Gesetzlicher Mindesturlaub: So viel erhalten Sie

Nicht alle Arbeitnehmer haben gleich viel Urlaub. Abhängig ist dies vom persönlichen Verhandlungsgeschick des Einzelnen oder der Gewerkschaft. Wie viel gesetzlicher Mindesturlaub Ihnen aber garantiert zusteht, regelt das Bundesurlaubsgesetz. Das stellt sicher, dass Arbeitnehmer nach einer Phase des Arbeitens auch genügend Zeit zur Erholung haben, um mit genügend Energie neuen Aufgaben gerecht werden zu können. Wie viele Urlaubstage Sie mindestens erhalten, was im Krankheitsfalle zu tun ist und inwieweit es einen Unterschied macht, ob Sie Teilzeit oder Vollzeit beschäftigt sind…

Gesetzlicher Mindesturlaub: So viel erhalten Sie

Gesetzlicher Mindesturlaub: Was ist das?

gesetzlicher Mindesturlaub 2018Teilzeit nach Alter ab 50 55 ü50 steigender Urlaubsanspruch BetriebszugehörigkeitDas 1963 in Kraft getretene Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) regelt den Erholungsurlaub, der jedem Arbeitnehmer zusteht. Der offizielle Titel lautet daher Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer.

Neben dem gesetzlichen Mindesturlaub können neue Beschlüsse zwischen den Tarifparteien oder Einzelabsprachen je nach Branche und Bundesland Einfluss darauf haben, wie hoch Ihr Urlaub letztendlich ausfällt. Allerdings dürfen Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung nur für den Arbeitnehmer begünstigend abweichen.

So weit die Rahmenbedingungen. Daneben kann sich der gesetzliche Urlaubsanspruch nach Alter, Betriebszugehörigkeit und Behinderung erhöhen. Wichtig zu wissen: Das BUrlG regelt also nur den gesetzlichen Mindesturlaub, also den Erholungsurlaub, den Ihr Arbeitgeber Ihnen in jedem Fall gewähren muss.

Darüber hinaus ist im gesetzlichen Mindesturlaub festgelegt, dass der Arbeitgeber Ihnen während Ihres Urlaubs das volle Gehalt weiterzahlen muss. Etwas anders liegt der Fall, wenn Sie Ihren Chef um Freistellung bitten – etwa weil Ihre Urlaubstage aufgebraucht sind und Sie sich um einen kranken Verwandten kümmern wollen.

Hierbei handelt es sich dann um unbezahlten Urlaub.

Was gilt für neue Mitarbeiter?

Gemäß § 4 ist im gesetzlichen Mindesturlaub festgelegt, dass Sie eine Wartezeit haben, wenn Sie eine neue Stelle antreten. Erst nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses erwirbt ein Arbeitnehmer seinen vollen Urlaubsanspruch.

Die Horrorvorstellung vieler: Wer mitten im Jahr eine neue Stelle antritt und noch keinen Urlaub in der gesamten Zeit hatte, muss ein weiteres halbes Jahr warten. Dem ist nicht so. Auch vor Ablauf der Wartezeit besteht ein gesetzlicher Urlaubsanspruch, genaugenommen von Anfang an.

Sie erwerben pro vollem Monat Betriebszugehörigkeit ein Zwölftel Ihres Jahresurlaubs. Den errechnen Sie sich wie folgt:

Anzahl der Urlaubstage geteilt durch 12 Monate. Bei 20 Urlaubstagen geteilt durch 12 Monate erwerben Sie einen Anspruch von 1,66 Tagen pro Monat.

Bruchteile, die mindestens einen halben Tag ergeben, sind aufzurunden. Bei drei Monaten Betriebszugehörigkeit hätten Sie also bereits 5 Tage Urlaub erworben.

Gesetzlicher Mindesturlaub 2018: Wie viel und für wen gilt er?

Direkt § 1 des Mindesturlaubsgesetzes stellt fest:

Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub.

Jeder Arbeitnehmer hat ein Anrecht, also:

  • Arbeiter
  • Angestellte
  • Auszubildende
  • Volontäre, Trainees
  • arbeitnehmerähnliche Personen (wie Selbständige und freie Mitarbeiter, sofern sie von dem Unternehmen wirtschaftlich abhängig sind)

Wieviele freie und bezahlte Tage stehen Ihnen nun nach dem gesetzlichen Mindesturlaub zu? Die Dauer des Urlaubs regelt § 3 BUrlG, darin heißt es:

(1) Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage.
(2) Als Werktage gelten alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind.

