Krankfeiern – aber richtig

Krankfeiern: sprachlich ein Oxymoron, praktisch ein Problem. Wann muss ich mich beim Arbeitgeber melden, wenn mich das Wintervirus gepackt hat? Brauche ich ein Attest? Und darf ich überhaupt vor die Türe gehen, wenn ich krankgeschrieben bin? Wir haben die wichtigsten Fragen für Sie zusammengefasst – und sagen Ihnen, wie Sie richtig „krankfeiern“.

Krankfeiern - aber richtig

Krankfeiern Bedeutung: Krank sein oder krank machen?

Krank feiern Gründe Krankfeiern Kündigung BedeutungSo restlos klar ist die Bedeutung von krankfeiern nicht: Ist jemand nun wirklich krank oder simuliert er? Der Duden gibt unter dem Stichwort Folgendes an:

  1. (umgangssprachlich scherzhaft) für einige Zeit der Arbeit fernbleiben, ohne wirklich so krank zu sein, dass es ein Zuhausebleiben rechtfertigt
  2. (landschaftlich) arbeitsunfähig sein

Und mit feiern verbinden die meisten Menschen vermutlich so einiges, aber nicht krank sein. Hier ist im Wesentlichen von krankfeiern in der Bedeutung von krank sein die Rede.

Wer sich im Internet informieren will, was im Krankheitsfalle zu beachten ist, stößt bei der Suche nach krankfeiern schnell auf Seiten, die Krankfeiern-Ausreden, also Anleitung zum Betrug anbieten. Denn nichts anderes ist es letztlich und darüber sollte sich jeder Arbeitnehmer im Klaren sein:

Natürlich hat nicht jeder das gleiche Schmerzempfinden und selbst Erkältungen können fies sein, so dass Erholung zuhause absolut gerechtfertigt ist. Wer aber Unpässlichkeiten vortäuscht, um sich „Sonderurlaub“ zu erschwindeln, schadet – und zwar dem Arbeitgeber, den Kollegen und letztlich sich selbst.

Das Unternehmen hat womöglich finanzielle Einbußen, weil eine Arbeitskraft fehlt. Die Arbeitsmoral der Kollegen sinkt, wenn sich herausstellt, dass manche Angestellten es nicht so genau nehmen. Und schließlich leidet die eigene Reputation darunter.

Krank: Was tun?

Sollten Sie sich gerade im heimischen Krankenbett durch die Karrierebibel klicken, lassen Sie sich Folgendes gesagt sein. Erstens: Sie dürfen das (dazu später mehr). Und zweitens: Sie sind nicht alleine. 17,6 Tage hat jeder Arbeitnehmer in Deutschland 2013 im Schnitt gefehlt. In rund 35 Prozent aller Fälle begann die Arbeitsunfähigkeit dabei an einem Montag. Diese Zahlen offenbarte der Gesundheitsreport 2014 des BKK-Dachverbands.

Was aber konkret tun, wenn Sie die Bronchitis erwischt oder die Grippe in den Schwitzkasten genommen hat? Sobald Sie krank sind, müssen Sie sich beim Arbeitgeber melden – noch bevor Sie einen Arzt aufsuchen.

In § 5 des Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) ist die Frist für eine Krankmeldung verankert. Dort heißt es, dass der Arbeitgeber „unverzüglich“ über die Arbeitsunfähigkeit zu informieren ist.

Nicht andersherum, sonst droht Ihnen sogar eine Abmahnung. Am besten rufen Sie im Büro an, damit Sie sicher sein können, dass die Botschaft auch angekommen ist. Dies ist bei einer E-Mail oder SMS in der Form natürlich nicht gegeben.

Falls Sie sich beim Krankheitsbeginn im Ausland aufhalten, müssen Sie zudem Ihre Adresse schnellstmöglich übermitteln. Ein Attest – genauer gesagt: den Durchschlag – vom Arzt müssen Sie Ihrem Arbeitgeber spätestens drei Tage nach Krankschreibung vorlegen. Der größere Zettel wird bei der Krankenkasse eingereicht.

Theoretisch kann Ihr Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen bereits am ersten Tag der Krankheit ein Attest von Ihnen verlangen. Viele Arbeitgeber machen von dieser Möglichkeit aber ungern Gebrauch, da die Gefahr besteht, dass der Arbeitnehmer dann länger krankgeschrieben wird, als er ohne Arbeitsunfähigkeitsbescheingung fehlen würde.

Oft gibt es dazu spezielle Betriebsvereinbarungen. Werfen Sie also diesbezüglich zunächst einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag.

Krank feiern Gründe: Muss ich zuhause bleiben?

Vor einigen Jahren machte eine kuriose Nachricht aus der Schweiz die Runde: Eine Versicherungsangestellte war wegen einer Migräne-Attacke für einen Tag zuhause geblieben – und eine Woche später ihren Job los.

