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Ausbeutung: So stoppen Sie diese!

Ausbeutung hat viele Gesichter. Ob Sklaverei und sexuelle Ausbeutung im Menschenhandel oder unzureichende Entlohnung in der modernen Arbeitswelt: Immer sind die Betroffenen der Willkür anderer ausgeliefert, die ihre Interessen rücksichtslos durchsetzen. Die Formen sind vielfältig und nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Wie Menschen Gefahr laufen, zum Opfer zu werden, woran Sie die Ausnutzung erkennen und wie Sie die Ausbeutung am Arbeitsplatz stoppen…



Ausbeutung: So stoppen Sie diese!

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Definition + Synonym: Was ist Ausbeutung?

Der Begriff Ausbeutung (englisch exploitation) hat verschiedene Bedeutungen. Allgemein bezeichnet er die Gewinnung, Förderung oder auch Nutzbarmachung, vor allem von Rohstoffen und materiellen Ressourcen. Heutzutage überwiegt allerdings die negative Bedeutung,

Ausbeutung ist durch ungleiche Machtverhältnisse möglich: Eine Person findet sich in einer prekären Situation wieder, während eine andere in der Machtposition ist und die Zwangslage des Schwächeren ausnutzt.

Synonyme für Ausbeutung sind: Ausbeuterei, Aufbrauchung, Ausnutzung, Ausplünderung, Auspressung, Sklaverei, Wucher.

Ausbeutung Beispiele

Es gibt zahlreiche Beispiele für Ausbeutung bis auf den heutigen Tag.

  • Bevölkerung

    Historisch betrachtet stammt der Begriff „Beute“ aus dem Umfeld von Krieg und Handel. In kriegerischen Auseinandersetzungen fällt die Beute – Gegenstände oder Opfer – dem Sieger zu. Der verfährt nach eigenem Gutdünken damit.

  • Natur

    Bezogen auf die Natur und Umwelt bedeutet Ausbeutung, dass der Mensch in zerstörerischem Maße natürliche Vorkommen abbaut oder ausschöpft. Vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen ist das problematisch. Besonders Wasser zählt in einigen Ländern und Regionen zu einem kostbaren Gut.

  • Arbeitskraft

    Karl Marx versteht unter Ausbeutung, dass ein Arbeiter nicht den vollen Gegenwert seiner Arbeitskraft als Lohn erhält. Demnach erhält er gerade mal so viel, dass er seinen „Reproduktionsaufwand“ – also Kleidung, Essen und Miete – decken kann. Die Differenz zwischen Lohn und realem Wert behält der Unternehmer.

Allen Bereichen gemeinsam ist, dass die Betroffenen sich nicht wehren können. Die Akteure verfolgen eigene machtpolitische und finanzielle Interessen. Nachhaltigkeit oder Empathie spielen keine Rolle.

Ausbeutung in Deutschland: Gesetzliche Auflagen gegen Ausnutzung

Derart menschenunwürdige Bedingungen sind hierzulande eher selten: Im Regelfall sind die Rechte und Interessen der Arbeitnehmer durch Gesetze und Gewerkschaften gestärkt. Außerdem stellt Ausbeutung in Deutschland einen Straftatbestand dar. Sowohl die sexuelle Ausbeutung als auch die Ausbeutung der Arbeitskraft sind im Strafgesetzbuch in den Paragraphen 232 beziehungsweise 233 geregelt.


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Wie zeigt sich Ausbeutung am Arbeitsplatz?

Wer in Deutschland eine Ausbildung oder ein Studium absolviert hat, ist aufgrund der Gesetzeslage geringeren Gefahren des Missbrauchs ausgesetzt. Und dennoch kann Ausbeutung vorkommen. Beispielsweise treten manche Menschen besonders dominant auf, während andere besonders zurückhaltend sind. Auch gruppendynamische Prozesse und Teamregeln können dazu beitragen. Besonders betroffen hier:

Neue Mitarbeiter und hilfsbereite Mitarbeiter. Die einen haben Angst, die Probezeit nicht zu überstehen, die anderen können schlecht nein sagen. Die Ausbeutung kann sich dann so zeigen:

  • Die Bitten werden immer größer.
    Der Anfang ist meist schnell gemacht. Könntest du vielleicht kurz… oder Hast du gerade ein paar Minuten? Vorsichtig werden sollten Sie, wenn die Aufgaben, die Sie übernehmen sollen, immer größer werden und aus den paar Minuten auf einmal mehrere Überstunden geworden sind.
  • Mehrere Kollegen beteiligen sich.
    Kaum jemand kann dem netten Büronachbarn einen kleinen Gefallen abschlagen, doch kommt nach und nach die gesamte Abteilung zu Ihnen, wird es Zeit, dass Sie etwas dagegen unternehmen.
  • Es beruht nicht auf Gegenseitigkeit.
    Ein Kollege, der Sie um einen Gefallen bittet, will Sie nicht automatisch ausnutzen. Der entscheidende Faktor ist die Gegenseitigkeit. Solange der Kollege Ihnen bei Bedarf auch zur Hilfe kommt, brauchen Sie keine Angst haben, ausgenutzt zu werden.
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Test: Vielfältige Symptome als Folge von Ausnutzung