Das bedeutet allerdings auch, dass die im ersten Absatz erwähnten 24 Werktage Urlaub dann gelten, wenn Sie in einer 6-Tage-Woche arbeiten, also von Montag bis Samstag. Dies entspricht nicht der Realität der meisten Bürojobs, daher wird der Urlaub so angepasst, dass er den gesetzlichen Mindestanforderungen entspricht.

Die Rechnung geht folgendermaßen:

24 Werk­ta­ge : 6 Werk­ta­ge = 4 Wo­chen Ur­laub.

Wer in einer 5-Tage-Woche arbeitet, rechnet nun:

4 Wochen x 5 Arbeitstage = 20 Werktage Urlaub.

So lässt sich übrigens auch ganz leicht der gesetzliche Mindesturlaub bei Teilzeit ausrechnen, denn natürlich steht Arbeitnehmern in Teilzeitarbeit anteilig der gleiche Urlaub zu:

Wenn Sie beispielsweise in einer 4-Tage-Woche arbeiten, rechnen Sie:

4 Wo­chen x 4 Ar­beits­ta­ge = 16 Ar­beits­ta­ge Ur­laub.

Wer hingegen in einer 3-Tage-Woche arbeitet, rechnet:

4 Wo­chen x 3 Ar­beits­ta­ge = 12 Ar­beits­ta­ge Ur­laub.

In jedem Fall liegt der gesetzliche Mindesturlaub bei vier Wochen pro Jahr, die multiplizieren Sie mit den Arbeitstagen und gelangen so zu Ihren Urlaubstagen.

Gesetzlicher Mindesturlaub: Sonderregelungen

gesetzlicher Mindesturlaub Teilzeit gesetzlicher Urlaubsanspruch nach Alter ab 50 55 ü50 steigender Urlaubsanspruch BetriebszugehörigkeitDer gesetzliche Mindesturlaub stellt so wie oben beschrieben den Normalfall dar. Daneben gibt es allerdings einige Sonderregelungen für besonders Schutzbedürftige, beispielsweise jugendliche Arbeitnehmer und Menschen mit Behinderung.

Arbeitnehmer, die unter 18 Jahren alt sind, fallen unter das Jugendschutzgesetz (JArschG). Je nach Alter erhöht sich damit ihr Urlaubsanspruch:

  • Für beschäftigte Jugendliche bis 16 Jahre: mindestens 30 Werktage
  • Für beschäftigte Jugendliche bis 17 Jahre: mindestens 27 Werktage
  • Für beschäftigte Jugendliche bis 18 Jahre: mindestens 25 Werktage

Ebenfalls mehr Urlaubstage haben Schwerbehinderte. Wer eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung ab einem Grad von mindestens 50 hat, erhält einen Zusatzurlaub von fünf weiteren Arbeitstagen.

Damit erhöht sich für Schwerbehinderte allerdings nicht nur der gesetzliche Mindesturlaub, sondern die Zahl der Urlaubstage, die ihnen vertraglich oder tariflich zusteht. Schwerbehinderte Arbeitnehmer, deren Arbeitsvertrag 29 Urlaubstage vorsieht, erhalten damit also 34 Urlaubstage.

Gesetzlicher Urlaubsanspruch nach Alter?

Eigentlich gibt es abgesehen von Jugendlichen keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch nach Alter, da dies gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen würde.

Aber: Keine Regel ohne Ausnahme. Ein gesetzlicher Urlaubsanspruch nach Alter kann vorliegen, wenn ein Arbeitnehmer über 50 Jahre alt ist und einer körperlich besonders anspruchsvollen Arbeit nachgeht. In diesem Fall entscheiden die Arbeitsgerichte übrigens regelmäßig zugunsten der älteren Arbeitnehmer.

In der Vergangenheit ist es hin und wieder zu Klagen jüngerer Arbeitnehmer wegen Altersdiskriminierung gekommen. Allerdings wurden diese Klagen als nicht zutreffend abgewiesen, da die Umstände entsprechend berücksichtigt werden müssten. Dazu gehört, dass ältere Arbeitnehmer ein erhöhtes Erholungsbedürfnis und längere Regenerationszeiten haben.

