Downshifting: So gelingt der Rückschritt als Karriereschritt

Höher, weiter, schneller – die meisten Berufsberater kennen nur eine Richtung für die Karriere: nach oben. Dabei führt dieses Denken nicht selten in ein Hamsterrad oder gar den Burnout. Das sogenannte Downshifting bietet hierzu mehr als nur eine wohltuende Alternative – nicht wenige Downshifter finden so auch zu einem ganz neuen Leben: mit weniger Stress, weniger Arbeit, mehr Zeit für sich selbst. Statt im Job immer nur Vollgas zu geben, wählen sie den strategischen Rückschritt, schalten ein paar Gänge runter und bekommen zurück, was die zunehmende Arbeitsverdichtung beinahe erstickt hätte: Spaß, Gesundheit, Lebensbalance. Und nicht wenige finden durch das Downshifting sogar eine ganz neue Karriere…

Downshifting: So gelingt der Rückschritt als Karriereschritt

Definition von Downshifting und Beispiele

Downshifting Definition Übersetzung BeispieleIn der wortwörtlichen Übersetzung bedeutet Downshifting „Herunterschalten“ und darum geht es: Downshifter nehmen Abschied vom Aufstieg und entscheiden sich freiwillig, bis zu zwei Hierarchiestufen tiefer wieder neu anzufangen:

Vom Vorgesetzten zurück zum Mitarbeiter im Team, von der Führungskraft zurück zur Fachkraft. Nicht wenige suchen den Weg zurück in eine frühere Stelle und Profession. Dies kann sowohl intern, als auch bei einem neuen Arbeitgeber sein. Selbst wenn das bedeutet, dass sie weniger Geld verdienen als bisher.

Der Karriereschritt zurück hat viele Namen:

Allen gemein ist, dass es erst einmal nicht allzu positiv klingt. Wer einen Schritt zurück macht, kommt eben nicht vorwärts. Ein anderes Beispiel für einen Rückschritt ist die Reduktion der Arbeitszeit, beispielsweise durch…

Das bedeutet aber nicht immer automatisch, weniger zu arbeiten. Manchmal verschiebt sich nur der Fokus. Downshifter beschäftigen sich intensiver mit den Dingen, die ihnen wirklich wichtig sind. Das kann dann darin münden, dass ein Arbeitnehmer seinen Job kündigt, um sein Hobby zum Beruf zu machen.

Downshifter setzen neue Prioritäten

Lange Zeit war Karriere geprägt von dem Bild der Karriereleiter und dem Klettern nach oben. Höher ist besser. Und je schneller man oben war, desto mehr konnte man sich darauf einbilden. Oben sind die, die erfolgreich sind, die anderen haben es scheinbar nicht geschafft, dorthin zu kommen.

Eine Ansicht, in der viele Arbeitnehmer sich selbst nicht wiedererkennen. Das zunehmende mediale Interesse am Downshifting, nach Tipps und Möglichkeiten zur Gestaltung, zeigt zugleich, dass sich die Vorstellungen von Karriere in einem Wandel befinden.

Natürlich gibt es immer noch jene, die eine möglichst steile Karriere im Sinn haben – und das ist auch völlig okay so. Gleichzeitig wächst aber die Schar jener Arbeitnehmer, die ihr persönliches und berufliches Glück auf einem anderen Weg suchen.

Die häufigsten Gründe:

  • Weniger Stress

    Je höher die Position und je größer die damit verbundene Verantwortung, desto mehr Stress geht mit der täglichen Arbeit einher. Zunehmend müssen unangenehme Entscheidungen getroffen werden, die Arbeitstage werden immer länger und Druck und Einsamkeit steigen mit der Hierarchieebene an.

  • Gesundheitliche Ursachen

    Ständiger Erfolgsdruck kann krank machen. Gerade psychische Erkrankungen wie Burnouts oder Depressionen steigen seit Jahren bedenklich an. Weil sich die Arbeit immer mehr verdichtet, weil Chefs immer mehr erwarten – und auch die eigenen Erwartungen ins Unermessliche steigen.

