Alles auf einen Blick
- Definition: Kernarbeitszeit ist ein festgelegter Zeitraum der verpflichtenden Arbeitszeit für Mitarbeiter – auch wenn flexible Modelle für den restlichen Arbeitstag gelten.
- Kombination: Kernarbeitszeit ist der feste Kern innerhalb eines Gleitzeitmodells: Arbeitsanfang und -ende sind ein flexibler Rahmen, die Zeit in der Mitte ist vorgeschrieben.
- Vorteile: Das Konzept sichert notwendiges Personal für wichtige Aufgaben in den Stoßzeiten. Gleichzeitig freuen sich die Mitarbeiter über mehr Flexibilität.
- Arbeitszeitgesetz: Auch bei Kernarbeitszeit gelten die Vorschriften aus dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Dazu zählt z.B. eine Pause von mindestens 30 Minuten nach mehr als 6 Stunden Arbeit.
- Vereinbarung: Es gibt keine gesetzlichen Regelungen. Einführung und Gestaltung der Kernarbeitszeit erfolgen in der Regel über den Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung.
- Teilzeit: Für Teilzeitkräfte ist eine Einhaltung der regulären Kernarbeitszeit im Betrieb oft nicht möglich. Hier sollten individuelle Sonderregelungen getroffen werden.
- Pflichtverletzung: Wenn Sie während der Kernarbeitszeit ohne Absprache und ohne guten Grund nicht arbeiten, droht eine Abmahnung und bei Wiederholung sogar die Kündigung.
Etwa 27 % der Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten in einem flexiblen Rahmen und mit Kernarbeitszeit. Bis zu 75 % der Jobsuchenden geben an, dass die Modelle zur Arbeitszeit ein entscheidender Faktor bei der Wahl eines Arbeitgebers sind.
Was ist Kernarbeitszeit genau?
Die Kernarbeitszeit ist der vom Arbeitgeber festgelegte Zeitraum, in dem alle Mitarbeiter arbeiten müssen – unabhängig von sonst geltenden flexiblen Arbeitszeitregelungen. Als Arbeitnehmer haben Sie Spielraum bei Beginn und Ende des Arbeitstages (siehe: Gleitzeit), für die Dauer der Kernarbeitszeit gilt verpflichtende Arbeitszeit.
Wie lang ist die Kernarbeitszeit?
Lage und Dauer der Kernarbeitszeit bestimmt der Arbeitgeber gemäß den betrieblichen Erfordernissen. Sie kann zum Beispiel zwischen 10 Uhr und 14 Uhr liegen, aber auch zwischen 9 Uhr und 12 Uhr. Entscheidend für die Vorgabe sind primär das Arbeitsaufkommen und das notwendige Personal für die betrieblichen Abläufe. In der Regel macht die Kernarbeitszeit dabei maximal zwischen 4 und 5 Stunden der gesamten täglichen Arbeitszeit aus.
Beispiele für Kernarbeitszeit
Wie genau funktioniert Kernarbeitszeit in der Praxis? Die konkreten Regelungen variieren je nach Unternehmen, das Konzept zeigt sich aber an einfachen Beispielen:
Beispiel: Kernarbeitszeit mit Gleitzeit
Der Arbeitgeber legt eine Kernarbeitszeit von 10-15 Uhr fest. Der Gleitzeitrahmen liegt zwischen 7-10 Uhr, sowie am Nachmittag zwischen 15-18 Uhr. Alle Arbeitnehmer müssen entsprechend von 10-15 Uhr anwesend sein und arbeiten. Wann der Arbeitstag beginnt, kann hingegen jeder selbst festlegen. Mitarbeiter können um 7 Uhr anfangen, um früh Feierabend zu haben. Oder sie beginnen erst pünktlich zur Kernarbeitszeit und arbeiten abends länger.
Beispiel: Kernarbeitszeit mit Homeoffice
Kernarbeitszeit ist nicht zwingend an Anwesenheit am Arbeitsplatz gebunden. Die Regelung funktioniert ebenso für Mitarbeiter im Homeoffice. Bei einer Kernarbeitszeit von zum Beispiel 12-16 Uhr, müssen die Kollegen zuhause arbeiten und erreichbar sein.