Begründung des Arbeitgebers: Die junge Frau sei während der Krankheit auf Facebook aktiv gewesen – und wer das könne, könne auch im Büro am Bildschirm arbeiten.

Viele Arbeitgeber sind sich unsicher, was sie tun dürfen während einer Krankmeldung und was nicht – es kursieren Halbwahrheiten. Zunächst einmal: In Deutschland ist eine fristlose Entlassung während der Krankschreibung sehr unwahrscheinlich.

Die Hürden für Unternehmen, einem Arbeitnehmer währenddessen zu kündigen, sind vergleichsweise hoch. Wenn Sie also während Ihrer Krankheit einem Kollegen oder gar Ihrem Chef mittags im Supermarkt begegnen, müssen Sie sich nicht gleich hinter dem Gemüseregal verstecken.

Was Sie während Ihrer Krankheit nicht zwingend müssen:

  • Das Bett hüten.
  • Telefonisch erreichbar sein.
  • Zuhause bleiben.

Wichtig aber ist, dass Sie mit Ihrem Verhalten nicht Ihre Genesung behindern. Bei einer Grippe etwa sollten Sie im Winter nicht in Sommerkleidung durch den Park spazieren. Bei einer Depression wiederum könnte es sogar sinnvoll sein, nachmittags den Blockbuster im Kino zu schauen oder ein paar Bahnen im Schwimmbad zu ziehen.

Klar sollte sein: In der großen Mehrzahl der Fälle schaden Sie Ihrem kranken Körper, wenn Sie Sport treiben, shoppen oder feiern gehen. Hier sollten Sie also zumindest gut abwägen.

Und: Aktivitäten, die Sie auch bei der Arbeit verrichten, sind bei einer Erkrankung tabu. Um noch einmal auf das Eingangsbeispiel zurückzukommen: Wer als Social Media Manager seine Brötchen verdient, sollte sich verkneifen, vom Bett aus aktuelle Fotos auf Instagram zu posten oder fleißig zu twittern. Dies aber nur als allgemeine Richtschnur – und nicht als rechtsverbindliche Beratung.

Dem Arzt kommt hier auf jeden Fall eine besondere Bedeutung zu. Wenn er Ihnen absolute Bettruhe verschreibt, gilt diese auch.

Tipp: Fragen Sie Ihren Arzt explizit danach, was Sie tun und nicht tun dürfen – und lassen Sie sich das im Zweifel schriftlich geben.

Krankfeiern Kündigung: Rechte des Arbeitgebers

krankfeiern Kündigung Gründe RückenschmerzenArbeitnehmer, die krankfeiern müssen glücklicherweise nicht gleich mit einer Kündigung rechnen. Wer jedoch Anlass zur Vermutung gibt, dass seine Krankheit nur vorgetäuscht ist, sollte auf der Hut sein.

Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Arbeitgeber genesungswidriges Verhalten feststellt: Wer sich krankgemeldet hat und womöglich noch auf seinen Bandscheibenvorfall hinweist, allerdings kurz darauf beim Möbel schleppen beobachtet wird, erscheint unglaubwürdig.

Tatsächlich hat der Chef das Recht, seinen Angestellten hinterherzuschnüffeln, wenn begründeter Verdacht vorliegt:

  • Das ist vor allem dann, wenn ein Arbeitnehmer immer montags oder an Brückentagen krank wird. Auch unmittelbar vor und nach dem Urlaub ist verdächtig, wenn es gehäuft auftritt.
  • Oder aber es existiert die Regelung im Unternehmen, dass erst zum dritten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorgelegt werden muss – und merkwürdigerweise ist der Mitarbeiter nie länger als zwei Tage krank, dafür allerdings andauernd.
  • Der Mitarbeiter verweigert die Untersuchung bei einem Betriebsarzt oder dem Medizinischen Dienst.
  • Der Arbeitnehmer wird bei Handlungen beobachtet, die einer baldigen Genesung entgegen stehen, beispielsweise tauchen in sozialen Netzwerken wilde Partyfotos auf.

Zu den Rechten des Arbeitgebers gehört es daher auch, beispielsweise seinen Mitarbeiter mit dem Smartphone zu knipsen, wenn er ihn zufällig auf der Straße sieht, obwohl dieser krankfeiert. Der Chef muss in irgendeiner Form dokumentieren und nachweisen können, dass der Arbeitnehmer ihn hintergeht.

Allerdings: Das allein ist nicht zwangsläufig ein Beweis, es kommt auf den Kontext an. Obiges Beispiel würde sich eignen – ist jemand hingegen lediglich auf dem Weg zur Apotheke oder besorgt einige Lebensmittel, so dürfte die Aussagekraft eher mau sein.

