Jahresurlaubsanspruch: So viel bekommen Sie

Wer arbeitet, braucht auch Erholung. Eine der wichtigsten Fragen für Arbeitnehmer lautet daher: Wie hoch ist mein Jahresurlaubsanspruch? Den zu kennen ist wichtig, denn manchmal lassen Krankheit oder Arbeitsaufkommen es nicht zu, dass die kompletten Urlaubstage genommen werden können. Für solche Fälle muss klar sein, was mit dem Urlaubsanspruch passiert – verfallen die restlichen Tage? Können Sie sie mit ins neue Jahr nehmen? Gibt es Fristen? Diese Fragen klären wir hier.

Jahresurlaubsanspruch: So viel bekommen Sie

Menge: Wie hoch ist mein Jahresurlaubsanspruch?

Wie hoch Ihr gesetzlicher Jahresurlaubsanspruch ist, lässt sich schnell mit Blick ins Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) klären. Das gilt unterschiedslos für alle Arbeitnehmer – egal, ob Vollzeitbeschäftigter oder in Teilzeitarbeit, Praktikant oder Heimarbeiter und legt fest, dass Sie ein Anrecht auf bezahlten Urlaub haben.

§ 3 des BUrlG regelt den Mindesturlaubsanspruch. Demnach beträgt der gesetzliche Jahresurlaubsanspruch jedes Arbeitnehmers 24 Werktage. Da allerdings bei Erstellung dieses Gesetzes die 6-Tage-Woche vorherrschend war und der Samstag mit zu den Werktagen zählt, fällt bei der mittlerweile verbreiteten 5-Tage-Woche der Mindesturlaub geringer aus.

Umgerechnet auf fünf Werktage liegt der gesetzliche Urlaubsanspruch bei 20 Urlaubstagen, also ebenfalls vier Wochen. Viele Arbeitnehmer haben dennoch einen höheren Jahresurlaubsanspruch, da abweichend vom Mindestanspruch Ihr Arbeitsvertrag eine höhere Anzahl festlegen kann.

Auch Tarifverträge weichen meist vom gesetzlichen Mindestanspruch ab. Wichtig hierbei: Abweichende Bestimmungen dürfen nur zugunsten des Arbeitnehmers sein. 30 Tage Jahresurlaubsanspruch sind daher bei vielen keine Seltenheit.

Sonderregelungen: Welche gelten für Jugendliche und Schwerbehinderte?

Urlaubsanspruch ü 50 Bundesurlaubsgesetz § 7Eine Staffelung des Jahresurlaubsanspruchs gibt es übrigens bei Jugendlichen. Sie stellen gemeinsam mit schwerbehinderten Menschen eine Sondergruppe dar. Ihr Urlaub ist daher nicht im BUrlG geregelt.

Für Jugendliche greift das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArschG). Demnach existiert für Jugendliche unter 18 Jahren je nach Alter entsprechend ein Jahresurlaubsanspruch von…

  • mindestens 30 Tage, wenn der Minderjährige noch nicht 16 Jahre alt ist,
  • mindestens 27 Tage, wenn der Minderjährige noch nicht 17 Jahre alt ist,
  • mindestens 25 Tage, wenn der Minderjährige noch nicht 18 Jahre alt ist.

Maßgeblich für die Anzahl der Urlaubstage ist das Alter zu Beginn des Kalenderjahres. Des Weiteren gibt es zusätzlichen Urlaub – beispielsweise wenn die Azubis unter Tage im Bergbau schuften: Dann stehen den Jugendlichen aller Altersgruppen drei weitere Tage zu.

Im Jugendarbeitsschutzgesetz ist außerdem festgelegt, dass der Urlaub während der Berufsschulferien gewährt werden soll. Anderenfalls ist für jeden Berufsschultag, an dem die Berufsschule während des Urlaubs besucht werden muss, ein weiterer Urlaubstag zu gewähren.

Zusatzurlaub haben auch Menschen mit Behinderung, deren Jahresurlaubsanspruch im Sozialgesetzbuch IX in § 208 geregelt wird. Bei anerkannter körperlicher oder geistiger Behinderung stehen Arbeitnehmern neben dem im Arbeitsvertrag vereinbarten Grundurlaub fünf weitere Tage (bei einer 5-Tage-Woche) zu.

