Arbeitszeitbetrug: Fristlose Kündigung möglich

Angestellte haben Rechte, aber auch Pflichten, zu denen die Erfüllung der vereinbarten Zeiten und Leistungen gehört. Arbeitszeitbetrug ist deshalb kein Kavaliersdelikt. Dabei geht es nicht um ein paar Minuten, die Sie unkonzentriert sind und vertrödeln.

Arbeitszeitbetrug ist ein bewusstes Zuwiderhandeln gegen Vorgaben oder ein wiederholtes Zurechtbiegen der Regeln zum eigenen Vorteil. Hier mal schnell für den Kollegen mitgestempelt, dort ein bisschen länger im Büro Privattelefonate geführt – manche Verhaltensweisen schleifen sich im Laufe der Zeit ein. Bei anderen ist sich der Arbeitnehmer nicht im Klaren, dass er gerade Arbeitszeitbetrug begeht. Doch schon der Volksmund weiß: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

So kann Arbeitszeitbetrug unangenehme Konsequenzen haben. Hier erfahren Sie alles, was Sie über Arbeitszeitbetrug und Ihre Pflichten im Arbeitsalltag wissen müssen…

Arbeitszeitbetrug: Fristlose Kündigung möglich

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Arbeitszeitbetrug Definition

Mit ihrer Unterschrift auf dem Arbeitsvertrag besiegeln Arbeitnehmer, dass sie mit den darin festgehaltenen Konditionen einverstanden sind. Sie verpflichten sich, gegen Zahlung eines Gehaltes eine bestimmte Arbeitsleistung zu erbringen.

Der Arbeitsvertrag (oder ein gültiger Tarifvertrag) regelt die wöchentliche Arbeitszeit und Pausenzeiten des Arbeitnehmers, die sich in jedem Fall an den Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes orientieren müssen.


Die Vereinbarung zwischen Mitarbeiter und Unternehmen legt fest, welche zeitliche Leistung für welche (finanzielle) Gegenleistung erbracht wird. Ein Arbeitszeitbetrug liegt vor, wenn die vertraglichen Pflichten absichtlich missachtet werden.


Nicht jede Kleinigkeit ist jedoch sofort ein ausgewachsener Arbeitszeitbetrug. Sie müssen nicht gleich arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten, wenn Sie einmal ein paar Minuten zu spät kommen oder kurzfristig während Ihrer Arbeitszeit von einer privaten Angelegenheit abgelenkt sind.

So können Sie sich am Arbeitsplatz eine Tasse Kaffee holen, ohne Arbeitszeitbetrug zu begehen. Ebenso drohen keine Strafen für ein kurzes Gespräch unter Kollegen, das nichts mit der Arbeit zu tun hat.

Entscheidend für die Bezeichnung Arbeitszeitbetrug sind zwei Faktoren: Die Intention hinter der Handlung und die Schwere des Vorfalls:

➠ Arbeitszeitverstoß
Als Arbeitszeitverstoß wird grundsätzlich jede Zuwiderhandlung gegen die arbeitsvertraglichen Bestimmungen gewertet. Mit anderen Worten: Haben Sie morgens verschlafen und erscheinen deshalb eine halbe Stunde zu spät auf der Arbeit, haben Sie einen Arbeitszeitverstoß begangen.

Üblicherweise wird so ein einmaliges Vorkommnis keinerlei Konsequenzen haben. Erst recht nicht, wenn Sie ansonsten als zuverlässiger Mitarbeiter bekannt sind.

➠ Arbeitszeitbetrug
Ein Arbeitszeitbetrug hingegen liegt vor, wenn mutwillig oder gar absichtlich gegen die festgelegten Arbeitszeiten verstoßen wird. Hier geht es darum, den Arbeitgeber für eine bestimmte Zeit bezahlen zu lassen, obwohl ihm bewusst nicht die geschuldete Arbeitsleistung erbracht wird.

Auch regelmäßiges Zuspätkommen (beispielsweise zu Stoßzeiten im Straßenverkehr) fällt unter Arbeitszeitbetrug, denn der Arbeitnehmer trifft offensichtlich nicht die notwendigen Vorkehrungen, um sich an die vereinbarten Zeiten zu halten.

Konsequenzen eines Arbeitszeitbetrugs

Besteht der Verdacht, dass Sie Arbeitszeitbetrug begehen, gibt es zwei Möglichkeiten.