  • Wachsende Unzufriedenheit

    Gut in seinem Job zu sein, heißt leider noch lange nicht, dass dieser auch glücklich macht. Wer den direkten Kundenkontakt liebt, ist nach einer Beförderung oft immer noch ein guter Mitarbeiter – macht allerdings etwas, das nicht seiner Leidenschaft oder seinen Talenten entspricht.

  • Veränderte Werte

    Gerade in jungen Jahren ist es oft der eigene Ehrgeiz, der zunächst immer höher auf der Karriereleiter führt. Die Ambitionen sind groß. Mit steigender Lebens- und Berufserfahrung gelangen viele zu der Erkenntnis, dass sie sich (beruflich) nichts mehr beweisen müssen. Stattdessen rücken vernachlässigte soziale Kontakte und Familie in den Blickpunkt.

Jüngere Generationen haben andere Vorstellungen

Downshifting Beispiele TippsSabbaticals werden häufiger nachgefragt, Entschleunigung aus dem beruflichen Alltag wird zum Trend, eine horizontale Karriere ist nicht das Ergebnis gescheiterter Bemühungen, sondern eine bewusste Entscheidung und ein geplantes Vorgehen.

In Schweden gibt es bereits Pilotprojekte mit einem 6-Stunden-Arbeitstag. Der Gedanke dahinter: In dieser Zeit arbeiten die Mitarbeiter wirklich produktiv und konzentriert, gleichzeitig sorgt die größere Freizeit für eine bessere Work-Life-Balance, für weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten und höhere Motivation.

So ist das Downshifting nicht nur ein Problem karrieremüder Führungskräfte und etwas für etablierte Arbeitnehmer, die sich nach vielen Jahren Berufserfahrung dazu entscheiden, kürzer zu treten und es beruflich ruhiger angehen zu lassen.

Auch Berufsanfänger und -einsteiger der Generation Y oder Z sehen sich selbst nicht mehr zwangsläufig an der Spitze des Unternehmens, sondern entwickeln einen individuellen Karriereplan, der ohne zahllose Beförderungen auskommt.

Plan Realitaet Erfolg Karriere Grafik

Rückschritt als Notbremse: Wenn die Arbeit zu viel wird

Dem Downshifting voraus geht meist eine akute Sinn- oder Lebenskrise: Die Betroffenen fühlen sich im Job nicht mehr wohl; die neue Aufgabe liegt Ihnen nicht; sie haben zu viel mit Leiten und Organisieren zu tun, statt mit der Arbeit selbst, die Sie immer so gern gemacht haben; oder ihnen wachsen die Arbeit und Verantwortung über den Kopf.

Kurz: Sie sind bisher zwar aufgestiegen, aber längst über ihrem eigenen Limit. Das Peter-Prinzip lässt grüßen.

Tatsächlich gleicht das Downshifting nicht selten einer beruflichen Notbremse. Jahrelang im Hamsterrad gefangen, ständiger Stress, Hektik, Konflikte und kaum noch Zeit für Freunde, Familie und sich selbst.

Das sorgt vielleicht für ein hohes Einkommen, für Eindruck bei Chef und Kollegen, aber glücklich macht das nicht. Eher ist es der Weg in einen veritablen Burnout – dem totalen Ausbrennen im Beruf.

Dazu kommt, dass für einige das Arbeitsvolumen insgesamt angewachsen ist: Selbst wenn auf der Arbeit alles gleich geblieben ist, kann sich im persönlichen Umfeld einiges geändert haben: Kinder und/oder pflegebedürftige Angehörige lassen die Arbeit neben der Erwerbsarbeit schnell zur Doppel- oder sogar Dreifachbelastung ansteigen.

Besonders stark trifft es Frauen, die nach wie vor überwiegend für die sozialen Aufgaben innerhalb der Familie herangezogen werden. Ist Downshifting im Sinne von Arbeitszeitverkürzung also die Lösung? Nicht automatisch. Dazu werfen wir im folgenden Abschnitt ein Blick darauf, wie sich eine Arbeitszeitreduzierung gestalten könnte.

Reduzierung der Arbeitszeit eine Form des Minimalismus

Downshifting MinimalismusEinige Unternehmen praktizieren das Downshifting als eine Form des Minimalismus, und zwar für die gesamte Belegschaft. Beispielsweise die Bielefelder IT-Agentur von Lasse Rheingans. Inspiriert von amerikanischen Vorbildern führte der Unternehmer den 5-Stunden-Tag für seine Mitarbeiter ein.

