Buddy Punching: Wenn der Kollege zweimal stempelt

Buddy Punching – das hört sich an, als würde jemand von seinem besten Kumpel niedergestreckt. Tatsächlich bezeichnet der Begriff das Fremdstempeln für abwesende oder zu spät kommende Kollegen bei der Arbeitszeiterfassung. Dabei handelt es sich keinesfalls um ein Kavaliersdelikt! Im Arbeitsrecht gilt Buddy Punching als Arbeitszeitbetrug und Lohnbetrug und kann eine fristlose Kündigung sowie strafrechtliche Konsequenzen rechtfertigen…

Buddy Punching Definition Beispiele Arbeitsrecht Arbeitszeitbetrug Folgen

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Buddy Punching bezeichnet das Fremdstempeln für Kollegen bei der Arbeitszeiterfassung – also für andere Arbeitnehmer unerlaubt die Arbeitszeit erfassen.
  • Arbeitrecht: Das Vorgehen stellt eine schwere Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten und des Vertrauens dar und gilt als Arbeitszeitbetrug.
  • Folgen: Fliegen Betroffene auf, können Arbeitgeber dafür eine Abmahnung aussprechen, bei schweren oder wiederholten Verstößen droht sogar eine fristlose Kündigung. Neben arbeitsrechtlichen Folgen können auch strafrechtliche Konsequenzen nach § 263 StGB (Betrug) drohen.
  • Prävention: Um Buddy Punching zu verhindern, können Arbeitgeber moderne Zeiterfassungssysteme wie biometrische Scanner (Fingerabdruck) oder App-basierte Stechuhren mit GPS-Ortung oder Überwachungskameras einsetzen.
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Definition: Was ist Buddy Punching?

Buddy Punching ist, wenn ein Mitarbeiter für einen Kollegen die Arbeitszeit erfasst, zum Beispiel beim Ein- oder Ausstempeln, obwohl dieser gar nicht anwesend ist oder arbeitet. Dadurch wird dem Arbeitgeber eine falsche Arbeitszeit vorgetäuscht, was als schwerer Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten und Vertrauensbruch gewertet wird – sowohl für den Täter als auch für den abwesenden Mitarbeiter.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat 2019 entschieden, dass Arbeitgeber die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeitenden vollständig erfassen müssen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) bestätigte das 2022 mit dem „Stechuhr-Urteil“. Seither besteht eine Pflicht zur Arbeitszeiterfassung nach § 3 ArbSchG. Infolge dieser Pflicht versuchen jedoch manche Mitarbeiter, das System auszutricksen, kurze Arbeitstage zu verschleiern oder Überstunden abzurechnen.

Was sind die Gründe der Arbeitnehmer für Buddy Punching?

Das vordergründigste Motiv für den Zeitdiebstahl ist der finanzielle Vorteil: Betroffene lassen sich Arbeitszeit oder Überstunden bezahlen, die sie gar nicht geleistet haben. Mancher mag sich sogar moralisch dazu im Recht sehen, weil er oder sie sein Gehalt als „unfair“ oder viel zu niedrig empfindet. Weitere häufige Gründe sind:

  • Verspätung kaschieren

    Betroffene Mitarbeiter wollen damit verschleiern, dass sie häufig zu spät zur Arbeit kommen, was ebenfalls zu einer Ermahnung oder Abmahnung führen kann.

  • Unzufriedenheit

    Akuter Frust über den Arbeitgeber oder die Arbeitsbedingungen kann ebenfalls dazu führen, dass sich Arbeitnehmer auf diese Weise für die fehlende Wertschätzung „rächen“ wollen.

  • Bequemlichkeit

    Sich mal eben von einem Kollegen helfen zu lassen, ist einfacher als korrektes Ein- und Ausstempeln, bevor das Arbeitszeitkonto ins Minus rutscht. Oft ist dies verbunden mit einem geringen Unrechtsbewusstsein – das Verhalten wird als „nicht so schlimm“ angesehen.

  • Gruppendruck

    Echte Buddys helfen und unterstützen sich. Mitmachen wird deshalb als Teamgeist oder Kollegialität gewertet – oder weil es im Team einfach üblich ist und man nicht als „Spielverderber“ oder „Petze“ gelten will.

  • Kriminelle Energie

    Darüber hinaus gibt es natürlich auch Mitarbeitende, die das Unternehmen als Selbstbedienungsladen betrachten. Arbeitszeitbetrug ist dabei nur eine Facette. Ebenso werden Kugelschreiber, Kopierpapier oder andere Gegenstände geklaut.

Wie lässt sich Buddy Punching erkennen?

Besonders oft tritt Buddy Punching in Branchen mit Schichtarbeit, in der Gastronomie, im Einzelhandel und in Pflegeberufen auf. Einen Zeitdiebstahl oder Manipulation bei der Zeiterfassung zu erkennen, ist jedoch nicht immer einfach. Es gibt aber verräterische Anzeichen:

  • Mitarbeiter stempeln regelmäßig gemeinsam ein oder aus.
  • Es gibt identische Anwesenheitslisten für dieselben Kollegen.
  • Die Anwesenheit Betroffener passt nicht zu den Dienstplänen.
  • Kollegen haben Arbeitszeiten außerhalb geplanter Schichten.
  • Das Unternehmen hat Personalkosten, aber keine entsprechenden Leistungen.
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Welche Folgen drohen bei Buddy Punching?