Sie werden abgemahnt
Eine Abmahnung ist wie ein Warnschuss. Der Arbeitgeber wird dann davon Gebrauch machen, wenn er davon ausgeht, dass Sie in Unkenntnis bestimmter Sachverhalte gehandelt haben und/oder abhängig von der Schwere des Delikts. In diese Kategorie fallen beispielsweise Zuspätkommen oder wenn ein Attest am ersten Krankheitstag versäumt wurde, weil der Mitarbeiter vom dritten Arbeitstag ausgegangen ist.

Ihnen wird gekündigt
Bei schweren Formen des Arbeitszeitbetrugs ist mit einer verhaltensbedingte Kündigung zu rechnen. Davon wird sehr wahrscheinlich ausgegangen, wenn ein Mitarbeiter nachweislich den Anschein zu erwecken versucht, dass er eine bestimmte Arbeitsdauer erbracht habe. Auch wenn zuvor bereits eine Abmahnung ergangen ist und der Angestellte dennoch sein arbeitsvertragswidriges Verhalten beibehält, ist mit einer Kündigung zu rechnen.

Arbeitgeber, die nicht mit letzter Sicherheit> den Arbeitszeitbetrug nachweisen können, steht die Möglichkeit zur Verdachtskündigung offen.

Da es sich in Fällen von Arbeitszeitbetrug oft um eine fristlosen Kündigung handelt, kommt meist das Arbeitsgericht ins Spiel. Hier werden Entscheidungen abhängig vom Einzelfall getroffen.

Maßgeblich für die Rechtsprechung sind vorliegende Beweise und die Einschätzung, ob ein Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgrund eines Vorfalls nachhaltig gestört ist. Hier kann im Zweifel auch die lange Betriebszugehörigkeit nicht milde stimmen.

Eindeutig war der Fall eines Mitarbeiters einer Metzgerei (Az.: 16 Sa 1299/13), der über 25 Jahre dort angestellt war. Dieser erschlich sich durch Manipulation des Zeiterfassungsgerätes in einem Zeitraum von anderthalb Monaten mehr als dreieinhalb Stunden, indem er das Zeiterfassungsgerät nachweislich umging.


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Was gilt als Arbeitszeitbetrug?

Wie bereits angedeutet ist nicht jedes Fehlverhalten bei der Arbeitszeit automatisch ein Arbeitszeitbetrug. Trotzdem sollten Sie bei Ihrem Verhalten im Job vorsichtig sein und sich stets daran erinnern, wofür – und für welchen Zeitraum – Sie bezahlt werden.

Denn Arbeitszeitbetrug in seinen verschiedenen Formen und Ausprägungen kommt häufiger vor, als vielen bewusst ist.

Ihr Arbeitgeber verfügt durch den Arbeitsvertrag über das sogenannte Weisungsrecht. Dementsprechend überträgt er Ihnen Tätigkeiten, die gemäß Ihrer Abmachungen in Ihren Aufgabenbereich fallen.

Zugespitzt könnte man sagen:


Alles, was nicht auf Anweisung Ihres Chefs geschieht beziehungsweise nicht von dem Weisungsrecht gedeckt ist und dennoch während der Arbeitszeit erledigt wird, kann als Arbeitszeitbetrug gewertet werden.


So sind alle Beschäftigungen und Tätigkeiten, die Sie von Ihrem eigentlichen Arbeitsauftrag abhalten, im weitesten Sinne ein Arbeitszeitbetrug. Kleinigkeiten werden dabei nicht verfolgt oder bestraft, außer ein Mitarbeiter handelt in der Absicht, die eigene Arbeitszeit zu verkürzen und möglichst weniger Leistung für seine Bezahlung zu erbringen.

Vorsichtig sein sollten Sie bei den folgenden Punkten, die einen Arbeitszeitbetrug darstellen können:

Freizeittätigkeiten

Wer nicht arbeitet, hat Freizeit – zumindest aus Arbeitgebersicht. Daher haben auch Tätigkeiten zu unterbleiben, die ganz klar der persönlichen Freizeitsphäre des Arbeitnehmers zuzuordnen sind. Dazu zählt privates Surfen im Internet, Kurznachrichten verschicken, private Chats in den sozialen Medien wie etwa auf Facebook, aber auch Telefonate mit der Familie oder Zeitung lesen.

All diese Aktivitäten gehören in den Bereich des Arbeitszeitbetrugs, weil Sie eines ganz klar nicht tun: arbeiten.

Mehr dazu lesen Sie hier: Dienstrechner: Was ist darauf erlaubt?