Auch wenn es individuelle Unterschiede geben mag und die Frage im Raum steht, wann ein Arbeitnehmer als „alt“ gilt, so ist aus Sicht der Bundesarbeitsgerichte unumstritten, dass die körperliche Belastbarkeit mit zunehmendem Alter abnimmt.

Zwei zusätzliche Tage Urlaub für einen älteren Arbeitnehmer und damit 30 statt 28 Urlaubstage wie alle Mitarbeiter unter 50 Jahren sah das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (LAG Schleswig-Holstein, 13.10.2015 – 1 Sa 130/15) als völlig angemessen.

Gesetzlicher Mindesturlaub: Wann muss er genommen werden?

Der gesetzliche Mindesturlaub gilt jeweils für das Kalenderjahr. Das heißt, zum Jahresende hin sollten Sie Ihren Urlaub genommen haben. Aber es gibt natürlich immer wieder Fälle, in denen das nicht möglich ist, beispielsweise…

  • aufgrund persönlicher Bedingungen, weil der Arbeitnehmer krank wurde oder
  • aufgrund betrieblicher Bedingungen, weil aufgrund erhöhter Krankheitsfälle oder besonderer Belastungen (etwa vor einer Messe) kein Arbeitnehmer entbehrt werden kann.

Diese Umstände führen dazu, dass in Ausnahmefällen Resturlaub angesammelt wird, Ihre Tage also ins nächste Jahr übertragen werden. Dieser angesparte Urlaub ist allerdings spätestens bis zum März des Folgejahres zu nehmen, anderenfalls verfällt er.

Arbeitnehmer sollten allerdings beachten, dass sie kein Anrecht darauf haben, sich den Urlaub so zu nehmen, wie es ihnen passt. Natürlich sollte der Arbeitgeber sich bei der Urlaubsplanung nach den Wünschen seines Mitarbeiters richten. Einen Anspruch auf eine bestimmte Zeit haben Sie jedoch nicht, denn letztlich entscheidet der Chef.

Der wiederum hat die Urlaubswünsche der anderen Mitarbeiter ebenfalls zu berücksichtigen, vor allem, wenn sie aus gesetzlicher Perspektive sozial schutzwürdiger sind. Beispielsweise wird ein kinderloser, alleinstehender Arbeitnehmer sehr wahrscheinlich hinter einer alleinerziehenden Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern zurückstecken müssen, da diese zwingend auf die Schulferien angewiesen ist.

Wer seinen Urlaub plant, sollte sich den unbedingt vorab (am besten schriftlich) vom Arbeitgeber bestätigen lassen. Wer sich selbst beurlaubt, riskiert eine fristlose Kündigung.

Was tun im Krankheitsfalle?

Urlaub dient der Erholung – wer krank wird, muss erst einmal von der Krankheit genesen, bevor an Erholung zu denken ist. Die Lage ist daher absolut klar: Melden Sie sich – wie sonst während der Arbeitszeit – umgehend krank. Am besten lassen Sie sich vom Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen, dann können Ihnen irgendwelche Lästermäuler nichts anhaben.

Die Tage, die Sie krankgeschrieben sind, werden Ihnen vom Urlaub nicht abgezogen, sondern aufgespart. Eine besondere Situation ist eine Erkrankung während Ihres Urlaubs im Ausland. Hier sind Sie verpflichtet, sich schnellstmöglich – am besten telefonisch – bei Ihrem Arbeitgeber krank zu melden.

Hintergrund ist hier, dass Ihr Arbeitgeber davon unterrichtet werden muss, wie lange Sie voraussichtlich ausfallen werden. Übrigens: Auch Arbeitnehmer, die das ganze Jahr über erkrankt sind, haben Anspruch auf Urlaub gemäß des gesetzlichen Mindesturlaubs.

Hier gilt wie zuvor beschrieben die Übertragung des Resturlaubs ins nächste Jahr. Sollte aus Krankheitsgründen die Frist bis zum 31. März nicht wahrgenommen werden können, sollte der Mitarbeiter sich mit seinem Chef über eine Übertragung über den März hinaus einigen.

[Bildnachweis: tonkid by Shutterstock.com]

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21. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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