Flexible Arbeitszeitmodelle werden für Unternehmen zunehmend wichtiger, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben und so talentierte und begehrte Arbeitnehmer in die eigenen Reihen zu locken. Die Vertrauensarbeitszeit ist einer der bekanntesten Vertreter dieser Gattung, die viele größere und auch immer mehr kleine Unternehmen anbieten, um den Young Professionals von heute und morgen Anreize zu bieten, da diese immer mehr Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf legen. Das klingt für Arbeitnehmer vielversprechend, doch bringt die Vertrauensarbeitszeit nicht nur Vorteile und Rechte mit, sondern eben auch Pflichten und bei falscher Anwendung sogar gravierende Probleme und Nachteile. Wir erklären Ihnen Ihre Rechte und Pflichten bei Vertrauensarbeitszeit und zeigen, worauf Sie achten müssen, um nicht darunter zu leiden...

Vertrauensarbeitszeit: Ihre Rechte und Vorteile

Ermöglicht ein Unternehmen seinen Angestellten die Arbeit in Vertrauensarbeitszeit, ist dies in der Regel voll und ganz im Sinne der Mitarbeiter. Möglicherweise haben diese sich sogar dafür eingesetzt, diese Flexibilität zu erhalten. Aus guten Gründen, denn die flexiblere Einteilung der Arbeitszeit bringt viele Vorteile mit.

  • Arbeit und Freizeit können flexibler gestaltet und selbst eingeteilt werden.
  • Das Vertrauen führt zu einem besseren Verhältnis zwischen Unternehmen und Mitarbeiter und kann die Bindung an den Arbeitgeber verbessern.
  • Größere Freiheiten führen zu mehr Motivation und größerer Leistungsbereitschaft auf Seiten der Angestellten

Wie genau die Vertrauensarbeitszeit geregelt ist, kann von Unternehmen zu Unternehmen verschieden sein. So kann beispielsweise gänzlich auf zeitliche Vorgaben für die Erledigung der Aufgaben verzichtet werden oder auch die Möglichkeit eingeräumt werden, einen Teil der Arbeit im Home Office zu erledigen. Es können aber auch Kernzeiten festgelegt werden, in denen die Arbeit erledigt werden muss, beispielsweise um die Erreichbarkeit für Kunden oder Lieferanten zu sichern.

Welche genauen Rechte Sie bei der Gestaltung Ihrer Vertrauensarbeitszeit haben, müssen Sie im individuellen Fall in der jeweiligen Absprache mit Ihrem Arbeitgeber nachsehen. Allerdings gelten ohnehin die rechtlichen Vorgaben zur Arbeitszeit. Das beinhaltet eine maximale Arbeitszeit von 8 Stunden täglich - oder eine vorübergehende Erhöhung auf 10 Stunden mit entsprechendem Ausgleich, regelmäßige Pausen und eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zwischen zwei Arbeitstagen.

Die Probleme der Vertrauensarbeitszeit

Vertrauensarbeitszeit und andere flexible Arbeitszeitmodelle bringen - neben all den unbestrittenen Vorzügen - aber auch einige Nachteile mit sich. So bestätigt etwa das Statistische Bundesamt bereits vor einigen Jahren in seinem Bericht "Qualität der Arbeit", dass die durchschnittliche Arbeitszeit deutscher Erwerbstätiger spürbar angestiegen ist und vor allem bei Vollzeitbeschäftigten Samstagsarbeit immer mehr zur Regel wird.

Zusätzlich gibt es Schwierigkeiten und Probleme, die statistisch nur schwer oder gar nicht zu erfassen sind:

  • Arbeitnehmer nehmen verstärkt Arbeit mit nach Hause - Zeit, die in der Regel bei Erhebungen nicht berücksichtigt wird.
  • Im Home Office gibt es oft keinen definierten Feierabend. Die Gefahr, unbezahlte Überstunden zu machen, ist hier sehr groß.
  • Durch Smartphone und Firmen-Laptop sind viele Arbeitnehmer ständig erreichbar. Die durch E-Mails oder „kurze“ Anfragen anfallende Arbeitszeit wird oft weder dokumentiert noch vergütet.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle können die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit verschwimmen lassen. Das Stresslevel kann so spürbar steigen und das Abschalten schwer bis unmöglich werden.

Ein großer Teil des Problems besteht also nicht nur in der messbaren Arbeitszeit, sondern auch in der gedanklichen Trennung von Arbeit und Freizeit. Die enge Verzahnung ist zwar für viele Arbeitnehmer wünschenswert, wird jedoch zum Problem, wenn darunter Erholung, Freizeit und Familie leiden.

Auch wenn es paradox klingt: Vor allem flexible Arbeitszeitmodell brauchen klare Grenzen, an denen Arbeitnehmer den Übergang von Arbeit zur Freizeit für sich festmachen können. Wer sich jetzt jedoch eigene Grenzen setzt und diese einhalten will, wird vermutlich eine eher unangenehme Überraschung erleben: Denn die Chancen stehen gut, dass die selbstgesetzten Grenzen nicht funktionieren.