Weniger Arbeit bei gleichem Gehalt – so der Gedanke dahinter. Wie lässt sich so etwas erreichen? Mit resoluter Bündelung sämtlicher Ressourcen. In einem Interview mit dem Magazin Heute+ erklärt er, dass beispielsweise Handys und private Gespräche am Arbeitsplatz konsequent verbannt würden.

Die Arbeitszeit wird so nur noch mit dem absolut notwendigen Dingen verbracht. Damit darunter die sozialen Kontakte innerhalb des Teams nicht völlig verkümmern, wird Wert auf gemeinsame Mittagessen und gegebenenfalls After-Work-Veranstaltungen gelegt.

Für dieses Vorgehen sprechen mehrere Studien: Dass Menschen nicht acht Stunden am Tag ununterbrochen konzentriert arbeiten können, ist hinlänglich belegt. Die persönliche Chronobiologie mag gewisse Abweichungen bezüglich der exakten Uhrzeit haben, aber die Leistungskurve verläuft insgesamt bei Menschen recht ähnlich:

Leistungskurve Leistungsabfall Chronobiologie Tagesverlauf

Wenn also ohnehin die letzten Stunden eines üblicherweise 8-Stunden-Tages ohnehin fast im Dämmerschlaf gehalten werden – denn die dritte Hochphase braucht eine Weile und erreicht längst nicht dieselbe Höhe wie die ersten beiden – dann spricht einiges für ein Downshifting im Sinne von Arbeitszeitverkürzung.

Klar ist auch, dass nicht einfach von acht auf fünf Stunden reduziert werden kann, ohne einen Plan zu haben, wie sich 15 Stunden weniger die Woche kompensieren lassen. Eine Analyse der Zeitfresser, die jedes Unternehmen individuell für sich vornehmen muss, hilft dabei. Mögliche Stellschrauben:

  • Meetings kurz halten
  • Meetings vorbereiten
  • E-Mails nur zu festen Zeiten beantworten
  • Benachrichtigungen lautlos stellen
  • Privatgespräche reduzieren

In dieser Zeit werden dieselben Aufgaben erledigt wie bei einer 40-Stunden-Woche. Das heißt, es geht letztlich nicht um eine Reduzierung des Arbeitsvolumens, sondern lediglich um eine effizientere Nutzung der vorhandenen Zeit.

Kritiker wie der Wirtschaftswissenschaftler Enzo Weber halten dem entgegen, dass eine Reduzierung der Arbeitszeit nach diesem Modell nicht automatisch weniger Stress und mehr Lebensqualität bedeuteten.

Im Gegenteil: Unter Umständen können weniger Stunden so mehr Stress verursachen, weil der Druck wächst. Auch ist klar, dass diese Art Downshifting nicht in allen Branchen möglich ist: Intensivpflegepatienten müssen dennoch rund um die Uhr betreut werden, da nützt auch die konzentriertere Arbeitsweise nicht viel.

Downshifting wird als Scheitern interpretiert

Umfragen zufolge wünschen sich heute drei von vier deutschen Arbeitnehmern eine Auszeit vom Job. Die wenigsten setzen den Wunsch allerdings auch um – oft aus Angst. Auszeit, Downshifting, Rückschritt… das klingt schon gefährlich nach Versagen und Scheitern, nach einem, der nicht belastbar ist und aufgibt.

„Downshifter passen nicht so recht in unsere Karrieremuster“, sagt die Düsseldorfer Outplacement-Expertin Cornelia Riechers. „Ein beruflicher Rückschritt findet nur selten Verständnis. Das ist in unserer Arbeitswelt und Gesellschaft nicht vorgesehen. Die Erwartungen sind anders.“

Wer mit dem Arbeitspensum und dem ewigen Wachstum nicht mithalten kann, fällt schnell durchs Raster, wird abgestempelt und mit verständnislosen Blicken gestraft. Das erzeugt jedoch eine Menge Druck. Denn nicht für jeden geht der Weg immer nur weiter und nach oben. Nicht jeder ist zur Führungskraft, zum Manager oder zum Geschäftsführer geeignet, manche fühlen sich in diesen Rollen schlicht unwohl.

