenfalls die Angestellten in die Arme der Gewerkschaft treiben würde und das liegt nicht in seinem Interesse.

    Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass das Tarifvertragsgesetz unmittelbar gilt ohne dass es einer weiteren Vereinbarung oder Bestätigung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedarf. Für den Arbeitnehmer bedeutet dies, dass Regelungen im Arbeitsvertrag ungültig sind, sofern sie gegen das TVG verstoßen.

    Es besteht außerdem Tarifvorrang. Enthält ein Arbeitsvertrag für den Arbeitnehmer ungünstigere Regelungen, gilt der Tarifvertrag. Da immer das Wohl des Arbeitnehmers im Mittelpunkt steht, gibt es mit dem Günstigkeitsprinzip eine Ausnahme, bei der vom Tarifvertrag abgewichen werden darf:

    Falls es einem Arbeitnehmer gelingt, in einem Arbeitsvertrag bessere Konditionen auszuhandeln, als sie der Tarifvertrag vorsehen würde, gilt der Arbeitsvertrag.

  • Wann gilt ein Tarifvertrag für mich?

    Bei vielen Tausend Tarifverträgen ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Die entscheidende Frage lautet meist: Gilt ein Tarifvertrag für mich? Um zu klären, ob und wenn ja, welcher Tarifvertrag für Sie gilt, sind grundsätzlich drei Möglichkeiten zu beachten:

    • Tarifwirkung

      Sie sind Mitglied in der Gewerkschaft und Ihr Arbeitgeber Teil des Arbeitgeberverbandes, der den Tarifvertrag geschlossen hat? Dann fällt Ihr Arbeitsverhältnis unter die sogenannte Tarifwirkung und die getroffenen Vereinbarungen sind für Sie gültig.

    • Einzelvertragliche Vereinbarung

      Die Gültigkeit eines Tarifvertrages kann auch im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Selbst wenn Sie nicht Mitglied einer Gewerkschaft sind, kann so geregelt werden, dass der Tarifvertrag für Ihre Beschäftigung angewendet wird.

      Dahinter steht die sogenannte Gleichstellungsabrede. Es handelt sich um eine Klausel im Arbeitsvertrag, anhand derer ein tarifgebundener Arbeitgeber festlegt, dass ein Tarifvertrag und alle eventuell nachfolgenden Tarifregelungen (dynamische Verweisungsklausel) auch für diesen Arbeitnehmer gelten – unabhängig von der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft.

    • Allgemeinverbindlichkeit

      Es besteht die Möglichkeit, dass ein Tarifvertrag durch den Bundesarbeitsminister in den Status der Allgemeinverbindlichkeit gehoben wird. Dies kann passieren, wenn die Tarifwirkung nicht ausreicht, um die verschiedenen Arbeitnehmer einer Branche zu schützen.

    Eine mögliche Ausnahme: Es gibt Fälle, in denen der Arbeitgeber Mitglied im Arbeitgeberverband ist, dieser jedoch eine Satzung enthält, die eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung (so genannte OT-Mitgliedschaft) ermöglicht. Gewerkschaften sprechen hier von Tarifflucht, denn die Inhalte des Tarifvertrages sind für den Arbeitgeber nicht mehr bindend.

Vorteile: So profitieren Sie von einem Tarifvertrag

Ungeachtet der Tatsache, dass es allein in Nordrhein-Westfalen tausende von Tarifverträge gibt, existieren daneben Branchen und Unternehmen, in denen es keine tarifliche Bindung gibt. Hervorzuheben wäre einerseits der Niedriglohnsektor, der oftmals gerade den gesetzlichen Mindestlohn zahlt.

Dazu zählen Unternehmen, die im Bereich Facility Management, Security oder in der Reinigungsbranche arbeiten. Völlig anders der öffentliche Dienst, aber auch die Finanz- und Versicherungsbranche sowie das Baugewerbe. Hier sind Tarifverträge an der Tagesordnung.

Allgemein ist bekannt, dass ein Tarifvertrag für Arbeitnehmer von Vorteil ist. Gibt es einen gültigen Tarifvertrag für ein Arbeitsverhältnis, stehen diese Angestellten besser da, als vergleichbare Arbeitnehmer, für die der Tarifvertrag nicht gilt.