Ebenso darf der Chef einen Detektiv beauftragen, um in Erfahrung zu bringen, ob der Arbeitnehmer womöglich simuliert. Bis es dazu kommt, dürfte allerdings einiges Porzellan zerbrochen sein, denn es gibt keine Erfolgsgarantie und ist teuer. Die Kosten dürfen jedoch im Erfolgsfalle an den Arbeitnehmer weitergeleitet werden.

Kommt der Arbeitnehmer seiner Nachweispflicht nicht nach, kann dies eine Abmahnung und bei wiederholten Verstößen eine verhaltensbedingte Kündigung zur Folge haben. Kann der Arbeitgeber nachweisen, dass der Mitarbeiter ihn betrügt, ist ebenfalls eine fristlose Kündigung möglich.

Bis es wirklich zu einer krankheitsbedingten Kündigung kommt, muss ein Arbeitnehmer über ein ganzes Jahr hinweg gefehlt haben. Darüber hinaus muss erwiesen sein, dass er nicht in der Lage ist, seine Arbeit wieder aufzunehmen. Anderenfalls kommt es – beispielsweise nach einer Krebserkrankung – zur Wiedereingliederung.

Krankheit: Wer zahlt?

Für sechs Wochen muss Ihnen Ihr Arbeitgeber das volle Gehalt weiterzahlen. Nach dem Ende dieser Entgeltfortzahlung übernimmt die Krankenkasse. Sie zahlt für maximal anderthalb Jahre 70 Prozent Ihres Lohns.

Kompliziert wird es erst bei außergewöhnlichen Szenarien.

Ein Beispiel:

Angenommen, Sie fehlen sechs Wochen lang wegen einer Lungenentzündung, arbeiten daraufhin wieder zwei Wochen im Betrieb und fallen dann wegen eines Bandscheibenvorfalls erneut für sechs Wochen aus. In beiden Fällen zahlt der Arbeitgeber Ihr Gehalt für die Zeit Ihrer Krankschreibung. Sollte Sie der Bandscheibenvorfall aber noch während Ihrer Lungenentzündung ereilen, wird die Entgeltfortzahlung (nach den ersten) sechs Wochen eingestellt.

Und wenn ich im Urlaub krank werde?

Wer im Urlaub krank wird, kann sich seine freien Tage zurückholen. Dann besteht sofortiger Handlungsbedarf: Suchen Sie direkt am ersten Krankheitstag einen Arzt auf und lassen sich krankschreiben – nachdem Sie sich beim Arbeitgeber krankgemeldet haben.

Allerdings gilt es auch hier abzuwägen: Wenn Sie in den eigenen vier Wänden das Bett hüten, gibt es keinen Grund, sich die Urlaubstage nicht unverzüglich wiederzuholen. Sofern Ihnen aber während Ihrer Backpacker-Fernreise eine leichte Sommergrippe zu schaffen macht, ist es zumindest eine Überlegung wert, auf den Urlaubsanspruch aus praktischen Erwägungen zu verzichten.

Denn: Nicht jedes Attest aus dem Ausland wird in Deutschland anerkannt. Ob der Wisch eines zwielichtigen Hinterhofarztes der hiesigen Nachweispflicht genügt, darf bezweifelt werden. Auch könnte der Arbeitgeber auf die Idee kommen, Ihre Krankheit vor Ort (zum Beispiel durch einen Detektiv) prüfen zu lassen. Ob sich der Aufwand lohnt, entscheiden aber natürlich Sie.

So oder so wichtig: Verlängern Sie Ihren Urlaub niemals eigenmächtig. Das wäre Selbstbeurlaubung und wird vom Bundesarbeitsgericht als Arbeitsverweigerung gewertet. Kommt es regelmäßig vor, ist es ein Grund für eine fristlose Kündigung.

Was ist eigentlich mit meinem kranken Kind?

Auch wenn Ihr Kind krank wird, haben Sie das Recht auf bezahlte Freistellung. Mindestens fünf Tage im Jahr können Arbeitnehmer pro Kind krankheitsbedingt der Arbeit fernbleiben. Das gilt aber nur, wenn…

  • Sie mit einer ärztlichen Bescheinigung den Nachweis erbringen,
  • Ihr Kind jünger als zwölf Jahre ist,
  • Sie niemanden haben, der das Kind betreuen kann.

Darüber hinaus haben gesetzlich Versicherte die Möglichkeit, für weitere fünf Tage (Alleinerziehende 15 Tage) das sogenannte Kinderpflegekrankengeld zu beantragen, das 70 Prozent des Bruttoverdienstes beträgt.

[Bildnachweis: Marcos Mesa Sam Wordley by Shutterstock.com ]
19. Januar 2015 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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