Downshifting ist daher immer auch mit einem Eingeständnis verbunden, mit einer Ent-Täuschung im Wortsinn. Was für einen selbst positiv, vielleicht sogar befreiend wirkt, bringt viele jedoch in Erklärungsnot.

So begründen Sie Downshifting

Downshifting begründenFür Jobwechsler und Bewerber sei es immer noch ungemein schwierig, sagt Riechers, einen Rückschritt plausibel zu begründen und deutlich zu machen, dass auch der Schritt nach vorn und in die richtige Richtung sein kann.

Die Menschen entscheiden sich mit dem Downshifting zwar ganz bewusst für eine höhere Lebensqualität – sie wählen aber zugleich ein einfacheres Leben. Nicht gerade das, was Machertypen machen. Um der typischen Skepsis, die Downshiftern überall begegnet, etwas entgegensetzen zu können, braucht es gar nicht mal so sehr Überzeugungsarbeit und harte Argumente FÜR das Downshifting.

Oft reicht es schon, wenn Sie darstellen, warum das für Sie persönlich der richtige Schritt ist:

  • Hat sich Ihr berufliches Ziel aufgrund neuer Lebensumstände verändert? Dann erläutern Sie das kurz in einer Weise, die für Ihren Gesprächspartner nachvollziehbar ist.
  • Hat die vorige Position Ihren Erwartungen nicht entsprochen? Dann geben Sie Ihre Enttäuschung offen zu. Jeder Versuch einer Beschönigung würde bei Ihrem Gegenüber nur Misstrauen wecken und Nachfragen provozieren.

Jeder kann beruflich in eine Situation geraten, in der er sich nicht wohl fühlt. Wer etwas riskiert und Neues ausprobiert, dem können auch Fehler passieren. Wichtig ist, dass Sie zeigen, wie und was Sie aus dem Misserfolg gelernt haben und nun die richtigen Konsequenzen ziehen.

Ein Arbeitgeber, der von neuen Mitarbeitern verlangt, dass ihnen niemals Fehler unterlaufen und dass die Karriere immer aufwärts geht – Motto: up or out – der ist vielleicht auch nicht der Richtige für Sie.

Fortschritt durch Rückschritt: 8 Tipps fürs Downshifting

Natürlich – und das muss man dazu sagen – ist das Downshifting kein Selbstläufer. Dem Rückschritt gehen eine Menge Überlegungen voraus. Zudem gilt es viel Skepsis und eigene Ängste zu überwinden. Leicht wird das also nicht.

Um Ihnen bei dem Rückschritt zu helfen, haben wir daher einige Tipps und Empfehlungen zusammengestellt, mit denen Sie sich Schritt für Schritt auf das Downshifting vorbereiten und die anstehenden Schwierigkeiten in der Bewerbung überwinden können:

  1. Reflektieren Sie Ihre Situation

    Um den Rückschritt von Anfang an richtig anzugehen, sollten sich Downshifter ausreichend Zeit zur Selbstreflexion nehmen. Es ist wichtig, dass Sie selbst erst einmal herausfinden, ob Downshifting wirklich der richtige Weg ist – oder ob hinter der aktuellen Unzufriedenheit vielleicht etwas anderes steckt.

    Dieser Schritt erfordert Ehrlichkeit und Mut. Es wird Sie nicht weiterbringen, wenn Sie sich an der Stelle selbst belügen. Als erstes müssen Sie daher für sich selbst beurteilen, wo Sie aktuell stehen und wo Sie in den kommenden Jahren hinwollen.

    Mit dieser Bestandsaufnahme können Sie dann weiterarbeiten und die nächsten Schritte planen (siehe auch hier – in diesem kostenlosen PDF-Leitfaden).

  2. Klären Sie Ihr Ziel

    Manchen ist der selbstbestimmte Rückschritt unangenehm. Aufgrund der weit verbreiteten Sicht vom beruflichen Aufstieg fühlen sie sich als Versager und fürchten einen Gesichtsverlust in ihrem Umfeld. Dabei bedeutet das Wort Karriere wörtlich übersetzt nichts anderes als Laufbahn oder Fahrweg und hat mit Nach-oben-Steigen gar nichts zu tun.