Neben den im FAQ bereits genannten Funktionen wollen wir die Vorteile eines Tarifvertrags aufgelistet nach Vertragspartei hier noch einmal verdeutlichen. Denn: Wer als Arbeitnehmer in einem tarifgebundenem Unternehmen arbeitet, profitiert in vielerlei Hinsicht.

Vorteile für den Arbeitnehmer:

    Tarifvertrag IG Metall Öffentlicher Dienst Definition

  • Der Lohn ist häufig höher als bei Mitarbeitern, die gemäß eines Werkvertrages bezahlt werden. Beispielsweise kann laut Statistischen Bundesamt der Lohn eines Facharbeiters in der Metallindustrie ohne Tarifbindung 11,20 Euro betragen, während sein Kollege mit Tarifbindung einen Stundenlohn bis zu 20,65 Euro verdient.
  • Durch die Gewerkschaften existiert für den Arbeitnehmer eine weitaus größere Kraft zur Einflussnahme, wenn es darum geht, die Arbeitsbedingungen auszuhandeln. So wurde beispielsweise durch die IG Metall der Einstieg in die Bildungsteilzeit geschaffen. Sie ermöglicht einem Arbeitnehmer eine Weiterbildung in Teilzeit (oder auch kompletter Freistellung) bei entsprechender Lohn- oder Gehaltsreduktion.
  • Die Gehälter sind transparent. Ohne Tarifvertrag werden die Gehälter mit jedem Mitarbeiter individuell ausgehandelt. Es besteht somit die Möglichkeit, dass zwei Mitarbeiter identische Arbeit verrichten, aber unterschiedliche vergütet werden. Eine ungerechte Entlohnung kann den Betriebsfrieden erheblich stören.
  • Die kurzen Laufzeiten von Lohn- und Gehaltstarifverträgen ermöglichen eine Teilnahme an den wirtschaftlichen Entwicklungen.
  • Die Arbeitszeit von Arbeitnehmern mit Tarifvertrag ist häufig deutlich geringer: In der Metall- und Elektroindustrie werden beispielsweise in Westdeutschland 35 Stunden durchschnittlich gearbeitet (Ostdeutschland: 38 Stunden). Dem gegenüber steht eine wöchentliche Durchschnittsarbeitszeit von 40 Stunden bei nicht tarifgebundenen Unternehmen.
  • Rahmen- und Manteltarifverträge haben üblicherweise lange Laufzeiten. Das schützt vor zu schnellen Änderungen (und damit Verschlechterungen) der individuellen Arbeitsverträge.
  • Der gesetzliche Urlaubsanspruch garantiert dem Arbeitnehmer bei einer 5-Tage-Woche 20 Tage Erholungsurlaub. Wer hingegen einen Metalltarifvertrag hat, erhält bei einer 5-Tage-Woche 30 Tage Urlaub und zusätzlich die Hälfte des Monatsgehalts als Urlaubsgeld oben drauf.

Dabei nützen Tarifverträge keineswegs nur dem Arbeitnehmer.

Vorteile für den Arbeitgeber:

    Tarifvertrag IG Metall Öffentlicher Dienst Definition

  • Auf Arbeitgeberseite liegt der Nutzen darin, dass beispielsweise die gleichen Wettbewerbsbedingungen gelten: Denn ein Tarifvertrag setzt Mindeststandards, die nicht unterschritten werden dürfen. Das heißt, dass jedes tarifgebundene Unternehmen einer Branche oder Region zu gleichen Arbeitsbedingungen und bei gleichem Lohn seine Arbeitnehmer beschäftigt. Tarifverträge übernehmen somit eine Kartellfunktion.
  • Des Weiteren gilt für die Dauer des Tarifvertrages die oben angesprochene Friedenspflicht: Den Arbeitnehmern ist es währenddessen untersagt zu streiken, was für die Arbeitgeber wiederum Planungs- und Kalkulationssicherheit bedeutet.
  • Der Arbeitnehmer kann Lohnkosten besser kalkulieren, da die Rahmenbedingungen von Arbeitsverträgen nicht jedes Mal mit einem neuen Arbeitnehmer individuell verhandelt werden müssen.
  • Ein Flächentarifvertrag bedeutet für die Unternehmen eine Arbeitserleichterung, da ein zeit- und kostenträchtiger Aufwand für eigene Tarifverhandlungen wegfällt.
[Bildnachweis: Bacho by Shutterstock.com]
4. September 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



Mehr von der Redaktion und aus dem Netz


Weiter zur Startseite