So gut der Ansatz und die Intention auch sein mögen: Ohne Rücksprache mit Ihrem Arbeitgeber können Sie effektiv keine Grenzen für die Arbeitszeit setzen. Bei den meisten Aufgaben werden Sie vermutlich mit Kollegen zusammenarbeiten - und sind daher teilweise von deren Zeitplan und Struktur abhängig.

Als Arbeitnehmer stecken Sie jetzt in einem Dilemma: Einerseits wollen Sie Ihre flexiblen Arbeitszeiten vermutlich beibehalten, andererseits wird Ihr Chef nicht gerade begeistert sein, wenn Sie Grenzen für die Arbeitszeit definieren und so die Flexibilität scheinbar einschränken wollen.

Hier kommen Sie nur mit guten Argumenten weiter. Machen Sie Ihrem Chef daher deutlich, dass…

  • ...klare Grenzen der Arbeitszeit schon aus organisatorischen Gründen wichtig sind.
  • ... auch Ihre Kollegen und damit die Abteilung davon profitieren, da so immer klar ist, wann Sie erreichbar sind.
  • ... Sie in den festgelegten Zeiträumen dann innerhalb eines klar definierten Zeitraums - oft zwischen 30 und 60 Minuten - reagieren.
  • ...es sich im Grund nur um die Verschriftlichung und Klärung der bestehenden Praxis handelt.

Vertrauensarbeitszeit: Ihre Pflichten

Champion studioWie so oft kommen Rechte und Vorteile aber nicht allein, sondern bringen im Gegenzug einige Pflichten mit, an die Mitarbeiter sich halten müssen. So ist es auch im Fall der Vertrauensarbeitszeiten. Zwar bringt der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern gegenüber ein großes Vertrauen auf, er muss sich aber auch darauf verlassen können, dass dieses nicht ausgenutzt wird, um keinen wirtschaftlichen Schaden davon zu tragen. Sie müssen daher insbesondere zwei Pflichten erfüllen, um der Vertrauensarbeitszeit gerecht zu werden:

  • Erledigung Ihrer Aufgaben. Im Fokus der Vertrauensarbeitszeit steht nicht die Kontrolle der Arbeitszeiten, sondern das Vertrauen, dass die vereinbarten Aufgaben erledigt werden. Als Arbeitnehmer ist es daher Ihre Pflicht, dafür Sorge zu tragen, das Ihnen entgegengebrachte Vertrauen nicht zu enttäuschen, sondern sich weiterhin allen anfallenden Projekten zu widmen.
  • Zeitlichen Aufwand erfassen. Da bei Vertrauensarbeitszeit oftmals keine zeitlichen Vorgaben existieren, liegt es am Arbeitnehmer, festzuhalten, ob und wann Überstunden geleistet werden. Beispielsweise kann vereinbart werden, dass ein Mitarbeiter seinen Vorgesetzten informieren muss, wenn er sein Arbeitspensum nicht in der regulären Arbeitszeit erfüllen kann.

Klärung im Vorfeld ist optimal, um Probleme zu vermeiden

Mancher Leser wird sich bei den oben genannten Argumenten vielleicht gewundert haben. Das ist verständlich, denn grundsätzlich sollten diese Punkte Teil des Arbeitsvertrages oder - falls es die gibt - der Arbeitszeit- oder Home Office Regelung sein. Und ein guter Chef sollte diese Punkte von sich aus ansprechen.

Da diese Aspekte in der Praxis jedoch oft ignoriert werden, obliegt es oft Ihnen als Arbeitnehmer, diese zu klären. Erst auf dieser Grundlage haben Sie die Chance, selbstgesetzte Regeln wirklich einhalten zu können. Einfach ist das jedoch - vor allem wenn Ihr Job Ihnen Freude bereitet und Sie erfüllt - nicht. Daher haben wir noch einige Tipps für Sie, mit denen Sie selbstgesetzte Grenzen konsequent umsetzen können:

  • Sprechen Sie die Grenzen mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin ab. Er oder Sie wird Sie sicherlich gerne daran erinnern, Feierabend zu machen.
  • Stellen Sie sich einen Wecker oder den Alarm Ihres Mobiltelefons auf die geplante Feierabendzeit und beenden Sie die Arbeit, sobald der Alarm ertönt.
  • Planen Sie Ihre Arbeitstage im Voraus und lassen Sie vor allem ausreichend lange Pufferzeiten. Nur so können Sie Ihr Pensum innerhalb der veranschlagten Zeit schaffen.
  • Schalten Sie am Ende Ihrer Arbeitszeit Laptop und Smartphone aus oder schalten Sie auf Letzterem zumindest den automatischen E-Mail-Abruf ab.
  • Reagieren Sie nur in Ausnahmefällen nach Feierabend auf Anfragen und E-Mails.
[Bildnachweis: Elnur, Champion studio by Shutterstock.com]

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