Wiederholte Unpünktlichkeit

Jeder kann sich mal ein paar Minuten verspäten, doch wenn Sie regelmäßig zu spät zur Arbeit erscheinen, kann es sich um einen ernsthaften Arbeitszeitbetrug handeln. Die Zeiten addieren sich schnell auf, mal sind es nur fünf, mal 15 Minuten – auf mehrere Wochen gerechnet verliert Ihr Arbeitgeber mehrere Stunden bezahlte Arbeitszeit.

Ausreden wie Stau oder verspätete öffentliche Verkehrsmittel zählen dabei nicht. Sie tragen als Mitarbeiter das Wegerisiko und sind dafür verantwortlich, pünktlich zu sein.

Mehr dazu lesen Sie hier: Pünktlichkeit: Unpünktlichkeit ist gelebte Arroganz

Pausen überziehen

Die Pause ist für alles, was Sie während der Arbeitszeit nicht erledigen können und natürlich zur Erholung. Leider ist die Pause aber auch relativ knapp bemessen. Wer um 14 Uhr wieder am Arbeitsplatz sein muss, sich dann aber erst vom Gespräch mit den Kollegen losreißt, um gemächlich einen Snack aus der Kantine zu holen, überzieht seine Pause bereits deutlich.

In diese Kategorie fallen übrigens auch nicht genehmigte Pausen wie die berühmte Raucherpause. Vor dem Hintergrund des Nichtraucherschutzes ist das Rauchen am Arbeitsplatz oft nur noch in bestimmten Räumlichkeiten oder außerhalb des Gebäudes zulässig. Der Weg dorthin, das Rauchen an sich nehmen Zeit in Anspruch. Der Arbeitgeber kann daher verlangen, dass die aufgewandte Zeit entweder nachgearbeitet wird, oder aber nur in den offiziellen Pausen geraucht wird.

Mehr dazu lesen Sie hier: Pausenregelung: Was ist erlaubt, was nicht?

Buddy Punching

Bei diesem Phänomen handelt es sich um die gezielte Manipulation von Stechuhren beziehungsweise Zeiterfassungssystemen. Dafür braucht es immer zwei, nämlich einen, der nicht vor Ort ist und einen, der für den Abwesenden stellvertretend stempelt.

Kurvt der Kollege also draußen noch auf der Suche nach einem Parkplatz herum, während Sie für ihn bereits gemeinsam mit Ihrer eigenen Karte einstempeln, begeht er nicht nur Arbeitszeitbetrug, sondern Sie machen sich auch noch der Komplizenschaft schuldig. Dasselbe gilt, wenn Sie bereits früher den Arbeitsplatz verlassen und Ihrem Kollegen die Karte geben, um so offiziell den Anschein zu erwecken, Sie wären bis zum Feierabend im Betrieb gewesen.

Mehr dazu lesen Sie hier: Buddy Punching: Wenn der Kollege zweimal stempelt

Überstunden herausschinden

Eigentlich sollten beide Vertragsparteien bemüht sein, Überstunden zu verhindern. Einige Mitarbeiter versuchen aber gezielt, Überstunden zu machen – ohne dabei wirklich zu arbeiten. Das simuliert Engagement und hat den Vorteil, dass die Überstunde später wieder ausgeglichen oder entlohnt werden muss.

Also wird die Stunde zwischen dem offiziellen Feierabend und der Verabredung in der Stadt der Schreibtisch besonders gründlich aufgeräumt oder die Zeit sonst wie totgeschlagen. Auf diese Art und Weise können sich einige Stunden zusammengemogelt werden, für die der Arbeitgeber im Endeffekt keine adäquate Gegenleistung erhält.

Mehr dazu lesen Sie hier: Überstunden: Was Sie über Mehrarbeit wissen müssen

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Arbeitszeitbetrug nachweisen

Wollen Unternehmen aufgrund von Pflichtverletzungen der Arbeitszeit eine Kündigung aussprechen, stehen sie vor der Herausforderung, den Arbeitszeitbetrug nachweisen zu müssen.

In der Theorie scheint dies leicht zu sein, in der Praxis gestaltet sich ein solcher Nachweis aber oft schwierig. Mitarbeiter sind um keine Ausrede verlegen. Von defekten Zeiterfassungssystemen bis zu einem unabsichtlichen Vergessen haben Arbeitgeber schon alles gehört und erlebt.

