Überarbeitung: Was Sie dagegen tun können

Die Arbeitstage sind lang, das Stresslevel besonders hoch und es bleibt neben dem Job einfach zu wenig Zeit, um anderen Dingen nachzukommen, denen Sie gerne mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmen würden? Wenn Familie, Freunde, Freizeit und auch Erholung zunehmend auf der Strecke bleiben, sollten Sie rechtzeitig etwas gegen die Überarbeitung unternehmen. Je länger Sie in der aktuellen Geschwindigkeit weiter machen, desto schneller steuern Sie zielstrebig auf einen handfesten Burnout zu. Gerade jetzt in der dunkleren Jahreszeit gehen viele Arbeitnehmer im Dunkeln zur Arbeit und auch nach Feierabend ist vom Tageslicht nichts mehr zu sehen. Schnell wird die Arbeit zum Mittelpunkt und zur einzigen Beschäftigung, die alles andere verdrängt. Wir zeigen Ihnen, was Sie gegen die Überarbeitung tun können…

Überarbeitung: Was Sie dagegen tun können

Wird Überarbeitung zur Volkskrankheit?

Längst ist Überarbeitung nicht mehr nur ein Phänomen des gehobenen Managements, wo Arbeitswochen von 60 Stunden und mehr die Regel sind. Der übertriebene berufliche Einsatz bei gleichzeitiger Vernachlässigung von Erholung und privaten Aktivitäten ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und kann in jedem Beruf, in jeder Branche und in jedem Alter auftauchen.

Schuld daran ist eine weit verbreitete Mentalität: Höher, schneller, weiter. Nichts scheint heutzutage mehr gut genug zu sein. Die Arbeit müsste man schneller und besser erledigen, das Haus sollte größer und schöner sein, der Wagen schneller und das sprichwörtliche Gras grüner. Niemand ist mehr zufrieden, jeder will immer mehr.

Ergänzt wird diese schädliche Entwicklung durch die wachsenden Erwartungen beider Seiten. An sich selbst stellt man immer die größten Ansprüche und setzt sich damit bereits enorm unter Druck. Gerade im Beruf kommen dann noch die Anforderungen des Chefs, von Kunden und Kollegen hinzu, wodurch die Situation schnell aus den Fugen gerät und man kaum noch weiß, wie man all das bewältigen soll. Die einzige Antwort lautet dann: Mehr und härter arbeiten und alles andere erst einmal ausblenden.

Dass Überarbeitung nicht mehr nur einen kleinen Teil der Arbeitnehmer betrifft, zeigt sich auch an Studien der Betroffenen. Zwar ist die größte Gruppe weiterhin zwischen 35 und 40 Jahren alt, doch zeigt sich auch bei Berufseinsteigern ein erhöhter Anteil von Überarbeitung und Burnout. Schuld daran ist meist der gerade am Anfang große Wunsch, schnell beruflich Fuß zu fassen. Man hat das Gefühl, als Neuling mehr leisten zu müssen, hängt sich bis zur Erschöpfung in jede Aufgabe und überfordert sich dabei systematisch selbst.

Überarbeitung: Schützen Sie sich

Der Weg in die Überarbeitung ist meist schleichend. Anfangs können Sie sich durchaus wohl in Ihrer Position fühlen, anfallende Projekte mit Engagement bearbeiten und sich über die Herausforderungen freuen , die neue Aufgaben mitbringen und den Arbeitstag abwechslungsreich gestalten. Mit der Zeit kann sich dieses Bild jedoch ändern, ohne dass gleich die Alarmglocken schrillen.

Anfangs kommt der Chef nur mit der ein oder anderen zusätzlichen Aufgabe. Er bittet Sie, sich um ein weiteres Projekt zu kümmern oder einem Kollegen bei einer wichtigen Aufgabe unter die Arme zu greifen, damit das Ergebnis rechtzeitig und in guter Qualität abgeliefert werden kann. Kein Problem und da man Engagement zeigen möchte, willigt man ein, ohne darüber nachzudenken. Genau das sollten Sie aber tun, denn Schutz vor Überarbeitung funktioniert am besten, wenn Sie Grenzen setzen – und dafür müssen Sie ihre eigenen kennen.

Wer immer Ja sagt, wird leider schnell ausgenutzt und so landen immer wieder Aufgaben bei Ihnen, die ihre zeitliche Planung durcheinanderbringen, Stress und vielleicht Überstunden verursachen. Häufen sich diese zusätzlichen To-Dos, wird daraus schnell ein ernsthaftes Problem.

Um dieses in den Griff zu bekommen, müssen Sie selbst aktiv werden und die Entwicklung am besten bereits frühzeitig stoppen.