Zusätzliche Regelungen zur Kernarbeitszeit
Das Modell der Kernarbeitszeit wird oft durch weitere Regelungen ergänzt, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Beliebt ist zum Beispiel ein Arbeitszeitkonto, auf dem Plus- und Minusstunden der Mitarbeiter festgehalten werden. So kann leicht nachgehalten werden, wenn durch die Gleitzeit die im Arbeitsvertrag festgelegte Zeit über- oder unterschritten wird. Dabei gibt es Vorgaben, wie viele Plus- oder Minusstunden Arbeitnehmer ansammeln dürfen und in welcher Zeit diese ausgeglichen werden müssen.
Vor- und Nachteile von Kernarbeitszeit
Feste Arbeitszeiten in Kombination mit flexibler Zeiteinteilung sind ein beliebtes Modell – nicht nur bei Mitarbeitern, sondern auch bei Arbeitgebern. Wir stellen die Vor- und Nachteile der Kernarbeitszeit für beide Seiten vor:
Vorteile für Arbeitgeber
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Besserer Ablauf
Unternehmen und Vorgesetzte wissen genau, zu welchen Zeiten die meiste Arbeit anfällt. Kernarbeitszeiten sind sinnvoll, um diese Zeiträume abzudecken. Sie stellen sicher, dass zu Stoßzeiten ein reibungsloser Arbeitsablauf gewährleistet ist. Dies gilt beispielsweise im Service. Kein Kunde möchte länger warten, nur weil nicht genügend Personal vorhanden ist.
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Schnellere Reaktionen
Ein großer Kunde hat Änderungswünsche, ein wichtiges Projekt gerät ins Stocken oder auf eine Aktion der Konkurrenz muss reagiert werden: Manchmal muss es im Job schnell gehen. In der Kernarbeitszeit sind schnelle Handlungen möglich, um auf Impulse reagieren zu können. Wer hier erst warten muss, verliert wichtige Zeit und Geld.
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Bessere Kommunikation
Sind alle Kollegen anwesend und erreichbar, wird die interne Kommunikation verbessert. Fragen werden schnell beantwortet, wichtige Informationen sofort weitergeleitet. Niemand muss lange auf den Bericht eines anderen Mitarbeiters warten, um selbst an einem Projekt weiterarbeiten zu können.
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Gesteigertes Wir-Gefühl
Wenn jeder arbeitet, wann und wo er will, wird weniger zusammengearbeitet. Jeder macht sein Ding, statt einander zu unterstützen. Eine feste gemeinsame Arbeitszeit kann das Wir-Gefühl und den Teamgeist stärken.
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Gutes Employer Branding
Fachkräfte und junge Talente suchen vermehrt nach einem Arbeitgeber, der flexible Modelle zur Arbeitszeit anbietet. Durch entsprechende Regelungen stärken Unternehmen das Employer Branding und werden zu attraktiven Arbeitgebern.
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Große Flexibilität
Kernarbeitszeit in Kombination mit Gleitzeit bringt Freiheit und Flexibilität. Die Arbeit kann besser an den eigenen Tagesablauf und persönliche Bedürfnisse angepasst werden. Frühaufsteher können sofort loslegen, wer noch einen Termin am Morgen hat, kann entspannt danach zur Arbeit gehen.
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Mehr Zufriedenheit
Mitarbeiter mit flexiblen Arbeitszeiten sind zufriedener und motivierter. Das gilt auch, weil solche Regelungen als Zeichen von Wertschätzung des Arbeitgebers erkannt werden. Auch die Identifikation mit dem Unternehmen steigt.
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Höhere Produktivität
Ein glückliches Team bringt bessere Leistungen. Wer gerne zur Arbeit geht, hat nicht nur Spaß im Job, sondern auch eine höhere Produktivität.
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Besseres Betriebsklima
Alle arbeiten gemeinsam und ziehen an einem Strang. Gute Kommunikation, enge Zusammenarbeit und gemeinsame Ziele stärken das Betriebsklima.
Vorteile für Arbeitnehmer
Nachteile für Arbeitgeber
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Größerer Aufwand
Arbeitgeber müssen die Einhaltung der Kernarbeitszeiten kontrollieren. Zudem kann es ein größerer Aufwand sein, die gemeinsame Arbeit in den Phasen der Gleitzeit zu koordinieren.
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Mögliche Verstöße
Nicht immer werden die Vorgaben von allen Mitarbeitern eingehalten. Kommt es zu Verstößen gegen den Zeitrahmen, müssen Unternehmen darauf reagieren und möglicherweise arbeitsrechtliche Konsequenzen einleiten.
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Festgelegte Zeiten
Einziger echter Nachteil für Arbeitnehmer: Es gibt vorgeschriebene Arbeitszeiten. Anders als bei einer Vertrauensarbeitszeit kann der Tag nicht komplett flexibel geplant werden.