Je nachdem, wieviele Tage der Arbeitnehmer pro Woche arbeitet, erhöht oder verringert sich sein Zusatzurlaub. Wer also drei Tage die Woche arbeitet, erhält drei zusätzliche Urlaubstage, wer sechs Tage die Woche arbeitet, erhält ebenfalls sechs Urlaubstage.

Probezeit: Kann ich bereits Urlaub nehmen?

Wer einen neuen Job aufnimmt, hat häufig eine Probezeit. Die kann unterschiedlich lang sein, höchstens allerdings sechs Monate. Nach dieser Zeit ist auch die sechsmonatige Wartezeit vorbei, die der Gesetzgeber zum Schutz des Arbeitgebers vorsieht.

Der volle Jahresurlaubsanspruch steht Ihnen erst nach einem halben Jahr zu. Generell erwerben Sie den Jahresurlaubsanspruch aber vom ersten Augenblick der Ihrer Tätigkeit, allerdings eben anteilig, nämlich zu einem Zwölftel. Das bedeutet, dass Sie alle vier Wochen Anspruch auf 1,67 Tage (entspricht 20 Tagen Mindestanspruch im Jahr geteilt durch 12 Monate) erwerben.

Am zweiten Tag der Betriebszugehörigkeit dürfte es also schwer werden, Urlaub zu bekommen, da weder die Wartezeit völlig vorüber ist, noch durch die Arbeit ein Urlaubsanspruch erworben wurde. Wer allerdings bereits einige Monate beschäftigt ist, kann sicherlich mit seinem Chef verhandeln – immerhin kommt ein Neuzugang nach drei Monaten im Unternehmen schon auf fünf Urlaubstage.

Ob die gewährt werden können, hängt dann aber immer noch von betrieblichen Belangen und anderen Kollegen ab, denen vorrangig Urlaub gewährt werden muss.

Vollzeit/Teilzeit: Wie berechnet sich der Jahresurlaubsanspruch?

Wie viel Urlaub steht mir zuOb Sie in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten, spielt für den gesetzlichen Jahresurlaubsanspruch keine Rolle. Entscheidend bei der Berechnung ist lediglich, wie viele Tage in der Woche Sie arbeiten. Überstunden machen ebenfalls keinen Unterschied. Das heißt, jemand mit einer 20-Stunden-Woche kann grundsätzlich den gleichen Jahresurlaubsanspruch wie seine Kollegen haben, sofern er die gleiche Anzahl an Werktagen arbeitet.

Die Formel zur Berechnung des gesetzlichen Jahresurlaubsanspruchs lautet:

20 Urlaubstage (pro Jahr) geteilt durch fünf Werktage, multipliziert mit der Anzahl der tatsächlichen Arbeitstage, ergibt Ihren Jahresurlaubsanspruch bei Teilzeit.

Beispiele

  • Jahresurlaubsanspruch bei einer 4-Tage-Woche: 20 : 5 * 4 = 16 Urlaubstage
  • Jahresurlaubsanspruch bei einer 3-Tage-Woche: 20 : 5 * 3 = 12 Urlaubstage

Die Anzahl der Urlaubstage variiert zwar abhängig davon, wie viele Arbeitstage Sie mit Ihrem Arbeitgeber vereinbart haben. Die Urlaubshöhe von vier Wochen bleibt jedoch insgesamt erhalten.

Haben Sie mit Ihrem Arbeitgeber hingegen 30 Urlaubstage vereinbart und arbeiten als Teilzeitkraft drei Tage die Woche, wird die obige Formel angepasst. Daraus ergibt sich: 30 * 3 : 5 = 18 Urlaubstage.

Über 50: Gibt es einen gesetzlichen Urlaubsanspruch nach Alter?