Die Symptome infolge von Ausbeutung sind vielfältig und individuell vom Maß der Ausbeutung abhängig. Denkbar sind psychische Probleme, körperliche und auch soziale. Sollten Sie die im Folgenden aufgelisteten Beschreibungen bei sich beobachten, ist es wichtig dies ernst zu nehmen, da sie auf einen Burnout hinweisen können. Zur besseren Übersicht können Sie Zutreffendes direkt im Browser abhaken:

Psychische Symptome

  • Sie können nicht mehr abschalten.
  • Ihnen wird alles zu viel.
  • Sie fühlen sich leer.
  • Sie haben Konzentrationsschwierigkeiten.
  • Sie machen sich viele Sorgen.
  • Sie haben Ängste.
  • Körperliche Symptome

  • Sie haben Schlafstörungen.
  • Sie fühlen sich schnell erschöpft.
  • Sie haben Kopfschmerzen/Rückenschmerzen/Herz-Kreislauf-Probleme.
  • Sie putschen sich mit Medikamenten auf, um Ihre Arbeit zu schaffen.
  • Sie nehmen Medikamente, um Ihre körperlichen Beschwerden zu unterdrücken.
  • Sie entspannen sich häufiger mit Alkohol.
  • Soziale Symptome

  • Sie fühlen sich ständig angespannt und gereizt.
  • Sie haben den Eindruck, im Job zunehmend isoliert und allein zu sein.
  • Sie werden neuerdings schnell laut und aggressiv.
  • Andere bemerken Veränderungen an Ihnen.
  • Sie haben kaum noch Zeit für soziale Kontakte.
  • Sie gehen kaum Hobbys oder Interessen nach.
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Ausnutzung durch Arbeitgeber: Ihre Rechte

Was aber tun, wenn der eigene Chef Sie ausbeutet? Viele Arbeitnehmer fürchten schlicht um ihren Arbeitsplatz – sind vielleicht noch in der Probezeit oder dringend auf die Stelle angewiesen.

Existiert kein Betriebsrat und erwartet der Chef ganz selbstverständlich Überstunden und/oder zusätzliche Einsatzbereitschaft am Wochenende, fällt es Arbeitnehmern schwer etwas zu unternehmen. Zu groß die Furcht vor Arbeitslosigkeit im Falle einer Kündigung. Allerdings sollten Sie Ihre Rechte und Möglichkeiten kennen:

Es existiert ein Kündigungsschutz

Wer in einem Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern arbeitet, genießt Kündigungsschutz, das heißt, Ihr Arbeitgeber kann Sie nicht einfach willkürlich kündigen, nur weil Sie eine rechtmäßige Beschwerde vortragen.

Sie können Verbündete ins Boot holen

Am besten ist es natürlich, Sie suchen sich auf der Arbeit Verbündete. Gibt es in Ihrem Unternehmen fünf wahlberechtigte Arbeitnehmer, können Sie einen Betriebsrat gründen. Dazu sollten Sie die jeweilige Gewerkschaft kontaktieren und sich in das Betriebsverfassungsgesetz einlesen.

Sie schalten die Justiz ein

Es bleibt Ihnen immer noch die Möglichkeit einer anonymen Anzeige beim Amt für Arbeitsschutz oder dem Gewerbeaufsichtsamt. Denn gemäß Arbeitszeitgesetz steht Ihnen ein Ausgleich für Überstunden zu – anderenfalls sind maximal acht Stunden pro Tag erlaubt.

Wie stoppen Sie Ausnutzung?

Niemand will ausgebeutet werden. Leider fällt es vielen Arbeitnehmer schwer, sich dagegen zu wehren. Aus Unsicherheit oder auch übertriebenem Pflichtbewusstsein verharren sie, bis sie an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. Die gute Nachricht: Sie können selbst dazu beitragen, dass es gar nicht erst soweit kommt. Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, Ausbeutung zu stoppen:

1. Betrachten Sie Ihre Situation

Bevor Sie das nächste Mal voreilig einem Gefallen zustimmen, fragen Sie sich zunächst, ob Sie überhaupt die nötige Zeit und Energie haben, um zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Wenn Ihr Terminkalender und Ihre To-do-Liste bereits prall gefüllt sind, sollten Sie lieber noch einmal darüber nachdenken, ob weitere Aufgaben wirklich machbar sind. Auch wenn es als nette Geste gemeint ist, dürfen Sie sich selbst nicht überlasten.