    Ob Ihr geplanter Karriereschritt also einen echten Rückschritt oder nicht viel eher einen Fortschritt darstellt, hängt von Ihrem Ziel und Ihrer Sichtweise ab. Daher hilft es, sich Gewissheit über die eigenen Lebens- und Berufsziele klar zu verschaffen. Folgende Fragen dienen als Orientierung:

    • Was will ich in meinem Leben erreichen?
    • Was macht mich zutiefst glücklich?
    • Was ist mir bisher besonders gut gelungen?
    • Bringt mich meine Arbeit meinen Zielen näher?
    • Woran bin ich bisher gescheitert?
    • Was habe ich gelernt?
    • Was sind meine persönlichen Stärken?
    • Was will ich künftig anders machen?
    • Was sollte ich öfter tun?
    • Was kann ich (heute) unternehmen, um meinem Ziel näher zu kommen?

    Fragen Sie sich: Wollen Sie weniger arbeiten oder andere Aufgaben übernehmen? Ihre innere Klarheit lässt Sie auch nach außen überzeugend wirken.

  3. Überdenken Sie mögliche Folgen

    Ein beruflicher Rückschritt wirkt sich auch auf andere Bereiche aus. So wird sich voraussichtlich Ihr Einkommen verringern, wenn Sie in eine frühere Position wechseln oder weniger Stunden arbeiten. Die meisten sind bereit, für ihre Zufriedenheit ein geringeres Einkommen zu akzeptieren. Dennoch sollten Sie sich die Konsequenzen im Vorfeld gut überlegen.

    Kalkulieren Sie, welche Veränderungen mit dem ungefähren neuen Gehalt einhergehen: Können Sie weiterhin alle anfallenden Kosten decken oder müssen an einer oder mehreren Stellen Einsparungen vorgenommen werden? Je früher Sie wissen, worauf genau Sie sich einstellen müssen, desto besser.

  4. Holen Sie sich den nötigen Rückhalt

    Downshifting ist selten einfach. Deshalb sollten Sie von Anfang an mit den Menschen in Ihrem direkten Umfeld sprechen, Ihre Situation erklären und sich deren Rückhalt sichern. Zu wissen, dass Freunde und Familie hinter einem stehen, kann eine Menge Kraft geben und dabei helfen, auch über schwierigere Situationen und Rückschläge hinwegzukommen.

  5. Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung

    Wenn Sie sich auf eine Position unterhalb der bisherigen bewerben, müssen Sie darauf gefasst sein, dass Ihre Entscheidung von anderen kritisch hinterfragt wird. Lassen Sie sich dadurch nicht verunsichern und aus dem Konzept bringen. Die Frage, warum Sie nicht in der vorigen Position verbleiben wollen, sollten Sie kurz und präzise beantworten können.

    Teilt jemand Ihre Ansicht nicht und hat kein Verständnis für den beruflichen Rückschritt, ist es schwer, mit Argumenten gegen diese Voreingenommenheit anzukommen. Wichtig ist dann, dass Sie sich von dieser Kritik keine Selbstzweifel einreden lassen.

    Schließen Sie lieber mit der Vergangenheit ab und konzentrieren Sie sich darauf, gute Argumente für den angepeilten neuen Job zu finden: Was Sie dafür mitbringen, warum er Ihnen Spaß machen wird und wie Sie in dieser Stelle erfolgreich sein können.

  6. Passen Sie Bewerbungsunterlagen an

    Das Downshifting können Sie sich sofort einfacher machen, wenn Sie Ihre Bewerbungsunterlagen auf den neuen Job anpassen. Gegenüber einem fremden Unternehmen dürfte das einfacher sein als in einem Umfeld, wo man Sie kennt.

    Aber auch in der eigenen Firma ist ein Schritt zurück nicht völlig ausgeschlossen. Dabei sollten Sie sich intern mit Ihrer Argumentation und mit Ihren Bewerbungsunterlagen die gleiche Mühe geben wie nach außen.