Grundsätzlich gilt, dass alle Arbeitnehmer denselben Jahresurlaubsanspruch haben. Abweichende Regelungen würden anderenfalls mit dem Antidiskriminierungsgesetz (AGG) kollidieren. Das besagt, dass es keine Benachteiligung aufgrund…

  • des Geschlechts,
  • der Herkunft,
  • der Sprache,
  • der politischen Überzeugungen,
  • der Religion oder eben
  • des Alters

geben darf. Somit ist einerseits klar, dass beispielsweise älteren Arbeitnehmern über 50 Jahren nicht automatisch mehr Urlaub zusteht, da das einer Benachteiligung jüngerer Arbeitnehmer gleichkäme. Allerdings gibt es Ausnahmen und die existieren zurecht.

Jedem dürfte klar sein, dass mit zunehmendem Alter – bei dem einen früher, beim anderen später – die körperliche Leistungs- und Regenerationsfähigkeit nachlassen. Gerade bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten einen gesunden Zwanzigjährigen auf eine Stufe mit einem über 50-Jährigen zu stellen, der womöglich altersbedingte Krankheiten oder Einschränkungen hat, verträgt sich auch nicht besonders gut mit den Gleichstellungsregelungen.

Daher kann es sein, dass im Einzelfall abweichende Regelungen in Arbeits- oder Tarifverträgen nicht gegen das AGG verstoßen und somit gültig sind. So beispielsweise bei einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts zugunsten eines Arbeitgebers, der seinen älteren Arbeitnehmern ab 58 Jahren aus Sorge um ihre Belastbarkeit zwei zusätzliche Urlaubstage zukommen ließ (Urteil vom 21. Oktober 2014, Aktenzeichen 9 AZR 956/12).

Abhängig sind solche Ausnahmen aber immer von der ausgeübten Arbeit und dem Alter: Bei körperlich anstrengenden Arbeiten wird auch ein 30-Jähriger nicht gegenüber einem 35-Jährigen benachteiligt werden dürfen. Umgekehrt werden bei leichten Bürotätigkeiten 62-Jährige nicht automatisch mehr Urlaub eingeräumt bekommen als einem 40-Jährigen. Geregelt wird dies im Zweifel vor einem Arbeitsgericht.

Gültigkeit: Kann mein Jahresurlaubsanspruch verfallen?

Theoretisch ja – in der Praxis schwerlich. Woran liegt das? Zum einen sieht das Gesetz vor, dass der im Jahresurlaubsanspruch erworbene Urlaub in eben demselben Kalenderjahr genommen wird. Der 31. Dezember ist der Stichtag, wird bis dahin der Urlaub nicht genommen, verfällt er.

Allerdings sieht § 7 Absatz 3 Satz 2 BUrlG vor, dass es Gründe geben kann, warum jemand seinen Urlaub nicht nehmen konnte. Hierbei werden besondere Umstände bei beiden Vertragsparteien berücksichtigt. Eine Übertragung des Resturlaubs ins Folgejahr ist demnach unter diesen Bedingungen möglich:

  • Sie konnten aufgrund von Krankheit Ihren Urlaub nicht wahrnehmen.
  • Der Arbeitgeber konnte Ihnen keinen Urlaub gewähren, da dringliche betriebliche Belange dem entgegenstanden. Dazu gehören zum Beispiel:
    • Saisonal bedingt hohes Auftragsvolumen
    • Hoher Krankenstand beim Personal

In diesem Fall muss bis zum 31. März des Folgejahres der Urlaub genommen werden, der Arbeitnehmer hat also drei Monate mehr, um seinen alten Urlaub zu nehmen. Früher konnte es passieren, dass die Urlaubstage erloschen, wenn ein Arbeitnehmer sie nicht bis zum 31. Dezember beziehungsweise 31. März des Folgejahres genommen hat. Mittlerweile hat sich die Rechtsprechung dank des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) jedoch zugunsten des Arbeitnehmers geändert, das Bundesarbeitsgericht (BAG) folgte dem.

Nun verfällt der Urlaub nicht mehr automatisch zum Jahres- beziehungsweise Übertragungsende, vielmehr muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter darauf hinweisen, dass er noch Urlaub zu nehmen hat. Erst wenn dieser nachweislich auf seinen Urlaub verzichtet, verfällt er auch tatsächlich. (EuGH, 6.11.2018 Az. C-619/16, C-684/16 und BAG, 19. Februar 2019 Az. 9 AZR 541/15)

Zeitpunkt: Kann ich jederzeit Urlaubstage nehmen?