  • Motivieren Sie sich, etwas zu unternehmen.

    Überarbeitete Arbeitnehmer haben leider oft das Gefühl, sie müssten sich mit Ihrem Schicksal abfinden. Sie suchen die Schuld bei sich selbst und schieben es auf ihre eigene unzureichende Leistungsfähigkeit. Doch genau das ist der falsche Ansatz. Geben Sie nicht einfach auf und denken Sie, dass Sie nichts an der Situation ändern könnten. Mit der richtigen Motivation und ein wenig Hilfe, können Sie etwas gegen die Überarbeitung unternehmen.

  • Sprechen Sie das Problem an.

    Es ist schwer zuzugeben, dass man mit einer Situation überfordert ist. Doch in vielen Fällen stoßen Sie dabei auf Verständnis und – vielleicht noch wichtiger – auf Unterstützung. Erklären Sie Ihrem Chef oder den Kollegen, dass Sie momentan einfach nicht noch mehr Aufgaben übernehmen können, da Sie kaum genügend Zeit finden, Ihre eigenen Baustellen zu bearbeiten. Je früher Sie diesen Schritt tun, desto eher lässt sich etwas an der Situation ändern.

  • Denken Sie an sich.

    Wenn Sie immer versuchen, es allen Recht zu machen, vergessen Sie dabei am Ende sich selbst. Natürlich ist es freundlich und hilfsbereit, wenn Sie eine zusätzliche Aufgabe übernehmen oder einem Kollegen helfen – aber eben nur, wenn Sie selbst die Kapazitäten dafür haben. Ansonsten wird aus der Nettigkeit schnell dummes Verhalten, mit dem Sie sich selbst überlasten und unter den zusätzlichen Verpflichtungen leiden.

  • Lernen Sie, Nein zu sagen.

    Ihr Pflichtbewusstsein in allen Ehren, aber auch wenn Sie immer Ihr Bestes geben wollen, müssen Sie irgendwo eine Grenze ziehen. Einige Chefs nutzen es schamlos aus, wenn sie Aufgaben bei einem Mitarbeiter auslagern können, andere Vorgesetzte bekommen vielleicht nicht mit, dass es Ihnen zuviel wird und Sie überarbeitet sind. Lernen Sie deshalb, Nein zu sagen, wenn Ihr Arbeitstag bereits gänzlich mit Aufgaben gefüllt ist.

Symptome von Überarbeitung: Darauf sollten Sie achten

Symptome von Überarbeitung: Darauf sollten Sie achtenÜberarbeitung zeigt sich nicht nur in der Tatsache, dass kaum genügend Zeit bleibt, all seine beruflichen Aufgaben zu erledigen. Vielmehr handelt es sich dabei meist nur um den Auslöser vieler andere Symptome, die Betroffene oft nicht ernst genug nehmen.

Ein Fehler. Je länger Sie sich der Überarbeitung aussetzen, desto stärker leiden Sie unter der Situation und umso schwieriger wird es, etwas daran zu ändern. Diese sieben Symptome können Ihnen zeigen, dass Sie überarbeitet sind – und sollten daher ein Anreiz sein, etwas dagegen zu unternehmen:

  • Erschöpfung. Sie sind bereits morgens nach dem Aufstehen ausgelaugt, können sich kaum motivieren, überhaupt zur Arbeit zu fahren und spätestens die erste Aufgabe des Tages reicht aus, um die letzte Energie zu rauben. Wer nur noch erschöpft ist, ist sehr wahrscheinlich überarbeitet und sollte sich dringend einen Ausgleich suchen, um neue Kraft zu schöpfen.
  • Konzentrationsschwäche. Niemand kann sich über viele Stunden am Stück konzentrieren, merken Sie jedoch schon nach kurzer Zeit, wie Ihre Gedanken abschweifen und kein klarer Gedanke möglich ist, brauchen Sie dringend eine Pause.
  • Gereiztheit. Jeder darf mal einen schlechten Tag haben, dies sollte aber die Ausnahme sein. Sind Sie jeden Tag genervt, gehen bei Kleinigkeiten an die Decke und haben das Gefühl, Chef, Kollegen und Kunden bringen Sie jeden Tag zur Weißglut, kann dies dafür sprechen, dass Sie überarbeitet sind.
  • Selbstzweifel. Mit der Überarbeitung kommen oft die Selbstzweifel. Alles wird zu viel, Aufgaben bleiben liegen, die Ergebnisse lassen nach und man fragt sich, ob die eigenen Fähigkeiten wirklich ausreichen.
  • Kopfschmerzen. Fehlende Erholung und ständiger Stress machen sich auch körperlich bemerkbar. Vor allem Kopfschmerzen können ein erstes Signal für Überarbeitung sein.
  • Schlaflosigkeit. Viele Menschen nehmen beruflichen Stress mit nach Hause und quälen sich auch nachts noch damit herum. Die Folge: Schlaflosigkeit. Es wird sich nur hin und her gewälzt, das Gedankenkarussell dreht sich immer wieder und der nächste Tag beginnt vollkommen gerädert.
  • Pessimismus. Auch an der Psyche geht Überarbeitung nicht spurlos vorüber. Der Fokus liegt nur noch auf dem Negativen, Motivation geht verloren und Pessimismus bestimmt das Denken.