Ein wirklicher Nachweis ist meist nur möglich, wenn ein Mitarbeiter direkt beim Arbeitszeitbetrug erwischt wird. Beispielsweise wenn der Chef den Angestellten beim privaten Telefonat antrifft oder sieht, wie die Arbeitszeiterfassung für einen anderen Kollegen übernommen wird.

Doch selbst das rechtfertigt nicht unbedingt eine fristlose Kündigung.

Urteil zum Arbeitszeitbetrug

Das sahen auch die Richter so in einem Fall, in dem ein Arbeitgeber gegen einen Angestellten klagte. Dieser war zwei Male dabei erwischt worden, wie er im Pausenraum fest geschlafen hatte, obwohl es sich im fraglichen Zeitraum um seine Arbeitszeit handelte.

Der Arbeitgeber wollte nun wegen Arbeitszeitbetrugs kündigen und verlangte vom Betriebsrat die Zustimmung in dieser Angelegenheit, die ihm jedoch verwehrt wurde. Nach Meinung der Richter stellte eine fristlose Kündigung – vor allem angesichts der langen Betriebszugehörigkeit von über 20 Jahren – eine überzogen harte Entscheidung dar. Eine Nichteinhaltung der Pausenzeit kann nicht automatisch als Arbeitszeitbetrug gewertet werden (Arbeitsgericht Siegburg, 03.05.2017 – 4 BV 56/16 G).

Es ist somit ratsam, dass Unternehmen einen Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzuziehen, wenn es um den Arbeitszeitbetrug eines Arbeitnehmers geht.

Arbeitszeitbetrug vom Arbeitgeber

Die obige Definition und die nachfolgenden Erläuterungen betrachten vor allem den Arbeitszeitbetrug seitens des Arbeitnehmers. Leider kommt aber auch das vor: Arbeitszeitbetrug vom Arbeitgeber.

Dies ist etwa der Fall, wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen nicht die gesamte Arbeitszeit vergütet.

Als nicht vergütet gilt die Arbeitszeit, wenn es auch keinen Freizeitausgleich für geleistete Überstunden gibt. Einige Arbeitsverträge enthalten Klauseln zur automatischen Abgeltung von Überstunden mit dem Gehalt. Das ist allerdings nur dann zulässig, wenn die Anzahl der Stunden sich im Rahmen hält und schriftlich fixiert wurde.

Anderenfalls ist eine automatische Abgeltung mit dem Gehalt nur bei Führungspersonal mit entsprechend hohem Einkommen erlaubt. Eine manuelle Verkürzung der Arbeitszeit im Zeiterfassungssystem ist nicht erlaubt, sofern die Mitarbeiter noch ihrer Arbeit nachgehen. In solchen Fällen sollten Sie den Betriebsrat einschalten.


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Arbeitszeitbetrug Verdacht: Das können Sie tun

Hat Ihr Arbeitgeber Sie im Verdacht für Arbeitszeitbetrug, haben Sie einen schweren Stand im Job. Stellt sich die Frage: Wie können Sie reagieren und was können Sie tun, wenn der Verdacht des Arbeitszeitbetrugs geäußert wird?

Die Antwort auf diese Frage richtet sich danach, inwieweit der Vorwurf berechtigt ist: Ist etwas dran, sollten Sie sich in jedem Fall entschuldigen. Sie können eine kurze Erklärung liefern, sparen Sie sich aber lange Rechtfertigungen, sondern konzentrieren Sie sich auf die Entschuldigung. Lange Ausflüchte lassen Sie nicht glaubwürdiger klingen.

Ist der Verdacht eines Arbeitszeitbetrugs unbegründet, können Sie das Gespräch mit dem Chef suchen. Schildern Sie Ihre Sicht der Dinge und hören Sie sich an, wie der Verdacht auf Seiten des Arbeitgebers zustande gekommen ist. Sollte es sich um ein Missverständnis gehandelt haben, lässt sich dieses so oft aus der Welt schaffen.

Stellt sich heraus, dass sie (unbeabsichtigt) doch etwas falsch gemacht haben, ist erneut eine Entschuldigung angebracht und natürlich Besserung für die Zukunft.

Werden Sie hingegen vollkommen zu Unrecht verdächtigt – oder handelt es sich sogar um Arbeitszeitbetrug vom Arbeitgeber – können Sie möglichst genau Buch über Ihre Arbeitszeiten führen. Dokumentieren Sie täglich Ihre konkreten Arbeitszeiten. So können Sie im Falle eines Vorwurfs umgehend nachweisen, wann Sie woran gearbeitet haben.

[Bildnachweis: by Shutterstock.com]
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18. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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