Jahresurlaubsanspruch Bundesurlaubsgesetz § 7Die kurze Antwort: Jein. § 7 des BUrlG beschäftigt sich mit der zeitlichen Festlegung des Urlaubs und bestimmt, dass dem Arbeitnehmer mindestens zwölf aufeinanderfolgende Werktage zustehen (sofern er überhaupt einen Jahresurlaubsanspruch von mehr als zwölf Tagen hat). Hintergrund dessen ist, dass der Arbeitgeber – wenn Ihnen beispielsweise 30 Urlaubstage im Jahr vertraglich zustehen – Ihren Urlaub nicht nach eigenem Gutdünken in 30 Häppchen übers Jahr verteilt bestimmen darf.

Dem Arbeitnehmer soll so die Möglichkeit gegeben werden, über einen längeren Zeitraum am Stück sich zu erholen. Aber: Sollten Sie Ihrerseits aber viele kleine Kurzurlaube wollen, ist eine solche Stückelung Ihres Jahresurlaubsanspruchs theoretisch möglich.

Was die zeitliche Lage Ihres Urlaubs anbelangt, so hat Ihr Arbeitgeber durchaus ein Wörtchen mitzureden. Die richtet sich nämlich nach sozialen Gesichtspunkten und betrieblichen Belangen. Es findet eine Interessensabwägung statt, welchem Arbeitnehmer zuerst Urlaub zusteht und die richtet sich nach…

  • Alter,
  • Dauer der Betriebszugehörigkeit,
  • Zahl und Schulpflicht der Kinder,
  • Berufstätigkeit des Ehegatten und
  • Krankheit des Arbeitnehmers.

Sollten Sie beispielsweise ein 23-Jähriger kinderloser Single sein, dann wird die zweifache Mutter, die seit zehn Jahren im Unternehmen beschäftigt ist, in jedem Fall bevorzugt werden. Denn bei schulpflichtigen Kindern ist sie in Ihrer Urlaubsplanung deutlich eingeschränkter und muss sich nach den Ferienzeiten der Schulen richten.

Sie haben somit auch keinen Anspruch auf Brückentage – was aber umgekehrt nicht heißt, dass Sie keinesfalls in den Sommerferien oder über Fronleichnam Urlaub nehmen dürfen: Es heißt nur, dass Sie keinen gesetzlich einklagbaren Anspruch haben. Sofern das Arbeitsaufkommen im Betrieb und die Urlaubspläne der Kollegen mit Kindern es zulassen, können Sie also sehr wohl Ihren Jahresurlaubsanspruch entsprechend umsetzen.

Kündigung: Was passiert mit meinem Jahresurlaubsanspruch?

Im Falle einer Kündigung muss der Arbeitnehmer seinen Resturlaub nehmen. Häufig gestaltet sich das so, dass ein Arbeitnehmer beispielsweise eigentlich am Monatsende seinen letzten Arbeitstag hätte. Weil ihm aber beispielsweise noch zwei Wochen aus seinem Jahresurlaubsanspruch zustehen, verlässt er das Unternehmen bereits zur Monatsmitte.

Ist es nicht möglich, den Resturlaub bis zum Ausscheiden aus dem Betrieb zu nehmen, muss der Arbeitgeber als Ersatz für die verbleibenden Tage ein Urlaubsentgelt zahlen. Das sollte nicht mit dem Urlaubsgeld verwechselt werden, dass unabhängig vom Jahresurlaubsanspruch außerdem noch gezahlt werden kann.

Ungeachtet dessen, ob Sie gekündigt haben oder Ihnen gekündigt wurde, richtet sich Ihr Anspruch auf Urlaubstage nach dem Zeitpunkt der Kündigung:

  • Wer zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni das Unternehmen verlässt, erwirbt wie bei der Probezeit für jeden vollen Monat ein Zwölftel des Jahresurlaubsanspruchs.
  • Wer zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember das Unternehmen verlässt, hat Anspruch auf den kompletten Urlaub (sofern Sie seit dem 1. Januar im Unternehmen beschäftigt waren – anderenfalls erwerben Sie nur anteilig).
[Bildnachweis: PixieMe by Shutterstock.com]
20. Mai 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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