Überarbeitung: Was tun?

Ueberarbeitung Symptome Abhilfe AbschaltenHandelt es sich bei der Überarbeitung nicht um ein kurzfristiges Problem, da beispielsweise ein wichtiges und großes Projekt kurz vor dem Abschluss steht, sondern um einen anhaltenden Dauerzustand, sollten Sie etwas dagegen unternehmen. Nur was? Überarbeitung wird oft durch ein Gefühl der Hilflosigkeit begleitet, was es Betroffenen umso schwerer macht, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen.

Um Sie dabei zu unterstützen, haben wir fünf Möglichkeiten aufgelistet, die Ihnen helfen können, der Überarbeitung den Kampf anzusagen. Denken Sie aber bitte daran, dass Ihre individuelle Situation eine große Rolle spielt. Lassen Sie sich von der Liste inspirieren und setzen Sie die Tipps um, die Sie für sich als passend empfinden.

  1. Hinterfragen Sie Ihren Job

    Es ist die offensichtlichste Möglichkeit, um der Überarbeitung in einem Job zu entkommen. Fragen Sie sich, ob die aktuelle Situation möglicherweise an Ihrem Arbeitgeber liegt oder ob Sie sich in Ihrem Beruf nicht mehr wohlfühlen. Nicht immer sind es zu viele Aufgaben, die zu Überarbeitung führen. Auch ein schlechtes Arbeitsumfeld, mit Kollegen oder Vorgesetzten, die Ihnen unsympathisch sind, kann dazu beitragen.

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  2. Setzen Sie kleinere Ziele

    Tagelang auf das eine große Ziel hinzuarbeiten kann schnell zu Frustration führen. Eine bessere Strategie ist es, kleine Ziele zu setzen, die sich in kürzerer Zeit erreichen lassen. Das erhöht nicht nur jedes Mal erneut die Motivation, sondern bietet auch öfter die Gelegenheit für eine kleine Pause oder Unterbrechung, in der Sie einen klaren Kopf bekommen und ein wenig durchschnaufen können.

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  3. Wechseln Sie die Umgebung

    Manchmal fällt einem im Büro regelrecht die Decke auf den Kopf. Sie sitzen nur noch am Schreibtisch, starren Löcher in die Luft und haben das Gefühl, überhaupt nichts mehr zu schaffen. Spätestens dann ist es Zeit für einen Tapetenwechsel, um der Überarbeitung in einer anderen Atmosphäre entgegenzuwirken. Fragen Sie Ihren Chef nach der Möglichkeit im Home Office oder vielleicht in einem Café in der Nähe zu arbeiten.

  4. Setzen Sie klare Prioritäten

    Ein täglich unüberschaubares Pensum an Aufgaben führt über kurz oder lang zwangsläufig zu einer Überarbeitung. Hier hilft es, Prioritäten zu setzen und sich auch daran zu halten. Bestimmen Sie eine geringere Anzahl an Aufgaben, denen Sie sich am folgenden Tag widmen wollen und konzentrieren Sie sich darauf, diese To-Dos zu erledigen. Besonders wichtig ist es an dieser Stelle, Nein sagen zu können, wenn andere Aufgaben an Sie herangetragen werden.

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  5. Treten Sie kürzer

    Leiden Sie unter Überarbeitung, die bereits längere Zeit anhält, sollten Sie versuchen, kürzer zu treten. Das kann beispielsweise bedeuten, dass Sie Urlaub nehmen, um sich zu erholen oder mit Ihrem Chef sprechen, um eine Möglichkeit für reduzierte Arbeitszeiten zu finden. Ein wenig Abstand zum ständigen Stress kann manchmal schon ausreichen, um neue Energie zu tanken und nach der Auszeit motiviert an die Arbeit zurückzukehren – oder sich darüber klar zu werden, dass eine andere Lösung gefunden werden muss.

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11. Juni 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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