2. Lernen Sie nein zu sagen

Es ist ein kurzes und einfaches Wort, aber trotzdem fällt es vielen Arbeitnehmern schwer, es regelmäßig im Job zu benutzen. Fühlen Sie sich nicht gezwungen, jede Bitte zu akzeptieren, die von einem Kollegen an Sie herangetragen wird. Es ist völlig in Ordnung, auch einem netten Kollegen mitzuteilen, dass man selbst momentan leider auch keine freie Minute für zusätzliche Arbeit hat. Trauen Sie sich!

3. Bleiben Sie bei Ihrem Wort

Wenn Sie sich nicht ausbeuten lassen wollen, dürfen Sie keinen Spielraum für Spekulationen zulassen. Begründen Sie kurz Ihre Entscheidung und bleiben Sie dabei. Verzichten Sie auf Formulierungen wie Ich schaue mal, was sich machen lässt. Gerissene Kollegen verstehen dies ohnehin als Ja und schon bleiben die Aufgaben wieder an Ihnen hängen.

4. Dokumentieren Sie die Arbeitsbedingungen

Gehen die ausbeuterischen Zustände von Ihrem direkten Vorgesetzten aus, sollten Sie etwaige Anweisungen und Rahmenbedingungen notieren. So können Sie Nachweise erbringen, beispielsweise wenn Sie den Betriebsrat, die nächsthöhere Stelle oder einen Anwalt einschalten.

5. Holen Sie den Chef ins Boot

Wird es Ihnen einfach zu viel, da die Kollegen täglich Projekte bei Ihnen abladen, wird es Zeit, sich an eine höhere Instanz zu wenden. Erklären Sie Ihrem Chef die Situation und verdeutlichen Sie, dass Sie sich von den Kollegen ausgebeutet fühlen und Ihre Arbeit darunter leidet. Sollte aber der Chef selbst seine Mitarbeiter ausbeuten, können Sie sich entweder an die Personalabteilung wenden oder überlegen, ob Ihr aktueller Arbeitgeber wirklich der richtige für Sie ist.

Ausbeutung von Menschen

Seit Marx‘ Kritik der politischen Ökonomie und Geschichts- und Gesellschaftstheorie interpretiert man Ausbeutung vor allem als die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Besonders in Billiglohnländern sind skandalöse Bedingungen an der Tagesordnung. Keine Pausen, keine Sicherheit am Arbeitsplatz dazu Hungerlöhne und Arbeitszeiten von 14 Stunden oder mehr:

All das lässt wenig Spielraum für Erholung oder gar Freizeit. Arbeitnehmerschutz spielt kaum eine Rolle und Industriestaaten vergessen ihre moralischen Verpflichtungen. Marx‘ Kritik an der unvergüteten Aneignung fremder Arbeitskraft ist also nach wie vor aktuell.

Armut und Ignoranz begünstigen Ausbeutung

Aufgrund prekärer finanzieller Verhältnisse sind oft die Kleinsten schon dazu verdammt, zum Einkommen der Familie beizutragen. Das wiederum macht eine solide Bildung unmöglich, die den gesellschaftlichen und beruflichen Aufstieg begünstigen würde. Dieser Teufelskreis lässt sich nur durchbrechen, wenn Arbeitgeber durch Gesetze zum Arbeitsschutz und das Arbeitszeitgesetz dazu verpflichtet sind, bestimmte Grenzen einzuhalten.

Genau das ist in Billiglohnländern oft nicht der Fall. Schlechte Arbeitsbedingungen sind bekannt von Textilfabriken in Indien und Bangladesh, aber auch von Unternehmen, die Smartphones und Unterhaltungselektronik in China herstellen. Hier kommt nicht nur die Verantwortung der Produzenten, sondern auch der Konsumenten ins Spiel: Durch unseren Konsum können wir solchen ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen ein Ende bereiten.

Ausbeutung von Arbeitern: Wer wird zum Opfer?

Oft sind Migranten von Ausbeutung besonders stark betroffen. Meist flüchten sie aus wirtschaftsschwachen Ländern in Industrieländer. Der Grund:

  • Keine Bildung
    Oft haben sie einen geringeren Bildungsstand. In ihren Ländern ist das Bildungssystem nicht besonders gut oder sie hatten keinen Zugang dazu. Auch Flucht und Vertreibung aufgrund von Krieg wirken sich negativ auf die Bildung aus.
  • Keine Anerkennung
    Häufig werden die im Heimatland erworbenen Abschlüsse hierzulande nicht akzeptiert, so dass der Betroffene nicht im erlernten Beruf arbeiten kann.
  • Kein Wissen
    Die Sprachkenntnisse und das Wissen über rechtliche Möglichkeiten sind zu gering, als dass sich die Betroffenen gegen die Ausbeutung wehren würden.

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