Nachteile für Arbeitnehmer
Kernarbeitszeit bei Vollzeit oder Teilzeit
In vielen Betrieben arbeiten sowohl Mitarbeiter in Vollzeit als auch in Teilzeit. Für Aufgaben und Projekte ist das kaum ein Problem, schwieriger wird es aber bei der Kernarbeitszeit.
Vollzeit
Bei einem Angestellten mit klassischer 40-Stunden-Woche (also 8 Stunden pro Tag bei 5-Tage-Woche) ist eine Kernarbeitszeit von etwa 5 Stunden (z.B. 10-15 Uhr) kein Problem. Die Zeit fällt in den normalen Arbeitstag. Durch die Gleitzeitphasen davor und danach bleibt flexibler Spielraum, um die restlichen Stunden zu verteilen.
Teilzeit
Arbeitet ein Angestellter nur 20 Stunden pro Woche (also 4 Stunden pro Tag bei einer 5-Tage-Woche) sind starre Kernarbeitszeiten kaum noch einzuhalten. Die vorgeschriebenen Zeiten übersteigen die tägliche Arbeitszeit und widersprechen oft dem typischen Grund für eine Teilzeitstelle – z.B. Abholung und Betreuung der eigenen Kinder um 14 Uhr. Auch rechtlich gilt: Laut Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) dürfen Teilzeitbeschäftigte nicht ohne sachlichen Grund schlechtergestellt werden als Vollzeitbeschäftigte. Für Arbeitgeber kann es somit schwierig sein, Mitarbeiter in Teilzeit von der Flexibilität der Gleitzeit auszuschließen. Häufige Lösungen sind individuelle Vereinbarungen etwa durch angepasste Zeiten (z.B. 9-11 Uhr) oder eine komplette Befreiung von der Kernarbeitszeit für Teilzeitkräfte.
Was passiert bei einem Verstoß gegen die Kernarbeitszeit?
In der Kernarbeitszeit herrscht Anwesenheitspflicht, Erreichbarkeit und Arbeitspflicht – egal, ob im Büro oder im Homeoffice. Leider nimmt das nicht jeder Mitarbeiter ernst. Am Morgen wird der Gleitzeitrahmen überschritten oder am Nachmittag bereits Feierabend gemacht. Doch eine Verletzung der Kernarbeitszeit kann ernste Folgen haben: Ein Verstoß rechtfertigt eine Abmahnung durch den Arbeitgeber. Beim ersten Fehlverhalten belassen es Chefs aber meist bei einer Ermahnung und deutlichen Erinnerung an die Bedeutung der Zeitrahmen.
Wiederholungen können zur Kündigung führen
Verletzen Sie trotz Abmahnung erneut die Kernarbeitszeiten bei Ihrem Unternehmen, darf der Chef auch eine Kündigung aussprechen. Ausnahmen gibt es bei unverschuldeten Verstößen. Gab es einen Unfall oder unerwartete Zugausfälle, sind die meisten Arbeitgeber nachsichtig und zeigen Fingerspitzengefühl.
Eine Verletzung kann nicht ausgeglichen werden
Eine Verletzung der Kernarbeitszeit können Sie nicht mit Überstunden an anderer Stelle wieder ausgleichen. Beginnt die Kernarbeitszeit um 9 Uhr, Sie kommen aber erst um 10 Uhr ins Büro, ändert es nichts, wenn Sie am Abend bis 20 Uhr arbeiten oder 5 Überstunden auf Ihrem Zeitkonto gesammelt haben. Sie verstoßen gegen die Vorgaben aus Ihrem Arbeitsvertrag, der den konkreten Zeitrahmen vorgibt. Wenn Sie hier nicht arbeiten, können Sie das nicht nachholen.
Muss ich meine Arbeitszeit bei Kernarbeitszeit erfassen?
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat entschieden, dass Arbeitgeber grundsätzlich dazu verpflichtet sind, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter genau zu erfassen und zu dokumentieren. Ziel ist der Arbeitnehmerschutz: Die konkrete Arbeitszeiterfassung verhindert unbezahlte Überstunden – zum Beispiel, wenn Sie im Rahmen der Gleitzeit früh anfangen, aber für ein wichtiges Projekt trotzdem länger bleiben. Auch und gerade bei flexiblen Modellen müssen Sie deshalb Ihre täglichen Arbeitszeiten festhalten.
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