Um es deutlich zu sagen: Buddy Punching und Fremdstempeln sind handfester Betrug und damit nach § 263 StGB strafbar. Fliegt der Arbeitszeitbetrug auf, können Arbeitgeber beide Täter dafür mindestens abmahnen. Geht das Buddy Punching schon über längere Zeit, droht eine außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund (Vertrauensbruch), der eine weitere Zusammenarbeit unzumutbar macht.

Darüber hinaus können strafrechtliche Konsequenzen folgen, da der Betrug nicht nur Arbeitszeit, sondern auch unrechtmäßig erschlichenen Lohn betrifft. Wer andere für sich ein- oder ausstempeln lässt, begeht Betrug, der „nette Kollege“ macht sich wiederum wegen Beihilfe zum Betrug strafbar. In manchen Fällen kommt noch Urkundenfälschung nach § 267 StGB in Betracht, etwa wenn Zeiterfassungssysteme manipuliert werden. Je nach Schwere drohen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen. Das zu viel gezahlte Gehalt kann zurückgefordert werden, und bei einer Verurteilung gibt es einen Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis. Das erschwert auch noch zukünftige Bewerbungen.

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Was können Arbeitgeber gegen Buddy Punching tun?

Unternehmen werden solche Betrügereien weder stillschweigend dulden, noch decken. Gleichzeitig können Arbeitgeber einiges tun, um ein solches Fehlverhalten aufzudecken:

  • Zeiterfassung per App

    Einige Arbeitgeber setzen bereits auf moderne Zeiterfassung mittels biometrischer Daten (z.B. Fingerabdruck). Diese ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Eine Überwachung per GPS gibt es teils in den USA, hierzulande ist sie allerdings verboten, weil das eine Verletzung der Grundrechte darstellt.

  • Videoüberwachung

    Die Stempeluhren können per Video überwacht werden. Das macht die Überführung der Täter zwar eindeutig, die Überwachung bzw. Videos müssen aber zeit- und personalaufwändig ausgewertet werden.

All diese Methoden haben jedoch einen zentralen Nachteil: Sie stellen alle Angestellten unter Generalverdacht. Die Folge ist eine Atmosphäre des Misstrauens. Außerdem lässt sich oft die beste Überwachung mit krimineller Energie und Kreativität überlisten.

Buddy Punching vorbeugen

Besser ist, das Problem direkt bei der Wurzel zu packen und dafür zu sorgen, dass Buddy Punching überhaupt keine Alternative ist. Dafür sollte der Arbeitgeber zum einen von vornherein deutlich kommunizieren, dass es bei Buddy Punching null Toleranz gibt. Gleichzeitig sollte eine Unternehmenskultur etabliert werden, die Fairness und Transparenz in den Mittelpunkt stellt, sodass sich Mitarbeitende wertgeschätzt fühlen. Ein dritter Ansatz ist, Arbeitnehmer nicht nach Arbeitszeit, sondern nach den Ergebnissen zu bezahlen. Auf diese Weise wird Verantwortung delegiert und Arbeitszeitbetrug wird vollkommen unattraktiv bzw. sinnlos.

Wie sollte ich mich beim „Gefallen“ verhalten?

Falls Sie einmal in die Lage kommen, dass Sie ein Kollege um den Gefallen bittet, für ihn ein- oder auszustempeln, sollten Sie die Bitte natürlich kategorisch ablehnen. Schon aus Selbstschutz. Denn auch Ihnen drohen in dem Fall Jobverlust und weitere Strafen. Um nicht gleich als „Kollegenschwein“ zu gelten oder Ihr Gegenüber vor den Kopf zu stoßen, empfehlen wir noch folgende Strategien:

  • Erfragen Sie die Hintergründe

    Fragen Sie den Kollegen offen nach seinen Gründen für das Buddy Punching. Oft lassen sich schon daraus Alternativen zum Arbeitszeitbetrug ableiten.

  • Verdeutlichen Sie die Konsequenzen

    Machen Sie unmissverständlich klar, dass es sich hierbei nicht um einen simplen Freundschaftsdienst, sondern um strafbaren Betrug handelt, der Ihrer beider Job gefährdet.

  • Wechseln Sie die Perspektive

    Zeigen Sie, welche Folgen Buddy Punching langfristig für die Teamatmosphäre hat: Sie werden zu Komplizen und müssen aufpassen, dass sich der nicht verplappert oder andere Kollegen sie verraten. Nicht zuletzt ist es Betrug an den Teamkollegen, die weiterhin fair ihre Arbeit leisten und den Arbeitszeitbetrug eventuell auffangen müssen.

  • Erarbeiten Sie eine Lösung

    Holen Sie den Kollegen mit ins Boot und überlegen Sie gemeinsam, wie Sie ihn anderweitig unterstützen können oder die Arbeitssituation insgesamt verbessern. Langfristig zahlt sich das viel mehr aus –ehrlicher ist es sowieso.

Machen Sie sich bewusst: Buddy Punching ist ein klarer Pflichtverstoß gegen Ihren Arbeitsvertrag. Daher sollte es für sie niemals eine ernsthafte Option sein – weder für sich selbst, noch sollten Sie daran aktiv mitwirken. Gegenüber Mitwissern macht Sie das nicht nur erpressbar – Sie stehen dabei immer auch mit einem Bein vor einer Kündigung und riskieren Ihr Einkommen ebenso wie Ihre Reputation.


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