    Fangen Sie beim Lebenslauf und wenn möglich beim Arbeitszeugnis an. Wählen Sie aus, was zur angestrebten Position passt und für diese Entwicklung spricht. Denken Sie daran, dass für die angestrebte Position andere Qualifikationen gefragt sind, als für Ihre jetzige Stelle. Wenn Sie sich extern bewerben, sollten Sie Ihre Bewerbung zusätzlich an das Unternehmen anpassen, um den geplanten Rückschritt plausibler zu machen:

    • Art des Unternehmens

      Wenn Sie vorher bei einem Großkonzern waren und in deutlich kleineres Unternehmen wechseln möchten, geben Sie beispielsweise nicht die Mitarbeiterzahl des jetzigen Konzerns, sondern die Ihrer unmittelbaren Abteilung an. Also nicht: „Gross AG, 18.000 Mitarbeiter weltweit“, sondern „Gross AG Musterstadt, 150 Mitarbeiter am Standort“. In einer solchen Größe findet sich auch der mittelständische Firmeneigner wieder.

    • Funktion

      Wenn es unterschiedliche Bezeichnungen für Ihre Aufgabe gibt, dann wählen Sie die bescheidener klingende. Also lieber „Auftragssachbearbeiterin“ statt „Deal Handler“, oder lieber „Kaufmännischer Sachbearbeiter“ statt „Kredit- und Leasing-Spezialist“.

    • Verantwortung

      Wenn Sie einen kleineren Verantwortungsbereich anstreben als Sie vorher hatten, dann lassen Sie bei Ihrer letzten Position die Zahl der Ihnen unterstellten Mitarbeiter und die Höhe des von Ihnen verantworteten Budgets besser weg. Dies sind wichtige Angaben für höhere Positionen, beim Rückschritt wirft es eher die Frage auf, ob Sie nicht komplett überqualifiziert sind.

    • Aufgaben

      Konzentrieren Sie sich in Ihrer Darstellung auf diejenigen Aufgaben, die Sie auch in Ihrem neuen Job ausführen werden und wollen. Hier ist es wichtig, eine genaue Vorstellung der Tätigkeit zu haben.

  7. Machen Sie keine halben Sachen

    Denken Sie bei der Überarbeitung Ihrer Bewerbungsunterlagen daran, „wirklich alle Papiere zu bearbeiten, damit sie wie aus einem Guss wirken“, rät Karriereberaterin Cornelia Riechers. Es nützt nichts, wenn Sie es machen wie der Industriekaufmann, der nach einem Ausflug in die EDV-Programmierung und Beratung wieder in seine vorige Aufgabe als kaufmännischer Sachbearbeiter zurückkehren wollte.

    Er änderte sein Anschreiben entsprechend und verwies auf seine frühere, langjährige und profunde Erfahrung als Sachbearbeiter. Leider vergaß er aber, auch seinen Lebenslauf und sein Kurzprofil zu ändern. Das dort dargestellte Profil als EDV-Spezialist passte natürlich nicht zu seinem neuen Ziel. So war es kein Wunder, dass er auf seine Bewerbungen nur Absagen erhielt.

  8. Hinterlassen Sie keine verbrannte Erde

    In Ihrer jetzigen Situation ist der Rückschritt die für Sie passende Option – es lässt sich allerdings nie sagen, was vielleicht in fünf oder zehn Jahren passieren wird. Brennen Sie keine Brücken hinter sich ab, über die Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal gehen könnten.

    Bleiben Sie in Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten und gehen Sie im Guten. Vielleicht verschieben sich Ihre Prioritäten oder Ihre Ansicht zu einer Führungsposition noch einmal. Wenn diese Tür dann noch offen ist, können Sie einen neuen Start wagen.

Entscheidend ist, dass Sie selbst mit Herz und Verstand akzeptieren, warum Sie diesen Schritt gehen. Dann sind Sie auch authentisch in den Bewerbungen und können gut mit den mitleidigen Kommentaren umgehen, die kommen können. Auch wenn es einen gewissen Mut braucht, um das Downshifting zu vollziehen – es lohnt sich, weil das Leben so wieder mehr Spielraum zur eigenen Gestaltung gewinnt.

[Bildnachweis: hvostik by Shutterstock.com]
27. Mai 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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